Allgemein Gastbeiträge Kultur Malen & Schnitzen

Göttinen des Jugendstils…

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….präsentiert das „Badische Landesmuseum“ in  Karlsruhe. Eine Huldigung.

„Göttinnen des Jugendstils“Frech, lasziv und hoch erotisch sind nicht gerade die Adjektive, die Göttinnen zugeordnet werden. Auch gute Feen wirken eher hübsch brav – zumindest in der Malerei bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Was dann kam, wirkte zunächst vor allem schockierend: Die Künstler – und erst recht die Künstlerinnen – wirbelten die starren Konventionen des Historismus mit Bravour durcheinander und spiegelten damit die Umbrüche in der Gesellschaft an der Schwelle des 20. Jahrhunderts wider. Frauen kämpften für Wahlrecht und Bildung, eroberten männliche Domänen und warfen mit den Miedern symbolisch gesellschaftliche Fesseln ab. Diese Vorkämpferinnen der Gleichberechtigung porträtiert die Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“. Bis zum 19. Juni werden nicht nur im Karlsruher Schloss, sondern auch durch ein facettenreiches Begleitprogramm Einblicke in diese Epoche des Umbruchs, des Fortschritts und auch der Verunsicherung geboten.
Glanzstück der rund 200 Exponate – sowohl aus eigenen Beständen als auch zahlreiche Leihgaben namhafter Sammlungen ist zweifellos eine Schönheit, die bei ihrem ersten Auftritt auf der Pariser Weltausstellung 1900 für Furore sorgte: Alfons Mucha schuf mit „La Natura“ eine Büste, die naturmystische Verklärung mit Strenge und Erotik vereint. Um diese Ikone des Jugendstils gruppiert sich ein „Hofstaat“ männermordender Megären, selbstbewusster Madonnen und eleganter Lebedamen, die auch beim Sport eine gute Figur machen. „Zentralorgan“ der eleganten Welt war die „Jugend“, eine von 1896 bis 1940 herausgegebene „illustrierten Wochenzeitschrift“, die Künstlern, Schriftstellern und Modemachern eine Plattform bot.
Männer? Eher überflüssig, sogar in der Werbung. Tiefdekolletierte Schönheiten setzen auf Plakaten Fahrräder, Feinkost oder Zigaretten in Szene. Um sich „frei“ bewegen zu können, musste auch die Mode „reformiert“ werden: Zwar mochten die Frauen noch nicht völlig auf das Korsett verzichten, fließende Stoffe und bequeme Schnitte sowie die neu entdeckte Sportkleidung erlaubten aber körperliche Betätigung bis zu tänzerischen „Exzessen“. Künstlerinnen wie die Schleier- und Schlangentänzerin Loie Fuller revolutionierten den Bühnentanz und sorgten für gehörige Skandale – lange vor Josephine Bakers „Bananentanz“.

Hochwertige Keramiken, wunderbarer Gold- und Silberschmuck aus den bedeutendsten Ateliers des Jugendstils und historische Filmausschnitte ergänzen die Schau. Themenführungen, Bankette samt Schleiertanz, Fahrradexkursionen, Vorträge und Besichtigungen im „Museum beim Markt“ und in der Majolika sind ebenso wie Online-Angebote im Begleitprogramm zu finden. (www.landesmuseum.de)
Im Theiss-Verlag ist der Katalog zur Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“ erschienen (208 Seiten, 25,90 Euro).

Irene Schröder

Allgemein Gastbeiträge Kultur Musik

Hoffentlich hoch ansteckend!

