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Author Archives: Peter Ruhr

Allgemein Kultur Malen & Schnitzen

Zeit der Häutung Teil 1

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Der junge PICASSO. Die Blaue und Rosa Periode.    In der FONDATION BEYELER in Riehen

Privatsammlung
© Succession Picasso / 2018, ProLitteris, Zürich

Wie nahezu jedes Jahr, so ist Anfang Februar auch dieses Jahr recht düster. Nicht mehr richtig Winter und noch kein Frühling. Alles ziemlich grau. Zeit für ‚was Schönes, Zeit fürs Museum. Also ab in den Süden, nach Riehen bei Basel. Hier bietet sich einmal mehr die ‚Fondation Beyeler’ an, über die wir immer wieder einmal berichtet hatten, ganz einfach, weil ihre Ausstellungen einen wunderbaren Vorwand liefern, trübem Wetter zu entfliehen.

Diesmal widmet man sich dort mit einer Ausstellung dem frühen Picasso und seiner sogenannten ‚Blauen’ und ‚Rosa’ Periode. Sie umfasst den Zeitraum zwischen 1901 und 1907. Dabei handelt es sich um das aufwändigste Projekt, das die ‚Fondation Beyeler’ je angegangen ist. Die Vorbereitungszeit hat 4 Jahre gedauert. Man spricht von allein einer Versicherungssumme von 4 Milliarden Franken. Auch wenn das Zahlen sind, die beeindrucken, können sie doch kaum die Faszination des Gebotenen bebildern.

Das beginnt bei den noch recht frühen, farbigen Bildern, die vom Einfluss van Goghs und Toulouse-Lautrecs erzählen,

Foto: © RMN-Grand Palais (Musée national Picasso-Paris) / Mathieu Rabeau

bis wir dann von der nächsten, der Blauen Periode sprechen. Sie beginnt so etwa 1901. Deren Beginn setzt man an mit dem Selbstmord seines Freundes Carles Casagemas, der, unglücklich verliebt, zunächst seine Geliebte erschießen wollte, sie dabei aber verfehlte, um sich dann selbst umzubringen. Die düsteren Bilder seines aufgebahrten Freundes markieren hier den Eintritt in diese Periode.  Diese Bilder kreisen oft auch um Armut, um Bettler, Gefangene und Menschen in den Fängen des Alkohol. Die Farben sind eher düster, blau, grau. Allenfalls mal eine rote Blume in der Hand einer Frau.

Dann aber, so gegen 1904, kommt mehr Leben in seine Leben. Picasso bezieht ein Studio im ‚Bateau-Lavoire’, ein verwahrlostes Künstlerhaus auf dem 

Musée national Picasso-Paris

ParisMontmartre. Man mag sich das kaum vorstellen: eine einzige Waschstelle für 12 Bewohner, zudem ein stinkendes WC, dessen Tür sich nicht schließen lässt. Geheizt wird mit den üblichen Kanonenöfchen. Kaum nachvollziehbar, und doch sollte dieser Schuppen – man kann es nicht anders sagen – zu einer Art Keimzelle der Moderne werden.

Die Freunde des Malers sind schon alle da, weshalb sich auch sein Gemüt aufhellt, trotz besagter Lebensumstände. Man hatte wenig zum Leben, aber von dem hatten alle viel. Montmartre, das war volles Leben, Inspiration, Freude und Freunde. Unter diesen äußeren Umständen ändert sich auch Picassos Malstil. Heitere Rosa- und Okkertöne halten in den Gemälden Einzug. Gaukler, Artisten, Akrobaten. Nach den Worten seines Dichterfreundes Guillaume Apollinaire tauchte „Picassos Malerei, blau von Mitleid, aus den Tiefen eines Abgrunds auf“, was eindringlich die in den in Riehen präsentierten Gemälde zeigen. Es erscheint dort die ganze bunte Schar. Dazwischen auch Bilder von knabenhaft kindlicher Unschuld, wie etwa die Fillette au panier de fleure, von denen man  hofft, dass sie von den Kritikern Balthus’scher Sujets so schnell nicht als ‚verdammenswert’ entdeckt werden.

