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Allgemein Kultur Menschen

Der Bühnenzauber!

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Wie die Musik uns doch alle irgendwie zusammenführt

Hier wie anderswo hat sich der schöne Brauch der ‚Offenen Bühne‘ eingebürgert. Darunter versteht man ein Forum, auf dem Hoch- aber auch Minderbegabte zum ersten Mal die Gelegenheit erhalten, sich einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren.

Initiator dieser Veranstaltung ist in unserem Ort seit längerem ein junger Mann namens Günther, den man mehr wegen seines organi-satorischen Talents als wegen seiner musikalischen Fähigkeiten schätzt. Nicht verschwiegen werden soll hier aber vor allem sein Charisma, mit dem er einzelne Acts präsentiert. Wie z.B. kürzlich, als er eine neu zugezogene Ukrainerin einführte, die im Folgenden mit ihrer Darbietung ukrainischer Folklore die Zuhörer eher ratlos zurückließ.

Wollte man das Vorgetragene einem Außenstehenden vermitteln, so böte sich hier am ehesten vielleicht der Vergleich mit einem Gericht an: dem Borschtsch, der mit seiner Mischung aus Rote Beete und Weißkraut in der Ukraine zwar hochgeschätzt, bei uns aber eher nicht populär ist. So war der Beifall nach dem Auftritt auch eher verhalten und galt galt eher dem Mut des Veranstalters, einer eingewanderten Sängerin die Möglichkeit zu geben zu zeigen, was in ihrem Herkunftsland musikalisch alles so möglich ist.

Immerhin hatte sie mit ihrem Vortrag das persönliche Interesse des Veranstalters geweckt, und so war es nicht verwunderlich, dass der Impresario sein Publikum mit der Ankündigung einer „weiteren Sensation“ neugierig machte. Es sei ihm nämlich gelungen, demnächst auch auch ihre Schwester „für einen Auftritt zu gewinnen“.

Auch diese Ankündigung wurde freundlich zu Kenntnis genommen, und so kam es, dass zwei Wochen später eine junge Frau die Bühne bestieg und – quasi als Ergänzung zum Vortrag ihrer Schwester – dem Ganzen noch eins draufsetzte. Die jüngst Zugezogene präsentierte zum ersten Mal im Westen ihr kürzlich erarbeitetes Lied: „Am Sukiyaki“, ein Titel, der 1963 ein Riesenhit für die Blue Diamonds war. Das Interessante an dem Vortrag war dabei das Halbauthentische der Darbietung. Die Ukrainerin sang den Schlager irgendwie auf Japanisch, womit sie nach Angabe des Veranstalters auch schon in Japan begeistert hatte.

Dies steigerte den Reiz des Vortrags beträchtlich, was sich im Beifall niederschlug, der anlassgemäß stark war, dann aber doch abfiel, als Günther mitteilte, dass demnächst auch noch die Mutter aus Kiew käme.

Allgemein Menschen Stadtstreicher

Der Glückspilz

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Gestern hörte ich von einem glücklichen Menschen. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann, der mich in einem guten Baden-Badener Modegeschäft immer außerordentlich kompetent und zuvorkommend bedient hatte.

Er hatte aus seinem Schwulsein nie einen Hehl gemacht. Betrat ich das Geschäft, begrüßten wir uns freundlich ironisch. Ich nannte ihn beim Hereinkommen ‚schöner Mann’. Er  wiederum dankte es mir mit einem: ‚junger Freund’. Bei dieser Anrede stimmte weder das Adjektiv noch das Substantiv. Aber wir hielten es halt so. Ansonsten war damit der freundlichen Eingangsform genüge getan und man konnte zum meist erfreulichen Einkauf schreiten.

Eines Tages aber war er nicht mehr da. Auf Nachfrage erfuhr ich, er habe die Arbeitsstelle gewechselt. Nach mehreren beruflichen Stationen, hätte er nun ganz offensichtlich seine wahre Bestimmung gefunden. Er arbeite jetzt als Wurst- und Fleischfachverkäufer in einer Metzgerei.

Hatte er mir noch kürzlich zu dieser einzigartigen Verbindung aus Kaschmir und Seide geraten,  empfiehlt er  jetzt wahrscheinlich Schweineschnitzel vom Hals. Gut durchwachsen und derzeit im Angebot.

Es scheint, als gälte auch in diesem Fall: spätes Glück nicht ausgeschlossen.

Menschen

Das Glück in der Hand

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Wenn Winfried Kretschmann einmal frei hat

Wir haben ja hier nicht die Absicht, badisches Öl ins schwäbische Feuer zu gießen, und doch müssen wir uns wundern, was unser Ministerpräsident so alles tut, wenn er mal nichts tut.

