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Pfeif drauf – der Dudelsack ein Killerinstrument?

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Wie der Dudelsack dem Menschen gefährlich werden kann

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Dudelsackspieler links – heute schon tot

Wer uns kennt, der weiß, dass wir uns als human denkende Menschen überwiegend dem Schönen und Guten verpflichtet wissen. Vor allem der durch Musik erzeugte Wohlklang ist es, der uns in einem fort anspricht. Da lässt uns in diesen Tagen jetzt aber eine Meldung aufhorchen, die besagt, dass ein Dudelsackspieler sein Instrument final aus der Hand gelegt hat.

Endlich, hören wir uns leise sagen.

Im hetzerischen Relief. Der Spieler rechts außen. Tot.

An sich nichts Besonderes. Das Instrument, das aus einem Tierbalg hergestellt wird, wird nach seiner mehr oder weniger edlen Herkunft gemäß auch Sackpfeife genannt. Zum ersten mal abgebildet ist es auf einem hethitischen Relief aus Alcea Höyuk. Wie Wikipedia meldet muss das so gegen 1200 v.Chr. gewesen sein.

Diese Musiker leben. Noch.

Seit dieser Zeit nun – und das ist das Traurige – ist die Geschichte des Dudelsacks voller menschlichem Leid. So ist es mehr als nur wahrscheinlich, dass Spieler wie Zuhörer über all die Jahrhunderte an dem aufdringlichen Klang wohl verendet sein müssen. Jedenfalls lebt von denen ja keiner mehr.

Nun ist aber das jüngste Opfer zu vermelden.

Einem dudelsackspielenden 61 jährigen Musiker aus England machten zunächst Husten und Atemnot zu schaffen. Dann wurde es noch schlimmer. Das Leiden rührte wohl aus den Schimmelpilzen, die sich im Inneren des Blasebalgs gebildet hatten. Das ergab die Obduktion. Es waren diese Pilze, die im Folgenden zu großen Rissen in der Lunge und zum letztlichen Ableben des Musikanten führten.

Gerade noch rechtzeitig, möchte man da rufen. Denn diese letalen inneren Verletzungen waren glücklicherweise aufgetreten, bevor man wiederum bei uns, den Passanten in der Fußgängerzone, lärmbedingt große Risse im Trommelfell hätte konstatieren müssen.

Normalerweise sagen wir: er ruhe in Frieden. Beglückt dürfen wir feststellen: es hat sich ausgepfiffen. Jetzt also herrscht wieder Ruhe auf Erden. Und in der Fußgängerzone.

So lange jedenfalls, bis der Herrgott den allseits aufspielenden Musikanten lieber wieder auferstehen lässt.

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Tot mit Anstand

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„Das Duell – Zweikampf um die Ehre“. Eine Ausstellung im ‚Wehrgeschichtlichen Museum‘ in Rastatt

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Mal wieder Rastatt besuchen? Wer so etwas vorschlägt, dem kann es passieren, dass er sich mit fragenden Blicken konfrontiert sieht. Rastatt was…? Und dabei hat Rastatt mit einigem aufzuwarten. Erst einmal mit einer beeindruckenden Kneipendichte, dann aber auch mit einer bemerkenswerten Anzahl Eisdielen, die – wie man so sagt – ein breitgefächertes Angebot bereithalten. Sogar die giftgrünblaue Eissorte ‚Schlumpf’ gibt’s in Rastatt zu kaufen.

Aber sonst? Gut, da wäre dann noch das mächtige Schloss des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, auch ‚Türkenlouis’ genannt. Der hatte sich seinen Namen verdient, indem er mithalf, die Türken vor Wien zu schlagen und so verhindert, dass Westeuropa muslimisch wurde. Das christliche Abendland war erst mal gerettet. Das ist nun schon ein Weilchen her.

Das Schloss ist trotzdem einen Besuch wert, denn vor kurzem eröffnete das dort beheimatete ’Wehrgeschichtliche Museum im Schloss Rastatt’ unter der Leitung von Alexander Jordan die unbedingt besichtigungswerte Ausstellung „Das Duell – Zweikampf um die Ehre“. Denn um die ging es, wenn sich ab dem 17. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg Männer in eben dieser Ehre verletzt sahen und Satisfaktion einforderten. Anfänglich kämpfte man noch mit dem Degen, dann aber bald mit Pistolen. Die versprachen größere Chancengleichheit.

