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Die Prinzenrolle

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Echt närrisch – in Baden-Baden findet sich keiner, der will.

Im Märchen und im Rheinland wäre so etwas unmöglich: In der Baden-Badener Narrenzunft findet sich kein edler Prinz, um die schöne Prinzessin in Richtung Thron, beziehungsweise Bühne, zu geleiten! Während in Köln oder Düsseldorf gestandene Geschäftsleute locker einige Tausend Euro samt viel Freizeit investieren, um im samtigen Pumphöschen und Strumpfhosen Ansprachen und Küsschen zu verteilen, mag in Baden-Baden offenbar kein Fastnachter die höchste Würde anstreben. Ein Fasnet – Gau. Zum ersten Mal in der Geschichte der honorigen Zunft wird es dieses Jahr wohl nur eine Prinzessin an der Spitze der Narrenschar geben.

Nun mag ein vom Virus der Fasnet-Tollerei nicht Angesteckter argumentieren: sooo toll sei die Prinzenrolle ja nun auch wieder nicht. Festabend für Festabend sich mehr oder weniger witzige Reden anhören, selbst reden, mit der Prinzessin schäkern, ohne die eigene Partnerin eifersüchtig zu machen, Tanzkünste vorführen, beim Umzug Bonbons werfen und möglicherweise im Regen stehen – welche echter Mann mag das wirklich? Da braucht es schon eine gehörige Portion Begeisterung für die närrische Sache, um sich wochenlang prinzenmäßig zu präsentieren. Aber gibt es denn nicht wenigstens EINEN Kavalier, der der einzelkämpfenden Prinzessin galant zur Seite steht – so wie es die Ehemänner von OB Mergen und Eventschefin Waggershauser vorbildlich praktizieren! Aber was heißt schon ‚vorbildlich’? Bei beiden Damen ist das „Ausüben einer närrischen Tätigkeit in Begleitung“ Teil des Dienstvertrags. Das kann man nachsehen unter ‚Anforderungsprofil‘. Steht ganz klein gedruckt. Unten links.

Allgemein In eigener Sache

Sapperlot!

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Der „Badenblogger“ hat jetzt 400 000 Follower. Na also.

Gestern hätte ich anlassbezogen gern etwas in meinen Blog geschrieben, aber ich war stark benebelt. Dass das mit dem Schreiben nicht geklappt hat, liegt letztlich an meiner Nachbarin, einer älteren Dame, die in der Wohnung unter mir wohnt. Gefühlt müsste sie achzig Jahre alt sein, aber ich glaube, fünfundsiebzig trifft es eher. Sie läuft sehr schlecht. Noch schlechter aber spricht sie Deutsch, und das, obwohl sie ist vor bestimmt zwanzig Jahren nach Deutschland gekommen ist. Ja, man muss sagen, dass sie fast gar kein Deutsch spricht.

Wie lange sie schon in Deutschland ist, weiß im Haus niemand genau zu sagen, nicht einmal die netten Türkin, die mit ihrer Familie über mir wohnt. Das Wenige, das sie weiß, weiß auch ich von ihr nur so ungefähr. Zwar läuft die Türkin gut, spricht aber ebenfalls sehr schlecht Deutsch. Allerdings ist sie mir immer behilflich, wenn die große Schar Ableser – Gas, Wasser, Kontrolle der Brandschutzmelder etc. – während meiner Abwesenheit Zutritt zu meiner Wohnung begehrt. Dann lässt sie die Kontrolleure rein. Meistens aber macht das ihre Tochter, die sehr gut Deutsch spricht und meistens da ist. Irgendwann will sie „irgendwas mit Marketing machen“. Ob Marketing für sie das Geeignete ist, weiß ich nicht. Ich neige eher dazu, nein zu sagen. Denn wenn sie „´was mit Marketing“ machen will, könnte es sein, dass sie ja aus der elterlichen Wohnung auszieht. Das würde dazu führen, dass niemand mehr da ist, der dem Ableser Zutritt zu meiner Wohnung verschafft. Also besser kein Marketing.

