Allgemein Essen & Trinken Stadtstreicher

Eis auf Rädern

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Eisverkäufer in Rom 1820

Seien wir mal ehrlich: das Maiwetter war bislang ja nicht so toll. Bedeckter Himmel, Sturm, Regen. Es kann nur besser werden. In Erwartung kommender Sonnenstrahlen hatte ich mich deshalb schon mal meiner großen Leidenschaft hingegeben: Eis essen.

In Eis könnte ich mich – wie man so sagt – reinlegen. Meistens nehme ich drei Kugeln, was für mich genau in der Mitte zwischen zu wenig und zu viel ist. Zwei Kugeln wären zu wenig, vier zu viel. Was ich hier aber noch sagen sollte, ist, dass ich Eis gern mit Sahne esse. Das ist so eine Marotte von mir. Da bietet sich jetzt einmal der Vergleich mit einem Edelstein an: auch der braucht ja eine Fassung, um seine Schönheit voll zur Geltung zu bringen. So in etwa verhält es sich bei mir mit Eis und Sahne. Nur ist es beim Eis der Geschmack. Mit Sahne schmeckt’s mir halt noch besser.

In der Regel nehme ich mein Eis im Becher, denn es hat sich gezeigt, dass im Laufe des Verzehrs die gefrorene Masse flüssig wird. Ich fühle mich dann immer ein bisschen gehetzt. Beginnt nämlich das Eis zu schmelzen, bin ich gezwungen auf Tropfenjagd zu gehen. Nix für mich. Deshalb immer besser mit Becher. Ja, busbezogen könnte man sagen: ich bin ein Fahrgast der nicht tropft. So genießt es sich einfach entspannter.

Kein Verbotsschild weit und breit

Ziemlich unentspannt war es dann aber neulich, als ich mit meinem Eisbecher wieder mal in einen Bus steigen wollte. Den Vorschriften entsprechend betrat ich das öffentliche Verkehrsmittel durch die Fahrertür, knallte dabei ungebremst auf einen Busfahrer, der mich knapp beschied: Kein Eis! Vorschrift! Na ja, dachte ich: der Mann hat’s halt am Magen. Ich nehme den nächsten. Jetzt kam’s noch schlimmer. Im nächsten Bus saß am Steuer eine etwa 45jährige, stark berlinernde Amazone, die ich, wenn ich mich nicht täusche, schon mal in einem James Bond Film gesehen hatte. Dort spielte sie eine Stasi Generalin, die immer versuchte, die Agenten des MI 5 durch einen kleinen vergifteten Dorn, den sie aus der Spitze ihres Schuhs ausfährt, umzubringen. In meinem Fall ließ sie die Füße gottseidank auf den Pedalen, aber wie sie das ‚kein Eis im Bus’ bellte, erinnerte mich stark daran, dass die deutschen Einheit noch nicht in allen Lebensbereichen vollzogen ist.

Der dritte Busfahrer war etwas netter, trotzdem erfolgte ‚kein Zustieg‘. Man muss die Bibel nicht kennen, um nachvollziehen zu können, wie das mit der Herbergsuche im Heiligen Land gewesen sein könnte, als die Hl. Familie an Weihnachten Einlass begehrte und man sie draußen stehen ließ.

Derweilen begann mein Eis schon langsam zu laufen. Ich aber stand noch. Neben mir jede Menge Schüler, die, in je einzelnen ‚Friday for future’ Gruppen, umweltbewusst in vorfahrende Busse gestiegen waren oder noch steigen wollten. Was mir zwischenzeitlich auffiel – mittlerweile hatte ich mich zur zweiten Geschmacksrichtung („Amarena“) durchgespachtelt – war, dass sie den Bus nie durch die Fahrertür bestiegen, sondern praktischerweise gleich den hinteren Eingang nahmen. Während es also dort hinten zu massenweisen Verstößen gegen offensichtliche Vorschriften kam, hatte der Fahrer dadurch vorne im Bus bedauerlicherweise alle Hände frei, um einem grundehrlichen Eisesser wie mir mit Verweis auf eben diese Vorschrift den Zutritt zu verwehren.

