Allgemein Menschen Stadtstreicher

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

Published by:

Auf Katzenjagd in Baden-Baden

Der Einsatzort wird gesichert

So genau soll man gar nicht wissen, was in deutschen Betten  um Mitternacht so vor sich geht. Aber vorstellen kann man sich’s schon. Nämlich ziemlich wenig. Jedenfalls nicht in den Betten rund um den Jesuitenplatz in Baden-Baden. Dort nämlich vernahm kürzlich eine einschlafgestörte Einwohnerin, auf der Suche nach nächtlicher Zerstreuung, in den Wipfeln der Bäume des Löwenbräu Biergartens das Miauen einer oder mehrerer Katzen. Dieses Miauen gab ihrem nächtlichen Leben plötzlich wieder so etwas wie Sinn.

Aber so, wie Kinder am liebsten spielen, wenn Erwachsene dabei sind, beließ es die plötzlich hellwache Einwohnerin keineswegs dabei, dem lieblichen Miauen eines Kätzchen zu lauschen, sondern sie wurde aktiv und griff zum Telefon. Sie tat dies in der vermeintlich sicheren Gewissheit, dass es in einem Gebäudekomplex in der Weststadt Nähe Zubringer eine größere Anzahl feuerwehrtechnischer Beamter nebst Einsatzleitwagen, einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und einer Drehleiter, so ähnlich geht. Verständlich also, dass die durch den Katzenlärm alarmierte Einwohnerin sich zu ihrem Festanschluss vorarbeitete, um mit zitternden Fingern die Nummer der Feuerwehr zu wählen. Unter Hintanstellung ihres verdienten Schlafes machte sie sich nahezu selbstlos daran, die Rettung von ca drei Katzen aus einem innerstädtischen Baum zu organisieren.

Dafür durfte sie sich der Hilfe der Männer vom zuständigen Dezernat (Fachbereich Ordnung und Sicherheit) gewiss sein. Statt der besorgten Einwohnerin, wie vielleicht früher, zu empfehlen, etwas Honig in warme Milch zu geben um sich dann sich schlafen zu legen, brach die bereitstehende Feuerwehr unverzüglich auf, um des Nachts Katzen aus Bäumen zu retten, also Schlimmstes zu verhindern.

Man achte auf den Poller. Er wird umfahren!

Das freilich sollte sich schwerer gestalten, als zunächst vermutet. Augenscheinlich bedurfte es schon gewaltiger Fahrkenntnisse, um im nächtlichen Einsatz das Fahrzeug mit seiner Drehleiter (DLK 23/12) am engen Jesuitenplatz so zu manövrieren, ohne dass man die sandsteinernen Poller, die den Brunnen schützen, umfährt. Weiter galt es, die ausgefahrene Drehleiter so zu platzieren, dass die Leiter in vollausgefahrenem Zustand zumindest in die Nähe der bedauernswerten Geschöpfe (Katzen) kommt. Viel Lärm um nichts?

Noch zu weit links. Das Miauen kommt eher von rechts.

Das könnte man so sehen. Denn trotz sorgfältigsten Manövrierens und dem Einsatz eines mit krallenresistenten Handschuhen ausgestatteten Feuerwehrmannes, gelang es dann doch nicht, die Katzen zu fassen. Unter dem drohend wirkenden Einsatz angefahrenen Materials war es der Katzenfamilie anscheinend gelungen, sich dem Zugriff zu entziehen und sich aus dem Staub zu machen. Das muss man erwähnen, ohne es aber allzu tragisch zu nehmen.

Rückblickend darf man sagen: es ist noch einmal alles gut gegangen. Mag man den Aufwand vielleicht etwas unverhältnismäßig finden, so bleibt doch festzuhalten, dass er sich gelohnt hat.

So sah das bestimmt auch die überaus löckchendekorierte Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur- und Tourismus GmbH, Nora Waggershausen. Für sie könnte man die Rettungsaktion durchaus als Glücksfall bezeichnen. So konnte Schlimmeres verhindert werden. Wie, schließlich, sollte sie Baden-Baden denn weltweit vermarkten, wenn sich rausstellte, dass es in so einer schönen Kurstadt Katzen hagelt?

 

Allgemein

Ist es Wurst, was aus uns wird?