Aber deswegen war ich gestern nicht benebelt. Das hatte einen anderen Grund. Es lag eher am Kochverhalten der bestimmt fast achtzigjährigen Dame, die unter mir wohnt. Habe ich meine Obermieterin richtig verstanden, könnte sie aus dem katholischen Kroatien stammen, ein Verdacht, der sich dadurch erhärten lässt, dass aus ihrem Fenster ganzjährig ein blinkend – leuchtendes Marienpüppchen lacht.

Nun kenne ich mich im Kroatischen nicht so aus. Es könnte nur sein, dass viele Kroaten nicht nur einem leuchtenden Marienkult anhängen, sondern die eine oder andere Kroatin auch über große Kochgeschirre verfügt. So, wie möglicherweise die unter mir wohnende Dame. Denn einmal die Woche – meist Dienstags – erfüllt ein Geruch das gesamte Hausinnere, der vermuten lässt, dass er einem großen Topf entströmt, in dem sie wahrscheinlich ihre gesamte Wäsche kocht. Dazu gäbe sie dann reichlich Knoblauch, auch Lauch und viel Kohl. Nicht genug. Von den acht paar Sportschuhen ihres Sohnes, die vor ihrer Tür stehen (der Sohn wohnt merkwürdigerweise nicht bei uns im Haus, seine Schuhe aber schon), fehlen derzeit drei Paar Sneakers, und alle im Haus rätseln, wo die Schuhe geblieben sind. Sie werden doch nicht etwa…?

Über Stunden hinweg pflegt dann der Topf so vor sich hin zu köcheln. Während dieser Zeit ich bin stets  besorgt, es könne jemand mit brennender Zigarette ins Hausinnere treten, und – bedingt durch die dem Topf entströmende Gase – eine Explosion auslösen. Das aber wäre auch zugleich das Ende vom „Badenblogger“, der, gestern noch von den Ablüften des Kochbottichs stark benebelt, erst heute dazu kommt, zu vermelden, dass der „Badenblogger“ nun schon 400 000 Follower verzeichnet.

Und so werden wir auch weiterhin uns der Wahrhaftigkeit und der Völkerfreundschaft verpflichtet wissen. Und auch in Zukunft die Finger auf Töpfe legen, deren Inhalt uns fragwürdig erscheint.

Allgemein Kultur Musik

„Freude in das Kinderland“

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Wie die Hohner Melodica einmal die deutschen Kinderzimmer zum Klingen brachte

Ein Herr Dr. Dorner war 1958 Leiter der Abteilung Metallbau-Akkordeon bei der Firma Hohner.  Um die Firma zukunftssicher zu machen, kümmerte er sich vorrangig um die  Entwicklung neuer Instrumente. Das Gestalten der Zukunft – eine durchaus verantwortungsvolle Aufgabe.

Und doch: wer Zukünftiges denken soll, darf den Blick ruhig auch einmal auf die Vergangenheit richten. Dort richtete sich sein Blick womöglich auf den  Urahn der Dynastie, Matthias Hohner, der 1833 geboren war und mit seiner Gattin Anna dreizehn Kinder hatte. Vielleicht war es gerade diese Vorstellung, dass in grauer Vorzeit – das Land war arm – auf der Baar dreizehn junge Münder am selben Blockflötenmundstück nuckelten? Jedenfalls reifte in dem Ingenieur, neben der Erfindung der Melodica, auch die Idee, das Instrument mit unterschiedlich farbigen Mundstücken auszustatten. So konnte man  drohende innerfamiliäre Verwerfungen vermeiden. Ein Kind, ein Mundstück.

So war es das Jahr 1958, als Hohner das erste Instrument der neuen Instrumentenreihe, die SOPRANO MELODICA, auf den Markt brachte. Ein Instrument mit „Stummeltasten“ aus der Familie der Blasharmonikas, das „den eingeblasenen Luftstrom durch Drücken einer Taste in eine Kanzelle fließen“ lässt, so der damalige Prospekt. Ihr Klang ähnelte schon damals dem Klang eines Akkordeons. Ansonsten liegt man nicht falsch, wenn man in einer Melodica die neuzeitliche Fortschreibung der Idee ‚Flöte‘ sieht. Nicht zu teuer, leicht zu transportieren, einfach zu spielen. Das Plastikinstrument schlug damals ein wie die sprichwörtliche Bombe. Das war schon mal ein guter, ein sehr guter Anfang.