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Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa sieht Baden-Baden im Festival-Fieber

Der „Russische Winter“ hat in Baden-Baden bei frühlingshafter Witterung Abschied genommen, Ballett und Orchester des Mariinsky

Arcadi Volodos
Photo: Marco Borggreve

Theaters haben ihr traditionelles Gastspiel allen Corona-Widrigkeiten zum Trotz mit gewohnter Bravour auf die Bühne des Festspielhauses gezaubert. Nach dem traditionellen Silvesterkonzert werden die Weichen umgestellt: Zum Jahresende beschwor Intendant Benedikt Stampa voller Optimismus eine Neuausrichtung seines Hauses herauf: Ein Festivalvirus soll nicht nur die dafür besonders anfällige Zielgruppe befallen, sondern ein Festivalfieber Bürger, Gastronomie, Tourismus und Stadtverwaltung in gemeinsame Rauschzustände versetzen, um dem Weltkulturerbe neue Energie zu verleihen.
Im Pressegespräch wurde Stampa konkret: „Der Festspiel-Gedanke, die Gründungsidee des Hauses, soll wieder ins Rampenlicht geholt werden und damit die im 19. Jahrhundert von Hector Berlioz gegründete Festival-Tradition mit europäischem Anspruch in die Zukunft gedacht werden.“ Kern der Neuausrichtung sind acht Festivals mit bedeutenden Stars als Kuratoren. Zukunftsmusik im weitesten Sinne des Klangs bietet vom 4. bis 6. Februar „Takeover“, eine Mischung aus Techno, Tanz und Teamgeist samt Workshops, Shows und Party. Außerhalb des Festspielhauses soll das ständig aktualisierte Rahmenprogramm auch in der Innenstadt Festival-Feeling vermitteln. Die Osterfestspiele vom 9. bis 18. April stehen im Zeichen der Berliner Philharmoniker, geleitet von Kirill Petrenko, mit Opernstars wie Asmik Grigorian, Anna Netrebko und Sonya Yoncheva. Die Pfingstfestspiele (28. Mai bis 6. Juni) werden unter dem Stichwort „Presence“ zur Residenz des SWR Symphonieorchesters. Als Festival der Romantik in Baden-Baden ist „La Capitale d´E´té“ mit dem Chamber Orchestra of Europe konzipiert, das vom 8. Bis 17. Juli geplant ist. Disneys Musical „Die Schöne und das Biest“ vom 21. Bis 24. Juli dient als Appetithäppchen für künftige „BB-Nights“ mit Shows und Musicals.
Dem SWR3 New Pop Festival (15. bis 17. September) folgt mit “The World of John Neumeier” ein neues Tanzfestival vom 30. September bis 9. Oktober. Die Herbstfestspiele stehen unter dem Motto „La Grande Gare“ – schön passend zum Baden-Badener Alten Bahnhof, in dem Thomas Hengelbrock und Teodor Currentzis betont europäische Werke dirigieren werden. Zum „Russischen Winter“ reisen vom 20.bis 27. Dezember die Gäste aus St. Petersburg mit Tänzern und Orchester an.
Nicht als einsame Kulturinsel, sondern als Mittelpunkt eines Sehnsuchtsorts sieht Stampa sein Haus ideal aufgestellt: „Ein Megatrend im Tourismus wird die Suche nach Selbsterfahrung. Wenn es uns gelingt, dies mit Erlebnissen bei Festivals in Sehnsuchtsorten wie Baden-Baden zu bieten, bedeutet das eine neue Energie für die europäische Festival-Landschaft.“ Partizipation des Publikums gehört zu den Visionen Stampas – Seminare, Künstlerbegegnungen, Naturerleben und literarisch-philosophische Reflektionen bilden kein Beiprogramm, sondern sind in das Hauptprogramm integriert.
Damit nicht nur die unmittelbare Region vom heilsamen Festival-Fieber ergriffen wird, begleitet in den kommenden Monaten eine Imagekampagne die neuen Pläne. Für „Einfach mehr Festival“ hat der Hamburger Starfotograf Kai-Uwe Gundlach die Festival-Stadt mit viel Augenzwinkern in Szene gesetzt.
Und was bietet die Stadt Baden-Baden? Nicht viel Neues. Zwar verspricht die Baden-Baden Events laut ihrer Chefin Nora Waggershauser ein „mit viel Liebe zusammengestelltes Programm mit genau richtigen Events für verschiedene Zielgruppen“, aber Visionäres ist da kaum zu finden: Bewährte Tanz-Angebote sind der European Dance Award (7.Mai), die 27. Welttanzgala (5. November) sowie die Argentinische Tangonacht am 12. November. Altbewährt sind der Weihnachtstanztee und der Silvesterball, kein Hinweis findet sich auf den Grand Prix Ball, eigentlich das gesellschaftliche Mega-Event im Kurhaus. Ansonsten Insider-Galas wie „Made in Baden-Award“ am 3. Juni und „Sportler des Jahres“ am 18. Dezember. Als die von Benedikt Stampa erträumten Touristenmagnete könnten sich wie bisher die Baden-Badener Sommernächte (30. Juni bis 3. Juli), das Kurpark-Meeting (26. August bis 4. September), das Marktplatzfest (22. bis 24. Juni), die Philharmonische Parknacht (30. Juli) und natürlich der Christkindelsmarkt (ab 24. November) entpuppen.
Hinter all diesen wunderbaren „Events“ steht natürlich nach wie vor das riesige Fragezeichen „Corona“. Was ist erlaubt, was lässt sich organisatorisch und natürlich auch finanziell verwirklichen, wie groß ist die Lust auf derartige Veranstaltungen überhaupt? Es bedarf wohl des scheinbar unerschütterlichen Optimismus eines Intendanten aus Leidenschaft, um sich einer derartigen Herausforderung zu stellen – getrieben von Festival-Fieber.