Doch ein Leben in fortwährende Armut ist auf die Dauer nichts für den Künstler Picasso…

Demnächst hier Teil 2

 

Allgemein Kultur Malen & Schnitzen

Zeit der Häutung Teil 2

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Der junge PICASSO. Die Blaue und Rosa Periode.    In der FONDATION BEYELER in Riehen

© RMN-Grand Palais (Musée de l’Orangerie) / Hervé Lewandowski

Doch ein Leben in fortwährender Armut ist auf die Dauer nichts für den Künstler Picasso.

Der Kunsthändler Ambroise Vollard hatte von ihm 20 Bilder für 2000 Francs erworben. Dies entspricht einem heutigen Wert von ca € 8000. Immerhin war er damit seine finanziellen Probleme für’s erste los. Nach diesem Abschnitt, auch die ‚Rosa Periode’ genannt, tritt der Maler, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Bilder Gaugins, in eine dritte, die sogenannte ‚primitivistische’ Periode ein. Plötzlich tauchen imposante, weibliche Akte auf. Wir erleben in den Bildern massige Körper, klare Einfachheit. Wir erkennen Einflüsse afrikanischer und ozeanischer Kunst. All das wird kurz darauf in den Kubismus münden, dessen Meisterwerk „Les demoiselles d’Avignon“ sich in den in Basel präsentieren Skizzen und Bildern bereits ankündigt.

© 2017, Succession Picasso/ProLitteris, Zürich Foto: Robert Bayer, Basel

Dass sich die Bedeutung der Kunst nicht ausschließlich im Bild abzeichnet, ist so wahr wie banal. Und doch sollte man, um die Bedeutung des Gezeigten zu untermalen, auch über Geld sprechen. Die Fondation Beyeler selbst verfügt über einen bedeutenden Bestand von 33 Picasso Gemälden. Hinzu gekommen sind für diese Ausstellung jetzt 75 Leihgaben aus den großen Musen der Welt, an vorderster Stelle das ‚Musee d’Orsay’ und die ‚l’Orangerie’ in Paris. Weiter das ‚Metropolitan Museum’ in New York. Daneben unzählige andere Museen und private Leihgeber weltweit. Diese Bilder müssen versichert werden, und so spricht man von einer gigantischen Versicherungssumme von 4 Milliarden Franken, die für das Durchführen dieser Schau unerlässlich war.

Doch sollte man sich von den Summen nicht erschlagen lassen. Noch beeindruckender ist für den Betrachter die schier überwältigende Masse und Pracht des Gezeigten. Fast ungläubig sieht man dem Maler Picasso dabei zu, wie er, gleich einer Schlange, sich „häutet“, wie er innerhalb kürzester Zeit seine Malerei und deren Stil revolutionär verändert. Man wird Zeuge einer Explosion, wie wir sie viel später und auf einem gänzlich anderen künstlerischen Feld, z.B. auch von den Beatles erleben. Es war an ihnen, binnen acht Jahren die Popmusik zu revolutionieren. Man mag uns den Vergleich verzeihen…

© 2017. The Metropolitan Museum of Art / Art Resource / Scala, Florenz

Dabei erleben wir beispielhaft in Picassos Biografie aber auch in den gezeigten Bildern, wie rücksichtslos Künstler sein können, vielleicht aber auch sein müssen. Immer wieder lässt Picasso alles Gestrige hinter sich. Malstil, Frauen, Freunde, Galeristen und Orte. Angefangen hatte alles in Barcelona. Der Weg hatte ihn zunächst über Madrid nach Paris geführt. Und dann, erst viel später – es muss so um die 1944 gewesen sein –, kehrt er ein letztes Mal mit seiner neuen Liebe, Francoise Gilot, an die Stätte seines frühen Schaffens zurück. Er hatte sich gehäutet und das Bateau Lavoire hinter sich gelassen. Und es sollte ausgerechnet Francoise Gilot sein, die ihn, Picasso, dereinst selbst hinter sich lassen würde. Auch sie hatte sich gehäutet.