Published by:

Es geht den Baden-Badenern um die Wurst – nicht um irgendeine nebulöse Wichtigkeit, sondern ganz konkret um ein gegrilltes Objekt der Begierde, im Brötchen aus der Faust zu genießen. Jahrzehntelang umhüllte leckerer Duft – allerdings samt Qualm – die Besucher des Kurpark-Meetings, die sich am Stand des Gasthauses „Auerhahn“ mit Schindlers Bratwurst stärken wollten, statt Austern, Scampi oder exotische Spezialitäten zu verspeisen.

Jetzt ist die Kult-Bratwurst vom Stammplatz vor dem Kurhaus verbannt – die Rauchentwicklung sei den Gästen nicht zuzumuten, befand die Baden-Baden Events und gab dem Angebot der Sterneküche von Schloss Eberstein sowie anderer auswärtiger Gastronomen den Vorzug. Diese Entscheidung – weg von volkstümlicher Bratwurst hin zur feinen Küche – verdirbt vielen Kurstädtern offenbar den Appetit auf das Open-Air-Event während der Großen Woche: Böse Leserbriefe füllen die Seiten der Lokalpresse, besonders erboste Baden-Badener rufen gar zum Boykott der beliebten Veranstaltung auf.

Ob eine andere Wurst den zumeist auswärtigen Besuchern des Grand Prix Balls munden wird, ist eine spannende Frage: Conchita Wurst, schräge Kunstfigurösterreichischer Bauart, wurde als Stargast verpflichtet. Ob der ehemalige ESC-Sieger Thomas Neuwirth alias Conchita Wurst wie beim heurigen Opernball auch mit Glatze samt Bart erscheinen und damit alle auf Hochglanz gestylten Damen in den Schatten stellen wird? Eine heiße Wurst auf der Bühne, die in guten alten Grand-Prix-Ball-Zeiten Weltstars wie Udo Jürgens oder Harald Juhnke beherrschten – ist das das „good-good life“, das ein anderer Hanswurst anpreist? Der bärtige Typ mit verspiegelter Sonnenbrille und allerlei Baden-Baden-Schnickschnack grinst aber nicht exklusiv in Kurstadt-Diensten, wie eine clevere Baden-Badenerin herausfand: Im gleichen Outfit und ebenfalls mit Trompete wirbt er für einen Finanzdienstleister.

Wäre es nicht eine hübsche Idee, den Mann im dunklen Anzug, den er ja noch ein wenig aufpeppen könnte, als Ballherrn für die Dame Conchita einzuladen und damit vielleicht noch ein paar Bildchen mehr im bunten Blätterwald zum Thema „good-good life“ à la Baden-Baden herauszukitzeln?

Auswärts Essen & Trinken

Nix wie weg!

Published by:

Craft Beer – warum man nicht alles trinken muss was drauf steht.

Unter den wirklich wichtigen Dingen, die überflüssig sind, nehmen bei mir neue Biersorten einen vorderen Platz ein. Ich darf das sagen, weil ich im deutschlandnahen Elsass erst kürzlich wieder in die Bierfalle getappt bin. Bislang gab es im Elsass Biere, die zuvörderst hellgelb, wässrig und wenig trinkbar waren. Sie tragen so Namen wir Kronenburg, Mutzig und Fischer. Wie die Namen schon suggerieren, hat man sich in vielen Fällen auf Biere wie einzustellen, die in ihrer Ahnengalerie auf deutsche Braumeister verweisen. Die aber sind schon lange tot. Doch das Neue lebt, zumindest im Glas. So bietet man dem Elsässer, aber auch dem deutschen Biergenießer, mittlerweile auch schon mal ein Bier an, das, der Brauerei ‚Matter’ entsprungen, sich völlig authentisch ‚Craft Brewery von Matzenheim’ nennt. Andere Geschmacksrichtungen verweisen auf Chilli und Schokolade.

Das ist insofern verständlich, als dass es in der Tat – anders als oft behauptet – in Frankreich keine eigene Bierbautradition gibt. So war „Polen offen“ für mannigfachste Versuche. Mit allem kann man spielen. Am ehesten bietet sich da der zum Brauen unerlässliche Hopfen an. ‚Mandarin Bavaria’ heißt da z.B. schon mal so eine Sorte, und auch ‚Hüll Melon’ soll hier erwähnt werden. Erwähnen sollte man weiter vielleicht die Hopfensorte ‚SHIPA Polaris von Kehrwieder’, die wundersamerweise mit einer geschmacklichen Note von Minze aufwartet. Passt vor allem gut zu ‘Choucroute garnie’ oder ‘Flammekueche’.