Als sich nun der vierte Bus der Haltstelle näherte, mein Eisbecher noch keineswegs leer war, hatte ich erst mal genug. Ich ergriff die Gelegenheit, mischte mich zwischen eine halbe Schulklasse und bestieg wie diese den hinteren Teil des Busses. Dort setzte ich mich (Sichtschutz) mit dem Rücken zum Fahrer.

Jetzt war meine Freude groß. Ich genoss den Rechtsverstoß, denn während sich der Bus langsam in Bewegung setzte, gab ich mich zügig dem Genuss meiner dritten Eiskugel hin. Unbehelligt von Verboten, ließ ich mich in einen Zustand relativer Glückseligkeit schaukeln. Weit hinter mir der Fahrer. Vor mir die letzte Portion. Die Sorte heißt „Rhumba“, und keiner wird mir verdenken, wenn ich sage, dass ich gerade mit dieser Geschmacksrichtung immer ein bisschen Weite, Urlaub und Karibik verbinde. Frei von allen Zwängen. Chillen. Von Haltestelle zu Haltestelle.

 

Allgemein Essen & Trinken Menschen

Besuch bei schwäbischen Freunden

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220px-ZimmererSiegelAuf der Suche nach der dortigen Seele

Wenn unsereiner die kleine Stadt verlässt, die ja so schön ist, dass man ihren Namen zwei Mal nennen muss, dann sollte es sich bitte schön doch lohnen. Tübingen z.B. wäre schon mal so eine Reise wert. Tübingen! Stadt der Philosophen, der verblichenen Denker und eines grünen Oberbürgermeisters mit dem Namen Boris Palmer, der aber noch lebt. Ernst Bloch aber ist tot, Hans Mayer weilt schon lange nicht mehr unter uns, und Walter Jens ist nach langer Krankheit nun auch schon verstorben. Wollte man diese Geistesgrößen früher treffen, musste man nur in der Osiander’schen Buchhandlung in der Metzgergasse vorbeischauen. Da konnte man an je bestimmten Tagen dem Weltgeist beim Teetrinken zusehen.

Aber das ist ja nun schon ein Weilchen her. Nix mehr mit Weltgeist beim Tee. Dann also das Alternativprogramm. Ich beschließe, ein mir empfohlenes Restaurant in der Ammergasse aufzusuchen. Dort gibt’s zwar allenfalls Himbeergeist, dafür aber Maultaschen und Schwabenbräu, serviert von einer Bedienung, die wieder einmal bestätigt, dass Freundlichkeit in schwäbischen Wirtschaften allenfalls ein formlos erklärter Gewaltverzicht ist. Diese sicherlich nett gemeinten Grobheiten wurden aber mehr als wettgemacht durch den Unterhaltungswert zweier Zimmerleute, die sich am Nachbartisch über die Figur des Widerstandskämpfers Graf Stauffenberg in die Haare gerieten. Der eine sagte, für ihn sei Stauffenberg ein Held. Der andere bezeichnete ihn als Arschloch. Damit war der Begrifflichkeit genüge getan, und man konnte ans Streiten gehen.

Ich möchte hier nicht die Auseinandersetzung in allen Verästelungen wiedergeben. Nur soviel: nach heftigsten Wortwechseln mit angedrohten Schlägen kam es zu guter Letzt dann doch noch zu einer Versöhnung. Ob darüber die Figur Graf Stauffenbergs auf der Strecke geblieben war, hatte ich irgendwie nicht ganz mitbekommen, steht aber zu vermuten. Mittlerweile hatte sich zudem noch die Bedienung vor mir aufgebaut und bellte: „Zahle“, wobei ich nicht wusste, ob dies als Frage oder Befehl zu verstehen war.

Was mir aber noch deutlich in Erinnerung geblieben ist, war der Satz, den der eine Zimmermann dem anderen dann doch noch fröhlich versöhnt zugerufen hatte. „Woisch was: jetzt trinksch ä klöis Bier auf mei Rechnung“.

Dieser an sich schlichte Satz bedarf aus gegebenem Anlass – noch sind wir in der Denkerstadt Tübingen! – der hermeneutischen Deutung. „Woisch was“ (das weist auf den Hammer hin, der gleich kommt). „Jetzt trinksch…“ (ich trinke nicht mit) „ä klöis Bier“ (kein großes, sondern ein kleines Bier) „auf mei Rechnung“. Der Bestellende ist also zahlungswillig. Damit das alles klar ist.