So erzählt die Ausstellung in Riehen in wunderbarer Weise von Beidem. Vom Kommen und Gehen. Vom Vergangenen und der Zukunft. Für Beides steht Picasso gleichermassen.

 

Allgemein Stadtstreicher

Das Hochamt

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Wie Baden-Baden einmal eine Gemeinderatssitzung abhielt

Foto 1Wer in Baden-Baden ein öffentliches Amt begleitet, kommt an den Brezeln nicht vorbei. Von oben, der Empore aus, betrachtet, stehen sie auf der linken Seite des Ratssaales, zusammen mit dem Hefezopf, der bei der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats allerdings nicht übermäßigen Zuspruch findet. Ganz anders als die Brezeln, die von den Gemeinderäten und –rätinnen gern genommen und vorsichtig zum genau bestimmten Sitzplatz getragen werden.
Gottseidank hat der städtische Verpflegungsetat auch noch Mineralwasser vorgesehen. Jedenfalls war vom Besucherplatz aus nicht zu erkennen, ob die Brezeln mit oder ohne Butter gereicht werden. Eher ohne, denn so trocken, wie die Brezel, geriet im Folgenden denn auch die ganze Sitzung.

Was ja irgendwie auch zum Ratssaal passt, dessen Inneres mit seinen schweren braunen Balken stark an ein Jagdhaus erinnert; fehlen nur noch die präparierten Köpfe von Wildschwein, Hirsch und Rehkuh.

Auf einen einigermaßen lebendigen Sitzungsverlauf hatte man anfänglich noch gehofft, vor allem, als man sah, wie ein Stadtrat zwar in Schuhen aber ohne Socken die Staffeln zum Rathaus empor stieg. Und für einen flüchtigen Augenblick lang wähnte sich der an lebendiger Demokratie interessierte Besucher im Vorzimmer eines englischen Parlaments, wo es – um eine Formulierung Johann Peter Hebels zu verwenden – ‚bisweilen ja etwas wunderlich hergehen soll’ (er hatte das nicht über das englische Parlament gesagt).

Aber wie eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so zeigte sich, dass ein sockenfreier Stadtrat noch lange nicht für eine lebendige Sitzungskultur stehen muss. Die Kamera, die vor Beginn der Sitzung, mit langsamem Schwenk über die vielen gewählten Repräsentanten streift, filmte dann doch eher eine Anzahl von Herren im überwiegend besten Alter, von oben unschwer an der tonsurähnlichen Frisur festzumachen. Doch auch die Stadträtinnen, manche durchaus noch jung an Jahren, gaben sich von ihrer äußerlichen Erscheinung her eher gedeckt. Was freilich daran filmisch für die Nachwelt festzuhalten ist, entzieht sich dem Betrachter, zumal sich eine fröhliche Nachfrage von oben herab verbietet. Besucher werden gebeten, von Zwischenrufen abzusehen. Keine Sorge.

Nun war die Tagesordnung auch nicht – wie man so sagt – der Brüller. Es wurde im Wesentlichen ‚verabschiedet’. Und zwar verabschiedete man zunächst die Foto 2-2‚Haushaltssatzung‘, dann den ‚Wirtschaftsplan der Stadtwerke‘ und daran anschließend den des ‚Eigenbetriebs Umwelttechnik‘. Weiter wurde verabschiedet der ‚Haushaltsplan der Events GmbH‘ und der ‚Wirtschaftsplan der Gemeinnützigen Gesellschaft zum Erwerb und anschließenden Nutzungsüberlassung des Festspielhauses’, allesamt also Sitzungspunkte, die in einer trockenen Brezel ein Maximum an kulinarischer Entsprechung gefunden hatten.

Wohl dem, der jetzt eine Flasche Wasser mit sich führte und ein bisschen Zerstreuung am allgegenwärtigen ‚Tablet‘ fand, über dessen Bildschirm immer dann gestrichen wurde, wenn es galt, herabgefallene Krümel oder die Salzkörner der Brezel von der Oberfläche des Bildschirms zu entfernen.

