Allgemein Essen & Trinken Menschen Stadtstreicher

Unser täglich Brot gib uns heute

Published by:

…aber bitte nicht zwei Kilo auf einmal. 

Das Leben einer Einzelhandelskauffrau ist keineswegs so einfach, wie man sich das gemeinhin so vorstellt. Ständig muss sie sich mit neuen Themen auseinandersetzen. Da taucht frische Ware auf. Neue Preise werden auf- , altes Wissen wird abgerufen. Und dann auch noch die Kundschaft mit all ihren Wünschen. Allein schon die Fleischtheke bietet eine Fülle von Herausforderungen, wenn es z.B. gilt, verschiedene Fleischsorten den korrespondierenden Tieren zuzuordnen. Allein schon so etwas  erfordert eine ganze Menge an Knowhow. Glücklich, wer da noch das Berichtsheft aus der Zeit seiner Lehre in Reichweite hat. Etwas einfacher ist es, arbeitet man an der Fischtheke. Aber auch da wäre es gut, könnte man den Süßwasserfisch seiner Herkunft nach dem Viktoria- oder dem Titisee zuordnen. Weiter wäre gut zu wissen, dass der Rollmops von den Lofoten kommt und die Wiege der Schwarzwaldforelle in der Nähe von Freudenstadt steht.

Etwas leichter tut sich da die Verkäuferin an der Brottheke eines Supermarktes. Gut ausgebildet, wie sie ist, weiß sie z.B. dass das Brot, das sie verkauft, vom Bäcker kommt, was das Erfüllen des Kundenwunsches zwangsläufig enorm vereinfacht. Meist deutet der Kunden vor der Theke stehend ohnehin auf ein bestimmtes Brot im Regal und sagt: „Von dem da, bitte“. Ist der Service perfekt, wird die Fachfrau versuchen, den Wunsch des Kunden behutsam einzugrenzen, etwa dergestalt: in dem Brot da ist aber Kümmel drin.

So ähnlich war es mir erst kürzlich ergangen, als mich am Brotstand eine bestens ausgebildete Einzelhandelskauffrau auf diesen Unterschied hinwies. „Da ist aber Kümmel drin“, sagte sie mit leichtem Bedauern, denn das Brot war von gestern und hätte weggemusst. Gut, dass es diese Sorte dann aber auch ohne Kümmel gab, weshalb sie nach einem frischen Laib griff. Eigentlich hätte sie sich gewünscht, dass die Menge ungeteilt über die Ladentheke geht. So traf sie meine Bitte um die Zuteilung von 300 Gramm ziemlich unvermittelt. Mit verdunkeltem Blick wuchtete sie den Laib auf das Schnittbrett, waltete ihres Amtes, schnitt ab und legte das Stück auf die Waage. 500 Gramm. Beim Einpacken fragte sie noch schnell, ob es recht sei. Nein, sagte ich. Da ich kein altes Brot mag, sagte ich, ich hätte gern 300 Gramm. Zu fortgeschrittener Arbeitszeit auch noch ein renitenter Kunde – das hatte ihr gerade noch gefehlt. Zugeteilter Brotabschnitt also wieder zurück. Restlaib wieder her. Jetzt drehte sie den Spieß um. Sie wurde bockig.

Dann solle ich ihr doch jetzt bitte mal sagen, wie viel Brot ich eigentlich will. Ich sagte 300 Gramm. Auf dem Schnittbrett lagen zwei Kilo, zudem das Messer und die Hand, die es hielt. Sie schien offensichtlich nicht gewillt, ihre Kenntnisse der Mengenlehre als Teil ihrer Ausbildung heranzuziehen. Noch ruhte das Brotmesser in ihrer Hand. Ihr Blick war herausfordernd. Unter keinen Umständen schien sie gewillt, sich dem Wunsch des Kunden nach der erbetenen Schnittmenge zu stellen. Unter diesen Umständen schien ihr sogar geboten, Verantwortung abzugeben, das Bestimmen der Menge also auf den Kunden abzuwälzen. Sie rückte ihren enormen Laib in die Mitte und legte das Messer an. Wie viel, sagte sie, soll’s denn sein? Ich sagte 300 Gramm. Soweit ich durch das Schutzglas der Theke sehen konnte, zitterte ihre Messerhand jetzt leicht.

