Der Badenblogger » Januar 2026

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Baden-Baden, Ihr Niveau

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Dieses lang und sorgsam gepflegte Etikett scheint momentan etwas Farbe zu verlieren. In der Sophienstraße, einer der edleren Verkaufslagen, tauchen die ersten Leerstände auf. Nun hat auch noch die Renommiermarke HERMES beschlossen, ihr Geschäft zu schließen. Schlimmer wird’s nimmer?

Doch gemach. Noch sind sie vereinzelt zu sehen, die Leuchttürme des gehoben Geschmacks. Nach wie vor ist hier der Luxus zu hause, so hat z.B. Juwelier NITTEL erst jüngst eine Dependance eröffnet. Und auch das edle „Kaffee König“ schräg gegenüber lebt vom gepflegten Auftritt des Personal und der althergebrachten Qualität der Ware. Ein Hauch von gestern auch noch draußen in Iffezheim, wo beim Pferderennen zweimal jährlich der aufwändige Hutschmuck der Damen der Welt zeigen soll, wo oben ist.

Inmitten der illustren Gesellschaft immer präsent auch eine Blumenverkäuferin. Sie heißt Monika Bajusz-Münz, gebürtige Ungarnin und war 2023 nach Baden-Baden gekommen, in einSchmuckkästchen´, sozusagen. Für sie war es Liebe auf den ersten Blick, wo sie alsbald versuchen sollte, aus ihrer großen Liebe ein Geschäft zu zu machen; sie will das Glück in Form von Rosen zu den Menschen bringen.

Immer schon war sie nach eigener Aussage vom Glamour fasziniert. Im Gespräch fallen hier Vorbilder wie Marilyn Monroe und Audrey Hepburn. Aber auch die schiere Zahl ihrer extravaganten Hüte (deren Zahl sie mit fünfzehn angibt) sorgt dafür, dass sie mit ihrem ausgefallenen Äußeren draußen auf der Rennbahn, aber auch in der Innenstadt für Eleganz steht, für Lebensart. Wie eine Botin aus leider vergangener Zeit. Hier ist man versucht, so etwas Niveau zu nennen, wenn sie dem Publikum mit ihren ihren anmutig drapierten langstieligen Rosen zeigt, dass so ein Auftritt in seiner etwas gehobenen Form durchaus noch zeitgemäß sein kann.

Dass freilich auch sie nicht immer auf Rosen gebettet ist, durfte die Baden-Badener Öffentlichkeit dem ‚Badischen Tagblatt‘ entnehmen, wo zu lesen war, dass sie mit all ihrem Ersparten einem Betrüger aufgesessen und sich am Ende um ihr Gespartes gebracht sah. Nach langem juristischen Scharmützel sollte es am Ende letztlich noch einigermaßen gut ausgehen, doch wurde die Malaise in der ortsansässigen Presse weidlich zur Kenntnis genommen, ein Ärgernis, das das Darreichen von langstieligen Edelgewächsen allerdings nicht beeinträchtigen sollte.

Im nachhinein eine mehr als eine nur lästige Petitesse, die sie im geblümelten Alltag aber tapfer weglächelt. Es müsste nicht Baden-Baden sein, wo man für Verlust und Gewinn mehr als nur Verständnis zeigt, wo Gewinner und Verlierer Teil des ortsansässigen Personaltableaus sind. Was soll man machen?

Das Geschäft muss weiter gehen. Und so schwebt auch weiterhin das opulentes Gebilde namens Hut über den Niederungen eines etwaigen Verlustes von Barmitteln. Der Beruf einer Rosenverkäuferin hat anderen Schmerz im Portfolio. So etwa wenn 70% aller Männer ihre Begleiterinnen fagen, ob sie eine Rose wünscht? „Wie blöd seid ihr!“, sagt Monika Bajusz-Münz mit ungewohnter Heftigkeit. Was soll so eine Frau denn sagen? „Sie steht doch mit dem Rücken zur Wand?“

Monika Bajusz-Münz, deren Erscheinung ansich schon für reine Weiblichkeit steht, plädiert auf Nachdrücklichste dafür, dass Frauen Frauen und Männer Gentlemen sind. Dass den Frauen wieder in Mänteln geholfen und die Türen wieder von Männern geöffnet werden. Was für ein Unglück, klagen Frauen ihr gegenüber: „Weißt Du Monika, ich habe noch nie eine Rose bekommen!