Wenn Demokratie ein Stück weit auch vom Ritual und dem verlässlichen Wiederholung des Immergleichen lebt, war auch diese Sitzung ein Beispiel dafür, dass gelebte Demokratie nicht notwendigerweise lebendig sein muss. Jeder spielt halt seine Rolle, so etwa, wenn die Grüne, Beate Böhlen, brav die Verwendung von Papier mit dem PEFC Siegel im innerbehördlichen Schriftverkehr anmahnt. Vielleicht hätte man da früher noch gelacht. Aber heute lacht da keiner mehr. Nachhaltiges Schreiben. Nachhaltiges Lesen.

Doch auf einmal wurde es doch noch lebendig. Als Martin Ernst, seines Zeichens Vorstand ‚Freie Bürger für Baden-Baden‘, sich in einem Flugblatt und nicht wie üblich im Haushaltsausschuss zum Schuldenstand der Stadt äußerte, kam unverhofft noch Dampf in den Topf. Jedenfalls verwahrte er sich in der Sitzung, mit seinem Namen mit irgend einem Thema in Zusammenhang gebracht zu werden. Die Oberbürgermeisterin, deren Art, die Sitzung zu führen, sich ebenfalls an der Konsistenz einer trockenen Brezel orientierte, ging unverhofft zum Angriff über und kanzelte ihn bündig ab. Einen Augenblick lang hatte da der Betrachter den Eindruck, eben wäre Butter auf die Brezel gekommen.

Als sich dann ein Großteil des Gemeinderats nach der Sitzung unverzüglich im ‚Amadeus’ am Leo einfand und auch Margret Mergen sich in dieser Rund locker gab, da konnte man den Eindruck gewinnen, alle zusammen hätten anlässlich dieser Gemeinderatssitzung an einem überaus erregenden Experiment teilgenommen, von dem man sich jetzt erst mal erholen müsste.

 Wenn das mal keine Demokratie ist.

 

 

 

Allgemein Gastbeiträge Institutionen Kultur Menschen

Die Prinzenrolle

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Echt närrisch – in Baden-Baden findet sich keiner, der will.

Im Märchen und im Rheinland wäre so etwas unmöglich: In der Baden-Badener Narrenzunft findet sich kein edler Prinz, um die schöne Prinzessin in Richtung Thron, beziehungsweise Bühne, zu geleiten! Während in Köln oder Düsseldorf gestandene Geschäftsleute locker einige Tausend Euro samt viel Freizeit investieren, um im samtigen Pumphöschen und Strumpfhosen Ansprachen und Küsschen zu verteilen, mag in Baden-Baden offenbar kein Fastnachter die höchste Würde anstreben. Ein Fasnet – Gau. Zum ersten Mal in der Geschichte der honorigen Zunft wird es dieses Jahr wohl nur eine Prinzessin an der Spitze der Narrenschar geben.

Nun mag ein vom Virus der Fasnet-Tollerei nicht Angesteckter argumentieren: sooo toll sei die Prinzenrolle ja nun auch wieder nicht. Festabend für Festabend sich mehr oder weniger witzige Reden anhören, selbst reden, mit der Prinzessin schäkern, ohne die eigene Partnerin eifersüchtig zu machen, Tanzkünste vorführen, beim Umzug Bonbons werfen und möglicherweise im Regen stehen – welche echter Mann mag das wirklich? Da braucht es schon eine gehörige Portion Begeisterung für die närrische Sache, um sich wochenlang prinzenmäßig zu präsentieren. Aber gibt es denn nicht wenigstens EINEN Kavalier, der der einzelkämpfenden Prinzessin galant zur Seite steht – so wie es die Ehemänner von OB Mergen und Eventschefin Waggershauser vorbildlich praktizieren! Aber was heißt schon ‚vorbildlich’? Bei beiden Damen ist das „Ausüben einer närrischen Tätigkeit in Begleitung“ Teil des Dienstvertrags. Das kann man nachsehen unter ‚Anforderungsprofil‘. Steht ganz klein gedruckt. Unten links.

Allgemein In eigener Sache

Sapperlot!

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Der „Badenblogger“ hat jetzt 400 000 Follower. Na also.

