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Badischer Dreisatz

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Philipp Brucker

Immer gut, wenn man zusammen Mittag isst. Man erfährt dann immer etwas, das man noch nicht kannte. So erinnerte mich heute der ehemalige Landrat des Ortenaukreises, Klaus Brodbeck, an Philipp Brucker, der als Oberbürgermeister von Lahr das mit Beste an Badischer Weltliteratur geschrieben hat, das wir haben. „’s Wundergigili“ „Jo, Pfiffedeckel“, und „Hänner’s verstande?“, alles Bücher, die wir als Zeugnisse bleibenden Schaffens sehen.

Nun aber hörte ich heute von einer Sentenz, die ebenfalls von dem brillianten Philipp Brucker stammt, und die ich hier unbedingt erzählen muss. Vielleicht nicht als Handlungsanleitung in derzeitiger Zeit zu sehen, aber erzählenswert ist der kleine Vers trotzdem. Hier also:

 

Badischer Dreisatz

Erscht mache mer mol nix.

Dann warde mer ab.

Und dann were mer sähne.

(für Nicht-Badener)

Erst machen wir mal nichts.

Dann warten wir ab.

Und dann werden wir sehen.

So. Und demnächst wieder so, wie Sie’s von uns gewohnt sind. Ernst.

 

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Mehr Heimat war nie Teil 1

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Der ‚BUND HEIMAT & VOLKSLEBEN‘ sorgt sich ganz viel um die Vergangenheit und ein bisschen um die Zukunft

Von Offenburg kommend, schiebt sich die Fahrzeugkolonne langsam durch das satte Grün des Kinzigtals. „Sehnen wir uns nicht alle nach Entschleunigung?“, fragt der Prospekt des ‚Schwarzwald Tourismus’. Ganz bestimmt. Im vorliegenden Fall liegt der Grund für unser Sehnen allerdings im gesperrten Tunnel bei Haslach und der Umleitung des Verkehrs quer durch das schmucke Städtchen. Doch auch das schärft unsere Sinne.

So registriert die Nase ein nach Holz duftendes Sägewerk, das Auge entdeckt Andenkenläden mit Postkartenauslagen, und auf einer überdimensionierten Werbefläche begrüßt uns Hansy Vogt, der als „Schwarzwaldbotschafter“ den Freunden des Schwarzwaldmädels Boxspring-Betten empfiehlt. „Schwarzwald trifft Schlafkomfort“, steht da zu lesen. Doch hält die Entschleunigung an, bis man das Freilichtmuseum ‚Vogtsbauernhof’ erblickt, wo nach endlos langen Bemühungen es endlich gelungen ist, einen Bahnhalt zu bekommen. Außerdem freut man sich über die demnächst anstehende große Erweiterung der Museumsfläche.

Mittlerweile meldet das Thermometer im Fahrzeuginnern eine Außentemperatur von 31 Grad, was allerdings klar übertroffen wird von der Temperaturanzeige vor der Gutacher Sparkasse, die heiße 41 Grad vermeldet, ein Thermometerstand, der sich – nur laut Anzeige – im Laufe des Gesprächs mit dem Bürgermeister allerdings noch bis 51 Grad steigern wird. Im Rathausinneren ist es erfreulicherweise etwas kühler.

 

Dort residiert Bürgermeister Siegfried Eckert, der sich zuvörderst um die Amtsgeschäfte, dann aber auch noch um Traditionen und die Schwarzwälder Tracht kümmert. Gutach ist die „Heimat des Bollenhutes“, ein Markenzeichen, das weltweit für die Ferienregion Schwarzwald steht. Da trifft es sich ganz gut, dass der Bürgermeister zudem noch als 1. Vorsitzender eines Verbandes fungiert, der sich ganz der Tradition und dem Bewahren verschrieben hat: der „Bund Heimat und Volksleben“. 1948 gegründet hat er heute 13 000 Mitglieder, die sich in 210 Vereinen für „Erhaltung, Pflege und Förderung des bodenständigen Volkslebens“ einsetzen. Dazu zählt man „Tracht, Lied, Musik, Tanz, Mundart, Sitte und Brauchtum“. Das Mittel dazu ist die allfällige Präsenz. Dazu zeigt man sich in der Öffentlichkeit, etwa beim Kreistrachtenfest in Auggen und auf der Oberrheinmesse in Offenburg. Weiter ist man dabei beim ‚Tanzsunntig’ in Gurtweil, ‚Albabtrieb’ in Simonswald, und beim ‚Hördöfelfäscht’ der Trachtenkapelle Rickenbach. Weiter verschönert man mit seiner Anwesenheit den „Speckeierhock“ beim Musikverein Kirnbach. Und dann kommen natürlich noch die Lichtgänge gegen Ende des Jahres, z.B. in Zell im Wiesental.

