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Die Eisprinzessin

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Gestern war das Wetter schön. Die Sonne schien und es war warm. Ich bekam Lust auf Eis. Also machte ich mich auf zur Eisdiele. Die heißt ‚Roma‘ und liegt ganz in meiner Nähe. Das Personal wechselt immer mal wieder. Nur ein ziemlich dicker Junge ist öfters da. Er kommt aus Sardinien. Das hatte er mir gesagt. Gestern aber bediente mich ein junges Mädchen. Ebenfalls figurbetont, aber schwarz gekleidet. Schwarz macht ja bekanntlich schlank.

Maskenbedingt hatte ich die Brille in der Brusttasche meines Hemdes verstaut. Das Mädchen meinte es gut mit mir und geizte nicht mit den Eisportionen. Als sie mit dem Becher nach hinten verschwand, um Sahne zu holen, bemerkte ich zwischen ihren unbekleideten Schulterblättern eine deutlich rote Färbung, worauf sie mir leid tat, denn ich befürchtete schon, sie hätte einen schlimmen Ausschlag. Vielleicht litt sie unter einer schmerzlichen Gürtelrose? Vielleicht war diese Gürtelrose sogar hochgerutscht, bis hin zur Schulter? (kenne mich da nicht so aus).

Als sie von der Sahnestation zurückkam, sagt sie, sie hätte heute keine Sahne. Die wäre ‚aus‘. Schade, dachte ich, aus. Keine Sahne. Dann muss ich das Eis eben heute trocken runter würgen. Dergestalt in meiner Aussicht auf Genuss reduziert, zog ich meine Brille wieder auf, was meinen Blick jetzt aber schärfte. Nachdem sich das Mädchen erneut umgedreht hatte, sah ich, dass der vermeintliche Ausschlag sich als Tattoo eines roten Adlers entpuppte, der sie wohl mit seinen Schwingen noch einmal nach hinten tragen sollte. Dort gab es zwar keine Sahne, aber einen Taschenrechner, in den sie konzentriert eingab: 3 x € 1,20. Macht genau € 3,60.

Ganz ehrlich: dass ich keine Sahne bekommen hatte, machte mich ein bisschen traurig. Aber für diese junge Frau freut es mich, denn sie wusste offensichtlich, wie man den Preis für drei Kugeln Eis berechnet. Zudem hatte sie keine Gürtelrose, sondern doch eher ein Tattoo.

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Der Dackelblick

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Ich muss nicht oft in die Apotheke, aber wenn ich schon mal muss, gehe ich gern. Ich empfinde so einen Apothekengang als durchaus entspannend, vor allem, da in der Apotheke meines Vertrauens eine kleine Bank steht, die gebrechlichen Kunden etwas Schonung gewährt. Mich aber lädt die kleine Bank von Zeit zu Zeit ein, mich dort niederzulassen und meinen Blick auf die nicht allzu hohe Decke zu richten. Vor vielen, vielen Jahren hatte ein Maler dort seine hellblaue Vision vom Himmel gemalt. Es erinnert mich ein bisschen an Michelangeo’s Sixtinische Kapelle oder an den großen Freskenmaler Tiepolo. Natürlich reicht das Deckengemälde nicht im Entferntesten an seine großen Vorbilder heran, aber schön ist es trotzdem, zumal ich bei näherem Hinsehen  immer neue Motive entdecke.

In Baden-Baden ist der Hund los.

Ich muss nicht oft in die Apotheke, aber wenn es von Zeit zu Zeit sein muss, gehe ich nicht ungern. Den Gang dorthin empfinde ich als irgendwie entspannend, vor allem, da in der Apotheke meines Vertrauens eine kleine Bank steht, die gehbehinderten Kunden eine kurze Pause gewährt. Ich selbst bin gut zu Fuss. Mich lädt die kleine Bank  dann ein, mich dort niederzulassen. Dort sitzend richte ich meinen Blick dann auf die nicht allzu hohe Decke. Sie ist wunderbar bemalt. Vor  langer Zeit hatte dort ein Maler seine hellblaue Vision vom Himmel gemalt. Das Deckengemälde erinnert mich ein bisschen an Michelangelo’s Sixtinische Kapelle oder an den großen Freskenmaler Tiepolo. Natürlich reicht die Malerei nicht im Entferntesten an die großen Vorbilder heran, aber schön ist sie trotzdem, zumal ich bei näherem Hinsehen immer neue Motive entdecke.