Irene Schröder

 

Allgemein Essen & Trinken Menschen

Der Knopf im Ohr Teil 1

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So hörte Beethoven

Schon am Vorabend war die Weinstube gut besucht. Es herrschte eine angenehm gedämpfte Stimmung. Auf den Tischen standen Kerzen, von irgendwoher kam leise Musik. An den wenigen besetzten Tischen wurde ausnahmslos Wein getrunken. Auch der Wirt hatte sich ein Schluck eingeschenkt. In der Schwingtür, das Lokal gegen die Küche abschließend, tauchte kurz die Chefin auf. Sie war herb aber unersetzlich. War ihr Mann für die gute Stimmung im Lokal zuständig, kümmerte sie sich um die Buchhaltung. ‚Das Geld wird am Schreibtisch verdient‘, sagte sie. Aus der Küche kommend, streifte ihr Blick kurz die Gäste, erfasste beiläufig den möglichen Umsatz, und kam dann für die Dauer einer Millisekunde auf dem halb gefüllten Weinglas ihres Mannes zu ruhen.

Schon hatte sie sich zum Gehen halb nach hinten gedreht, da öffnete sich die Tür des Lokals. Der dunkelrote Samtvorhang – er stammte aus einem Ausverkauf des Theaters – bauschte sich, zwei Hände suchten den Vorhang zu teilen, bis in einem Schwall kalter Luft ein mächtiger Mann in der Weinstube stand. Hinter ihm noch eine Person, seine Begleiterin, schmal und vom Vorhang noch halb verdeckt. Erst als er ganz im Lokal stand, trat sie aus seinem  Schatten. Davor, vollständig übersehen zu werden, bewahrte sie allein ihr quergestreift schwarz-gelber Pullover, der irgendwie an die Biene Maja erinnerte.

Schnaubend legte der Mann seinen dunklen, mächtigen Mantel ab. Auch ohne ihn wirkte er sehr groß. Kahler Schädel, breite Schultern. Der massige Bauch lappte schwer über einen schmalen Gürtel. Dazu trug er breite, ausgetretene schwarze Schuhe.

Jeder Zoll seiner Erscheinung wies ihn als eine jener Personen aus, die die Nachjelzinaera in die Geldmetropolen Europas gespült hatte. Sein Hemdkragen war offen, die Krawatten hing auf Halbmast. Ohne zu fragen nahm der Gast am einem der Tische Platz. Mit dem Fuß schob er seiner Begleiterin wortlos einen Stuhl hin. Sie sollte sich wohl setzen.

Dann rief er nach der Bedienung und fragte, ob es hier eine Kleinigkeit zu Essen gäbe. Das mit dem Trinken sehe er ja. Kleine Karte, die hat man hier ja auch, oder? Und zu seiner Begleiterin blickend, sagte er: „Du isst ja mit“.

