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Hoch zu Ross dem Volk entgegen

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In Baden-Baden zur Schule ohne Porsche ‚Cayenne‘? Geht gar nicht.

FotoFrauen und Verkehr? Wenn an dieser Stelle darüber noch nie etwas zu lesen war, so lag das daran, dass wir den möglichen Vorwurf des Vorurteils sehr ernst nehmen. Andererseits sind Frauen im Verkehr ja ein Thema, an dem auch der Wohlmeinendste nicht vorbeikommt.

Vor allem wenn wir auf jene göttergleichen Geschöpfe zu sprechen kommen, die mit ihrem Porsche ‘Cayenne’ in unserer Fußgängerzone nahezu ganztägig leichte Transportaufgaben wahrnehmen. Ganz gleich, womit der Gatte sein Geld verdient – ob tief über die Kariesprophylaxe gebeugt oder beim Versuch, Schweinehälften gewinnbringend über Somalia nach Lettland zu verschieben – stets weiß er, wo seine Frau sich in Baden-Baden tagsüber aufhält. Nämlich zwischen dem Sonnenplatz und dem Friedrichsbad, wo die Getriebene, nein, besser: die Vierradgetriebene mit der gebotenen Umsicht versucht, ihren blondgelockten Prinzen mittels 550 PS pünktlich zum Unterrichtsbeginn im Pädagogium abzuliefern.

Dass dabei keine Zeit bleibt, die in der Fußgängerzone flanierenden Besucher auch nur eines Blickes zu würdigen, ist absolut nachvollziehbar. Hoch in ihrer Fahrzeugkabine, das i-Phone ans anmutige Ohr geklemmt, hat sie durchaus den Überblick, auch wenn sie uns nicht sieht. Klar vor Augen hingegen hat sie den Terminkalender ihrer Kinder.

Gleich nach der Schule muss Swen zum Geigenunterricht. Das Kind hat zwar ADS, gilt ansonsten aber als außerordentlich begabt. Und dann erst Tanja, die Zweitgeborene. Sie ist Vatis Liebling. Ein rechter Sonnenschein, der allerdings ohne Markenkleidung und Ballettunterricht nicht auszuhalten wäre. Keine Frage: Mutti hat Stress.

Das geht Vati nicht anders. Wenn der am Ende eines langen Tages völlig erschöpft ist, freut er sich darauf, entspannt im Kreise seiner Lieben die Füße hochlegen zu können. Blöd nur, dass da schon die wesentlich anmutigeren Beine seiner Gattin liegen. Und dann hört er sie auch noch sagen, dass sie froh ist, dass er endlich da sei. Sie hätte schließlich den ganzen Tag gearbeitet. Jetzt könne er sich mal um die Kinder kümmern.

Es ist offensichtlich: für heute hat Mutti genug vom Verkehr.

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„Bürgerorientiert und intensiv“ Teil 1

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Wie die Oberbürgermeisterin Margret Mergen Baden-Baden in die Zukunft führt

Nur zu verständlich, dass jeder Amtsinhaber für etwas anderes steht.

Der kleine Dienstweg

Oberbürgermeister Walter Carlein z.B. hätte man unschwer in Verbindung bringen können mit dem Nachkriegsimage der Stadt; mit stilvollem Auftritt, starker Affinität zum Internationalen Club und guten Kontakten zur badischen Fürstenfamilie. Oberbürgermeister Ulrich Wendt stand für einen ausgeprägten Machtanspruch, Sigrun Lang für gutes Französisch. Wolfgang Gerstner hingegen gefiel sich in der Rolle des Bürgerkönigs. Er steht für Volksnähe.

Wofür aber steht die derzeitige Oberbürgermeisterin?

Jetzt sitzt sie erst einmal. Auf einer Holzbank im blauweiß gestreiften Zelt auf dem ‚Beutig‘. Denn dort oben, im Rosengarten, findet auch in diesem Jahr wieder der ‚Internationale Rosenneuheiten Wettbewerb‘ statt, wo sich einmal mehr eine bunte Schar von Fachleuten aus den verschiedensten Ländern anschickt, die ‚Goldene Rose von Baden-Baden‘ zu küren. Dass der Preis dann einer Züchtung mit dem schönen Namen „Märchenzauber“ zuerkannt werden wird, sollte nicht verwundern. Schließlich wird Gartenamtsleiter Markus Brunsing der Rose später bescheinigen: „Sie ist extrem widerstandsfähig gegen Krankheiten und hat dennoch Charme und Ausstrahlung“.

Wer so etwas Zuhause hat, den darf man beneiden.

