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Sodele. Jetzetle!

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Auf der Suche nach der Schwäbischen Seele

Eine der gastronomischen Besonderheiten Südbadens sind die Straussi-Wirtschaften. Manche nennen sie auch Besen- oder Besenwirtschaften. Sind wir einigermaßen richtig informiert scheint sich ihre Existenz aus vorherigen Jahrhunderten herzuleiten, wo der Fürst nach allfälligen Kriegen seiner geschundenen Landbevölkerung huldvoll die Möglichkeit einräumte, eigene Produkte (Wein, Brot Speck) weitgehend unversteuert unters Volk zu bringen. Es musste ja weitergehen. „Wo’s Sträussli hängt, wird ausgeschenkt“, heißt es seitdem, auch lange noch nach Erbfolgekriegen und anderen Metzeleien. Zwar sind die Schlachten nunmehr geschlagen, die bitterste Not behoben, doch ist das Straussi – Wesen im Südbadischen noch immer eine liebegewordene Einrichtung, zumal es
dort nicht nur Wein und Speck sondern auch noch das gibt, was der heutigen Gesellschaft ähnlich lieb und teuer ist: das gesellige Zusammensitzen mit nicht unbedingt Altbekannten. Man redet miteinander, egal, ob man sich kennt oder nicht, fremd oder eben nicht. Letzteres ließe sich ja vielleicht ändern.

Dem Badener ist dieses Zusammensitzen nicht fremd, doch haben dies mittlerweile auch andere bemerkt, weshalb sie bereit sind, erstaunlich lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen, um in das Glücksgefühl geselligen Miteinanders einzutauchen. Hier anzuführen wären Z.B. unsere schwäbischen Mitbürger, die, auf diesen Punkt angesprochen, tatsächlich erzählen, ihr Rentnerdasein mit wöchentlich bis zu dreimaligen Besuchen in so einer Straussi zu verschönern. Das will etwas heißen, nimmt man doch Anfahrtswege bis zu 80Km in Kauf. Schwarzwaldkilometer, wohlgemerkt, die gerade im Frühjahr bei der allfälligen Rückfahrt jahreszeitenbedingt zudem noch mit Schnee, Glätte und Nebel gepflastert sind. Mag man für die Strecke Freudenstadt – Ulm/Oberachern – also das Renchtal herunter- noch Verständnis aufbringen, so gewinnt die Anfahrt aus Altensteig herunten schon ganz andere Dimensionen. Selbst bei moderaten Verzehrpreisen drängt sich da die Frage auf: Warum macht der Schwabe das?

Nun gut – der Preis eines schwäbischen Wurstsalates ist uns derzeit nicht geläufig. Doch dürften die Koster für Sprit diesen bei weitem übertreffen. Es müssen also andere Gründe vorliegen. Fragt man behutsam nach (und lässt in der Ansprache besser jetzt mal das zu oft gebrachte „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ weg), erfährt man, dass der Schwabe sich bei uns Badener wohlfühlt. Soweit noch banal. Bleibt man am Thema, erfährt man dann aber, dass man uns als offener, zugänglicher und herzlicher empfindet. Das mag man einem als etwas drastisch erscheinen, doch muss das Bedürfnis nach offener Gesprächskultur (und ein Mangel an einer  solchen!)schon sehr beträchtlich sein, nimmt man derartige Strecken auf sich, Rückfahrt incl.

Noch ist der Weißburgunder nicht ausgetrunken, da fragt man weiter: warum ist das im Schwäbischen nicht so? Jetzt erfährt man, dass Schwaben, also das engere Königreich Württemberg, früher sehr arm gewesen sei. Die Natur herb. Die Böden karg. So ganz anders wie z.B. im Markgräflerland, wo es hieß: „Drei Jahre Frieden, und der Bauer fährt mit einem goldenen Pflug durchs Feld“. Derlei träfe auf einen schwäbischen Acker nicht zu. Von der (rauen) Alb nicht zu reden. Ludwig Uhland, der schwäbische Dichter, wusste, wovon er sprach, als er in seinem Gedicht von „Kaiser Rotbart lobesam“ den Zug des Kaisers ins Hl. Land mit dem Satz einleitete: „Viel Steine gab’s und wenig Brot“.