Der Kunde blieb jetzt nur noch die herausfordernde Möglichkeit, sich vor ihrem verdüsterten Auge zu blamieren. Jetzt also wäre es an mir, sich der kaum zu bewältigende Aufgabe der Mengenzuteilung zu stellen. 300 Gramm wollen schließlich mengengenau abgeschnitten sein. Dass sie ihre gesamte berufliche und private Existenz ursprünglich darauf gegründet hatte, dem Kunden die gewünschte Menge Brot zu verkaufen, blieb in diesem Zusammenhang unerwähnt.

Mittlerweile hatte sich vom Käse her ihr Kollege genähert, der, am Rande des Emmental friedlich agierend, mitbekommen hatte, dass sich nebenan wohl ein Konflikt abzeichnet, der – wie so viele weltweite Auseinandersetzungen – wohl in der Verteilung der Resource ‚Nahrung‘ seinen Ursprung nahm. Schnell aber ahnte er, wie komplex das Thema war. So schien es ihm das Klügste, sich lieber wieder dem traditionell abgepackten Backsteinkäs‘ zuzuwenden.

Noch aber thronte hinterm Tresen diese massive Brotmamsell, nicht willens, auch nur eine Schnitte nachzugeben. Das Blitzen der vor ihr senkrecht stehenden Klinge im Auge ließ ich mich letztlich darauf ein, die gewünschte Menge selbst zu bestimmen, was – da ich die Nerven verlor – in einem schmachvollen, mich rundum demütigenden Prozess endete. Millimeterweise verschob sie ihr Brotmesser auf dem Brotlaib, mich fixierend und abfragend: soll’s so viel sein, oder soviel, oder sogar soviel?

Fix und fertig wie ich jetzt noch beim Schreiben bin, gab ich ein erschöpftes ‚In Ordnung‘ von mir. Als die Waage ‚450 Gramm‘ anzeigte, war meine Niederlage schlechterdings nicht mehr zu leugnen, zumal mir dieser Brotleib die Übermenge vor allen Umstehenden auch noch laut und höhnisch ansagte.

Vor aller Augen gedemütigt, machte ich mich davon (verkrümelte mich also), fest entschlossen, als Speisebeilage in Zukunft mehr auf die Kartoffel zu setzen.

 

Allgemein Auswärts

Süsses Gift

Published by:

Die Donau ist der zweitlängste Fluss Europas. Sie entspringt einem kleinen Rinnsal im Schwäbischen, in Blaubeuren, um dann, nach 2857Km, am Ende ihrer Reise, als mächtiger Strom ins schwarze Meer zu münden.

Auf dem Weg in ihrem Millionen Jahren alten Bett passiert der Strom in Österreich eine Passage, die heute die Wachau genannt wird. Ein Flecken, getränkt von Geschichte. Die Passage beginnt mit dem Kloster Melk, das den Anfang einer der romantischsten Teil der ganzen langen Reise macht. Kurz nachdem der Fluss Melk passiert hat, führt sein Weg er zunächst an einem Ort namens Willendorf vorbei, wo 1908 eine 11 cm große Figur, die sogenannte ‚Venus von Willendorf‘ gefunden wurde. Dort lebte sie vor ca 30 000 Jahren und so darf man sie getrost als die Urmutter aller Österreicher bezeichnen.

Weiter dann in Richtung Osten passiert die Donau das romantische Städtchen Dürnstein, wo 1192 Richard Löwenherz auf seiner Heimkehr vom Kreuzzug entgegen aller ritterlicher Gepflogenheiten von Hadmar II. von Kuenring festgesetzt wurde. Es geht die Sage, dass ihn dort Getreuer namens Blondel suchte, ein mittelalterlicher Wandersänger, der mit seiner Leier wohl laut genug musiziert hatte, so dass ihn sein Herr aus dem unwirtlichen Verlies hätte hören können. Allein, er fand ihn nicht. Doch hat diese durch und durch musische Gegend auch noch mit Glück eines musikgetränkten Drehortes aufzuwarten, denn dort wurde 1961 der Film ‚Mariandl‘ gedreht, dessen Verse „Mariandl, – andel, – andel, aus dem Wachauerlandel“ allen Musikbegeisterten noch in bester Erinnerung sein müssten.

Ein durch und durch romantisches Tal also, das zudem mit einem der wohl schönsten Ort aufwarten kann: dem rund um den ‚Tausendeimerberg“ gelegenen heimeligen Wein-Dörfchen Spitz.

