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Author Archives: Peter Ruhr

Allgemein

Weg damit!

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Vom Umgang mit nichtverderblichen Waren

Oscar Wild sagt: die Menschen neigen dazu, das wegzugeben, was sie selbst am nötigsten brauchen. Da ist bei mir nicht so. Ein gutes Beispiel sind jetzt z.B. die beiden Töpfchen aus Blech, die ich bei meinem Einzug in die Wohnung vor acht Jahren vorfand. Seit ich hier wohne, kann ich mit denen rein gar nichts anfangen.

Von dem einem Töpfchen weiß ich nicht, wozu es gut sein soll. Das andere wiederum, das mit einem Henkel, hatte irgend jemand, lange vor meiner Zeit, offensichtlich dazu benützt, um darin Kräuter für den häuslichen Bedarf zu züchten. Da ich jetzt aber nicht so der Wahnsinnskoch bin, hatte ich die Zuchtbemühungen nicht fortgesetzt, und so steht seit fünf Jahren das Blechding ganz hinten im Küchenschrank. Seitdem wartet es auf seine Auferstehung. Formschön aber nutzlos.

Meine Putzfrau stellt beim Reinigen des Schrankes die Blechdinger immer maulend auf den Boden, um sie nach Abschluss der Reinigung, mit unverständlich großem Lärm wieder ganz weit nach hinten zu schieben. „Da müssen wir uns jetzt mal aber mal was einfallen lassen“, sagt sie jedes Mal mit einer gewissen Strenge, was nicht mehr und nicht weniger heißt, dass ich – nicht ‚wir‘! – diese Dinger gefälligst wegschaffen soll. Am besten schnell und endgültig.

Mittlerweile sehe ich das auch so. Nicht, dass ich Angst vor meiner Putzfrau hätte, aber ich erlebe ja, wie sie sich immer wieder mit den zwei Blechdingern quält. Raus, rein, rein, raus. Dazu kommt noch, dass diese Teile zwischen uns und unausgesprochen, zu einer Art Zeugnis meiner Unfähigkeit, im Leben Entscheidungen zu treffen, geworden sind. So sagt sie das natürlich nicht, aber wahrscheinlich hält sie mich allein schon deshalb für eine Art Memme.

Ein leichtes Seufzen, dann denke, dass es also an der Zeit wäre. Die Frage ist doch die: brauche ich die Blechdinger wirklich? Nicht wirklich. Gut also, dass direkt vor meiner Wohnung ein vielbegangener Weg vorbei führt, der auf der anderen Seite von einer kleinen, nicht zu hohen Mauer gesäumt wird, die sich förmlich anbietet, auf ihr zwei völlig nutzlose Blechtöpfchen abzustellen. Von meinem Fenster aus könnte ich dann beglückt verfolgen, wie eine arme alte Oma mit knotigen Fingern danach greift und sich mit der Mitnahme meiner Töpfchen die schmale Rente aufbessert.

Ich warte also ab, bis niemand kommt, und flitze dann nach unten, um die Töpfchen zu positionieren. Nicht ganz einfach. Eines fällt mit lautem Scheppern gleich mal runter auf den gepflasterten Weg. Das kleine Ding also wieder hoch. Kein Email weggesprungen? Nein. Sieht aus wie immer: gut. Solide. Brauchbar. Nur halt die Frage: für was, für wen? Die Oma wird’s wissen, denke ich noch, dann geht’s wieder nach oben. Irgendwie leicht, da die Töpfchen aus schönem, soliden Blech ja unten geblieben waren. Hoffentlich kommen die Dinger in gute Hände, denke ich noch, mit schlechtem Gewissen.

Dann plagt es mich. Waren die netten Blechgefäße nicht Zeitzeugen gewesen? Hatten sie nicht den Krieg und all das andere Üble mitgemacht? Was hatten sie nicht alles gesehen? Menschen, die kamen und gingen. Freude und Leid, Tränen und Glück. Und so. Vielleicht hätte ich besser Blümchen rein setzen sollen? Freundlich am Fenster positioniert könnten sie in mein graues Leben ein bisschen einfärben. Die Nachbarn könnten endlich den Eindruck gewinnen, dass da mitnichten ein verbeamteter Misanthrop lebt.