Und auch in Amerika sprießen die kleinen Brauereien („Craft Beer“) wie Pilze aus dem Boden. Man  mag das durchaus als Auflehnen gegen die übernächtigen großen Brauereikonglomerate (Anhauser Busch, Miller, Budweise) sehen, die den gesamten Markt unter sich aufgeteilt und mit ihren Wasserbieren zugeschüttet hatten. Bis in jüngster Zeit. Da hatten sich tausende kleiner Bierbaubetriebe bereits einen Marktanteil von sage und schreibe 10 % erkämpft.

Etwas anders stellt es sich in Belgien dar. Gut, es gab schon immer traditionell belgisches Bier, das, auf Champagnerbasis gebraut, stets seine Freunde fand. Für Außenstehende wie mich aber gilt: und wer die Geschichte Belgiens nur am Rande verfolgt, ahnt, dass in einem disfunktionalen Staatsgebilde kein funktionierendes Bier entspringen kann. Das weiß ich vor allem deshalb, weil ich vor vielen Jahren auf ein Fest der legendären Flippers eingeladen war. Das Fest fand statt, glaube ich mich zu erinnern, in ihrem Lieblingsrestaurant irgendwo im Kraichgau, und die Spezialität des Hauses bestand in ausschließlich belgischem Bier. Die Flasche war ziemlich teuer. Wer aber will, dass Bier nach Himbeere schmeckt, muss in seine Erfindung schon ordentlich investieren. Die Flippers waren damals richtig gut im Geschäft, Geld spielte also keine Rolle. Neben Pfirsichgeschmack waren auch noch Apfel-, Hollunder und viele anderer Geschmacksrichtungen auf der Karte zu finden. Allesamt schmeckten sie aber dann doch irgendwie nach in Bier aufgelöster Ahaoi- Brause. Dazu wurden Schnitzel gereicht, Schnitzel mit Pommes. Vielleicht fand die geschmackliche Vermählung im Himmel statt. Bei mir im Mund jedenfalls nicht. Nach der fünften versuchsweise geöffneten Flasche geriet ich dann endlich an eine Sorte, die in etwa dem entsprach, was man landläufig Bier nennt.

Nun sind die Flippers schon längst Geschichte. Das Böse ist aber immer noch auf der Welt. Und zwar in Gestalt von Draft Bieren. Woher DIE kommen? Jedenfalls werden sie gebraut von meist dicken Männern, deren Schädel von den merkwürdigsten Frisuren verziert sind. Sie entspringen, anders als der von ihnen verarbeitete Hopfen, einem Barbershop. Die Arme der Brauer sind über und über tätowiert. Wenn das dereinstige Entfernen dieser Tätowierung nur im Ansatz mit den Höllenqualen verbunden ist, wie ich sie litt beim Leeren des Glases, dann hätten sie sich das mit den Tattoos bestimmt zwei mal überlegt. Bei denen und bei mir war’s in jedem Fall zu spät. Was ich im Glas vorfand hatte nicht das Geringste mit einem üblichen Bier zu tun. In so einem Glas dümpelten Geschmäcker ungeahnten Ausmaßes und fremdester Richtungen. Chilli und Schokolade sind da keine Ausnahme. Das Ganze muss man sich ungefähr so süffig vorstellen wie gesamtdeutscher HipHop.

Wehe dem Braumeister, der einst gezwungen sein sollte, sich mit seinem eigenen Livestyle Saft vorm Verdursten zu retten. Der oder ich, wird er sich da sagen hören. Er wird bereuen, jemals geboren worden zu sein. Aber dann wird es zu spät sein. Alles rächt sich. Das Böse kommt immer wieder zurück auf den, der es in die Welt gebracht hat.

Im vorliegenden Fall ist es die Bierbüchse der Pandorra.

 

 

Dank an Braumeister Olli Feick vom Brauhaus ‚Dammenmühle’/Lahr für fachliche Beratung und wunderbares Bier!

 

Allgemein Essen & Trinken Stadtstreicher

Eis auf Rädern

Published by:

Eisverkäufer in Rom 1820

Seien wir mal ehrlich: das Maiwetter war bislang ja nicht so toll. Bedeckter Himmel, Sturm, Regen. Es kann nur besser werden. In Erwartung kommender Sonnenstrahlen hatte ich mich deshalb schon mal meiner großen Leidenschaft hingegeben: Eis essen.