Der Anlass konnte – nach heutigem Verständnis – durchaus nichtig sein. Ein falsches Wort, eine vielleicht unbeabsichtigte Kränkung. Aber natürlich war auch nicht gern gesehen, wenn der andere mit der eigenen Frau anbändelte. Das fand manch einer schon damals unpassend.WGM_Ausstellung_DasDuell_Barney_Presse

Einer der prominentesten Liebes-Opfer war der Sozialist Ferdinand Lassalle, der wohl um die Hand einer Angebeteten anhielt, von deren Vater aber abgelehnt wurde. (Das Lexikon nennt das in diesem Zusammenhang ‚sequestieren’, was wohl auch heißt: sie wurde unter Zwangsverwaltung gestellt’…) Jedenfalls fühlte sich der Vater in seiner Ehre gekränkt und forderte von Lassalle Genugtuung. Das ging schief. Von einer Kugel in den Unterleib getroffen starb Lassalle drei Tage später. So verlor auf dem ‚Feld der Ehre’ ein Liebender sein Leben, die Geliebte einen möglichen Gatten und die Arbeiterschaft einen energischen Vorkämpfer für Arbeiterrechte: „sicher einer der bedeutendsten Kerle in Deutschland“ (Friedrich Engels). Und all das wegen eines Duells.

Auch in diesem Fall war es wohl so, dass der Herausgeforderte sich gar nicht duellieren wollte, sich aber gezwungen sah. Dies mag mehr als einmal vorgekommen sein. Wie übel sich der eine oder andere wohl in der Nacht zuvor fühlte, kann man nachlesen in Arthur Schnitzlers ‚Leutnant Gustl’.Jean-Léon_Gérôme_-_Duel_After_a_Masquerade_Ball

In der Ausstellung ist die Geschichte des Duells bestens erläutert und bebildert. Ergänzt wird das Ganze durch eineDueling_pistols Vielzahl von teils schmuckvollen Exponaten. Schwerter, Degen, Pistolen. Weiter sehen wir in historischen Anleitungen, wie man sich im Falle einer solchen Auseinandersetzung zu verhalten hat. Wann und wo wird gefochten? Sekundanten, Arzt, Schiedsrichter: wer wird gebraucht? Alles war strikt geregelt. Selbst wie viele Schritte vor dem Schuss zu gehen sind. Wie man steht ist geregelt und auch wie man fällt („mit Anstand“).

So zieht sich die Geschichte des Ehrhändels noch hin bis ins Dritte Reich, als sich, historisch überaus spät, noch zwei Offiziere aus dem Generalstab in die Wolle gerieten und sich duellieren wollten. Zum Sekundanten wünschte sich der eine aber wohl Adolf Hitler. Das hätte er mal besser gelassen. Denn das ging dem Führer dann doch zu weit. So riet der Kriegstreiber Hitler in diesem besonderen Fall dringend dazu, gefälligst abzurüsten und Frieden zu schließen.

Das war, wie wir wissen, beim GRÖFAZ die absolute Ausnahme.

Eine andere war 1868 das Duell zweier Edelprostituierten, Marie P. und Aimee R.. Dabei ging es – so der Ausstellungstext – „um das Herz und die Börse eines reichen Mannes“. Das Duell endete mit einem Schuss in den Oberschenkel von Marie P., worauf Aimee R. als Siegerin vom Platze schritt, danach ihren Beruf aufgab und heiratete.

Mehr konnte man von einem Duell nicht erwarten.

 

 

 

 

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Der Vogel in seinem Paradies Teil 1

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Wie Olivier Maugé in Baden-Baden die Große Rennwoche noch ein bisschen bunter macht  

IMG_0560Diese Nische ist voller Farbe. Hier ein kräftiges Rot, dort ein entschlossenes Gelb. Auch Blau und Grün entzücken das Auge. Das Ganze gern auch als Blumenmuster, liebevoll gepflegt von Olivier Mauge, der kundig über die florale Farbenpracht streicht. Er weiß, in welchen Farben und Stoffen sich seine Kundinnen auch in diesem Jahr wieder gefallen.