Im Badischen hätte es geheißen: „Jetzt trinken wir ein Bier“. Dann wäre klar gewesen: zunächst einmal ist das ein ganz normaler Vorgang. Weiter: wir trinken zwei Gläser Bier und zwar große. Im übrigen trinke ich mit, und das ganze geht natürlich auf meine Rechnung.

Soweit, so badisch. Irgendwie muss man sie einfach lieben, unsere Schwaben…!

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Der Bürger allein – auf der Bühne daheim

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„Schein oder Sein – der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts“ im Museum LA 8 in Baden Baden

Sie wären ganz schön überrascht, oder vielleicht eher „geflasht“, die Selfie-verliebten Teenies an der Bushaltestelle in der Lichtentaler Straße 8, wenn sie sich die Mühe machten, ein paar Schritte in den Hof in Richtung Museumseingang zu schlendern. Im LA8, dem Baden-Badener Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, inszenieren sich nämlich Herrschaften in Frack und Seidenweste, großer Robe oder strengem schwarzen Seidenkleid samt Spitzenkragen ähnlich wie ihre Nachfahren in Löcherjeans und Skinnytops. Auch sie agieren auf der Bühne des Lebens, spielen ihre von der Gesellschaft verordneten Rollen und präsentieren sich Zeitgenossen und heutigen Betrachtern in ihrer bürgerlichen Welt des schönen Scheins – naja, den heutigen Akteuren geht es meistes weniger um großbürgerliches „Wellbeing“ als vielmehr um Originalität und Veralberung des „good good life“ à la Baden-Baden sowie der Unterstreichung der eigenen Wichtigkeit.

Wichtig nahmen sich allerdings auch die Bürger, die im 19. Jahrhundert nicht länger Zaungäste in den Hoftheatern sondern hochgeschätztes Publikum in den öffentlichen Opernhäusern und Theatern waren. Das Bildungsbürgertum begnügte sich nicht damit, in Loge und Parkett den Künstlern auf der Bühne zu applaudieren – wer es sich leisten konnte, inszenierte für Leinwand oder auch schon Kamera das eigene Wohnzimmer als Bühne, um als Minnesänger oder Gretchen für Zeitgenossen und Nachwelt zu posieren. In „lebenden Bildern“ schlüpften ganze Familien in kostbare Kostüme, um Szenen aus der Mythologie, germanischen Sagen oder beliebten Bühnenklassikern nachzustellen. Auch die Maler schufen ihre Scheinwelten: Das Nobel-Atelier mit Palmen, Triumphbögen und kostbaren Möbeln diente nur als Kulisse für Feste und Kundenfang aus den Reihen der „oberen Zehntausend“ – gearbeitet wurde ganz woanders.

Wer sich ins Rampenlicht – und sei es nur das der heimischen Lampen – begibt, ist vor Kritik nicht sicher, und so machten sich Spötter in Bild und Wort mit Begeisterung daran, an dem schönen Schein zu kratzen – wunderbar ironische Arbeiten sind in der mit viel Liebe gestalteten Ausstellung zu besichtigen. Die unmittelbare Nähe des Museums zum Baden-Badener Theater schlägt sich nicht nur in einigen Exponaten nieder: Das Haus am Goetheplatz kooperiert mit Lesungen und mehreren Veranstaltungen bis zum Ausstellungsende am 8. September mit dem Nachbarn im LA8.

Infos: „Schein oder Sein – der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts“, Museum LA8, bis 8. September, www.museumla8.de

Allgemein Menschen Stadtstreicher

Der Dackelblick

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Ich muss nicht oft in die Apotheke, aber wenn ich schon mal muss, gehe ich gern. Ich empfinde so einen Apothekengang als durchaus entspannend, vor allem, da in der Apotheke meines Vertrauens eine kleine Bank steht, die gebrechlichen Kunden etwas Schonung gewährt. Mich aber lädt die kleine Bank von Zeit zu Zeit ein, mich dort niederzulassen und meinen Blick auf die nicht allzu hohe Decke zu richten. Vor vielen, vielen Jahren hatte ein Maler dort seine hellblaue Vision vom Himmel gemalt. Es erinnert mich ein bisschen an Michelangeo’s Sixtinische Kapelle oder an den großen Freskenmaler Tiepolo. Natürlich reicht das Deckengemälde nicht im Entferntesten an seine großen Vorbilder heran, aber schön ist es trotzdem, zumal ich bei näherem Hinsehen  immer neue Motive entdecke.