Mir ist dann, als schmeckten die Tabletten auf Rezept gleich viel besser, und ein Päckchen Tempo Taschentücher gibt es ja auch noch dazu.

Beim letzten Besuch aber hatte ich meinen Blick dummerweise zu schnell wieder vom Himmel auf die Erde gerichtet. Dort, knapp über dem Boden, fiel mein Blick auf einen Dackel, der mit den bekannt kurzen Beinen sein Herrchen in die Apotheke begleitete. Es war ein Rauhaardackel. Ein hübsches Tier mit klugen Augen (Dackel seien ja intelligente Tiere), die mich zunächst freundlich anblickten, als wollten sie mir sagen: ich würde auch mal gern an die Decke kucken. Mitfühlend erwiderte ich seinen Blick, worauf der Rauhaardackel mich aber plötzlich wie aus heiterem Himmel in einer Weise ankläffte, wie man es früher allenfalls von Herbert Wehner kannte.

Unvermittelt machte das kleine giftige Tier  einen Höllenlärm, und es war mir entsetzlich peinlich, auf einem alten Bänkchen aus dunklem Holz sitzend, von einem Dackel angegiftet zu werden.

Dann aber aber wandte sich der Hundehalter direkt an mich und fragte streng, ob ich etwa seinen Dackel angeschaut hätte. Im Stand einer gewissen Unschuld bejahte ich die Frage, worauf er vorwurfsvoll sagte, das ginge nicht. So etwas ginge gar nicht. Ich dürfe mich also nicht wundern, wenn…

In der Apotheke hatten sich mittlerweile drei weitere Personen eingefunden. Lauter kranke, sieche Menschen, die mich ansahen, als hätte ich mit der Provokation eines Dackels ihren Heilungsprozess unterbrochen.

Wie man sicherlich verstehen kann,  war mir das alles ziemlich peinlich, weshalb ich mir fortan jeden weiteren Blickkontakt mit dem Hund versagte. Verstärkt richtete ich mein Auge wieder auf den in Öl gemalten Himmel, an dem ich jetzt, hinter einer Wolke hervorlugend, ein nacktes Engelchen entdeckte.

Das Problem aber verschwand deswegen noch nicht. Es war irdischer Natur. Es lag nicht hoch im Himmel sondern stand knapp über dem Boden. Bloß jetzt nicht den Dackel anschauen, Blickkontakt meiden. Es wäre mir peinlich gewesen, weiteren Anlass für etwaigen Lärm gegeben zu haben. Doch selbst mein durch und durch defensives Verhalten zahlte sich nicht aus.  Immer und immer wieder fing das Tier an, mich bellend zu beschimpfen.

Dem Dackel war das Engelchen egal. Der Dackel konnte sich gar nicht mehr einkriegen. Er war vollkommen außer sich. Einmal mehr wandte sich der Halter des Tieres streng an mich: ob ich gerade eben seinen Dackel angeschaut hätte?

Nein, sagte ich, nein!!

Ja dann, sagte er, dürfe ich mich nicht wundern.

 

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Im Zobel zur Zwiebel

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Wenn der Baden-Badener Wochenmarkt zum Laufsteg wird

Einkaufsspaß? Dank Corona gehört auch dieses Baden-Badener Gütezeichen seit Monaten der Vergangenheit an. Einkaufswagen-Slalom mit Sicherheits-abstand durch den Supermarkt; Schaufensterbummel durch die einst so beliebte Fußgängerzone mit Blick auf leere Flächen oder „Zu vermieten“-Schilder – macht doch keinen Spaß. Im Gegenteil. Da werden sogar der Drogeriemarkt oder die Apotheke zum Einkaufs-Highlight für genervte Maskenträger/innen. Aber da gibt es ja noch die kleinen Refugien, in denen so etwas wie Freude am Kauf aufblühen kann – die Baden-Badener Wochenmärkte mit ihren fast durch die Bank gut aufgelegten Händlern.

Ob über Obst, Gemüse, Fleisch und Backspezialitäten, über Käse, Eier und Blumen, ja selbst über Kohlköpfe, Kartoffelknollen und Marmeladetöpfchen hinweg, kommt Kauffreude auf; aller Masken zum Trotz. Selbst zwischenmenschliche Kontakte bahnen sich an. Man glaubt es kaum.