„Ich möchte heute nicht so viel essen, Sie sehen ja“, wandte er sich an das Ehepaar am Nachbartisch, die damit nicht gerechnet hatten. Den Satz verdeutlichend hatte er auf seinen mächtigen Bauch gedeutet. Als er merkte, dass die Herrschaften an einem Gespräch keineswegs interessiert waren, ließ er den Arm wieder sinken und widmete sich der mittlerweile eingetroffenen Speisekarte.

Er schob die Brille hoch, so dass sie schräg auf der Stirn saß, studierte das Angebot und sagte einmal mehr sich bestätigend: „Du isst ja mit“. Ihr Einverständnis voraussetzend nickte er. Er würde sich mit seiner Begleiterin eine Portion teilen.

Die wurde, zusammen mit einem zweiten Teller und dem Besteck, auch bald gebracht. Ebenso der Wein. Obwohl er keine Flasche bestellt hatte, inszenierte er zunächst eine Art Verkostung. Er hielt den einfachen Tafelwein gegen das Licht, schwenkte ihn im Glas, und beroch ihn dann mit knolliger Nase. Kein Kork. Großes Geschmackskino. Gut so. Die Bedienung ging, der Gast trank, und auch die Frau bekam ihren Schluck ins Glas.

Nach einer gewissen Zeit bestellte der Gast „einen zweiten Halben“. In der Weinstube hatte der Lärm zwischenzeitlich zugenommen. Offensichtlich wurde es dem Gast jetzt wohl doch etwas zu laut. Er trug ein Hörgerät und nestelte an seinem Ohr herum. Zunächst versuchte er, die Lautstärke des Geräts dem Lärm der Umgebung anzupassen. Scheinbar ohne Erfolg. Er beschloss, die beiden kleinen Hörgeräte, die ihm bei geringerer Lautstärke offensichtlich gute Dienste geleistet hatten jetzt erst mal aus dem Ohr zu nehmen.

Die Bewegungen verrieten eine gewisse Beiläufigkeit. Anscheinend machte er das öfters. Zunächst legte er die beiden kleinen Knöpfe vorsichtig auf den Tisch, aber da sie so rund waren, machten sie keine Anstalt, dort auch liegen zu bleiben. Also legte er die unscheinbaren Teilchen weiter oben hin, neben den leergegessenen Teller, auf dem sich noch übriggebliebene Speiserest befanden. Petersilie, blassrote Tomaten und hellgrüne Ziergurken. Ein Salatblatt lappte über den Tellerrand und verdeckte das eine der beiden Hörgeräte.

Er müsse jetzt mal um die Ecke, sagte er zu seiner Frau und entschwand in Richtung der Toiletten….

Demnächst Teil 2. HIER.

Allgemein

Der Knopf im Ohr Teil 2

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Zuhören kann eine Kunst sein

Kaum war er weg, kam die Bedienung und fragte, ob es geschmeckt hätte und ob sie abtragen dürfe? Die Dame sagte „sehr gut“, bejahte zerstreut auch die Frage nach dem Abtragen und schaute zur Tür, ob ihr Mann nicht bald käme. Ohne ihn fühlte sie sich sichtlich unwohl. Dann nahm sie noch einen kleinen Schluck.

Routiniert fasste die Bedienung nach den Tellern, erkannte das Hörgerät, ließ es liegen, griff mit spitzen Fingern nach dem müden Salatblatt, legte es auf den Teller und entfernte sich Richtung Tresen, wo sie mit einem routinierten Tritt ihres Fußes den Deckel des Abfalleimers hochschnellen ließ und die vom Teller gestreiften Speisereste entsorgte.


Mittlerweile war die Tür aufgegangen und der massige Körper, von der Toilette kommend, trat wieder ins Innere des Lokals. Als er seine nassen Hände am Sakkorevers abwischte, hätte man meinen können, er streichele sich lustvoll die Randflächen seines Bauchs. Am Tische angekommen nahm er Platz, wischte einmal mehr mit seiner Serviette über die feuchten Lippen, rief nach der Rechnung und wollte jetzt wieder seine Hörgeräte einsetzen. Doch auf dem Tisch lag nur eines der beiden. Das andere musste die Bedienung wohl mit dem schmutzigen Geschirr abgetragen haben.