Umdenken also. Nicht wie runter, jetzt schneller als vorher.

Aber die Töpfchen sind schon weg. Auf einmal ist mir ganz traurig ums Herz. Wehmut legte sich mir aufs Gemüt. Würde jetzt gern weiterschreiben. Wie es mir so geht. Allein ohne meine Töpfchen. Habe Tränen im Auge und Wut im Bauch. Vor allem aber habe ich wegen der Putzfrau einen ziemlichen Hals. Die hat mich doch in diesen töpfchenlosen Zustand reingeritten. Was glaubt sie denn, wer sie ist?

Eigentlich könnte ich mich hassen. Und sie. Dafür hab ich jetzt aber erst Mal keine Zeit. Muss weg. Zum OBI Markt. Töpfchen kaufen.

Allgemein Auswärts Kultur Malen & Schnitzen

Das Handwerk des Schaffens

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Christian Peltenburg-Brechneff stellt aus in der „Fine Art Gallery Daniel Blaise Thorens“ 

Auch wenn die ‚Dreyeckland-Debatte‘ schon lange vorbei ist,  liegt man nicht falsch, das Dreieck Südbaden, Sundgau und das Baselbiet als einheitlichen Kulturraum zu betrachten. Klar, dass auch wir auf dieses Gebiet einen wachen Blick werfen, vor allem, wenn sich in Basel, malerisch betrachtet, Großes tut, Schönes zeigt. So im Rahmen einer Ausstellung der renommierten Basler Galerie Daniel Blaise Thorens, die am 8. September einmal mehr das großbürgerliche Tor ihres Palais in der Aeschenvorstadt öffnet für einen ihrer etablierten Künstler, Christian Peltenburg-Brechneff.

Der Künstler, der 1950 im damaligen Belgisch Kongo geboren, als Schweizer zudem noch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, begann sein künstlerisches Schaffen zunächst mit der Ausbildung in heimischen Gefilden. Er setzte dann die Studien in den Vereinigten Staaten fort, auch in England, wo er 1975 den Master of Art Degree der Malschule des renommierten Royal College of Art in London erhielt. Spätere Umsiedlung folgten, nach Connecticut, New York und auf die Insel Sifnos in Griechenland.
Mehr, als verständlich, dass die verschiedenen ‚Lebenswelten‘ sich in seinem Schaffen abgebildet, sich künstlerisch manifestiert haben. So etwas die Weiten der dortigen Landschaft, die klare Luft der See, die lichte Höhe des Ostküstenhimmels. Zu bestaunen in den Bildern, die er, thematisch gebündelt, ‚Dune Painting‘ nennt, und die, obwohl in Öl, bisweilen das Leichtflächige von Aquarellgemälden haben und beim Betrachter einen starken Eindruck seiner dortigen Lebenswelt vermitteln. Es ist einfach das ‚Schöne‘, das den Betrachter umfängt, und dessen gemalte Schönheit nicht einfach im Sinne von platt, sondern einfach auf ein ‚Bei – sich – Sein vermittelt. Diese Arbeiten strahlen eine gewisse Ruhe aus, die der Name des Zyklus so benennt: Dune-Painting, also ‚Dünen-Malerei‘.
Ganz anders hingegen die Bilder, die auf der griechischen Insel Sifnos entstanden sind und die in ihrer fast flammenvollen Kraft die farbige Wirklichkeit der dortigen bisweilen kargen Landschaft widerspiegeln; oft aber haben sie auch die zerstörend schönen Eindrücke brennender Bäume zum Thema haben. Kein Wunder, scheinen die Bilder dieser Schaffensperiode Welten entfernt von den in USA entstandenen Arbeiten.
In jüngster Zeit aber wendet sich der Künstler wieder verstärkt den Landschaften der Schweiz zu. Man mag es nur auf den ersten Blick etwas erstaunlich finden, dass sich der Maler nach all den Jahren ‚draußen’ sich zunehmend wieder mehr ‚nach daheim’ orientiert. Nach Gründen zu suchen ist nicht einfach, aber vielleicht begibt er sich bei langen Spaziergängen in den schweizer Bergen auf das begibt, was Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nennt? Und vielleicht ist es das, was man Heimat nennt? Dann wäre er angekommen.
So gesehen wäre die Vernisage in der ‚Fine Art Gallery“ in der Aeschenvorstadt 15 am 7. September im heimischen Basel (17 bis 20 Uhr) ein erstes, deutliches Zeichen seiner Rückkehr.