„Wir gehen zu den hohen Herren“, sagte der 1. Vorsitzende Eckert, womit er aber keineswegs andeutet, dass er – wie er’s vielleicht in den Bauernkriegen getan hätte – die aufrührerischen Bauern gegen die Herrschaft in Hornberg zu führen gedenkt. Vielmehr weiß er wohl, wie wichtig es für so einen Verband ist, sich politisch zu vernetzen, sich des Rückhalts derer zu versichern, die im Lande halt so das Sagen haben, seien es der jeweilige Landrat, die Regierungspräsidentin, der Bischof oder der Ministerpräsident. Letzter zwar der grünen Partei zugehörig, aber irgendwie doch nicht. Das geht. Bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes in diesem Jahr hat z.B. der Baden-Württembergische Innenminister Strobl seine Aufwartung gemacht. Und am Neujahrempfang durfte man sich auch schon mal der Anwesenheit des Prinzen Bernhard von Baden erfreuen, der das Amt eines Protektors begleitet. Weitere Wucht verschafft man sich durch schmückende Auftritte anlässlich des Besuchs von Obama. Aber auch beim Papstbesuch ging es nicht ohne. „Da waren wir in der vordersten Reihe“.

 

Demnächst mehr. Hier.

Die Bilder wurden mir netterweise und zum Großteil von Michaela Kindle/Freiburg zur Verfügung gestellt.   (www.kindle-photography.de)

 

Auch mal reinschauen bei www.kosmos-schwarzwald.de/

Allgemein Institutionen Menschen

Mehr Heimat war nie Teil 2

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DER ‚BUND HEIMAT & VOLKSLEBEN‘ SORGT SICH GANZ VIEL UM DIE VERGANGENHEIT UND EIN BISSCHEN UM DIE ZUKUNFT

Um das Thema zu vertiefen, sollte man hinaufsteigen in den dritten Stock, dem Arbeitszimmer von Ursula Hülse. Sie ist seit 1974 Geschäftsführerin des Verbandes. Seit nunmehr 43 Jahren kümmert sie sich darum, dass das Herz der Trachten- und Brauchtumsvereinigung zuverlässig schlägt. Man könnte auch sagen: ohne Ursula Hülse geht nichts.

Ihr Arbeitszimmer mit seinen je verschiedensten Ablagestapeln zeugt von der Vielzahl der Baustellen, an denen sie sich täglich zum Wohle der Tradition abarbeitet. Doch wer glaubt, die leicht angestaubte Remington Schreibmaschine oder angefangenen Stickarbeiten an einem ‚Schäppel‘ würden ihren Alltag bezeichnen, dächte entschieden zu kurz. Ihr Reich ist durchaus von dieser Welt. Schon das leise Summen des Rechners verrät, dass sie sich bei der Kommunikation eher auf E-Mail verlässt, als auf das Flitzen des Kugelkopfes oder gar die Sütterlinschrift.