In Eis könnte ich mich – wie man so sagt – reinlegen. Meistens nehme ich drei Kugeln, was für mich genau in der Mitte zwischen zu wenig und zu viel ist. Zwei Kugeln wären zu wenig, vier zu viel. Was ich hier aber noch sagen sollte, ist, dass ich Eis gern mit Sahne esse. Das ist so eine Marotte von mir. Da bietet sich jetzt einmal der Vergleich mit einem Edelstein an: auch der braucht ja eine Fassung, um seine Schönheit voll zur Geltung zu bringen. So in etwa verhält es sich bei mir mit Eis und Sahne. Nur ist es beim Eis der Geschmack. Mit Sahne schmeckt’s mir halt noch besser.

In der Regel nehme ich mein Eis im Becher, denn es hat sich gezeigt, dass im Laufe des Verzehrs die gefrorene Masse flüssig wird. Ich fühle mich dann immer ein bisschen gehetzt. Beginnt nämlich das Eis zu schmelzen, bin ich gezwungen auf Tropfenjagd zu gehen. Nix für mich. Deshalb immer besser mit Becher. Ja, busbezogen könnte man sagen: ich bin ein Fahrgast der nicht tropft. So genießt es sich einfach entspannter.

Kein Verbotsschild weit und breit

Ziemlich unentspannt war es dann aber neulich, als ich mit meinem Eisbecher wieder mal in einen Bus steigen wollte. Den Vorschriften entsprechend betrat ich das öffentliche Verkehrsmittel durch die Fahrertür, knallte dabei ungebremst auf einen Busfahrer, der mich knapp beschied: Kein Eis! Vorschrift! Na ja, dachte ich: der Mann hat’s halt am Magen. Ich nehme den nächsten. Jetzt kam’s noch schlimmer. Im nächsten Bus saß am Steuer eine etwa 45jährige, stark berlinernde Amazone, die ich, wenn ich mich nicht täusche, schon mal in einem James Bond Film gesehen hatte. Dort spielte sie eine Stasi Generalin, die immer versuchte, die Agenten des MI 5 durch einen kleinen vergifteten Dorn, den sie aus der Spitze ihres Schuhs ausfährt, umzubringen. In meinem Fall ließ sie die Füße gottseidank auf den Pedalen, aber wie sie das ‚kein Eis im Bus’ bellte, erinnerte mich stark daran, dass die deutschen Einheit noch nicht in allen Lebensbereichen vollzogen ist.

Der dritte Busfahrer war etwas netter, trotzdem erfolgte ‚kein Zustieg‘. Man muss die Bibel nicht kennen, um nachvollziehen zu können, wie das mit der Herbergsuche im Heiligen Land gewesen sein könnte, als die Hl. Familie an Weihnachten Einlass begehrte und man sie draußen stehen ließ.

Derweilen begann mein Eis schon langsam zu laufen. Ich aber stand noch. Neben mir jede Menge Schüler, die, in je einzelnen ‚Friday for future’ Gruppen, umweltbewusst in vorfahrende Busse gestiegen waren oder noch steigen wollten. Was mir zwischenzeitlich auffiel – mittlerweile hatte ich mich zur zweiten Geschmacksrichtung („Amarena“) durchgespachtelt – war, dass sie den Bus nie durch die Fahrertür bestiegen, sondern praktischerweise gleich den hinteren Eingang nahmen. Während es also dort hinten zu massenweisen Verstößen gegen offensichtliche Vorschriften kam, hatte der Fahrer dadurch vorne im Bus bedauerlicherweise alle Hände frei, um einem grundehrlichen Eisesser wie mir mit Verweis auf eben diese Vorschrift den Zutritt zu verwehren.

Als sich nun der vierte Bus der Haltstelle näherte, mein Eisbecher noch keineswegs leer war, hatte ich erst mal genug. Ich ergriff die Gelegenheit, mischte mich zwischen eine halbe Schulklasse und bestieg wie diese den hinteren Teil des Busses. Dort setzte ich mich (Sichtschutz) mit dem Rücken zum Fahrer.

