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Das Trauerspiel

Der Fußball hat ein kleines Problem: der Mensch. Eine Polemik.

233px-Tippkick1(1)Vielleicht sollte man das ein bisschen sportlich sehen, wenn hier jetzt mal ungeschützt behauptet wird: beim Fußball ist viel Dummheit im Spiel.

Das kann man so nicht sagen! Nein? Und ob! Was ist denn damit gemeint? Oder besser: was ist denn damit nicht gemeint, wenn hier gesagt wird: beim Fußball ist viel Dummheit im Spiel?

Nicht gemeint ist zunächst einmal, wenn einer sagt, das Spiel sei ‚dumm gelaufen‘. Das ist nicht wirklich dumm. Das kann halt mal passieren.

Weiter stellt sich die Frage, ob etwa der Ball dumm ist? Der ist zwar rund, aber keinesfalls dumm. Wie der es schafft, jahrein jahraus noch die klügsten Spieler zu veräppeln, die meinen, sie hätten ihn richtig gespielt, und dann landet er doch nicht da, wo er hin soll, nämlich ins Tor. Sagen wir es mal so: der Ball hat seinen eigenen Kopf. Der macht halt oft, was er will. Ob wir ihn deshalb klug nennen wollen, ist auch wieder eine andere Sache. Vielleicht sollte man vom Ballverstand reden.

Werfen wir jetzt noch einmal einen kurzen Blick zurück, zum Spiel Bayern-Dortmund. War es da nicht ein bisschen dumm, zwei Elfmeterbälle zu vergeben, weil zwei Spieler im gleichen Spiel an derselben Stelle beim Elfmeterschießen wegrutschten? Vielleicht war das eher Pech.

Schauen wir weiter. Lässt sich sagen: dieser oder jener Spieler ist dumm? Auch schwierig. Gut – in der Ära von Gerd Müller, da waren die Interviews noch nicht so geschliffen; die Rede war eher bodenständig. Heute finden wir eine Menge Spieler auf dem Platz, deren rudimentäre Kenntnis der  deutschen Sprache keinen Rückschluß auf die geistigen Fähigkeiten zulässt. Schwierig, schwierig.

Vielleicht müssen wir anders fragen, etwa so: ist Marco Reus dumm oder gescheit, wenn er es schaffte, jahrelang seinen Aston Martin ohne Fahrstunde und Führerschein zu bewegen? Einerseits könnte man sagen: war doch klar, dass sie ihn eines Tages dabei erwischen. Anderseits hatte er sich  das Fahren ja schließlich selbst beigebracht!

Eine ganz andere Nummer ist – und jetzt wird’s wieder ernst – ein Karl Heinz Rummenigge. Der wechselte nach seiner aktiven Zeit ins Management von Bayern München und zeigt dort exzellente Management Qualitäten. Das verdient Respekt und lässt uns einen Augenblick vergessen, dass er dummerweise vergaß, seine sündhaft teure Uhr zu verzollen. Wie das beim Fußball so üblich ist, folgte die Strafe auf dem Fuß.

Und ach, erst der Franz! Auch er ist nicht dumm, wirklich nicht! Wem es gelingt nach seiner aktiven Zeit ein Sportimperium um seinen Namen herum aufzubauen ohne sich über all die Jahre nie ernsthaft mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen zu müssen – allerhand. Es gehört schon eine gehörige Portion Klugheit dazu, bei Sepp Blatter ein und aus zu gehen und von all den fragwürdigen Praktiken nichts mitbekommen zu haben. Das muss dem Franz erst mal einer nachmachen!

Beckenbauer ist aber noch für ein ganz anderes Beispiel gut, und das geht ins fast Vorbildhafte: wie er es in seiner Zeit als aktiver Spieler geschafft hat, bei absehbaren Fouls immer rechtzeitig einer körperlichen Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen – das hatte große Klasse und zeugt von hoher spielerischer Intelligenz. Denn der Kaiser war immer so klug, sich seine Knochen nicht kaputt treten zu lassen. Denn das ist das Dümmste, das Allerdümmste! Freilich ist er bei anderen Spielern nicht so zimperlich, da schlägt er vor, beim anstehenden Spiel müsse Messi ‚eliminiert’ werden, was laut Duden bedeutet ‚ausschalten, aus dem Weg räumen, beseitigen’. Und zu Götze: der „spielt körperlos und kann sich nicht durchsetzen“. Ihm wäre, verstehen wir Franz richtig, mehr Körpereinsatz zu empfehlen. Also nicht hochspringen.

Allerdings scheint es, als hätte die Härte im Spiel in den letzten Jahren auch in einem Maß zugenommen, dass wir von einem ‚Spiel’ fast nicht mehr reden können. Spätestens, wenn wir lesen, das Spiel sei ‚körperbetont’ gewesen, ahnen wir, dass es mit einem solchen nicht mehr allzu viel zu tun gehabt haben muss. Knochenbrechen.

Der Fußball im Wandel.

Wie das ausschaut, lässt sich sehen, wenn man in diesen Tagen die Zeitungen aufschlägt und die Verletzungsliste der Bayernstars betrachtet: Alba, Ribery (Muskelbündelriss in der linken Wade) und Martinez schon20150513_211309 länger außer Gefecht. Badstuber erst jetzt wieder. Dann haben wir noch einen Muskelbündelriss bei dem erst kürzlich genesenen Arjen Robben. Unsere Gedanken sind auch bei Robert Lewandowski, der einen Bruch des Oberkiefers und des Nasenbeins beklagt und dazu noch eine Gehirnerschütterung. Jetzt läuft er sinnvollerweise mit Gesichtsmaske aufs Feld. Ein echter Hingucker. Und es drängt sich behutsam die Frage auf, ob die Meisterschaft mit Bällen oder mit Köpfen ausgetragen wird.

Denn so wie es derzeit ist, ist es so: die besten und teuersten Spieler des Vereins sind nicht einzusetzen; sie schauen vom Spielrand dem Geschehen zu. Natürlich hat der Verein für seine Stars enorme Summen bezahlt. Er will, dass diese Investitionen sich amortisieren. Doch wenn die Spieler das Kapital des Vereins sind, dann kann das Kapital wegen übergroßer Härte derzeit mal wieder nicht arbeiten. Wie dumm.

Was auch damit zusammenhängt, dass die Mannschaft bei der Menge der zu erspielenden Pokale und Meisterschaften nie mehr wirklich zur Ruhe kommt. Eine nicht ordentlich auskurierte Verletzung hinterlässt Spätschäden, die das Problem insofern noch verstärken, als dass eine Verletzung chronisch wird und dem Spieler damit ev. seine restliche Karriere ruiniert. Das sollte allen zu denken geben, dem Spieler und dem Verein.

Natürlich hatte auch darüber bei den Bayern einer nachgedacht. Der ist dann aber bald darauf zurückgetreten. Die Rede ist vom Teamarzt Müller-Wohlfahrt und seiner erbitterten Auseinandersetzung mit Trainer Pep Guardiola. Das Problem lässt sich wie folgt umreißen. Der Mannschaftsarzt sagt: der Spieler ist verletzt und kann nicht spielen. Der Trainer wiederum besteht darauf, dass der Spieler aufgestellt werden kann. Koste es, was es wolle.

So gesehen ist nicht nur der Spieler lädiert, sondern das ganze System marod. Könnte also sein, dass es demnächst wegen fortwährender Krankheit geschlossen wird. Oder aber wegen Dummheit. Denn um eine solche dreht es sich letztlich, wenn man permanent gegen die eigenen Interessen handelt.

 

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