Doch wäre Baden-Baden nicht Baden-Baden, wo bekanntlich das „good good life“ beheimatet ist, wenn es nicht auch in Sachen Markttreiben immer noch ein bisschen anders ginge: während auf dem Platz bei der Bernharduskirche und vor dem Lichtertaler Kloster Jogginghose, Parka oder ähnlicher Einheitslook zu Marktkorb oder Rucksack getragen werden, durchweht – Corona hin, Corona her – den Wochenmarkt auf dem Augustaplatz ein Hauch von Laufsteg.

High-Heels-Boots und Pelzjäckchen, Top-Styling trotz flächendeckend geschlossener Friseur- und Nagelstudios (wie machen die das bloß???), trotz Marken-Shopper und Edelmetall am Ohr und Finger: beim Zwiebelkauf oder der Maultäschleauswahl (Manufakturwahre) wird all das einer verständigen Öffentlichkeit präsentiert. Koriander und Ingwer sind die vergnügt preisgegebenen Geheimtipps für die Verarbeitung von Lammgehacktem – oder war es doch frische Minze? Beim Coffee-to-go kommt fast Partystimmung auf, wenn mehr als zwei Haushalte in pandemiebedingtem Abstand kommunizieren.

Irgendwie ist doch immer noch „Baden-Baden-Zeit“, um einen Werbespruch aus unserer guten, alten Zeit zu zitieren. Wie tröstlich.

Irene Schröder

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Der Wischmob

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Ganz schön was los hier. Der Morgen in der Fußgängerzone

Dass eine Stadt lebt, erkennt man ein Stück weit auch an dem Lärm, den arbeitenden Menschen dort produzieren. Man könnte sagen: ich lärme, also bin ich. Das ist in Baden-Baden nicht anders als anderswo.

So z.B., wenn die Lastwagen, die schnell verderbliche Ware anliefern, in die Fußgängerzone rollen. Neben dem üblichen Motorengeräusch verfügen sie zusätzlich noch über ein lärmerregendes Kühlaggregat, das, über der Führerkabine angebracht, sicherstellt, dass im Inneren des Kühlbereichs die Temperatur nicht über Minus 5 Grad klettern.

20160602_083007-2Als weitere Lärmquelle auszumachen sind auch die kleinen orangefarbenen Reinigungsfahrzeuge, die wie Tausendfüßler in jede Ecke der Fußgängerzone huschen, um dort mit diabolischem Eifer der noch letzten Zigarettenkippe nachzustellen.

Nicht genug des Umtriebs. Zweimal in der Woche rückt von draußen, vom Fuhrpark, ein riesiger Reinigungslaster an, der, bestückt mit einer Zweimannbesatzung, sich um das Leeren zahlreicher Niederflurabfallbehälter in der Fußgängerzone kümmert.

Bei dem Fahrzeug handelt sich um das Modell ‚BUCHER Cityfant 60’, auch er ausgestattet mit einem Zweimotorenkonzept. Der Hauptantrieb, ein Diesel, ist für die Fortbewegung der 15 Tonnen schweren Straßenkehrmaschine zuständig. Mit diesem Aggregat schafft es die ‚Selbstfahrende Arbeitsmaschine’ mühelos, von einem Abfalleimer zum Nächsten zu bewegen. Doch lernen wir: ein Lärm kommt selten allein, und so hat auch das Fahrzeug noch einen zusätzlichen Motor. Dabei handelt es sich um das ‚Motorventilator-Aggregat von Daimler – Chysler’, das mit seinen 75 kW über eine enorme Saugleistung verfügt. Nur so kann er seiner Aufgabe in vollem Umfang gerecht werden. Hierzu sind zwei Personen notwendig.

So versucht die eine Person, der Fahrer, mit großer Umsicht das tonnenschwere Gefährt möglichst nahe an den jeweils zu leerenden Abfalleimer zu steuern, was im verwinkelten innerstädtischen Bereich nicht immer ganz einfach ist. Hat er das Ungetüm positioniert, schickt er den zweiten Mann hinaus ins Freie. Dieser Mitarbeiter greift sich nun den am Außenbereich des Fahrzeugs befestigten massiven Saugschlauch und führt ihn mit dem äußersten Einsatz seines ganzen Körpers in Richtung Niederflurabfalleimer. Dessen Aufsatz legt er nun zur Seite, was ihm ermöglicht, den Rüssel einzuführen. Der im Unterflurbereich sich befindliche Müll kann nun abgesaugt werden.

Das Konzept ist so einfach wie schlüssig. Während der eine im Freien arbeitet, verbleibt der andere im Inneren des Fahrzeugs. Das bewirkt zweierlei. Zum einen verhindert man dadurch, dass bei Regen der Fahrer nass wird; zum anderen kann man ausschließen, dass während des Einsatzes das Fahrzeug entwendet wird.