Doch ließ der schöne anfängliche Erfolg die Entwickler nicht ruhen. Schon 1961 schob man eine neue Variante nach. Die PIANO MELODICA. Sie bot zum ersten Mal eine vollwertige Klaviertastatur, war also irgendwie ‚erwachsen‘. Und doch war 1975 die Konkurrenz noch hart wie Holz. 4,3 Millionen Menschen hatten sich der Blockflöten verschrieben, die mit ihrem freundlich frömmelnden Holzton vergleichsweise bieder tönte. Alsbald aber lagen über eine Million Melodicas in deutschen Kinderzimmern. Entweder vom Christkind gebracht oder vom Vati gekauft. Das deutsche Kind war jetzt im Melodica Rausch. Orchester bildeten sich, Kinder musizierten; in Kindergärten, in Schulen, in den Wäldern. Überall wurden jetzt Mundstücke fröhlich eingespeichelt.

Und wie immer mal wieder, hatte die Firma Hohner das Glück des Tüchtigen. So etwa, als eines Tages Stevie Wonder das Hohner Clavinett für sich entdeckte und der Firma einen wahren Verkaufsboom verschaffte. In den 80er Jahren war der Funk ohne das Clavinett kaum vorstellbar. Ob Stevie Wonders ‚Superstition‘, Tina Turners ‚Nutbush City Limits‘ oder Pink Floyd ‚Shine On You Crazy Diamond‘ – wenige Produktionen kommen zu dieser Zeit ohne das Produkt aus Trossingen aus. Selbst dann, als die westdeutschen Kinderzimmer eine gewisse Melodica – Sättigung erreicht hatten, wurde kräftig weiterentwickelt. Nun aber für gehobene Bedürfnisse. Es entstand das ‚Piano 36 Professional‘ und andere, denn jetzt – oh Wunder! – hatte die die Popwelt das Instrument entdeckt. UB 40, Joe Jackson und die Bots, die Hooters und Depeche Mode, sie alle sahen in der Melodica eine willkommene Abrundung ihrer Klänge. Glückliche Zeiten!

Heute ist die Produktlinie auf drei Sparten zusammengeschmolzen, darunter das Modell ‚Airboard‘ in seiner bunt-ansprechenden Farbgebung ‚Rasta‘. Andere sind hinzugekommen. Mittlerweile gibt es auch einen sog. Anblasschlauch, der das kinderverbindende Mundstück überflüssig macht – obwohl es noch auf Lager ist! Selbst die Firma Hammond, bekannt durch Ihre legendäre Hammond Orgeln, hat nunmehr ein ähnliches Instrument im Angebot, freilich ungleich teurer.

Die Firma Hohner aber, jetzt in taiwanesischem Besitz, entwickelt weiter. Neue Produkte kommen auf den Markt, aber man kann fragen, ob die Melodica zu alter Blüte findet. Neue Instrumente wurden seither entwickelt. Keyboards wurden billiger, in ihren Möglichkeiten vielfältiger. Heute werden pro Jahr noch etwa sechzigtausend Melodicas hergestellt, ein deutlicher Rückgang. Warum ist nicht mehr alles so wie früher?

Darüber haben schon viele räsoniert. Z.B. der kaum entnazifizierte Chronist des Hauses, August Lämmle. Der machte schon Mitte der sechziger Jahre in seinem Band „Matthias Hohner – Leben und Werk“ den „Rückgang der Kinderzahl in allen Kulturstaaten“ für derlei Trends verantwortlich. Dadurch sei das Geschäft nicht einfacher geworden, denn schließlich will die Industrie „doch mit ihren Erzeugnissen in erster Linie vor allem Freude in das Kinderland tragen“.

