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Die schnelle Nummer

Obwohl ich galaktisch gesehen nicht übermäßig alt bin, verzeichnet mein Körper doch leichte Zeichen des Verschleißes. Nichts Drama-tisches, doch fallen von Zeit zu Zeit Arztbesuche an, die ihren Niederschlag in Rezepten und Arztrechnungen finden.

Diese Zeugnisse meines leichten Verfalls abzuheften ist eine ebenso überschaubare wie letztlich doch lohnende Tätigkeit. Denn schließlich möchte man als Privatversicherter diese Rechnungen bei seiner Krankenkasse oder der Beihilfe geltend machen. Letztere eine segensreiche Einrichtung, vor allem für jene, die von deren Zuschüssen im Krankheitsfall profitieren, also Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sowie Beamte. Verständlich, dass beide, Beihilfe wie Kasse, darauf bestehen, die Spuren meines Alterns dokumentiert zu sehen. Erst dann, nach Einreichen der Unterlagen, werden die ausgelegten Kosten erstattet.

Dieser Vorgang ist mehr als verständlich, zumal das Prozedere zu meinem größten Erstaunen in fast schon nicht mehr glaubhafter Weise erfolgt. Sozusagen nach alter Väter Sitte. Man verschickt die Unterlagen und erhält nach relativ kurzer Zeit das ausgelegte Geld zurück. Eine Nachricht aus einer erst fast vergessenen Welt

Denn zu meiner größten Freude ist bei diesen Behörden die Digitalisierung noch nicht soweit fortgeschritten, dass etwa um das papierlose Übermittlung der Dokumente gebeten würde. Kein ‚Scan to Mail‘ wird verlangt,  kein Drucker bemüht, der, wie der Meine, bei allmählich leer werdender Patrone das Scannen verweigert! Da hängt sich kein Rechner auf; das System nicht, und auch nicht der Kunde. Alles klappt händisch, weshalb sich  vermutlich die Personalstärke des dortigen Verwaltungsapparats noch in Grenzen hält.

Allerdings – und das muss gesagt werden – bittet man mich ausdrücklich darum, die beigelegten Dokumente nicht „zu klammern, heften, kleben“ und, wie ich mir hinzuzufügen erlaube, auch nicht zu tackern. Warum man das von mir verlangt, hat sich mir bislang nicht erschlossen. Denn in der Tat hielte ich es für eine ordnungspolitisch sinnvolle Maßnahme, die einzelnen Schriftstücken zumindest ein bisschen zu fixieren, allein schon deshalb, damit sie in dem formatbedingt großen DIN 4 Umschlag nicht umherlungern.

Um das vorschriftsbedingt Schlimmste zu verhindern, pflege ich allerdings vor dem Eintüten die Dokumente zu nummerieren. Was ich umso lieber tue, als dass ich mir einbilde, durch das erbetene Weglassen von metallenen Heftklammern Gewicht und Rohstoffe gespart werden. Zudem stelle ich mir vor, dass  bei allfälliger Sichtung der Unterlagen sich die Gefahr verringerte, dass das Nageldesign der  Verwaltungsfachangestellten nachhaltigen Schaden nimmt. 

 

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