Wer als Tourist sich aufmacht, diesen malerische ‚Tausendeimerberg“ zu erklimmen, beginnt damit am besten in der Mitte des Ortes, bei der Kirche, und biegt dann ab in die ‚Untere Gasse‘ Richtung ‚Weinsteigeweg‘, der sich dort schmal und romantisch langsam bergan bewegt. Kleine Häuser säumen den Aufstieg. Sie scheinen ihm heimelig und vertraut. Eine Bilderbuchidylle, die allenfalls eine leichte Trübung erfährt durch die Inschrift in einem Fenster, die den Wanderer sozusagen auf den Boden der Tatsachen bringt. Dort liest er:

Wir wollen hier:
– nichts kaufen
– nichts spenden
– unsere Religion nicht wechseln
– wir sind versichert
– und unsere Rechnungen bezahlt.
also: Tschüss!

Hat der Besucher dann, gründlich belehrt, die Spitze des ‚Tausendeimerberges‘ erreicht, wird es ihm ein tiefes Bedürfnis sein, seine Blicke schweifen zu lassen. Über unten liegende Dorf und auch auf die träge dahinfließende Donau, an deren Ufer vor tausend Jahren im ‚Niebelungenlied‘ die Burgunder in einem unheilvoll endenden Zug zu Etzel nach Ungarn gezogen waren. Auch sie müssen damals an dem kleinen Ort Spitz vorüber gekommen sein. Wahrscheinlich bestand der Ort früher lediglich aus ein paar elenden Hütten; auch dürfte er anders geheißen haben. Ob die Bewohner einen Blick für die romantische Seite ihres Fleckens gehabt hatten?

Eher nicht.

So ist es auch schwer vorstellbar, dass es schon damals einen Zank um die attraktivsten Grundstücke dieses Fleckchens gegeben hat. Das sollte noch eine geraume Weile dauern. Dann aber kam der Zank umso heftiger. Eines der Filetstücke der Gemeinde war wohl das Gelände des sogenannten „Klosterhofs“. Dieses Grundstück war später von einem Heurigen-Wirt namens Helmut Osberger gekauft worden und sollte fürderhin Anlass zu großem Ungemach bieten.

Denn der Blick des neuen Grundstückeigners schwenkte recht bald über den Rand seiner Weingläser, auch über das braune Holz seiner Theke und fand so in einer nicht zu fernen Zukunft sein Ziel. Er hatte eine Vision. In der vagen Hoffnung auf reiche Heilwasserbestände wollte er auf seinem neu erworbenen Gelände eine Tiefbohrungen vornehmen lassen. Würde sich dann (wovon er zutiefst überzeugt war) der Erfolg einstellen, könnte aus dem kleinen Weinort Spitz ein ‚Bad Spitz‘ werden, und aus dem vormaligen Wirt einer Weinschenke ein allseits geachteter Eigner des ‚Thermalhotels‘.

Allein – mit Visionen ist das so eine Sache. Nicht jeder, der sie hat, kann sicher sein, dass sie vom Nachbarn geteilt werden. Und so kam es, dass zum allergrößten Bedauern unseres Visionärs ausgerechnet der, der sich nicht für eine Vision begeistern konnte, der für so ein Bauvorhaben maßgebliche Bürgermeister des Ortes war. Sein Name lautete Hannes Hirtzsberger. Ausgerechnete dieser Hans Hirtzberger also sah keinen Anlass, derlei Bohrvorhaben zu genehmigen, zumindest aber hatte er wohl Auflagen gemacht, die offensichtlich kaum zu erfüllen waren.

Spricht man mit Einheimischen, wird dem Heurigenwirt ein durchaus aufbrausendes Wesen bescheinigt. Leicht erregbar sei er gewesen, und eher unversöhnlich. Man erinnert sich an ihn aber auch als ‚Macher‘, bekannt dafür, dass er seine Ideen mit großem Engagement und Nachdruck verfolgt.

Das also mag die Situation gewesen gewesen sein, als er noch am 25.12.2007 seinem Bürgermeister ein Schreiben mit Weihnachtsgrüßen an die Windschutzscheibe seines Autos klemmte und dieses einleitete mit der Ansprache „Werter Hannes!“. Was im Nachhinein die Verteidigung als Ausdruck einer Art „Hochschätzung“ wertete, sollte sich später aber leider nur als Intro zu weiteren Schritten herausstellen.

Denn schon 8.2. des darauffolgenden Jahres fand der Bürgermeister des Ortes an der Windschutzscheibe seines Autos eine Notiz: „Wollte dir was Wichtiges sagen“, und auf der Innenseite: „Du bist für mich etwas ganz Besonderes“.