Stadtstreicher

Besser zu zweit

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Foto 2Dort, in der Sophienstraße, wo Baden-Baden ein bisschen an Münchens Maximilianstraße erinnert, und wo die Einkaufstüten von Hermes und Escada den Winterpelz auf Anmutigste schmücken, kann man in diesen Tagen ein schönes Beispiel der Entschleunigung sehen. Jetzt, da das jetzt fast schon vergangene Jahr sich seinem baldigen Ende zuschiebt, erleben wir dort einen älteren Herrn mit seinem wirklich sehr alten Hund beim täglichen Spaziergang auf dem breiten Spazierstreifen der Allee. An sich nichts Besonderes. Es fällt nur auf, wie behutsam, ja, man muss hier fast sagen, sorgsam und altersgerecht der eine mit dem anderen umgeht. So hinfällig jeder für sich selbst ist, so sehr nimmt er doch auf den anderen Rücksicht. Erst geht der ältere Herr ein paar Schritte, dann wartet er auf seinen Hund. Der wiederum kommt langsam heran, geht an seinem Herrn vorbei, blickt sich um, und wartet, bis, ja, man möchte fast sagen: Gleichstand erreicht ist. So schiebt sich das alte Duo allmählich vorwärts. Einer wartet, bis der andere nachkommt. Der Fortschritt ist halt manchmal eine Schnecke.

Unter all den guten Wünschen, mit denen wir den Jahreswechsel begleiten, sollte auch der sein, dass die beiden sich noch lange haben. Eine schöne Schicksalsgemeinschaft. Beide brauchen sich. So geht es voran. Zwar langsam, aber immerhin. Das wünschen wir für uns alle, ganz besonders aber für die beiden in der Sophienstraße.

Denen ganz besonders ein schönes und vor allem gemeinsames Fest. Zu Zweit fällt er halt leichter: der Schritt ins Neue Jahr!

Allgemein Essen & Trinken

„Die Schusswunde schützt man vor Fliegen durch Zubinden…“

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Kochen wie in den Kolonien. Eine Anregung für’s kommende Fest

Foto Uwe Schiereck

Bevor Sie, lieber Leser, liebe Leserin sich auch an diesem Weihnachtsfest wieder vorschnell für das übliche, Schäufele und Kartoffelsalat, entscheiden, lassen Sie mich bitte ganz kurz auf mein Erbe zu sprechen kommen. Aus dieser Erbmasse ist mir ein Buch geblieben, das Ihnen gerade in Zeiten allgegenwärtiger Globali-sierung vielleicht ein Stück weit Augen und Gaumen auch für neue, fremde Formen des Genusses öffnen wird. Und wer weiß: vielleicht geben Ihnen die hier vorstellten Speisen auch kleine Anregungen fürs nahe Fest. Ein Tip, sozusagen.

Wenn uns das anspricht – was würde uns dann erwarten? Der Titel des Werkes, auf das ich mich hier beziehe, heißt: „Praktisches Kochbuch“. Verfasst hat es Henriette Davidis. Erschienen ist das Werk 1844, und wurde nach mehreren überarbeiteten Auflagen 1911 von Rudolf Zäch durchgesehen und überarbeitet. Ein außergewöhnliches Werk, 1110 Seiten stark, das seinen Reiz vor allem daraus bezieht, dass es uns, neben vielen anderen nützlichen Hinweisen, und mit dem Einfügen  des neuen Kapitels „Die Tropische Küche“ einstimmt auf die Herausforderungen der neuen Zeit.  

Geplantes Wappen

Damals hatte auch Deutschland ‚zu guter Letzt‘ einen Platz an der Sonne erobert. Auch Deutschland hatte seine Kolonie. Diese sollte  fortan ‚Deutschsüdwestafrika‘ heißen. Viele zog es  nun weg aus „unserem übervölkerten Deutschland“ ins ferne Afrika, und so galt es, die Küche des ‚Gastlandes‘ den neuen Siedlern nahe zu bringen. Was sich dann auch als überaus sinnvoll erwies, denn es war nicht zu übersehen: „Meist magern die Weißen in den Tropen rasch ab“. Muss irgendwie am Klima liegen.  Was kann man dagegen tun?  „Namentlich in der Zeit der Rekonvaleszens, nach Klimafieber und Ruhr, ist eine kräftigende und angepasste Kost von großer Wichtigkeit“. Eine solche ins Zentrum der Betrachtungen zu stellen, machen sich die Verfasser zur noblen Aufgabe. Denn es gilt, gastronomisches Neuland zu betreten. Afrika auf den Tisch, so lautet die viele Seiten lange Herausforderung.