Ergänzend auch sollte man anfügen, dass ein all die Jahre dokumentierender wunderbarer, sechzigminütiger Film entstanden ist. Er trägt den Titel „Like Notes Of Music“ und wird am Samstag, den 8. September in einer deutschen Version im „kult.kino atelier, Saal 2, Theaterstrasse 7 in 4051 Basel“ Gezeigt. Anmelden am besten bei ‚studio@christianbrechneff.com’.

 

http://www.thorens-gallery.com/about-us.html

 

Allgemein Gastbeiträge Menschen Stadtstreicher

Speckröllchen

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Bald ist der Sommer vorbei. Eine kleine Nachbetrachtung aus gegebenem Anlass

Eigentlich wäre ja genug Zeit gewesen, den unerfreulichen optischen Begleiterscheinungen heißer Sommertage vorzubeugen: „In acht Wochen zur Bikinifigur“ versprach eine große Fitnessstudiokette schon vor Ostern. Um zwei bis drei Kleidergrößen sollten die Konsumenten eines Diätdrinks in nur drei Wochen schrumpfen, Pillen, Salben und kleine Wundergeräte Cellulite, Schwangerschaftsstreifen, Klumpvenen, Haarwuchs in intimen Körperbereichen und andere Mängel beseitigen. Entweder wirken sie nicht, oder die aufgeklärten Verbraucher/innen verweigerten sich den Sirenenklängen der Werbung. Was sich derzeit in Strandkleidung in der Stadt tummelt, grenzt schon an optische Umweltverschmutzung: Miniröckchen legen gnadenlos frei, was lange Hosen sonst verbergen, BH-Träger lugen neckisch unter knappen Tops hervor, die verbrannte Haut ebenso wie bleiche Bauchpartien freigeben. Männerbeine zwischen 
Hosenbein (kurz) und Socke samt Sandale lassen schon seit Jahrzehnten Stilgurus schaudern.

Im grellen Sonnenlicht nimmt das Auge offenbar das eigene Spiegelbild nicht mehr korrekt wahr – wer würde sich sonst jenseits der Teenie-Jahre samt entsprechender Figur freiwillig in engen Shorts und Spaghetti-Trägerhemdchen in die Fußgängerzone begeben? Es ist ja nun wirklich nicht so, dass es bei Hitzegraden keine tragbaren Alternativen zum Strandlook gäbe: Gerade in diesem Sommer wimmelt es in den Geschäften nur so von  Sommerkleidern mit dekorativen Blütenmustern, deren lange Röcke kühlend um die Beine fächeln, üppig bestickten Tunikas, die schmeichelnd über Rundungen hinwegtäuschen, und witzigen kleinen Boleros, die Winkeärmchen und Sonnenplissee tarnen.

Ein bisschen Verhüllung trägt übrigens auch zur Kühlung bei – frau muss ja nicht gleich in das andere unschöne Extrem der Ganzkörperkondome arabischer Bauart verfallen.

 

Allgemein Auswärts Essen & Trinken

Bewegung im Ruhestand Teil 1

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Endlich daheim! Zu Gast in der Pfalz  

Dort, am südlichsten Zipfel der lieblichen Pfalz, liegt das kleine Winzerdorf Schweigen – Rechenbach, dort, wo die ‚Deutsche Weinstraße’ ihren Anfang nimmt.