In Baden-Baden ist der Hund los.

Ich muss nicht oft in die Apotheke, aber wenn es von Zeit zu Zeit sein muss, gehe ich nicht ungern. Ich empfinde den Gang dorthin als irgendwie entspannend, vor allem, da in der Apotheke meines Vertrauens eine kleine Bank steht, die gehbehinderten Kunden eine kurze Pause gewährt. Ich selbst bin gut zu Fuss. Mich lädt die kleine Bank von Zeit zu Zeit ein, mich dort niederzulassen und meinen Blick auf die nicht allzu hohe Decke zu richten. Vor vielen, vielen Jahren hatte dort ein Maler seine hellblaue Vision vom Himmel gemalt. Das Deckengemälde erinnert mich ein bisschen an Michelangelo’s Sixtinische Kapelle oder an den großen Freskenmaler Tiepolo. Natürlich reicht die Malerei nicht im Entferntesten an die großen Vorbilder heran, aber schön ist sie trotzdem, zumal ich bei näherem Hinsehen immer neue Motive entdecke.

Mir ist dann, als schmeckten die Tabletten auf Rezept gleich viel besser, und ein Päckchen Tempo Taschen-tücher gibt es ja auch noch dazu.

Beim letzten Besuch aber hatte ich meinen Blick dummerweise zu schnell wieder vom Himmel auf die Erde gerichtet. Dort, knapp über dem Boden, fiel mein Blick auf einen Dackel, der mit den bekannt kurzen Beinen sein Herrchen in die Apotheke begleitete. Es war ein Rauhaardackel. Ein hübsches Tier mit klugen Augen (Dackel seien ja intelligente Tiere), die mich zunächst freundlich anblickten, als wollten sie mir sagen: ich würde auch mal gern an die Decke kucken. Mitfühlend erwiderte ich seinen Blick, worauf der Rauhaardackel mich aber plötzlich wie aus heiterem Himmel in einer Weise ankläffte, wie man es früher allenfalls von Herbert Wehner kannte.

Unvermittelt machte das kleine giftige Tier  einen Höllenlärm, und es war mir entsetzlich peinlich, auf einem alten Bänkchen aus dunklem Holz sitzend, von einem Dackel angegiftet zu werden.

Dann aber aber wandte sich der Hundehalter direkt an mich und fragte streng, ob ich etwa seinen Dackel angeschaut hätte. Im Stand einer gewissen Unschuld bejahte ich die Frage, worauf er vorwurfsvoll sagte, das ginge nicht. So etwas ginge gar nicht. Ich dürfe mich also nicht wundern, wenn…

In der Apotheke hatten sich mittlerweile drei weitere Personen eingefunden. Lauter kranke, sieche Menschen, die mich ansahen, als hätte ich mit der Provokation eines Dackels ihren Heilungsprozess unterbrochen.

Wie man sicherlich verstehen kann,  war mir das alles ziemlich peinlich, weshalb ich mir fortan jeden weiteren Blickkontakt mit dem Hund versagte. Verstärkt richtete ich mein Auge wieder auf den in Öl gemalten Himmel, an dem ich jetzt, hinter einer Wolke hervorlugend, ein nacktes Engelchen entdeckte.

Das Problem aber verschwand deswegen noch nicht. Es war irdischer Natur. Es lag nicht hoch im Himmel sondern stand knapp über dem Boden. Bloß jetzt nicht den Dackel anschauen, Blickkontakt meiden. Es wäre mir peinlich gewesen, weiteren Anlass für etwaigen Lärm gegeben zu haben. Doch selbst mein durch und durch defensives Verhalten zahlte sich nicht aus.  Immer und immer wieder fing das Tier an, mich bellend zu beschimpfen.

Dem Dackel war das Engelchen egal. Der Dackel konnte sich gar nicht mehr einkriegen. Er war vollkommen außer sich. Einmal mehr wandte sich der Halter des Tieres streng an mich: ob ich gerade eben seinen Dackel angeschaut hätte?

