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Badischer Dreisatz

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Philipp Brucker

Immer gut, wenn man zusammen Mittag isst. Man erfährt dann immer etwas, das man noch nicht kannte. So erinnerte mich heute der ehemalige Landrat des Ortenaukreises, Klaus Brodbeck, an Philipp Brucker, der als Oberbürgermeister von Lahr das mit Beste an Badischer Weltliteratur geschrieben hat, das wir haben. „’s Wundergigili“ „Jo, Pfiffedeckel“, und „Hänner’s verstande?“, alles Bücher, die wir als Zeugnisse bleibenden Schaffens sehen.

Nun aber hörte ich heute von einer Sentenz, die ebenfalls von dem brillianten Philipp Brucker stammt, und die ich hier unbedingt erzählen muss. Vielleicht nicht als Handlungsanleitung in derzeitiger Zeit zu sehen, aber erzählenswert ist der kleine Vers trotzdem. Hier also:

 

Badischer Dreisatz

Erscht mache mer mol nix.

Dann warde mer ab.

Und dann were mer sähne.

(für Nicht-Badener)

Erst machen wir mal nichts.

Dann warten wir ab.

Und dann werden wir sehen.

So. Und demnächst wieder so, wie Sie’s von uns gewohnt sind. Ernst.

 

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Maschenprotest: Häkeln für die Umwelt

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Würden Nixen Handarbeitsunterricht erhalten, wären die leuchtend bunten Exponate der aktuellen Schau im Frieder Burda Museum durchaus ihren fleißigen Fingern zuzuordnen. Für jemanden, den schon ein rundes Häkeldeckchen an den Rand der Verzückung bringt, hat der Besuch im Museum etwas durchaus Märchenhaftes – wer bringt diese Farbenpracht und diesen Formenreichtum aus den Tiefen der Meere in unmittelbare Nähe der braven Oos?

Zu verdanken ist dieses bestrickende Erlebnis den Künstler-Schwestern Margaret und Christine Wertheim, deren Symbiosen von Kunsthandwerk, Wissenschaft und Kunst seit fast 20 Jahren für internationales Aufsehen sorgen. Mit ihrem als feministischem Kunst-Happening definierten „Chrochet Coral Reef“ (gehäkeltes Korallenriff) wollen sie auf die drohende Zerstörung maritimer Wunderwerke wie das Great Barrier Reef aufmerksam machen und weltweit Menschen aktiv mit der Häkelnadel am Kampf gegen die Umweltsünden teilhaben lassen.

Seit 2005 entstanden in über 50 Städten und diversen Ländern vor Ort „Häkelriffe“, an denen fast 20 000 Menschen, meistens Frauen, mitwirkten. Die Baden-Badener Ausstellung mit dem Titel „Wert und Wandel der Korallen“ schlägt bisher alle anderen Aktionen. Über 40 000 Häkelkorallen aus ganz Deutschland wurden an das Museum geschickt und vor Ort zu beeindruckenden Installationen zusammengefügt. Sie kamen nicht allein, denn vielen Paketen lagen Briefe, Fotos und sogar Gedichte der Absenderinnen bei, die sich teilweise in ihren Wohnorten zum kollektiven Häkeln getroffen hatten – Kaffeekränzchen mit hohem Anspruch, denn: „Durch das Häkeln mit Garn betreiben die Autorinnen und Autoren der Werke eine Art angewandte Mathematik, gleichzeitig bringen sie Handwerk und Geometrie mit dem Klimawandel und der Entwicklung des Lebens auf der Erde in Verbindung ….So entsteht eine Taxonomie der Häkelkorallen-,Organismen‘, definieren die Schwestern ihre Arbeit laut Pressemappe des Museums.

Margaret und Christine Wertheim

Das Baden-Badener „Satellite Reef“, das sich als Community-Art-Projekt“ versteht, nimmt einen eigenen Saal des Museums ein. Sechs „Koralleninseln“ wirken wie ein bunter unterirdischer Garten, der durchaus den rund um das Museum blühenden Frühjahrsboten Konkurrenz macht. Ein „Ableger“ der Baden-Badener Installation wird übrigens künftig im Pforzheimer Gasometer als Leihgabe des Frieder Burda Museums zu besichtigen sein. In die Freude an den fast unendlich erscheinenden Farben und Formen der gehäkelten Nesseltierchem mischt sich die Trauer über das Verbrechen, das die Menschheit tagtäglich an ihnen unter anderem durch Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und Tourismus begeht.