Dort oben, knapp unterm Dach, laufen die Fäden des Verbandes zusammen. Dort werden die Termine gesetzt, die Zeitschrift gestaltet und Beiträge verbucht. Und dann noch die Pflege des Archivs. Das große verwaltungstechnische Allerlei hält sie aber nicht davon ab, ohne zu zögern sich über ihr eigenes Verständnis darüber zu äußern, was ihr die Tracht bedeutet. Jedenfalls sei ihr diese „keine Verkleidung“, um dann hinzuzufügen, für sie sei es das Symbol der „Verbundenheit zur Heimat“, „das Ehrenkleid“, das gänzlich zu akzeptieren sie sich ganze zwei Jahre Zeit gelassen hatte. Und es klingt ein bisschen, als hätte sie die Regel des Hl. Benedikt befolgt: „Man achte sorgfältig darauf, ob der Novize wahrhaft Gott sucht“.

Bei der Suche nach dem Gott des Trachtenwesens ist sie jedenfalls unermüdlich. Sie hilft dabei, wo sie kann. Unzählige Bände, die Geschichte des Trachtenwesens bebildernd, sind ihr dabei eine unverzichtbare Hilfe. Sucht ein Verein etwa eine neue Tracht, taucht sie tief ein in die Historie, ergänzt Vorliegendes, sichtet eventuell noch Vorhandene. Und man stellt sich die Frage: ist Tracht denn tatsächlich so etwas Unabänderliches, etwas, das sich kaum wandelt? Sieht es von außen zunächst so aus, als verstehe sich der Verband als Hüter des Bollenhut-Grals, so entdeckt man jenseits des ersten Eindrucks noch andere Herangehensweisen, Veränderungen (notgedrungen?) zulassend. Etwa Tatoos am Jungvolk. Ursula Hülse, Nachwuchsprobleme durchaus einräumend – „ein Riesenloch zwischen 20 und 45 Jahren“ – will sich da nicht definitiv festlegen. Das überlässt sie den einzelnen Vereinen, und räumt doch ein, dass auch ihr Vater bereits ein Tatoo getragen hatte.

Ist das eine schmale Brücke in die Zukunft?

Demnächst gibts noch Teil 3 und damit Schluß. Bleiben Sie dran.

Die Bilder mit freundlicher Genehmigung des ‚Verbandes Heimat und Volksleben‘. Und http://www.kindle-photography.de

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Post von der Katz´

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Es dürfte unbestritten sein, dass der Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim zu den einschneidendsten Ereignissen  im Leben eines Menschen zählt. Herausgerissen aus den liebgewordenen vier Wänden, findet er sich wieder in einer gänzlich neuen Umgebung, die ihm zunächst völlig fremd erscheint. Da ist es gut, wenn er beim Umzug in den neuen Lebensabschnitt zumindest das eine oder andere ihm Vertraute mitnehmen kann. Hier ein silbergerahmtes Foto der Enkel, dort das Blaupunktradiogerät mit dem die Programmstärke anzeigenden ‚Katzenauge’ oder, was am besten wäre, er könnte die  Katze gleich selbst mitnehmen. Dass dies in manchen Häusern bereits heute möglich ist, durfte die ältere Dame in einem Altenpflegeheim im Markgräflerland erleben. Dort erlaubte man ihr, ihre geliebte Katze auch weiterhin bei sich zu behalten.

Dies war umso problemloser, da es sich bei ihr um ein ebenso schönes,  wie verschmustes Tier handelte, das sich – wen wundert´s – der Sympathie und Zuneigung der vielen älteren Damen erfreute. So konnte die Katze fortan zur Verschönerung des Alltags zahlreicher Menschen maßgeblich beitragen.

Nun geschah es aber, dass die Eignerin der Katze eines Tages starb. Ungeachtet des Todes der vormaligen Besitzerin strich die Katze wg allgemeiner Beliebtheit aber auch weiterhin von Zimmer zu Zimmer, wo man sie unentwegt mit den üblich eigenartigen Zischlauten („bsbsbsbsbsss“) ins Innere der Zimmers lockte. Dort wurde sie gestreichelt. Man wird nicht zu weit gehen, wenn man  diese Form der Zuneigung seitens der Heiminsassen als durchaus lebensverschönernd, ja, lebensverlängernd betrachtet.