Nein, sagte ich, nein!!

Ja dann, sagte er, dürfe ich mich nicht wundern.

 

Allgemein Institutionen

Wasser marsch! Teil 1

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Warum uns unsere Feuerwehren so lieb wie teuer sind

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Margret Mergen am 23.6.2014 im Kurhaus in Baden-Baden in ihr neues Amt als Oberbürgermeisterin eingeführt wurde, gab es sozusagen den ganz großen Bahnhof. Neben vielen Bürgern und Bürgerinnen nutzten auch zahllose Würden- und Amtsträger die Gelegenheit, der neuen Oberbürgermeisterin ihre Aufwartung zu machen. Mit ganz vorne dabei ein Mann, dessen uniformiertes Äußeres so gar nicht zur festlich gekleideten Menge passen wollte. Die viersternigen Epauletten unter einem in der Flamme stehenden Löwen wiesen ihn unschwer als den Feuerwehrkommandanten Martin Buschert aus, der sich noch kurz zuvor mit seinem Stellvertreter „mit einem Überraschungseinsatz“ vom scheidenden Oberbürgermeister verabschiedet hatte. Immerhin kommandiert der Feuerwehrkommandant ‚39 Mann’ nebst zwei Verwaltungsangestellten, womit freilich die wirkliche Bedeutung seiner Truppe nur unzureichend beschrieben wäre.

Wer sich einmal die Mühe macht, bei Wikipedia die schier unendliche Staffelung der je einzelnen Dienstgrade nebst ihren Dienstgradabzeichen bei den Baden-Württembergischen Feuerwehren zu studieren, der ahnt, wie ernst man das ganze nimmt. Die Feuerwehren haben im sozialen Gefüge der städtischen Gemeinde eine weit über ihre Lösch- und Bergeaufgabe hinaus reichende Bedeutung. Zusammen mit der Blaskapelle eines Ortes repräsentieren sie die ‚Mitte der Gesellschaft’. „Willst du die Wahl verlieren, musst du dich nur mit der Feuerwehr anlegen“, so ein mit den Feinheiten einer Gemeindepolitik Vertrauter. Andere nennen die Feuerwehr auch den Sturmtrupp des Bürgermeisters.

Keine Jahreshauptversammlung der Feuerwehr, die ohne die Anwesenheit der Amtsträger über die Bühne ginge, und auch der stellvertretende Lokalchef des Baden-Badener Ortsblattes lässt es sich nicht nehmen, beim Pressetermin eifrig zu notieren, dass die Feuerwehr zwar weniger Brände gelöscht, dafür aber sich an der Zunahme der technischen Hilfeleistungen abgearbeitet hatte. Darunter wären zu verstehen der ‚Absturz eines Kletterers in der Steilwand’, ein ‚Flugunfall Gleitschirm’. Zudem notiert das Einsatzbuch am 13.11.2014 um 14:27 Uhr: „Person droht zu fallen“. „Person hängt in großer Höhe im Fels“. Dann folgt: „Seilintervention der Höhenretter“. „Im Einsatz: Feuerwehren Baden-Baden und Karlsruhe, Bergwacht, Rettungsdient, Polizei“. Wie viel Personal da letztlich vor Ort war, lässt sich allenfalls erahnen. Wer derartigen Einsatz leistet, weiß, was er sich und der Gemeinschaft wert ist. Der Kletterfreund wird es nach dem Rettungseinsatz auch wissen. Tröstlich dann, wenn eine Versicherung zur Übernahme der Kosten bereit steht. Wenn nicht, wird’s für den Hilfsbedürftigen richtig teuer. So, wie in Berlin, wo der Terrier Skipper in eine Notlage geriet und gerettet werden musste. Der war in einem Dachsbau gefangen, und so waren dreiundzwanzig Feuerwehrleute und fünf Fahrzeuge im Einsatz, ein Aufwand, den man der Hundehalterin mit € 13 000 in Rechnung gestellt hatte. Jetzt klagt sie. „Wir fahren mit allem, was Räder hat“, so kürzlich ein Feuerwehrkommandant mir drohendem Unterton im Radio.

Eine veritable Materialschlacht….

MEHR DARÜBER DEMNÄCHST!

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