Diese verbale Wertschätzung ergänzend fand sich beigelegt eine Gabe, die das Besondere der Wertschätzung in fast süßer Weise unterstrich; ein Praline namens ‚Mon Cherie‘. In Deutschland wurde diese Marke bereits seit 1957 vertrieben, wobei man noch ergänzend anführen könnte, dass im Schnitt weltweit jährlich etwa 130 Millionen Kilogramm ‚Mon Cherie‘ verzehrt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bürgermeister der süßen Verführung einer alkoholisierten Kirsche erliegen würde, war also durchaus gegeben. Die äußere Hülle dieser populären Süßigkeit besteht aus Zartbitterschokolade. Im Inneren befindet sich 0,66 Gramm Likör sowie eine sogenannte ‚Piemont-Kirsche‘, die aber nicht selten aus der südbadischen Ortenau stammt. Für Alkoholiker ist der Verzehr eher nicht geeignet. So hat die Zeitschrift „Brigitte“ nachgerechnet, dass eine 30 Jahre alte Frau mit 60 Kilo Lebendgewicht bereits nach 23 Mon Cherie als nicht mehr fahrtüchtig gelten muss, denn sie hat nach dem Genuss der Praline erstaunliche 0,5 Promille Blutalkohol.

Als nicht geringe Marketingmaßnahme darf man werten, dass die Praline zumindest nach offizieller Angabe ausschließlich in der kalten Jahreszeit in den Handel gelangt. Damit vermeidet die Firma, dass etwa ein Produkt vertrieben wird, dessen Kirsche schlecht geworden oder dessen Zartbitterschokolade infolge großer Hitze angelaufen ist und sich insofern zum Verzehr nicht mehr eignet. Wer schenkt, sollte dies reinen Herzens tun.

Diese Haltung zumindest mag bei oberflächlicher Betrachtung auch der Heurigenwirt suggeriert haben, als er an jenem kalten Februar auf die große Popularität des Produkts der Firma Ferrero zählte. Auch durfte er darauf vertrauen, dass der derart Beschenkte wusste, dass, wie viele Süßigkeiten, auch eine solche Praline zum alsbaldigen Verzehr geeignet ist.

Was der Bürgermeister von Spitz aber nicht wusste, war, dass die Praline mit – laut Anklage – mit 700 Milligramm Strychnin versetzt war. Als der Rechtsanwalt und Lokalpolitiker nach dem Verzehr der Süßigkeit sich in seinem Fahrzeug Richtung Krems aufmachte, wurde ihm plötzlich schlecht. Er verlor umgehend das Bewusstsein und musste in die Klinik eingeliefert werden, wo er seitdem im Koma liegt.

So erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Heurigenwirt. Die Beweise waren erdrückend, denn es fanden sich auf dem Anschreiben DNA Spuren des Täters. Auch fand man Spuren des Giftes an der Verpackung, die „bei Hitzberger zu Hause im Mistkübel“ gefunden wurde. Die Verteidigung verteidigte irgendwie heldenhaft, wenn sie fragte, warum denn ihr Mandant der Täter hätte sein sollen? Die Menge Strychnin hätte ja augenscheinlich gereicht, einen Menschen zu töten, um dann etwas pietätlos weiter zu argumentieren: warum war der Vergiftete dann nicht tot? Allein es half nichts.

Am Schluss übrig geblieben waren ein zu lebenslanger Haft verurteilter Täter und ein Opfer, das seitdem in der Landesklinik St. Pölten im Koma vor sich hindämmert. Das Grundstück, auf dem der Wirt so große Pläne verwirklichen wollte, gibt es natürlich noch immer. Es wurde dann irgendwann verkauft. Dort befindet sich jetzt ein Restaurant, das bisher aber von den Einheimischen gemider wird. Die Eigner kommen von außerhalb.

 

Allgemein Gastbeiträge Kultur

Tanzlust im Kurhaus – Fast wie früher

Published by:

Welttanzgala in Baden-Baden
Es war fast wie in den guten alten Vor-Corona-Zeiten. Zwar durfte sich Baden-Baden damals noch nicht mit dem Titel ‚Welterbe‘ schmücken,  dafür stand es aber im Mittelpunkten der internationalen Tanzwelt. Fröhlich gestimmte Menschen im besten Zwirn, dazu kunstvolles Styling von Frisur und Make-up. Nicht genug, Dazu  gab’s noch ein mit Meistertiteln gespicktes Showprogramm und – ganz besonders schön – Tanzerlaubnis für’s Publikum. Ohne Maske!