Und siehe da: wie reich die Savanne doch ist! Und was kann man da nicht alles essen! Z.B. den Höcker eines Zebus. Wichtig ist die Zubereitung.  Selbstverständlich sollte man ihn vor dem Kochen erst einmal enthäuten. Haben wir das hinter uns, verfahren wir mit dem Stück ganz normal, so, wie wir es auch vom Fleisch der in Deutschland lebenden Tiere gewohnt sind. Wir geben Salz, Pfefferkörner, Suppenkräuter dazu. Serviert wird der Zebu-Höcker dann mit einer Remouladen- oder Cumberlandsauce.

Der afrikanische Elefant ist rechts abgebildet. Man beachte den Fuss.

Jetzt zum Elefantenfuß! Er wird ähnlich zubereitet wie der Zebuhöcker, lässt uns aber darüber hinaus noch die Wahl, in welchem Zustand wir die Speise genießen: „Die gutgesäuberten und gewaschenen („Elefanten-“ d.V.) Füße … können nun warm oder auch kalt in ihrer gallertartigen Brühe serviert werden.“ Über die Größe des benötigten Topfes macht das Buch leider keine Angaben. 

Wer’s ein bisschen kleiner mag, versucht es mal mit einem Antilopenkopf, oder, falls beim Metzger zu haben, einem Affenrücken. Laut Kochbuch wird er, ähnlich wie Hasenbraten, mit Specktreifen gespickt und dann „in heißer Butter unter fleißigem Begießen in sehr heißem Ofen rasch gargebraten“. Weiter empfiehlt sich das Hinzugeben einer „Fleischbrühe aus Maggis Bouillionwürfeln“, eine Empfehlung, die man unbedingt ernst nehmen sollte, denn Maggi hatte das Kochbuch gesponsort, und so wird es in Deutschsüdwestafrika gerochen haben wie in Singen am Hohentwiel, der Heimat des Brühwürfels.

Weiter finden wir im Buch Rezepte für den Tapirbraten und auch für eine Antilope. Wie man Flusspferdefleisch zubereitet, lassen wir hier jetzt mal beiseite. Im Wesentlichen verfährt man mit ihm wie mit dem Antilopenkopf. Eigentlich ganz einfach, aber bitte Maggi nicht vergessen.

Nun kann es ja sein, dass Sie in einer besonders hippen Gegend wohnen, wo der Metzger einen diagonal über der Brust geführte Schürze trägt, ein Nerd ist und sich Butcher nennt. Er wird neben Dry Aged Steaks, saisonbedingt vielleicht auch mal Störche im Festtagsangebot führen („auf Vorbestellung“). Hier muss man aber – so empfiehlt das Kochbuch – unbedingt fragen, ob es auch wirklich junge Tiere sind. Ansonsten unbedingt darauf achten: „Alte Störche legt man 36-48 Stunden in eine Essigmarinade“. Anschließend wie gehabt: Fleischbrühe, etwas Thymian und, nach Belieben, sauern Rahm dazugeben. Kein Maggi.

Jetzt aber noch eines. Sollten Sie am Hl. Abend Gäste einladen, muss man sich vorsehen. Nicht jeder ist so weltoffen, wie er tut. Waren die Freunde schon mal in Afrika, sind also bereit, sich unterm Baum auf Neues einzulassen, kann man es spannend machen. Man hält dann mit der Wahrheit noch etwas hinterm Berg. Köstlich wäre es z.B., das Festmahl mit dem ungezwungen, fröhlichen Ruf: „Überraschung!“ einzuleiten, um dann erst nach dem Mahl mit der ganzen Wahrheit herauszurücken.

Scheint es aber, bedingt durch etwaige Empfindlichkeiten der Gäste, angebracht, diese über die Herkunft des Wild-Bratens im Unklaren zu lassen, dürfen Sie darauf zählen, dass ein noch nicht vollständig ausgewachsener Storch (erst mal „haut man Hals, Flügel und Füße weg“ – so das Kochbuch) selbst bei näherer Betrachtung locker als Stubenküken durchgeht.

Hat er allen geschmeckt, wäre das Problem, wie man so sagt, ohnehin vom Tisch.

 

PS Und ach, noch etwas. Sollten Sie es an den Feiertagen für angebracht halten, eine Aushilfe auf Teilzeitbasis zu beschäftigen,  dann Obacht: „Die Behandlung des eingeborenen Dienstpersonals will auch erlernt sein. Es gibt unter ihnen viel arbeitsscheues Volk…“

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