Eigentlich sollte dieser ca 100 Km langen, nach Norden sich hinziehenden Landstrich  ‚Pfälzer Weinstraße‘ heißen, doch wer im mächtigen Schatten des 1937 von den Nazis erbauten protzigen Weintors steht, ahnt, warum aus einem gemütlichen ‚Pfälzer Weintor‘ ein monumentales ‚Deutsches Weintor‘ und dann folgerichtig aus einer ‚Pfälzer Weinstrasse’ eine ‚Deutsche Weinstraße’ wurde.

Wer sich heute hier als Besucher einfindet, wird sich daran nicht stören. Der Sommer liegt heiß über der 1500 Einwohner  Gemeinde. Noch zirpen hier überall die Grillen. Aus der Ferne hört man die Stimmen der Veranstaltung „Chor am Tor“. Tritt man näher, entdeckt man eine singende Gemeinschaft vorwiegend mittleren Alters, die sich, geschmückt mit regenbogenfarbenen Schals, der Pflege multiethnischen Liedgutes verschrieben hat.

Nicht weit davon, mitten im Zentrum des Ortes und im Schatten der kleinen mittelalterlichen Kirche, liegt  fast versteckt, ein Weingut mit seiner Weinwirtschaft, dessen gastronomisches Angebot den geschmacklichen Vorlieben der durstig-fröhlichen Rentnerschar umfassend Rechnung trägt. Es ist eine Gemütlichkeitslandschaft, dekoriert mit vielen üppigen Sträuchern, bunten Blumenkübeln und heimelig dekorierten Winkeln.  

Denn unter den vielen schönen Dingen, die das Leben eines Ruheständlers so recht lebenswert machen, ist nicht das Unwichtigste, dass der Rentner sich seines Lebens freut,  wozu halt auch gehört, dass er sich in seiner Weinwirtschaft wohl fühlt. Freilich braucht es dazu gewisse Voraussetzungen. Zunächst sollte es dort ruhig und schattig sein. Dann die Sitzgelegenheit! Hier wäre eine gewisse Stabilität wünschenswert. Die Breite der Sitzfläche sollte kundengerecht bemessen sein. Auch nicht schlecht, bietet die Armlehne situationsbedingt Halt. Kleine, in lustigen Farben gehaltene Sitzkissen, könnten das Ganze farblich auflockern. Verständlich, dass in einem solchen Umfeld eine etwas festere Figur kein Thema einer nachhaltigen Erörterung ist. Allenfalls leitet sich daraus eine Daseinsberechtigung für Sitzzuteilung ab.

Und dann erst die Weine!

Trocken sollten sie sein, aber auch wieder nicht zu trocken. Nur wenige greifen in diesen Tagen zu einem Riesling, der in der Karte ausdrücklich als ‚forzdrogge‘ ausgewiesen ist. Sowas muss man mögen. Davon nimmt unser Gast aber gern Abstand, denn ist der zu Wein trocken, bekommt er ihm nicht. Dann kann es passieren, dass die ‚Mamma‘ am nächsten Morgen sagt, „d’r Babba hätt nachts gedampft“.  

Ansonsten ist das dort Gebotene fein auf die Bedürfnisse der Zecher abgestimmt. Der Wirt kennt die Seinen. Er weiß: solang der männliche Gast, auch schon mal ‚Babba‘ genannt, gut sitzt, ist alles in Ordnung. Hauptsache, dass er die ‚Mamma‘ neben sich und einen Schoppen Wein vor sich hat. Schweigen-Rechtenbach ist ein Rentnerparadies. Verständlich, dass man auch an die denkt, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. In unmittelbarer Nachbarschaft zum elsässischen Wissembourg liegend, verkehrt zwischen den Ortschaften ein ‚Grenzland-Bähnchen‘, das kundengerecht über „60 Sitzplätze mit Rollstuhlabteil“ verfügt.

Dies also ist die Landschaft, in der sich befreit auftrinken lässt…

Teil 2 demnächst. Hier!