So sieht eine Siegerin aus

Noch aber ist es nicht so weit. Erst mal begrüßen. Die Oberbürgermeisteisterin macht dies in gewohnt routinierter Weise. Wie immer gut vorbereitet, hält sie eine freundlich kompetente Rede, in der alle wichtigen Beteiligten genannt werden. Das Wetter ist am Ende der frühsommerlichen Schlechtwetterperiode noch etwas kühl. Falls sie, eher sommerlich gekleidet, frösteln sollte, lässt sie sich das nicht anmerken. Zuvor war sie mit einem Elekro-Smart emissionsfrei hergefahren und hatte später noch, wie sie das öfter tut, eine kleine Meldung über den Neuheitenwettbewerb auf Facebook gepostet.

Bereits mit der Bewertung der Rosen befasst, tunkt der ‚Präsident der World Federation of Rose Societies‘, Kelvin Trimper aus Australien, seine so große wie kundige Nase zur Gänze in eine Blüte. Er gibt sich dem olfaktorischen Genuss derart hin, dass er lustvoll den Eindruck vermittelt, auf der ganzen Welt gäbe es nichts Wichtigeres für ihn als ‚die beste Duftrose‘ in dieser so einzigartigen Umgebung aufzuspüren.

Amtsbedingt neigt die derzeitige Amtsträgerin da doch zu einer etwas sachlicheren Betrachtungsweise. Selbst der träumerisch vorgetragene Gedanke eines Dabeistehenden, dass es reizvoll wäre, an einem lauen Sommerabend inmitten dieser blühenden Rosenpracht sitzend einen Wein zu trinken, ergänzt sie praktischerweise um die Frage, ob denn der Verzehr von Alkohol in der Anlage überhaupt statthaft sei.

Sie pflegt eine eher pragmatische Sichtweise. Dies sollte man einer Oberbürgerin nicht vorwerfen, wenn sie ohne den geringsten Anflug von Larmoyanz ihren Tag, der von acht Uhr bis zweiundzwanzig Uhr dauern kann, als ‚durchgetaktet‘ bezeichnet. Wünscht man sich das etwas präziser, spricht sie ansatzlos von ‚bürgerorientiertem und intensivem Verwaltungsmanagement‘, dem sie sich verschrieben hat. Und das klingt nicht so, als würde sie sich jeden Tag gramgebeugt den beiden Themen stellen. Sie steht für beide.

Dabei dürfe sich die „Verwaltung nicht ständig in der Komfortzone“ bewegen…..

(demnächst gehts weiter. Bleiben Sie dran)

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Die Zitherparty

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Kommt das Böse klingend in die Welt? 

Ich bin keiner, der petzt. Hab nie gepetzt. Weder in der Schule noch beim Bund. Nicht mal meine Schwester hab ich verpfiffen. Aber jetzt bin ich kurz davor, mir selber untreu zu werde. Es liegt an meinem sozusagen wohnlichen Umfeld, das mich zum Petzer werden lässt. Muss jetzt mal kurz ausholen.

Ich wohne im Herzen Baden-Badens. Mittendrin sozusagen. Habe ich Durst – kein Problem. Gleich neben meiner Wohnung befindet sich ein Biergarten. Das ist die schöne Seite der Lage, die natürlich – wie so Vieles im Leben – auch eine nicht so schöne Seite hat. Zwar weist mich mein Mietvertrag ehrlicherweise darauf hin, dass sich „in unmittelbarer Nähe Gaststätten befinden“, auch, dass „mit den gaststättentypischen Emissionen zu rechnen ist“. Er hat aber mich aber nicht darauf hingewiesen, dass die Emissionen auch klanglicher Natur sein könnten.

Das liegt weniger an singenden Japaniern oder Ukrainern, sondern an der Lust des Biergartenbetreibers, sich offensichtlich auf Trödelmärkten rumzutreiben. Denn wo sonst sollte er dieses Kleinod erstanden haben, das mir Tag für Tag Kummer bereitet. Dabei handelt es sich um eine lebensgroße Puppe, die hinter einer Zither am Eingangstreppchen zum Biergarten sitzt und deren verborgenes Inneres wohl einen CD Player beinhaltet, deren einzige Scheibe auf ‚Wiederholung’ geschaltet morgens, mittags und abends Zithermusik von sich gibt, wobei besonders die Melodie vom ‚Dritten Mann’ klanglich heraussticht und zu den Höhepunkten der Endlosschleife gezählt werden muss. 