Als der Moderator Markus Brock vor Beginn des Showblocks der nunmehr 26. Welttanzgala die Fläche offiziell freigab, brach sich die lange unterdrückte Tanzlust Bahn, so, als hätte es Corona samt Abstandsregeln nie gegeben. Selbst wenn das ‚First Class Music Orchestra‘ nicht erstklassig gewesen wäre – es hätte wohl keinen am Tisch gehalten. Hatten die Gäste vor einigen Wochen in den Pausen bei der Kür-Europameisterschaft der Professionals noch sehnsüchtig auf das glatte, aber verbotene Parkett geschaut, durfte man nun zeigen, was in den Beinen steckt, wobei ein wenig mehr Abstand und Anstand durchaus angebracht gewesen wäre. Tanzen und vor allem Spitzentanzsport hat auch mit sehr viel Disziplin zu tun, und selbst im Turnier werden Gegner möglichst weder mit spitzen Absätzen noch ausufernden Armbewegungen traktiert.

Sei’s drum. Die Freude am Tanzen unter Gleichgesinnten wirkte bei den Stars der Standard- und Lateintänze, den Formationen und Paaren in diesem Jahr noch überzeugender als sonst. Monatelang hatten sie nur unter schwersten Bedingungen trainieren können, von Meister-schaften oder Showauftritten ganz zu schweigen. Der von vielen als einer der schönsten Ballsäle Europas gepriesene Benazetsaal trug mit seinem Flair zur Stimmung bei, so dass sich nach Ende des Programms viele Akteure „in Zivil“ unter das Publikum mischten. Der einzige Wermutstropfen: Das traditionell große Finale mit allen Künstlern auf Bühne und Showtreppe musste entfallen – obwohl es dabei auch nicht viel enger zugegangen wäre als auf der Tanzfläche.

Bleibt zu hoffen, dass Corona weder bei der großen Tangonacht am 27. November noch beim Silvesterball Tanzverbot uns ein Tanzverbot beschert. Keine Einschränkungen jedenfalls sind bei „Soul Dance“ am 20. November zu befürchten: Die große Bühnenshow mit „Let’s Dance“-Stars ist ohne Publikumstanz geplant.

 

Irene Schröder

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung durch Valentin Behringer

Allgemein Blättern & Rauschen Menschen

Brüder (und Schwestern) zur Sonne, zur Freiheit!

Published by:

Wie sich unsere studentische Elite irgendwie auf den Ernst des Studiums vorbereitet

Natürlich bringt uns die Coronakrise in diesen Tagen alle an den Rand unserer Möglichkeiten. Selbst wenn wir jetzt einmal das Leiden der Gastronomie außen vor lassen und auch die großen Nöte der Konzertveranstalter bewusst hintanstellen, so müssen wir hier doch  zuvörderst das unermessliche Leid der Schüler thematisieren. Menschen, die ohnehin einen eher schwachen Antrieb verspürten, ihren Laptop zu verlassen, konnten über eine vergleichsweise lange Strecke nicht mit ihren Freunden abhängen. Soziale Verelendung drohte.

Doch noch immer gilt der schöne Poesiealbumspruch: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtleid her“. Im vorliegenden Fall leuchtet das Lichtlein aus der Medizinerecke, ein sich naturwissenschaftlich gerierender Berufsstand, der sich neuerdings darin gefällt, in eine Kakophonie der Weißkittel auszubrechen, d.h., keine weiß genau irgendetwas und vor allem nicht, wie mit dem Thema Corona fürderhin umzugehen sei.

Maske ja, Maske nein? Und wenn ja, wo, oder besser: wo nicht?

Wenn sich jetzt noch die Gesamtheit der Schülervertreter, der Elternbeiräte, der GEW, der Pädagogenverband sowie die bildungspolitischen SprecherInnen sämtlicher im Bundestag vertretenen Parteien einmischen, spätestens dann ist offensichtlich, dass, um es jetzt einmal griffig zu formulieren, Polen offen ist.

Gut, wenn nicht ganz Polen, so immerhin das Jugendzimmer, wo sich Söhne und Töchter nach Aussagen vieler Eltern morgens eher spät sich dem Tageslicht aussetzen, um, ja was nun? Sich in ein Klassenzimmer zu bequemen? Den Rechner für den Online Unterricht hochzufahren? Das sicher.