Wie also entspannt sich unser Landesvater? Hier bietet sich zunächst ein vergleichender Blick über die Grenze zu unseren französischen Nachbarn an. Französische Politiker z.B. sind stolz darauf, zur Entspannung in der Academie Francaise vornehmlich mit Geistesgrößen des eigenen Landes zu parlieren. Dominique de Villepin, der frühere Außenminister (wegen seiner Eitelkeit auch Minister „des schönen Äußeren“ genannt), versteht sich sowohl als Politiker als auch als Dichter. François Mitterand wiederum pflegte gerade in seinen letzten Lebensjahren immer wieder intensiven Kontakt zu einem Philosophen, mit dem er sich über das Leben, den Tod und solcherlei Dinge austauschte. Lassen wir unseren Blick noch weiter schweifen, nach England, über den Kanal. Dort hatte 1952 Winston Churchill für sein literarisches Schaffen gar den Literaturnobelpreis erhalten.

Doch zurück in die Heimat. Carlo Schmid, Staatsrechtler, von 1946 bis 1952 Mitglied des Landtages Württemberg-Hohenzollern, Ehrenbürger von Mannheim und Tübingen, wusste neben seiner politischen Arbeit ebenfalls um den Eros literarischen Tuns: als Übersetzer des Werkes von Andre Malraux war er hoch geehrt. Seine Reden im Landtag und im Bundestag waren zudem Zeugnisse hoher intellektueller Fähigkeiten. Ein ‚homme de lettres´.

Dies alles sollte man wissen, will man ermessen, wann und wo unserem Landesvater Winfried Kretschmann das hohe Glück der Kontemplation widerfährt. Ganz anders als sein Vorgänger Erwin Teufel, der Stille und Ruhe in klösterlicher Abgeschiedenheit fand, sucht und findet der derzeitige Landesvater seine innere Balance nach eigener Aussage weit draußen vor der Stadt, im Baumarkt. Dort, zwischen dem ‚Weber Grillrostreiniger‘, dem ‚Gartenhaus Neckar 2‘ und der ‚Brausegarnitur Tahiti‘ trifft man einen rundum zufriedenen Ministerpräsidenten. Dann nimmt er je verschiedene Bohrmaschinen in die Hand, wägt und prüft, betrachtet und befühlt. Jetzt ist das Glück nicht mehr flüchtig. Er hält es in der Hand.

Doch wäre er kein Schwabe, wüsste er das Angenehme nicht auch mit dem Nützlichen, dem Einsichtsbringenden zu verbinden. Mit der Black & Decker in seiner Rechten sinnt er darüber nach, wie Max Weber das wohl gemeint hatte, als er schrieb, die Politik sei „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“.

Dann legt er die Bohrmaschine wieder zurück und denkt, dass es die alte noch ein Weilchen tut.

Allgemein Essen & Trinken Menschen

Besuch bei schwäbischen Freunden

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220px-ZimmererSiegelAuf der Suche nach der dortigen Seele

Wenn unsereiner die kleine Stadt verlässt, die ja so schön ist, dass man ihren Namen zwei Mal nennen muss, dann sollte es sich bitte schön doch lohnen. Tübingen z.B. wäre schon mal so eine Reise wert. Tübingen! Stadt der Philosophen, der verblichenen Denker und eines grünen Oberbürgermeisters mit dem Namen Boris Palmer, der aber noch lebt. Ernst Bloch aber ist tot, Hans Mayer weilt schon lange nicht mehr unter uns, und Walter Jens ist nach langer Krankheit nun auch schon verstorben. Wollte man diese Geistesgrößen früher treffen, musste man nur in der Osiander’schen Buchhandlung in der Metzgergasse vorbeischauen. Da konnte man an je bestimmten Tagen dem Weltgeist beim Teetrinken zusehen.

Aber das ist ja nun schon ein Weilchen her. Nix mehr mit Weltgeist beim Tee. Dann also das Alternativprogramm. Ich beschließe, ein mir empfohlenes Restaurant in der Ammergasse aufzusuchen. Dort gibt’s zwar allenfalls Himbeergeist, dafür aber Maultaschen und Schwabenbräu, serviert von einer Bedienung, die wieder einmal bestätigt, dass Freundlichkeit in schwäbischen Wirtschaften allenfalls ein formlos erklärter Gewaltverzicht ist. Diese sicherlich nett gemeinten Grobheiten wurden aber mehr als wettgemacht durch den Unterhaltungswert zweier Zimmerleute, die sich am Nachbartisch über die Figur des Widerstandskämpfers Graf Stauffenberg in die Haare gerieten. Der eine sagte, für ihn sei Stauffenberg ein Held. Der andere bezeichnete ihn als Arschloch. Damit war der Begrifflichkeit genüge getan, und man konnte ans Streiten gehen.