In der auch auf einer Pflegestation durchaus herrschenden Hierarchie konnte fortan diejenige Pflegebedürftige punkten, auf deren Schoß die Katze sich möglichst lange schnurrend aufhielt. „Bei mir“, so war dann manchmal zu hören, „hat es die Katze halt am besten“. Die Verweildauer der Katze wurde so unausgesprochen als positiver Akt gedeutet. Sie legte Zeugnis ab von der emotionalen Fähigkeit der streichelnden Heimbewohnerin. In der Welt der freundlich dekorierten Zimmerfluchten einer Pflegestation konnte dies durchaus als prestigeförderndes Merkmal gelten.

Nun war aber dem aufmerksamen Pflegepersonal nicht entgangen, dass sich die Verweildauer der Katze auf je einzelnen Schößen ungleich verteilte, d.h. es gab Heiminsassinnen, die in zunehmendem Maß von dem Schmußebedürfnis der Katze profitierten. Zunächst wurde dies auch mit übergroßer Freude registriert, was sich aber alsbald ins Gegenteil verkehrte, wenn die Heiminsassin nämlich bald darauf verstarb und  den Streicheldienst zwangsläufig ein-stellte.

In den Schwesternzimmern wurde dies zunächst augenzwinkernd registriert, eine Eigentümlichkeit, der man anfänglich kaum Beachtung schenkte. Ja, es wurden sogar Witze gerissen, wie denn der Pflegedienst mit seinen Härten von Zeit zu Zeit durchaus nach heiteren Momenten verlangt. Anfänglich gab das möglicherweise zu erwartende Ableben einer Person nach dem häufigen Besuch der Stationskatze noch Anlass zu spaßigen Wetten. Einmal wurde eine  eintreffende Vorhersage sogar mit einer Geschenkpackung ‚MonCherie’ entlohnt!

Allmählich sensibilisiert, verdichtete sich der Verdacht, dass mit dem häufigen Besuch der Katze das baldige Ableben der Besuchten einherging. Dies veränderte die Stellung der Katze innerhalb der Abteilung aufs nachdrücklichste. Was zunächst das Personal noch zu Späßen ermunterte, wurde durch die zunehmenden Regelhaftigkeit und deren empirische Unterfütterungen bitterer Ernst.

Dabei wurde der Kreis der dies Ahnenden  zunehmend größer. Es war nicht mehr auszuschließen,  dass der Verdacht, innerhalb der Station eine behaglich schnurrende Todesbotin zu beherbergen, bis zu den Pflegeinsaßen durchsickerte.

So entschloss sich die Heimleitung zur großen Irritation und Trauer der Heimbewohner, die Katze in ein anderes Heim zu geben.

Wobei angefügt werden muss, dass es sich dabei um ein Tierheim handelte.

 

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Der Knopf im Ohr Teil 1

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So hörte Beethoven

Schon am Vorabend war die Weinstube gut besucht. Es herrschte eine angenehm gedämpfte Stimmung. Auf den Tischen standen Kerzen, von irgendwoher kam leise Musik. An den wenigen besetzten Tischen wurde ausnahmslos Wein getrunken. Auch der Wirt hatte sich ein Schluck eingeschenkt. In der Schwingtür, das Lokal gegen die Küche abschließend, tauchte kurz die Chefin auf. Sie war herb aber unersetzlich. War ihr Mann für die gute Stimmung im Lokal zuständig, kümmerte sie sich um die Buchhaltung. ‚Das Geld wird am Schreibtisch verdient‘, sagte sie. Aus der Küche kommend, streifte ihr Blick kurz die Gäste, erfasste beiläufig den möglichen Umsatz, und kam dann für die Dauer einer Millisekunde auf dem halb gefüllten Weinglas ihres Mannes zu ruhen.

Schon hatte sie sich zum Gehen halb nach hinten gedreht, da öffnete sich die Tür des Lokals. Der dunkelrote Samtvorhang – er stammte aus einem Ausverkauf des Theaters – bauschte sich, zwei Hände suchten den Vorhang zu teilen, bis in einem Schwall kalter Luft ein mächtiger Mann in der Weinstube stand. Hinter ihm noch eine Person, seine Begleiterin, schmal und vom Vorhang noch halb verdeckt. Erst als er ganz im Lokal stand, trat sie aus seinem  Schatten. Davor, vollständig übersehen zu werden, bewahrte sie allein ihr quergestreift schwarz-gelber Pullover, der irgendwie an die Biene Maja erinnerte.