Um das zu ändern ist sie tagein tagaus mit der Mission ‚Rosen´ unterwegs, ganzjährig und wetterunabhängig. Kein Tag ist wie der andere, kein Kunde wie der andere. Der Mensch ist unberechenbar. „Denke nicht für andere“, sagt sie sich dann. Kennt man ihn denn wirklich, der, der seiner Frau Blumen eventuell kaufen könnte? Sie schütteln den Kopf. Der Mann ist und bleibt ein rätselhaftes Wesen.

Mit derlei Gedanken aber will sie sich gar nicht lange aufhalten. Neues Spiel, neues Glück. Wer meint, sie mit ihrem langstieligen Angebot nicht zu brauchenselber Schuld. Eine lästige Petitesse, die sie weglacht. Was soll man auch machen? Täglich schlüpft sie in die Rolle ihres Lebens. Nie würde sie ungeschminkt aus dem Haus gehen. Nackt würde sie sich fühlen, so ganz ohne Schminke. Ist sie dann aber in ihre Rolle, ist sie ganz bei sich. Baden-Baden, mon amour. Die Sonne lacht. Hinter ihr das Vergangene, vor ihr die Lichtentaler Allee.

Nur so schafft sie es, den potentiellen Kundinnen zu vermitteln, wie schön es doch sein könnte, das Leben an der Seite einer roten Rose. Kommt es dann endlich dazu – bitte sehr! Dann gibt’s eine Rose, ganz ohne Dornen, frisch geschnitten und von einem Duft, den sie betörend nennt.

So eine Rose wird schließlich ja nicht verkauft. Sie wird gereicht. 

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Post von der Katz´

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Es dürfte unbestritten sein, dass der Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim zu den einschneidendsten Ereignissen  im Leben eines Menschen zählt. Herausgerissen aus den liebgewordenen vier Wänden, findet er sich wieder in einer gänzlich neuen Umgebung, die ihm zunächst völlig fremd erscheint. Da ist es gut, wenn er beim Umzug in den neuen Lebensabschnitt zumindest das eine oder andere ihm Vertraute mitnehmen kann. Hier ein silbergerahmtes Foto der Enkel, dort das Blaupunktradiogerät mit dem die Programmstärke anzeigenden ‚Katzenauge’ oder, was am besten wäre, er könnte die  Katze gleich selbst mitnehmen. Dass dies in manchen Häusern bereits heute möglich ist, durfte die ältere Dame in einem Altenpflegeheim im Markgräflerland erleben. Dort erlaubte man ihr, ihre geliebte Katze auch weiterhin bei sich zu behalten.

Dies war umso problemloser, da es sich bei ihr um ein ebenso schönes,  wie verschmustes Tier handelte, das sich – wen wundert´s – der Sympathie und Zuneigung der vielen älteren Damen erfreute. So konnte die Katze fortan zur Verschönerung des Alltags zahlreicher Menschen maßgeblich beitragen.

Nun geschah es aber, dass die Eignerin der Katze eines Tages starb. Ungeachtet des Todes der vormaligen Besitzerin strich die Katze wg allgemeiner Beliebtheit aber auch weiterhin von Zimmer zu Zimmer, wo man sie unentwegt mit den üblich eigenartigen Zischlauten („bsbsbsbsbsss“) ins Innere der Zimmers lockte. Dort wurde sie gestreichelt. Man wird nicht zu weit gehen, wenn man  diese Form der Zuneigung seitens der Heiminsassen als durchaus lebensverschönernd, ja, lebensverlängernd betrachtet.

In der auch auf einer Pflegestation durchaus herrschenden Hierarchie konnte fortan diejenige Pflegebedürftige punkten, auf deren Schoß die Katze sich möglichst lange schnurrend aufhielt. „Bei mir“, so war dann manchmal zu hören, „hat es die Katze halt am besten“. Die Verweildauer der Katze wurde so unausgesprochen als positiver Akt gedeutet. Sie legte Zeugnis ab von der emotionalen Fähigkeit der streichelnden Heimbewohnerin. In der Welt der freundlich dekorierten Zimmerfluchten einer Pflegestation konnte dies durchaus als prestigeförderndes Merkmal gelten.