Als er aufstand, fiel sein Stuhl laut nach hinten und knallte mit der Lehne auf den Boden. In der Weinstube war es plötzlich still. Dann rief er laut nach dem Chef und forderte die Herausgabe seiner verschwundenen Hörhilfe. „Tausend Euro“, rief er, „tausend Euro haben Dinger gekostet. Hab‘ ich bezahlt“. Und: „Ich werde Laden haftbar machen. Müssen doch da sein!“, rief er durchs ganze Lokal. An den Tischen eine Mischung aus Ratlosigkeit und Betroffenheit. Ganz hinten feixte einer: das Haus verliert nichts.

Unmittelbar danach zog sich das Personal mit dem Abfalleimer in die Küche zurück, um dort, zwischen all den fetten Resten von Mayonnaise, Zwiebelschalen und müden Salatblättern nach dem Hörgerät zu suchen. Vorne, in der Gaststätte versuchte der Chef des Hauses mit einer Cognacflasche wedelnd, zwischenzeitlich die quälende Zeit des Suchens zu überbrücken. Später wird er sagen, er habe „mit dem ganzen Zeug nichts zu tun haben wollen“.

Derweilen suchten andere lang und gründlich, aber das Hörgerät blieb trotz größtmöglicher Sorgfalt unauffindbar. Es war, als sei es von einem Salatblatt verschluckt worden. War der Gast wegen des Verlustes zunächst noch aufgebracht, stand er jetzt an seinem Tisch und betrachtete wortlos das ihm noch verbliebe Teil, so, als wäre es ihm plötzlich fremd geworden.

Schwer atmend fasste er es mit fleischigen Fingern, ließ es in seine Sakkotasche gleiten und griff nach seiner Begleiterin. Und während er sie schon aus dem Lokal schob, drehte er sich, schon halb unter dem Baldachin stehend, noch einmal um und teilte den teils perplexen, teils amüsierten Gästen mit, er wolle jetzt gehen sich beschweren. Wo, sagte er nicht.

Dann ging er. Endgültig.

 

Stadtstreicher

Besser zu zweit

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Foto 2Dort, in der Sophienstraße, wo Baden-Baden ein bisschen an Münchens Maximilianstraße erinnert, und wo die Einkaufstüten von Hermes und Escada den Winterpelz auf Anmutigste schmücken, kann man in diesen Tagen ein schönes Beispiel der Entschleunigung sehen. Jetzt, da das jetzt fast schon vergangene Jahr sich seinem baldigen Ende zuschiebt, erleben wir dort einen älteren Herrn mit seinem wirklich sehr alten Hund beim täglichen Spaziergang auf dem breiten Spazierstreifen der Allee. An sich nichts Besonderes. Allerdings auf, wie behutsam, ja, man muss  fast sagen, sorgsam und altersgerecht der eine mit dem anderen umgeht. So hinfällig jeder für sich selbst ist, so sehr nimmt er doch auf den anderen Rücksicht. Erst geht der ältere Herr ein paar Schritte, dann wartet er auf seinen Hund. Der wiederum kommt langsam heran, geht an seinem Herrn vorbei, blickt sich um, und wartet, bis, ja, man möchte fast sagen: Gleichstand erreicht ist. So schiebt sich das alte Duo allmählich vorwärts. Einer wartet, bis der andere nachkommt. Der Fortschritt ist halt manchmal eine Schnecke.

Unter all den guten Wünschen, mit denen wir den Jahreswechsel begleiten, sollte auch der sein, dass die beiden sich noch lange haben. Eine schöne Schicksalsgemeinschaft. Beide brauchen sich. So geht es voran. Zwar langsam, aber immerhin. Das wünschen wir für uns alle, ganz besonders aber für die beiden in der Sophienstraße.

Denen ganz besonders ein schönes und vor allem gemeinsames Fest. Zu Zweit fällt er halt leichter: der Schritt ins Neue Jahr!

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