Der Badenblogger » 5. November 2026

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Rund und g’sund?

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Gut genährt und rund, so liegt der Kleine im Bettchen. Wie er so daliegt – eine Ikone des Wohlbefindens. Ein richtiger ‚Wonneproppen’, dem es an nichts fehlt. So sagen es jedenfalls alle, die sich übers Bettchen beugen.

Kein Zweifel, dass die Mutter auf ihren Nachwuchs stolz ist. Und sich auch weiterhin um sein Wohlbefinden sorgt.  Kaum der Wiege entsprungen, geht’s direkt vom Buggy in die HolzKiste am Fahrrad. Denn immer weniger Kinder gehen zu Fuß. Früh schon werden sie in Lastenrädern durch denn Alltag transportiert, eine Fortbewegungsart, die dem Übergewicht der eben dem Bettchen Entsprungenen Vorschub leistet. Bis ins hohe Kindesalter sehen sie sich von Mutti kutschiert. Kaum je zu Fuß, immer auf Rädern. Dabei den Blick starr aufs Handy gerichtet.

Ist der oder die Kleine dann hoffentlich gut daheim angekommen, gibt’s auch gleich ‚was zu futtern, im Idealfall eine Pizza, die, schnell bestellt, für die Zufriedenheit aller sorgt. Willkommen in der Welt des Lieferservice, deren Produkte flankiert werden durch zuckergetränkte Energydrinks. Die Mülleimer der Innenstädte erzählen von den Ernährungsgewohnheiten einer ganzen Generation. Ernährungberatung bin, Ernährungsberatung her.

Bewegungsarm und gut genährt. Das liegt im Trend. Von der Wiege bis zur Bahre. Das Runde droht zur der alles bestimmenden Körperform zu werden. Musste man früher damit rechnen, als ‚dick‘ oder gar ‚fett‘ beschimpft zu werden, hat sich das mit dem (bedauerlichen!) Bodyshaming irgendwie erledigt. Kaum jemand weist einen darauf hin, dass Übergewicht aufs Herz, auf die Gelenke oder auf sonst etwas schlagen. Im Gegenteil. Heute steht man zu seinen Pfunden. Man sagt ‚ja‘ zu seinem Körper, man steht zu sich. Rund ist g’sund‘.

Im Folgenden tummeln sich die Kiddys ungehindert auf den Streamingportalen, die suggerieren: steh zu deinen Pfunden, wie es die Mutter aller Ärsche (ja, man kann es nicht anders sagen): Kim Kardshian schließlich auch tut. Und von der war schon vor Jahren noch Anderes gekommen. Aufgespritzte Lippen, Nageldesign und aufgeklebte Wimpern sind seitdem zur ästhetischen Norm einer ganzen Mädchen- und Frauengeneration geworden.

Doch zurück zum Po. Wo die Pizza nicht reicht, kann der Chirurg nachhelfen. Po-Vergrößerung im OP können auch verschenkt werden. (BBL: Brasilian-Butt-Lifts) Dass diese Formen sich schwerlich mit definierten Hosengrößen vertragen, sollte niemanden betrüben. Anlassgebunden rät die Werbung mittlerweile zu Stretchhosen. Sie wachsen mit und bilden zudem auch noch das angefutterte Hinterteil in allen Feinheiten ab.

Hatten sich früher Frauen (und Männer!) wegen ihrer Leibesfülle noch ‚geschämt‘ und bemüht, abzunehmen, fällt es angesichts der zunehmenden Fleischmassen schwer, vom Abnehmen zu reden. Heute sieht sich das Anormale zur Normalität erklärt, als ästhetische Norm. Ärsche sind ‚in‘ und neuerdings – neben Nageldesign und aufgespritzten Lippen – zum festen Bestandteil der ‚neuen‘ Körpermodulation geworden. Man könnte meinen, als setzte sich gerade in konservativen, formal niedrig gebildeten Bevölkerungsschichten zunehmend das Frauenbild Islam durch. Im alten arabischen Raum jedenfalls wurden runde Hüften und kräftige Oberschenkel als Ausdruck weiblicher Schönheit beschrieben, so sagt uns eine allwissende KI.

Haben wir bislang über die zunehmende Körperlichkeit von Frauen gesprochen, müssen wir auch noch kurz über die Männer reden. Auch sie haben – neben dem neuerdings obligatorischen Barbeshop Schnitt – ästhetisch neue Maßstäbe gesetzt, hier vor allem den Bauch betreffend. Damit gemeint ist das fast schon stolze Vorsichhertragen des Körperfetts, oft genug geschmückt durch ein lächerlich kleines Täschchen, darin das Handy & die Scheckkarte. Ganz neu ist das nicht. Man kennt das schon aus Bayern. Dort nennen man das Ding ein ‚Wammerl‘ und meint damit auch einen ‚Schweinebauch‘. Andere Kulturkreise nennen das Accessoire ‚Crossbody Bag‘. Ist aber dasselbe. Es sollte unbedingt am Bauch aufliegend getragen werden und von einem namhaften Hersteller stammen. Das Täschchen gibt’s im Übrigen auch gefälscht, also gefaked.

Dann kommt’s billiger.

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