Jetzt war meine Freude groß. Ich genoss den Rechtsverstoß, denn während sich der Bus langsam in Bewegung setzte, gab ich mich zügig dem Genuss meiner dritten Eiskugel hin. Unbehelligt von Verboten, ließ ich mich in einen Zustand relativer Glückseligkeit schaukeln. Weit hinter mir der Fahrer. Vor mir die letzte Portion. Die Sorte heißt „Rhumba“, und keiner wird mir verdenken, wenn ich sage, dass ich gerade mit dieser Geschmacksrichtung immer ein bisschen Weite, Urlaub und Karibik verbinde. Frei von allen Zwängen. Chillen. Von Haltestelle zu Haltestelle.

 

Allgemein Essen & Trinken Menschen

Besuch bei schwäbischen Freunden

Published by:

220px-ZimmererSiegelAuf der Suche nach der dortigen Seele

Wenn unsereiner die kleine Stadt verlässt, die ja so schön ist, dass man ihren Namen zwei Mal nennen muss, dann sollte es sich bitte schön doch lohnen. Tübingen z.B. wäre schon mal so eine Reise wert. Tübingen! Stadt der Philosophen, der verblichenen Denker und eines grünen Oberbürgermeisters mit dem Namen Boris Palmer, der aber noch lebt. Ernst Bloch aber ist tot, Hans Mayer weilt schon lange nicht mehr unter uns, und Walter Jens ist nach langer Krankheit nun auch schon verstorben. Wollte man diese Geistesgrößen früher treffen, musste man nur in der Osiander’schen Buchhandlung in der Metzgergasse vorbeischauen. Da konnte man an je bestimmten Tagen dem Weltgeist beim Teetrinken zusehen.

Aber das ist ja nun schon ein Weilchen her. Nix mehr mit Weltgeist beim Tee. Dann also das Alternativprogramm. Ich beschließe, ein mir empfohlenes Restaurant in der Ammergasse aufzusuchen. Dort gibt’s zwar allenfalls Himbeergeist, dafür aber Maultaschen und Schwabenbräu, serviert von einer Bedienung, die wieder einmal bestätigt, dass Freundlichkeit in schwäbischen Wirtschaften allenfalls ein formlos erklärter Gewaltverzicht ist. Diese sicherlich nett gemeinten Grobheiten wurden aber mehr als wettgemacht durch den Unterhaltungswert zweier Zimmerleute, die sich am Nachbartisch über die Figur des Widerstandskämpfers Graf Stauffenberg in die Haare gerieten. Der eine sagte, für ihn sei Stauffenberg ein Held. Der andere bezeichnete ihn als Arschloch. Damit war der Begrifflichkeit genüge getan, und man konnte ans Streiten gehen.

Ich möchte hier nicht die Auseinandersetzung in allen Verästelungen wiedergeben. Nur soviel: nach heftigsten Wortwechseln mit angedrohten Schlägen kam es zu guter Letzt dann doch noch zu einer Versöhnung. Ob darüber die Figur Graf Stauffenbergs auf der Strecke geblieben war, hatte ich irgendwie nicht ganz mitbekommen, steht aber zu vermuten. Mittlerweile hatte sich zudem noch die Bedienung vor mir aufgebaut und bellte: „Zahle“, wobei ich nicht wusste, ob dies als Frage oder Befehl zu verstehen war.

Was mir aber noch deutlich in Erinnerung geblieben ist, war der Satz, den der eine Zimmermann dem anderen dann doch noch fröhlich versöhnt zugerufen hatte. „Woisch was: jetzt trinksch ä klöis Bier auf mei Rechnung“.

Dieser an sich schlichte Satz bedarf aus gegebenem Anlass – noch sind wir in der Denkerstadt Tübingen! – der hermeneutischen Deutung. „Woisch was“ (das weist auf den Hammer hin, der gleich kommt). „Jetzt trinksch…“ (ich trinke nicht mit) „ä klöis Bier“ (kein großes, sondern ein kleines Bier) „auf mei Rechnung“. Der Bestellende ist also zahlungswillig. Damit das alles klar ist.

Im Badischen hätte es geheißen: „Jetzt trinken wir ein Bier“. Dann wäre klar gewesen: zunächst einmal ist das ein ganz normaler Vorgang. Weiter: wir trinken zwei Gläser Bier und zwar große. Im übrigen trinke ich mit, und das ganze geht natürlich auf meine Rechnung.

Soweit, so badisch. Irgendwie muss man sie einfach lieben, unsere Schwaben…!

  • Archive