„Korallenbleiche“ lässt sie zu gespenstischen Wesen mutieren, denen der Hitzetod droht, Plastikmüll, Drähte und andere Abfallprodukte wurden in bedrückende Installationen eingearbeitet, die in scharfem Kontrast zu den oft fast übermütigen Tentakeln beispielsweise der großen Wandinstallation stehen. Erstaunlich viele Männer lassen sich übrigens von den Kunstwerken aus Luftmaschen, festen Maschen und Kettmaschen faszinieren – so viel zum Thema Handarbeitsausstellung für Umweltschützer. In die Praxis lassen sich die Anregungen übrigens in mehreren Kursen und Workshops umsetzen, die das Museum im Begleitprogramm zur bis zum 26. Juni dauernden Korallenschau anbietet. Auch im Internet finden sich viele Beispiele zur gehäkelten Hommage an ein bedrohtes Paradies.

Irene Schröder

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DER SPITTER 2

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Sendet sie nieder!

Deutsche Radiowellen im Widerstand

Gerade in diesen so stürmischen und vom Krieg geprägten Tagen, die die derzeit Ukrainer durchleiden, tut es dem geschundene Volk gut, aus allen Teilen der Welt Solidarität zu erfahren. So auch heute morgen, als um 8.45 h im Rahmen des normalen Programms der Deutschlandfunk wie auch 200 anderer deutscher Sender in einer beispielhaften Aktion das Programm unterbrachen und dem erstaunten Hörer mitteilte, man wolle als Geste der weltweiten Solidarität mit dem leidenden Volk der Ukrainer eben hier im Programm ‚ein Zeichen setzten‘. Zum Zeichen erkoren hatte man sich den Song ‚Give Peace a Chance‘ von John Lennon, das dann wuchtig knappe ca 5 Minuten lang über den Sender ging und allen Redakteurinnen und Redakteuren unzweifelhaft das wohlige Gefühl vermittelte, auf der richtigen Seite zu stehen und sich dem klingenden Widerstand gegen die Russische Okkupation eben angeschlossen zu haben.

Könnte aber auch sein, dass sich unsere kämpferischen MitarbeiterInnen mit dieser tapferen Aktion irgendwie ins Knie geschossen haben. Vielleicht ist diese mächtige Geste Putin nicht entgangen, worauf die Deutsche Welle und andere Deutsche Sender in Russland ihre Programme einstellen mussten.

Immerhin aber dürfte den mutigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Kreise der Kollegen und Kolleginnen, aber auch von den Müttern der Kindergruppe größte Achtung gezollt werden für ihr rundum tapferes, friedenstiftendes Tun.

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DER SPLITTER 2

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Sendet sie nieder!  Deutsche Radiowellen im Widerstand

Gerade in diesen so stürmischen und vom Krieg geprägten Tagen, die die Ukrainer derzeit durchleiden, tut es dem geschundene Volk gut, aus allen Teilen der Welt Solidarität zu erfahren. So auch heute morgen, als um 8.45 h im Rahmen des normalen Programms der Deutschlandfunk wie auch 200 andere deutsche Sender in einer beispielhaften Aktion das Programm unterbrachen und den erstaunten Hörern mitteilte, man wolle als Geste der weltweiten Solidarität mit dem leidenden Volk der Ukrainer eben hier im Programm ‚ein Zeichen setzten‘. Zum Zeichen erkoren hatte man sich dafür den Song ‚Give Peace a Chance‘ von John Lennon, ein Song, der dann knappe ca 5 Minuten lang über den Sender ging und allen Redakteurinnen und Redakteuren unzweifelhaft das wohlige Gefühl vermittelte, auf der richtigen Seite zu stehen und sich dem klingenden Widerstand gegen die Russische Okkupation in der vollsten Entschlossenheit eben angeschlossen zu haben.

Das kann Putin nicht entgangen sein, denn eben erfahren wir, dass u.A. die Ausstrahlung der Deutschen Welle in Russland verboten wurde, was der Geste eine schier unmenschliche Kraft zumisst. Oder könnte es auch so sein, dass sich unsere kämpferischen MitarbeiterInnen mit dieser tapferen Aktion irgendwie ins Knie geschossen haben?

Immerhin aber dürfte den mutigen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Kreise der Kollegen und Kolleginnen, aber auch von den Müttern der Kindergruppe größte Achtung gezollt werden für ihr rundum tapferes, friedenstiftendes Tun.

Allgemein Institutionen Menschen

Mehr Heimat war nie Teil 1

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Der ‚BUND HEIMAT & VOLKSLEBEN‘ sorgt sich ganz viel um die Vergangenheit und ein bisschen um die Zukunft

Von Offenburg kommend, schiebt sich die Fahrzeugkolonne langsam durch das satte Grün des Kinzigtals. „Sehnen wir uns nicht alle nach Entschleunigung?“, fragt der Prospekt des ‚Schwarzwald Tourismus’. Ganz bestimmt. Im vorliegenden Fall liegt der Grund für unser Sehnen allerdings im gesperrten Tunnel bei Haslach und der Umleitung des Verkehrs quer durch das schmucke Städtchen. Doch auch das schärft unsere Sinne.