Nun war aber dem aufmerksamen Pflegepersonal nicht entgangen, dass sich die Verweildauer der Katze auf je einzelnen Schößen ungleich verteilte, d.h. es gab Heiminsassinnen, die in zunehmendem Maß von dem Schmußebedürfnis der Katze profitierten. Zunächst wurde dies auch mit übergroßer Freude registriert, was sich aber alsbald ins Gegenteil verkehrte, wenn die Heiminsassin nämlich bald darauf verstarb und  den Streicheldienst zwangsläufig ein-stellte.

In den Schwesternzimmern wurde dies zunächst augenzwinkernd registriert, eine Eigentümlichkeit, der man anfänglich kaum Beachtung schenkte. Ja, es wurden sogar Witze gerissen, wie denn der Pflegedienst mit seinen Härten von Zeit zu Zeit durchaus nach heiteren Momenten verlangt. Anfänglich gab das möglicherweise zu erwartende Ableben einer Person nach dem häufigen Besuch der Stationskatze noch Anlass zu spaßigen Wetten. Einmal wurde eine  eintreffende Vorhersage sogar mit einer Geschenkpackung ‚MonCherie’ entlohnt!

Allmählich sensibilisiert, verdichtete sich der Verdacht, dass mit dem häufigen Besuch der Katze das baldige Ableben der Besuchten einherging. Dies veränderte die Stellung der Katze innerhalb der Abteilung aufs nachdrücklichste. Was zunächst das Personal noch zu Späßen ermunterte, wurde durch die zunehmenden Regelhaftigkeit und deren empirische Unterfütterungen bitterer Ernst.

Dabei wurde der Kreis der dies Ahnenden  zunehmend größer. Es war nicht mehr auszuschließen,  dass der Verdacht, innerhalb der Station eine behaglich schnurrende Todesbotin zu beherbergen, bis zu den Pflegeinsaßen durchsickerte.

So entschloss sich die Heimleitung zur großen Irritation und Trauer der Heimbewohner, die Katze in ein anderes Heim zu geben.

Wobei angefügt werden muss, dass es sich dabei um ein Tierheim handelte.

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Fell oder Fake?

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Zobel. Im echten Pelz. Kein Fake.

Jahrelang trauten sich Pelzliebhaberinnen selbst in Baden-Baden – einst ähnlich luxusbehaart wie St. Moritz oder Gstaad – kaum in die Fußgängerzone aus Furcht vor bösen Blicken, Beschimpfungen oder den Farbattacken der PETA-Aktivisten. Osteuropäische Nerz- und Luchsträgerinnen führten ihre Lieblingstiere in Begleitung grimmiger Bodyguards aus, und so manches gute Stück wie Omas teurer Persianer wanderte schlichtweg und guten Gewissens in den Müllsack.
Doch in diesem Winter ist plötzlich alles anders: Seitdem bei den internationalen Modeschauen zunächst verschämte Kleinteile wie Kragen oder Muffs auftauchten, Kaschmirmäntel mutig die pelzige Innenausstattung nach außen wendeten und führende Magazine Eleganz, Kuschelfaktor und Nachhaltigkeit priesen, schwenkte die öffentliche Meinung um – deutlich sichtbar im Stadtbild.

Sogar junge Frauen verbannten die unförmigen Stepphüllen in den Schrank und zeigen sich im Pelz. Allerdings handelt es sich oft um „faked fur“, Kunstpelze, die manchmal erst vom Expertenblick enttarnt werden können. Die oft bunten Jacken und Mäntel mischen sich selbstbewusst unter die echten Stücke, die keine Attacke mehr zu befürchten haben. Die „fakes“ werden zwar wahrscheinlich mangels Verarbeitungsqualität nicht lange getragen werden, aber zumindest schützen sie ihre hochwertigen Artgenossen, die bei guter Pflege durchaus ein halbes Jahrhundert lang ihre Trägerin wärmen und verschönern.

Sie haben noch kein passendes Weihnachtsgeschenk? Kürschner und Kaufhaus haben in unterschiedlichen Preislagen allerhand auf Lager – übrigens auch für Männer mit Sinn für Natur und Nachhaltigkeit.

(Irene Schröder)

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