Allgemein Auswärts Essen & Trinken Menschen

Bewegung im Ruhestand Teil 2

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Endlich daheim! Zu Gast in der Pfalz

Dies also ist der Klangteppich, vor dessen Hintergrund sich befreit auftrinken ließe. Dabei haben wir es hier mit einem Eldorado des Rentnerwesens in seiner rechtschaffendsten Form zu tun. Wer hier, am südlichsten Zipfel der Pfalz freundlich sitzt, vermittelt einem das Gefühl, am Ende des beruflichen Lebens angekommen zu sein. Jeder Schluck erzählt davon, sich Ruhestand verdient zu haben. Handwerker, Angestellte, Gewerbetreibende. Natürlich könnte man einräumen, dass die Genussfähigkeit der Anwesenden eine absehbar endliche ist. Umso lustvoller trinkt man hier auf sein fernes, doch unbestimmtes Ende hin.

Hätte man früher vielleicht seinen Schrebergarten gepflegt, so hat es die innnerstädtische Verdichtung besorgt, dass diese Oasen des unmittelbaren Naturerlebens zu Bauplätzen für Fertighäuser im Toskanastil umfunktioniert wurden. So bleibt dem Rentner nur, sich andersweitig zu orientieren. Hier hilft die Regiokarte, die zu überschaubarem Preis den Bewegungsspielraum der Frühverrenteten sicherstellt, und als dessen fröhliches Ergebnis wir in Schweigen-Rechtenbach eine beachtliche Anzahl von Gästen finden, die aus Heidelberg, Mannheim oder Ludwigshafen angereist sind.

Doch sind es nicht allein die Weine, der Saumagen oder die saisonal angebotenen Russischen Eier, die die Gäste hierher locken. Es ist mehr als das.    Lokale, die gerade dem älteren Gast mit einer gewissen Fürsorglichkeit begegnen, gibt es in der Pfalz viele. Und doch wird punktuell offensichtlich, dass das nicht immer ausreicht.

Der Rentner von heute will mehr geboten bekommen. Würde mit den Gästen stets pfleglich umgegangen, erinnerte das Gebotene an betreutes Wohnen. Im vorliegenden Fall trifft das nur eingeschränkt zu. Hier ist die gelegentliche Ansprache eine andere. Ja, man könnte von einer Erlebnisgastronomie sprechen.

So kommt man nicht umhin, das Personal mit seinen je verschiedenen durchaus unterhaltenden Charakteren näher zu betrachten. Da wäre zunächst mal der Chef zu nennen. Er ist eine Persönlichkeit, die in ihrer Komplexität verstanden werden will, und die mit ihrem etwas schrägen Humor Neuankömmlinge manchmal verstört. Doch tut man gut daran, die laut aufbrausenden Worte des Wirts als Teil einer Show zu begreifen, dessen vermeintliche Ruppigkeit meist wundersam in einem Lachen endet. Er ist halt, wie er ist, sagen die Stammgäste und registrieren amüsiert die Irritation der Neuankömmlinge.

Wie in der Commedia d’ell Arte, agiert auf dieser südpfälzischen Bühne auch noch ein Tolpatsch, der, vom Chef täglich malträtiert, doch um keinen Preis der Welt irgendwo anders arbeiten wollte. „Lakai, Lakai, Lakai“, stößt er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, wenn der Oberste ihn üblerweise mal wieder als solchen bezeichnet hatte. Letztlich versöhnt mit seinem harten Los zeigt er sich erst, wenn ihm Stammgäste beim Verlassen des Hauses ein ordentliches Schmerzensgeld zustecken. Es ist eine Bühne mit durch die Bank charaktervollen Darstellern

Doch beschränkt sich das nicht allein aufs Personal.

Drüben, nahe beim großen Strauch, sitzt eine Frau in Begleitung ihres Mannes. Sie ist – wie man so sagt – „gut beieinander“. Ihr großer Busen wird nur mit Mühe gefasst von einem giftgrünen, mit feinen Goldfäden durchwirkten Pullover. Als die Bedienung an den Tisch kommt, um die Bestellung aufnehmen, bestellt die Dame einen ‚Pfälzerteller‘. Von der Bedienung gefragt, was es denn für den Herrn sein dürfe, wird sie von der Gattin knapp beschieden: der esse heute nichts; der müsse das „Gebiss schone“.

 

 

 

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