Natürlich hatte ich versucht, in deeskalierender Absicht dem Eigener gegenüber das Thema anzusprechen, um zumindest eine zweite Scheibe im Gedärm des Zombies zum klingen zu bringen. Doch vergeblich. Zu viele Selfies würden gerade zu den Klängen dieser Melodien gemacht, als dass der Gastronom auf die Werbewirkung verzichten könne. Ja, er vertritt entschlossen die Ansicht, dass dieser Zitherzausel neben Tony Marshall, der Spielbank und den heißen Quellen zu den markantesten Symbolen unserer Stadt gezählt werden muss. Die Figur käme total gut an, vor allem bei Chinesen mit Mundschutz. Verstockt vertritt er die Ansicht: auf soviel Werbung könne er gar nicht verzichten.

Vielleicht verständlich, dass ich da was unternehmen muß, besonders, da der immerwährende Klangteppich mir die Freude an meinem Balkon vergällt. Bei der Suche nach Abhilfe hab ich mich nun daran erinnert, dass Drohnen zunehmend präziser treffen, d.h., dass man Kollateralschäden weitestgehend ausschließen kann. Werde mich morgen mal per Mail an einen Herrn Richard H. Ledgett, Chef der NSA, wenden und ihn darüber informieren, dass ich wüsste, wo sich ein IS Kämpfer versteckt hält.

„Sie werden es nicht glauben“, werde ich ihm – übersetzt – schreiben, „aber die Tarnung erstreckt sich bis weit in den volkstümlichen Personenkreis hinein“. Ja, habe ich mir zurecht gelegt, der IS verwende jetzt auch schon Zitherspieler um sich zu tarnen. Das Böse käme neuerdings auch klingend in die Welt. Was sich so harmlos gibt, sei eine klingende Zeitbombe, deren Ticken ich tagtäglich lauter vernehme.

Ich werde ihm noch die Koordinaten durchgeben und meine Mail schließen: mit den besten Wünschen. Ein PS werde ich auch noch hinzufügen: es bleibt doch unter uns?

 Anschließend setze ich mich mit einem ‚Tannenzäpfle’ auf dem Balkon und warte. Auch wenn es etwas länger dauert – macht nichts. Ich habe noch ein Fläschen kaltgestellt.

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Allee hopp!

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Mit dem Pferdegespann durch das grüne Herz Baden-Badens

Für manche liegt das Glück auf dem Rücken der Pferde. Andere wiederum suchen es gleich dahinter. So wie Sabrina Möller, eine junge Frau von 36 Jahren, die in Baden-Baden auch dieses Jahr wieder mit ihrer Kutsche Touristen durch die Lichtentaler Allee fährt. Dabei trägt sie standesgemäß einen knapp geschnittenen grauen Anzug, nebst weißer Bluse und Zylinder. Baden-Baden, Ihr Niveau.

Nachdem sie 2009 das Führen eines Gespanns erlernt hatte, hat sie den Betrieb 2015 von ihrem Vorgänger übernommen. Drei Monate harte Ausbildung seien das gewesen, kein Vergleich mit dem Auto-Führerschein. Morgens Theorie, nachmittags Praxis. Erst mit zwei, dann mit vier und schlussendlich mit sechs Pferden. Dass da einem nur nichts durchgeht, oder wie sie sagt: „Wie bremst man das ganze Geschoss“?

Dann kommt der Alltag, der sich natürlich auch wieder ganz anders darstellt. Kutschieren im Verkehr, während der Fahrt mit den Kunden plaudern, die Richtung halten und dabei selbstverständlich noch gute Miene zum rollenden Spiel machen. Freundlichkeit zahlt sich aus und soll es auch.

Was andere eher nebulös mit ‚Glück’ umschreiben, lässt sich bei Sabrina Möller ziemlich klar festmachen. Eines nicht zu fernen Tages vielleicht nicht mehr selbst sieben Tage in der Woche fahren zu müssen. Nach sechzig Wochenstunden endlich sagen zu dürfen: es reicht. Auch mit ihrer Familie einmal Urlaub machen, so wie letztes Jahr, als man endlich zu dritt ausrückte, um im Baggersee bei Stollhofen zu baden. Das war gut geplant, zumindest solange, bis der Kollege, der sie an dem Tag vertreten sollte, mit einem Bandscheibenvorfall ausfiel. Wieder nix. Selbstständig sein heißt halt immer noch: selbst und ständig.