Er fühlt sich wohl in dem Modesegment, das er seine Nische bezeichnet. Er kennt seine Kundschaft. Man verrät  kein Geheimnis, wenn man die Käuferschicht mit einem Wort von Thomas Mann skizziert: diese sei weitgehend „frei von pekuniären Unstatten“. Am Geld wird es also nicht scheitern betritt eine Stammkundin das Haus um sich ein Kleid schneidern zu lassen. Und sollte es dem Sitz der Kreation dienen, wird Madame auch noch die vierte Anprobe möglich machen. Die Tage wollen gestaltet sein.

Feminine Mode, dafür schlägt sein Herz, dafür steht er. Für eine Kundschaft, die es gewohnt ist, anfertigen zu lassen, individuelle Beratung inklusiv. Exklusiv wiederum sind die Stoffe, die er in den Zentren der Stoffherstellung aufwändig aussucht. In Como, Florenz, Rom. Dann schafft er – wie ein Jäger seine Beute – die gewebten und bedruckten Schätze nach Baden-Baden, um hier einen ihn rundum befriedigenden Kampf gegen die Tristesse schwarzer Kleidung zu führen. Das Schwarz ist für ihn ein Grauen.

Natürlich, sagt er und wird leidenschaftlich, macht man bei Schwarz nichts falsch. Ein junges frisches Mädchen kann sich schwarz anziehen „bis obbe nuff“. Aber die Dame 40 Plus? Ihr verordnet er Farbe, modische Individualität. Das Schwarz weg vom Körper, weg vom Gesicht!  Anders als die Französin, mache die deutsche Frau „nicht das größte Make Up“. Deshalb rät er dringend zu Farbe. Aber Obacht: billiges Bunt ist gefährlich, ach was, grässlich. Deshalb achte man auf Qualität. Man muss wissen, wie man mit Farbe umgeht, sie kombiniert. Gut beraten, gut eingekleidet, das lässt die Damen der fortgeschrittenen Altersklassen wieder leuchten, strahlen. Wie neu.

So wie die Russinnen, deren Freude an der Farbe ihn entzückt. Anders als viele Deutsche hat die Russin Freude an der Mode: „Von hier bis an den Blumenbrunnen kannst du sehen, wenn eine Russin kommt“. Ansonsten seien sie modebewusst, „treu und nett“. Das alles rundet aufs schönste ab was man die  Passion des Olivier Mauge nennen könnte.  Der Damenschneider als Missionar.

 Der Glaube an die Sache geht nun schon ins vierzigste Jahr. …

 

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Der Vogel in seinem Paradies Teil 2

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IMG_0567Wie Olivier Maugé in Baden-Baden die Große Rennwoche noch ein bisschen bunter macht   

Der Glaube an die Sache geht nun schon ins vierzigste Jahr. 1975 übernimmt er mit seinem Freund das elterliche Geschäft. Vorausgegangen war die Zeit in Paris, die Stadt, die er, 1954 geboren, im Alter von neunzehn Jahren zu ersten Mal betritt. Nach Haut Couture & Prêt-à-porter Schule, nach Lehrzeit bei Jean Patou und Praktikum bei Yves Saint Laurent, kehrt er nach zwei Jahren wieder zurück nach Baden-Baden. Dort, in der durch Edouard Benazét so frankophilen Stadt, will er fortan stilbildend Präsenz zeigen. Anfänglich auf 100 qm hat er seinen Wirkungskreis seit 2011 auf 300 qm erweitert. 

Wer ihn in jenen Tagen des Umzugs erlebt hatte, als er, einen möglichen Ruhestand vor Augen, beschloss, sich noch einmal ins Mode-Getümmel zu werfen, der konnte erkennen: da musste einer zum Jagen nicht getragen werden.