Gestern hätte ich anlassbezogen gern etwas in meinen Blog geschrieben, aber ich war stark benebelt. Dass das mit dem Schreiben nicht geklappt hat, liegt letztlich an meiner Nachbarin, einer älteren Dame, die in der Wohnung unter mir wohnt. Gefühlt müsste sie achzig Jahre alt sein, aber ich glaube, fünfundsiebzig trifft es eher. Sie läuft sehr schlecht. Noch schlechter aber spricht sie Deutsch, und das, obwohl sie ist vor bestimmt zwanzig Jahren nach Deutschland gekommen ist. Ja, man muss sagen, dass sie fast gar kein Deutsch spricht.

Wie lange sie schon in Deutschland ist, weiß im Haus niemand genau zu sagen, nicht einmal die netten Türkin, die mit ihrer Familie über mir wohnt. Das Wenige, das sie weiß, weiß auch ich von ihr nur so ungefähr. Zwar läuft die Türkin gut, spricht aber ebenfalls sehr schlecht Deutsch. Allerdings ist sie mir immer behilflich, wenn die große Schar Ableser – Gas, Wasser, Kontrolle der Brandschutzmelder etc. – während meiner Abwesenheit Zutritt zu meiner Wohnung begehrt. Dann lässt sie die Kontrolleure rein. Meistens aber macht das ihre Tochter, die sehr gut Deutsch spricht und meistens da ist. Irgendwann will sie „irgendwas mit Marketing machen“. Ob Marketing für sie das Geeignete ist, weiß ich nicht. Ich neige eher dazu, nein zu sagen. Denn wenn sie „´was mit Marketing“ machen will, könnte es sein, dass sie ja aus der elterlichen Wohnung auszieht. Das würde dazu führen, dass niemand mehr da ist, der dem Ableser Zutritt zu meiner Wohnung verschafft. Also besser kein Marketing.

Aber deswegen war ich gestern nicht benebelt. Das hatte einen anderen Grund. Es lag eher am Kochverhalten der bestimmt fast achtzigjährigen Dame, die unter mir wohnt. Habe ich meine Obermieterin richtig verstanden, könnte sie aus dem katholischen Kroatien stammen, ein Verdacht, der sich dadurch erhärten lässt, dass aus ihrem Fenster ganzjährig ein blinkend – leuchtendes Marienpüppchen lacht.

Nun kenne ich mich im Kroatischen nicht so aus. Es könnte nur sein, dass viele Kroaten nicht nur einem leuchtenden Marienkult anhängen, sondern die eine oder andere Kroatin auch über große Kochgeschirre verfügt. So, wie möglicherweise die unter mir wohnende Dame. Denn einmal die Woche – meist Dienstags – erfüllt ein Geruch das gesamte Hausinnere, der vermuten lässt, dass er einem großen Topf entströmt, in dem sie wahrscheinlich ihre gesamte Wäsche kocht. Dazu gäbe sie dann reichlich Knoblauch, auch Lauch und viel Kohl. Nicht genug. Von den acht paar Sportschuhen ihres Sohnes, die vor ihrer Tür stehen (der Sohn wohnt merkwürdigerweise nicht bei uns im Haus, seine Schuhe aber schon), fehlen derzeit drei Paar Sneakers, und alle im Haus rätseln, wo die Schuhe geblieben sind. Sie werden doch nicht etwa…?

Über Stunden hinweg pflegt dann der Topf so vor sich hin zu köcheln. Während dieser Zeit ich bin stets  besorgt, es könne jemand mit brennender Zigarette ins Hausinnere treten, und – bedingt durch die dem Topf entströmende Gase – eine Explosion auslösen. Das aber wäre auch zugleich das Ende vom „Badenblogger“, der, gestern noch von den Ablüften des Kochbottichs stark benebelt, erst heute dazu kommt, zu vermelden, dass der „Badenblogger“ nun schon 400 000 Follower verzeichnet.

Und so werden wir auch weiterhin uns der Wahrhaftigkeit und der Völkerfreundschaft verpflichtet wissen. Und auch in Zukunft die Finger auf Töpfe legen, deren Inhalt uns fragwürdig erscheint.

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