So registriert die Nase ein nach Holz duftendes Sägewerk, das Auge entdeckt Andenkenläden mit Postkartenauslagen, und auf einer überdimensionierten Werbefläche begrüßt uns Hansy Vogt, der als „Schwarzwaldbotschafter“ den Freunden des Schwarzwaldmädels Boxspring-Betten empfiehlt. „Schwarzwald trifft Schlafkomfort“, steht da zu lesen. Doch hält die Entschleunigung an, bis man das Freilichtmuseum ‚Vogtsbauernhof’ erblickt, wo nach endlos langen Bemühungen es endlich gelungen ist, einen Bahnhalt zu bekommen. Außerdem freut man sich über die demnächst anstehende große Erweiterung der Museumsfläche.

Mittlerweile meldet das Thermometer im Fahrzeuginnern eine Außentemperatur von 31 Grad, was allerdings klar übertroffen wird von der Temperaturanzeige vor der Gutacher Sparkasse, die heiße 41 Grad vermeldet, ein Thermometerstand, der sich – nur laut Anzeige – im Laufe des Gesprächs mit dem Bürgermeister allerdings noch bis 51 Grad steigern wird. Im Rathausinneren ist es erfreulicherweise etwas kühler.

 

Dort residiert Bürgermeister Siegfried Eckert, der sich zuvörderst um die Amtsgeschäfte, dann aber auch noch um Traditionen und die Schwarzwälder Tracht kümmert. Gutach ist die „Heimat des Bollenhutes“, ein Markenzeichen, das weltweit für die Ferienregion Schwarzwald steht. Da trifft es sich ganz gut, dass der Bürgermeister zudem noch als 1. Vorsitzender eines Verbandes fungiert, der sich ganz der Tradition und dem Bewahren verschrieben hat: der „Bund Heimat und Volksleben“. 1948 gegründet hat er heute 13 000 Mitglieder, die sich in 210 Vereinen für „Erhaltung, Pflege und Förderung des bodenständigen Volkslebens“ einsetzen. Dazu zählt man „Tracht, Lied, Musik, Tanz, Mundart, Sitte und Brauchtum“. Das Mittel dazu ist die allfällige Präsenz. Dazu zeigt man sich in der Öffentlichkeit, etwa beim Kreistrachtenfest in Auggen und auf der Oberrheinmesse in Offenburg. Weiter ist man dabei beim ‚Tanzsunntig’ in Gurtweil, ‚Albabtrieb’ in Simonswald, und beim ‚Hördöfelfäscht’ der Trachtenkapelle Rickenbach. Weiter verschönert man mit seiner Anwesenheit den „Speckeierhock“ beim Musikverein Kirnbach. Und dann kommen natürlich noch die Lichtgänge gegen Ende des Jahres, z.B. in Zell im Wiesental.

„Wir gehen zu den hohen Herren“, sagte der 1. Vorsitzende Eckert, womit er aber keineswegs andeutet, dass er – wie er’s vielleicht in den Bauernkriegen getan hätte – die aufrührerischen Bauern gegen die Herrschaft in Hornberg zu führen gedenkt. Vielmehr weiß er wohl, wie wichtig es für so einen Verband ist, sich politisch zu vernetzen, sich des Rückhalts derer zu versichern, die im Lande halt so das Sagen haben, seien es der jeweilige Landrat, die Regierungspräsidentin, der Bischof oder der Ministerpräsident. Letzter zwar der grünen Partei zugehörig, aber irgendwie doch nicht. Das geht. Bei der Jahreshauptversammlung des Verbandes in diesem Jahr hat z.B. der Baden-Württembergische Innenminister Strobl seine Aufwartung gemacht. Und am Neujahrempfang durfte man sich auch schon mal der Anwesenheit des Prinzen Bernhard von Baden erfreuen, der das Amt eines Protektors begleitet. Weitere Wucht verschafft man sich durch schmückende Auftritte anlässlich des Besuchs von Obama. Aber auch beim Papstbesuch ging es nicht ohne. „Da waren wir in der vordersten Reihe“.

 

Demnächst mehr. Hier.

Die Bilder wurden mir netterweise und zum Großteil von Michaela Kindle/Freiburg zur Verfügung gestellt.   (www.kindle-photography.de)

 

Auch mal reinschauen bei www.kosmos-schwarzwald.de/

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