Der Betrieb und die Pferde müssen laufen. Drei Gespanne sind abwechselnd im Einsatz. Dazu kommen die Helfer im Stall. Und dann noch die Springer. Gefahren wird mit polnischen Warmblütern. Neun Pferde sind es, die auch im Winter ihr Futter wollen. Saisongeschäft eben. Die Kutschen kommen ebenfalls aus Polen. € 12 000 das Stück. Die deutschen Kutschen kann man nicht bezahlen. Eine andere Baustelle ist das Gelände in der Gunzenbachachstraße. Die Koppel. Sie wird immer wieder gern auch von Wildschweinen besucht. Da muss ein Zaun ausgebessert werden, das Gelände ist bisweilen matschig. Hier muss mit dem Forstamt verhandelt werden. Dabei zeigt sich die Stadt kooperativ. Sie weiß, was sie an dem Kutschenbetrieb und ihrer Halterin hat. Und kann doch nicht verhindern, dass dem Kleinbetrieb durch den G 20 Gipfel auch dieses Jahr wieder eine komplette Woche Fahrbetrieb, also Einnahmen, fehlen.

Dabei wirkt sie trotz aller Belastung durchaus fröhlich. Sei es, weil sie weiß, dass Miesepetrigkeit ohnehin nichts brächte, sei es, weil es ihrem optimistischen Naturell zuwider liefe.

(Wo und wie geht’s weiter? Demnächst & hier)

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Allee hopp! Teil 2

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Mit dem Pferdegespann durchs grüne Herz Baden-Badens: Die Chinesen sind da

„How much?“ Wie aus dem Nichts kommend tauchen am ihrem Stellplatz vor dem Cafe ‚Capri‘ fünf Chinesen mit Stoffhütchen auf. Kutsche im Blick, Handy in der Hand. Und nochmal: „How much?“ Also wird erklärt. Drei verschiedene Touren werden angeboten. Alle führen zunächst durch die Allee. Fünzehn Minuten kosten € 35; diese Tour macht kehrt am Stadtmuseum, bevor sie über das ‚Brenner’s‘ wieder zurück führt. Dreißig Minuten zu € 60. Diese Tour macht kehrt am Hirtenhäuschen. Und dann noch eine volle Stunde, also die große Tour. Sie führt bis zum Kloster Lichtental. Macht € 110.

Es folgt jetzt eine lebhafte innerchinesische Gesprächsrunde. Doch dann zeichnet sich ab: angesichts der fünfzehn Tage Urlaub, die der Chinese so hat (von denen er wohl noch die Hälfe seinem Arbeitgeber schenkt), scheint die kleine Tour angebracht. Man muss gleich weiter. Aber jetzt erst mal einsteigen, Stoffhütchen gerückt, alle drin. Und wo ist das Sonnenschirmchen? Ach hier. Ok.  

Ab geht die Post durch die Allee. Ein wunderschöner Tag. Die Vögel zwitschern und die Besucher auch. Fünf Leute, fünf Handys. Erst geht’s zum Stadtmuseum, von dort kurz in die Fremersbergstrasse und dann abbiegen beim Brenner’s Parkhotel, wo die braunbefrackten Herren am Eingang Sabrina Möller freundlich grüßen, die, nebenbei gesprochen, noch anmerkt, dass sie beim Vorbeifahren seismographisch spürt, wie die Stimmung im Inneren des Hauses heute mal wieder so ist.

Zurück am Ausgangspunkt noch schnell Fotos gemacht mit allen Gästen. Jeder einzelne steigt noch zur Kutscherin auf den Bock, bevor alle („Where ist the toilette?“) glücklich in Richtung ‚Löwenbräu’, einem weiteren Höhepunkt der Deutschlandreise, entgegeneilen.

Ähnlich flott haben’s gern auch die Araber, die vor allem in den Monaten Juli, August und September in Baden-Baden gastieren. Auf der Flucht vor der übergroßen Hitze ihrer Heimatländer suchen sie das Flüchtige auch in einer an sich beschaulichen Kutschenfahrt. Auch hier wird vor allem die kurze Fahrt gebucht. Da heißt es flott, flott, und am liebsten würde die Großfamilie in der üppig besetzen Kutsche („Araberfamilien kommen nicht zu fünft“) durch die Stadt galoppieren.

Jetzt Warten auf die nächste Kundschaft. Die polnischen Pferde scharren mit den Hufen. Links Aramis, rechts Valentino. Beide noch sehr jung. Vor allem letzter ist ungeduldig, er will wieder los. Ist es dann endlich aber so weit, hält er sich beim Ziehen der Kutsche unmerklich zurück und überlässt seinem Kompagnon die Mühe des Kutschenziehens. Hier hilft nur der behutsam-korrigierende Einsatz der Peitsche, was aber bei tieraffinen Zeitgenossen bereits hie und da zu Verstimmung geführt haben soll.

Dergleichen ist bei der nächsten Fuhre nicht zu befürchten…

Demnächst mehr….

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