Was aber nun zu Aktivitäten ungeahnten Ausmaßes führt, ist die Möglichkeit, sich ohne Mundschutz und zur unermesslichen Freude der Erziehungsberechtigten außerhalb der Wohnung an je definierten Orten mit ‚Freunden‘ zu treffen, um mit Handy und Mischgetränken abzuhängen und den Stress des Alleinseins abzubauen. Am liebsten an Freitagen, wo man ja im Rahmen der so notwendigen wir kontaktmäßig hochinteressanten „Friday For Future“ Bewegung neuerdings wieder die Klassenräume meiden kann. Für einen guten Zweck.

Dies dürfte sich kaum auf die Leistungsbereitschaft der Zöglinge auswirken, denn – sollte eine Abitursbenotung je noch einfordert werden – wird es ohnehin so sein, dass die Lehrerschaft, zermürbt vom Druck der Schulleitung, von renitenten SchülernInnen und einer rechtsanwalt-flankierten Elternschaft, die Zöglinge solange prüft, bis er oder sie mit einem Abi-Schnitt von 1,0 vom Hof rollt. Problem gelöst? Nein verlagert.

Wohin? Richtig, zur Universität, oder, wie im vorliegenden Fall einer Einschreibung beim KIT (das renommierte „Karlsruher Institut für Technologie“), auf dessen einführende Lehrpläne wir uns jetzt erst mal beziehen wollen. Denn dort warten schon die nächsten Herausforderungen auf unsere Studierwilligen. Es wird ernst. Eine Studiengruppe namens MALIBU ist fest entschlossen, die studienorientierte Zukunft entschlossen anzugehen. Angesichts des bevorstehenden Mühen hat sie fürs erste einen Wochenplan in Umlauf gebracht, der große Neugierde auf das kommende Studium verrät, zumal die Mutter eines Studienwillens mir glaubhaft versichert, dass es sich bei dem angeführten Wochenplan keineswegs um Realsatire handelt, sondern in all seinen lebensbejahenden Punkten tatsächlich ernst gemeint ist.

 

 

Leicht besorgt kann man da nur hoffen, dass die aufgeführten Inhalte der Einführungswoche nicht den gesamten Lehrplan abbilden. Ansonsten wäre der Schritt vom Bachelor- zum Masterstudium nur ein kleiner: es gälte lediglich die Kneipe zu wechseln.

 

 

 

 

Allgemein Gastbeiträge

Alles so schön rund hier!

Published by:

In Baden-Baden zeigt sich der Herbst. Aber wie! Eine Stilkritik aus saisonalem Anlass

 „Mehr Dada wagen“ forderte kürzlich der Modespezialist der FAZ Alfons Kaiser von den deutschen Modemarken. Zu brav seinen sie, zu wenig kreativ und überhaupt. Recht hat er! Aber wo, bitte sind die experimentierfreudigen Fashonistas, die sich in ausgefallenen Creationen zeigen wollen? In Baden-Baden, ehemals Hotspot der Eleganz, offenbar nicht.

Kaum fegt der Herbstwind etwas kühler durch die Fußgängerzone, rollen sie wieder an: die Michelin-Männchen vorwiegend weiblichen Geschlechts, die ihre Corona-Pfunde unter unter buntem Stepp zu verstecken trachten. Westen, Jacken und Mäntel in quietschebunt oder dunkeluni mögen ja ordentlich warm halten – schön ist etwas anderes. Wattiertes Polyamid kann auch keinen Anspruch auf  Nachhaltigkeit erheben, ganz im Gegensatz zu hochwertigen Wollstoffen oder gar dem „verpönten“ Pelz.

Nur wer gertenschlank und etwa 1,80 Meter große ist, sieht in der Massenware nicht aus wie eine gestopfte Wurst. In den Verkaufsräumen hängen regalweise weiche Scheußlichkeiten, wogegen die Suche nach  einem eleganten warmen Mantel aus Wolle, Tweed oder Loden, figurnah oder weit wie ein Cape, selten ist. Da such man lang,  jedenfalls wenn es sich um eine Investition für normale Geldbeutel handelt.

Aber: wer ein wirklich gutes Stück kauft, das nicht unter die Kategorie „zwei Mal getragen, ab ich die Tonne“ fällt, kann es immer wieder variieren – mit Schals, Tüchern, Stiefeln, Boots und Sneakern – nachhaltig und trotzdem nicht langweilig.

Wenn schon nicht mehr „dada“, dann doch wenigsten mehr Chic.

 

Irene Schröder

  • Archive