Sogar vom englischen Royals war zwischenzeitlich unerwartet Hilfe gekommen. Mit Lady D. erlebte der Hut seine Renaissance. Sie, die Stilikone, führte wieder ein, was allzu lange vergessen schien. Und fortan schwappte die Hutwelle rund um den Erdkreis und natürlich erreichte sie auch Baden-Baden, wo Olivier Maugé sie bereits erwartete. Fortan entwickelt sich der Hut, wie ihn die risikofreudigen Engländerinnen gern tragen, für ihn zu einem wichtigen zweiten Standbein. Vor allem die Medien sprachen darauf an und so kam es, dass Baden-Badener Stilempfinden nun deutschlandweit die Damenhäupter ziert. 

Dabei bezieht er seine kühn fragilen Gebilde, die preisbedingt für Wirtschaftskrisen mindestens so anfällig sind wie für Windstöße, direkt aus London. Dort, an der Them-se, sitzen die 25 wichtigsten Hutmacher der Welt. Und hier an der Oos sitzt Olivier Maugé und kennt sie alle. Und alle kennen ihn. Er ist so frei zu sagen, dass wohl kein Geschäft in Deutschland über eine derartige Bandbreite an Hüten verfügt. Auch nach Hamburg liefert er, wo nun auf der Rennbahn Hamburg-Horn neben den Pferden vor allem auch die Damen der besseren Hamburger Gesellschaft einen guten Eindruck machen. 

Von Ferne, in seinem Verkaufszelt…

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Der Vogel in seinem Paradies Teil 3

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Wie Olivier Maugé in Baden-Baden die Große Rennwoche noch ein bisschen bunter macht  

IMG_0549Von Ferne, in seinem Verkaufszelt betrachtet der Geschäftsmann das Schauspiel mit Vergnügen. Das gibt wieder Fotos, Werbung. Denn wenn er sich schon die Mühe macht, ganze Tage draußen auf der Rennbahn zu verbringen, soll es sich doch wenigstens lohnen. Einem wie ihm läuft die Zeit davon. Was aber nicht heißt, dass er das Ganze da draußen nicht genießen würde. Hier ein Küsschen, dort ein Küsschen. Dann Frankreich am Telefon, später England und immer wieder Küsschen. Ganz viele. Da die Damen auch nicht am Parfum sparen wird der Kreateur am Ende eines solchen Tages duften wie nach einem Ritt durchs olfaktorische Gelände.

Es ist dieses heitere ‚Mal hier mal da’, das ihn tänzeln lässt, wie ein Pferd vor dem Start, das beim Anblick seiner Besitzerin in Verzückung gerät. Undenkbar, dass die begüterten Hutträgerinnen an zwei aufeinanderfolgenden Jahren der gleiche Hut schmückt. Neuer Chic, neues Glück. Er ist auf alles vorbereitet. Wenn sie dann einlaufen, die guten Kundinnen, gibt es nach längerer Zeit der Askese wieder einmal etwas zum genießen. Auch wenn Figurprobleme drücken, dieser Kaufgenuss ist gewichtsneutral. Das liegt auch an den duftig leichten Gebilden deren Preis sich keineswegs zwangläufig am geringen Gewicht orientiert auch wenn die diesjährigen Kreationen eine gewisse Nähe zu Desserts nicht verleugnen können. Hier wie dort gilt: es kommt halt auf den Geschmack an.

Das sieht der Maestro ohnehin so, weshalb er der Ansicht ist, dass sich so etwas durchaus exportieren lässt. Im vorliegenden Fall nach Kamerun wo ein guter, nein: ein begüterter Kunde sich über seine Hilfe beim Aufbau eines Dekorgeschäfts freut.  

Das sind diese Momente, in denen Olivier Maugé zwar im Ausland aber doch wiederum ganz bei sich ist. Wenn er z.B. wieder einmal in seiner alten Wahlheimat Paris vorbeischaut um sich dort mit den vertrauten Hutleuten („Wir sind keine von der Stange“) zu treffen; wenn er sich mit langjährigen, fast schon familiären Partnern bei einem guten Essen austauscht. Dann, ja dann blickt einer, dem das Monochrome verhasst ist, auf sein bisheriges farbiges Leben zurück und formuliert nicht ohne behaglichen Stolz: „Wir sind jemand geworden“.

 

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