Ich möchte hier nicht die Auseinandersetzung in allen Verästelungen wiedergeben. Nur soviel: nach heftigsten Wortwechseln mit angedrohten Schlägen kam es zu guter Letzt dann doch noch zu einer Versöhnung. Ob darüber die Figur Graf Stauffenbergs auf der Strecke geblieben war, hatte ich irgendwie nicht ganz mitbekommen, steht aber zu vermuten. Mittlerweile hatte sich zudem noch die Bedienung vor mir aufgebaut und bellte: „Zahle“, wobei ich nicht wusste, ob dies als Frage oder Befehl zu verstehen war.

Was mir aber noch deutlich in Erinnerung geblieben ist, war der Satz, den der eine Zimmermann dem anderen dann doch noch fröhlich versöhnt zugerufen hatte. „Woisch was: jetzt trinksch ä klöis Bier auf mei Rechnung“.

Dieser an sich schlichte Satz bedarf aus gegebenem Anlass – noch sind wir in der Denkerstadt Tübingen! – der hermeneutischen Deutung. „Woisch was“ (das weist auf den Hammer hin, der gleich kommt). „Jetzt trinksch…“ (ich trinke nicht mit) „ä klöis Bier“ (kein großes, sondern ein kleines Bier) „auf mei Rechnung“. Der Bestellende ist also zahlungswillig. Damit das alles klar ist.

Im Badischen hätte es geheißen: „Jetzt trinken wir ein Bier“. Dann wäre klar gewesen: zunächst einmal ist das ein ganz normaler Vorgang. Weiter: wir trinken zwei Gläser Bier und zwar große. Im übrigen trinke ich mit, und das ganze geht natürlich auf meine Rechnung.

Soweit, so badisch. Irgendwie muss man sie einfach lieben, unsere Schwaben…!

Allgemein Auswärts Menschen

Die Sprechstunde

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Ich kaufe gern bei Breuninger. An diesem Kaufhaus schätze ich den beträchtlichen Fundus an tragbarer Kleidung, aber  auch sein freundlich beratendes Personal.

Auf dessen Rat war ich angewiesen, denn ich hatte einmal mehr Probleme mit meiner ‚Breuninger Card´. Der Trick ist der: hat man eine solche, gibt’s zusätzlichen Rabatt. Ich muss aber sagen, dass der Einsatz dieser Karte ziemliche Abrechnungskomplikationen nach sich ziehen, worauf immer mal wieder Mahngebühren anfallen, die aber durch die eingeräumten Rabatte teilweise wieder wettgemacht werden.

Einmal mehr also stand ich also wegen so einer Beratung am Serviceschalter, als eine nette junge Dame sich erbot, mir bei der Lösung meines Problems behilflich zu sein. Zunächst also sah ich mich wiederholt in die Untiefen der Karte eingewiesen. Vergeblich. Einer möglichen Lösung näher brächte uns beiden, der Beraterin und mir, aber schon einmal das Überlassen meiner Iban Nummer. Als die Dame mir nach Kopie der Nummer meine Scheckkarte zurückgab, fiel ihr mein Doktortitel auf. Sie stutzte, sah mich an und fragte, ob ich ihr vielleicht bei der Lösung eines eigenen Problems behilflich sein könne? Es sei nämlich so, dass ihr Hausarzt sich Ende des Monats leider in den Ruhestand verabschieden würde und nun suche sie für sich einen neuen Arzt. Ob ich vielleicht…?

Nicht auszuschließen, dass einige Punkte meiner Erscheinung einem fiktiven Ärztebild ziemlich nahekommen: leidlich einnehmendes Äußeres, eher weniger Haare, dabei aber eine vertrauenserweckend dunkle Stimme. Kurz: ein Mediziner.

Diesem Bild entsprechend wäre es für mich im folgenden ein leichtes gewesen, der hilfesuchenden Dame – wie es die Ärzte üblicherweise tun – nach langen gründlichen Untersuchungen maßvolles Essen und Bewegung an der frischen Luft zu verordnen. Doch ließ mich allein schon der Gedanke in die Falle einer Amtsanmaßung zu tappen, vor dem entscheidenden Schritt zurückschrecken. So gab ich meine wirkliche Identität preis. Ich sei Musikwissenschaftler. Bräuchte sie Hilfe, könne ich ihr z.B. aber sagen, wenn sie falsch singt. 

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