20160602_075544In Normalbetrieb konzentriert sich der Mann im Außendienst jetzt ganz auf die ihm gestellte Aufgabe. Und die ist schwer genug. Das Problem liegt nämlich darin, dass sich immer mal wieder Gegenstände, wie Taschen oder Regenschirme, im Inneren verkeilen. Was sich zunächst als einfache Tätigkeit anlässt, erweist sich nun doch als komplexe Herausforderung, denn es gilt jetzt zu verhindern, dass z.B. so ein Regenschirm bei umgeklapptem Aufsatz in den Saugrüssel gezogen wird. Bedingt durch die bereits von uns thematisierte enorme Saugleistung wäre dies für den Rüssel des ‚Cityfanten’ ein Leichtes.  Würde dies nämlich passieren, käme es u.U. im Inneren des Saugrüssels zu einem sogenannten ‚Klemmer’. Dadurch könnten Schäden entstehen, von denen sich ein einfacher städtischer Reinigungsmitarbeiter, der, mit seinem Handwagen unterwegs, den Regenschirm einfach herausgezogen hätte, keine Vorstellungen macht.

Ein weiterer Stressfaktor ergibt sich auch dadurch, dass der Fahrer im Inneren der Fahrzeugkabine Druck macht. Der Zeitplan ist eng getaktet, was aber keineswegs an der sich abzeichnenden Vesperpause liegt, sondern seine Ursache hat in einer um höchstmögliche Effizienz bemühten Einsatzplanung.

Doch auch außerhalb des unmittelbar innerstädtischen Bereiches erkennen wir eine Fülle an Lärmquellen. So bemerkt man in diesen Tagen im Bereich des Leopoldplatzes den verstärkten Einsatz von Bohrmaschinen, die sich mit großer Hingabe der Aufgabe stellen, vor der Renovierung des Leo den an sich schon gründlich untersuchten Untergrund noch einmal gründlich zu untersuchen.

Für Außenstehende mag es den Anschein haben, als würde man im Zentrum von Baden-Baden mit viel Aufwand nach Öl suchen. Doch verbietet sich hier bohrendes Nachfragen. Die Mitarbeiter der ‚Hettmannsperger Bohrgesellschaft mbH’ sind bei der Arbeit hochkonzentriert. Kein Wunder, klebt doch auf ihrem Fahrzeug  zusätzlich noch das Schild: Kampfmittelerkundung.

 

Scheint, als drohe der nächste Lärm.  

 

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Besser zu zweit

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Foto 2Dort, in der Sophienstraße, wo Baden-Baden ein bisschen an Münchens Maximilianstraße erinnert, und wo die Einkaufstüten von Hermes und Escada den Winterpelz auf Anmutigste schmücken, kann man in diesen Tagen ein schönes Beispiel der Entschleunigung sehen. Jetzt, da das jetzt fast schon vergangene Jahr sich seinem baldigen Ende zuschiebt, erleben wir dort einen älteren Herrn mit seinem wirklich sehr alten Hund beim täglichen Spaziergang auf dem breiten Spazierstreifen der Allee. An sich nichts Besonderes. Allerdings auf, wie behutsam, ja, man muss  fast sagen, sorgsam und altersgerecht der eine mit dem anderen umgeht. So hinfällig jeder für sich selbst ist, so sehr nimmt er doch auf den anderen Rücksicht. Erst geht der ältere Herr ein paar Schritte, dann wartet er auf seinen Hund. Der wiederum kommt langsam heran, geht an seinem Herrn vorbei, blickt sich um, und wartet, bis, ja, man möchte fast sagen: Gleichstand erreicht ist. So schiebt sich das alte Duo allmählich vorwärts. Einer wartet, bis der andere nachkommt. Der Fortschritt ist halt manchmal eine Schnecke.

Unter all den guten Wünschen, mit denen wir den Jahreswechsel begleiten, sollte auch der sein, dass die beiden sich noch lange haben. Eine schöne Schicksalsgemeinschaft. Beide brauchen sich. So geht es voran. Zwar langsam, aber immerhin. Das wünschen wir für uns alle, ganz besonders aber für die beiden in der Sophienstraße.

Denen ganz besonders ein schönes und vor allem gemeinsames Fest. Zu Zweit fällt er halt leichter: der Schritt ins Neue Jahr!

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