Schnaubend legte der Mann seinen dunklen, mächtigen Mantel ab. Auch ohne ihn wirkte er sehr groß. Kahler Schädel, breite Schultern. Der massige Bauch lappte schwer über einen schmalen Gürtel. Dazu trug er breite, ausgetretene schwarze Schuhe.

Jeder Zoll seiner Erscheinung wies ihn als eine jener Personen aus, die die Nachjelzinaera in die Geldmetropolen Europas gespült hatte. Sein Hemdkragen war offen, die Krawatten hing auf Halbmast. Ohne zu fragen nahm der Gast am einem der Tische Platz. Mit dem Fuß schob er seiner Begleiterin wortlos einen Stuhl hin. Sie sollte sich wohl setzen.

Dann rief er nach der Bedienung und fragte, ob es hier eine Kleinigkeit zu Essen gäbe. Das mit dem Trinken sehe er ja. Kleine Karte, die hat man hier ja auch, oder? Und zu seiner Begleiterin blickend, sagte er: „Du isst ja mit“.

„Ich möchte heute nicht so viel essen, Sie sehen ja“, wandte er sich an das Ehepaar am Nachbartisch, die damit nicht gerechnet hatten. Den Satz verdeutlichend hatte er auf seinen mächtigen Bauch gedeutet. Als er merkte, dass die Herrschaften an einem Gespräch keineswegs interessiert waren, ließ er den Arm wieder sinken und widmete sich der mittlerweile eingetroffenen Speisekarte.

Er schob die Brille hoch, so dass sie schräg auf der Stirn saß, studierte das Angebot und sagte einmal mehr sich bestätigend: „Du isst ja mit“. Ihr Einverständnis voraussetzend nickte er. Er würde sich mit seiner Begleiterin eine Portion teilen.

Die wurde, zusammen mit einem zweiten Teller und dem Besteck, auch bald gebracht. Ebenso der Wein. Obwohl er keine Flasche bestellt hatte, inszenierte er zunächst eine Art Verkostung. Er hielt den einfachen Tafelwein gegen das Licht, schwenkte ihn im Glas, und beroch ihn dann mit knolliger Nase. Kein Kork. Großes Geschmackskino. Gut so. Die Bedienung ging, der Gast trank, und auch die Frau bekam ihren Schluck ins Glas.

Nach einer gewissen Zeit bestellte der Gast „einen zweiten Halben“. In der Weinstube hatte der Lärm zwischenzeitlich zugenommen. Offensichtlich wurde es dem Gast jetzt wohl doch etwas zu laut. Er trug ein Hörgerät und nestelte an seinem Ohr herum. Zunächst versuchte er, die Lautstärke des Geräts dem Lärm der Umgebung anzupassen. Scheinbar ohne Erfolg. Er beschloss, die beiden kleinen Hörgeräte, die ihm bei geringerer Lautstärke offensichtlich gute Dienste geleistet hatten jetzt erst mal aus dem Ohr zu nehmen.

Die Bewegungen verrieten eine gewisse Beiläufigkeit. Anscheinend machte er das öfters. Zunächst legte er die beiden kleinen Knöpfe vorsichtig auf den Tisch, aber da sie so rund waren, machten sie keine Anstalt, dort auch liegen zu bleiben. Also legte er die unscheinbaren Teilchen weiter oben hin, neben den leergegessenen Teller, auf dem sich noch übriggebliebene Speiserest befanden. Petersilie, blassrote Tomaten und hellgrüne Ziergurken. Ein Salatblatt lappte über den Tellerrand und verdeckte das eine der beiden Hörgeräte.

Er müsse jetzt mal um die Ecke, sagte er zu seiner Frau und entschwand in Richtung der Toiletten….

Demnächst Teil 2. HIER.

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