Das hatte sich dort lange nicht geändert, und so hatte man nichts zu verschenken. Das Leben war hart, und man selbst tat gut daran, sich dem anzupassen und selbst so zu werden. In dieser Umgebung wollte die rechte (weinselige) Stimmung so gar nicht aufkommen. Nicht so im Badischen, wo der Bauer nicht jede Knolle einzeln dem Acker abschwatzen musste. Da war noch Platz und Zeit fürs gemütliche Miteinander. „Hocke halt her und schwätze ä bissle“.

Ein kurzer Blick ins Politische

sei hier anlassbezogen auch noch angefügt. So haben sich in Bayern die Franken traditionell stark in der bayrischen Politik eingebracht. In München angekommen, vertreten sie traditionell stark die Interessen ihres fränkischen Wählerschar. Ja, einer von ihnen – Söder – hat es sogar zum Ministerpräsidenten gebracht.  Anders in Baden-Württemberg. Dort, in Stuttgart, der Landeshauptstadt, fehlt es seit langem an einer unüberhörbar starken badischen Stimme. Was so bedauerlich wie verständlich ist. Der Badener will nicht nach Stuttgart. Warum auch? Daheim ist es schöner.

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Kannnixdafür

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Normalerweise beschäftigen wir uns hier vorwiegend mit den wichtigen Dingen des Lebens wie etwa diesen, dass wir kürzlich mit unserem Blog die Millionengrenze gerissen haben. Ein andermal gehen wir der Frage nach, warum Katzen auf Bäume klettern und zu guter Letzt von der Feuerwehr geborgen werden müssen. Weiter hatten wir ein jüngst das Thema, dass ein Jagdhund durch ein fallendes Herbstblatt so irritiert war, dass er einfach stehen blieb, dem sanften Fall des Blattes aufmerksam  zusah und deshalb bei der finalen Eignungsprüfung durchfiel.

Das nur einige wenige Beispiele, die uns aber so wichtig erscheinen, dass wir glaubten, uns mit ihnen hier näher beschäftigen zu müssen. Neulich aber flog uns ein Thema förmlich zu, das eher abstrakt ist. Es dreht sich um die Frage: warum hat eigentlich heutzutage niemand mehr Schuld an irgendetwas?

Zunächst hier mal ein aktuelles, wenn auch fast politisch – philosophisches Beispiel: warum kann nach der aktuellen Lage offensichtlich niemand etwas dafür, wenn uns u.U. in nicht zu ferner Zukunft irgendwelche freundlich Zugezogenen sagen, wie wir zu leben haben. 

Machen wir’s mal ne Nummer kleiner und bringen noch zwei andere Fälle. Wer ist z.B. letztlich Schuld, wenn der eigene Rechner immer mal wieder aus heiterem Himmel abstützt und unsere Daten im Nirgendwo verschwinden? Wo könnte man sich beschweren? Beim Vorstand eines Internetgiganten? Und wie verhält es sich mit den Finanzämtern? Alljährlich fragt man sich, warum unsere Steuerrückzahlungen erst nach gefühlt jahrelanger Verspätung auf unserem Konto eingehen, obwohl doch jede Verzögerung unserseits pünktlich mit massiven Strafzinsen geahndet werden. Fragt man am Amt nach, können die Leute dort dafür nun aber wirklich nichts. Ansonsten ist der Kollege dort eben mit Corona beschäftige, lebt im Mutterschutz oder musste mal raus.

Das alles mag ziemlich ärgerlich ein; verglichen mit der Bahn ist das aber gar nichts!

Die Tatsache ist doch die: trotz offensichtlich größten Bemühungen seitens des Bahnbetriebs nimmt die Zahl der verspäteten oder ausgefallen Züge ständig zu. Da liegt die Frage nahe, wer eigentlich die Verantwortung für diese Unannehmlichkeiten oder Verspätungen letztlich trägt? Wer entschädigt den Reisenden für geplatzte Geschäftstermine, verpasste Flugverbindungen oder gar ausgefallene Begrüßungsküsse?
Erfahrungsgemäß wird ein Nachfragen wenig bringen. Nach Gründen für den Ausfall des Zuges gefragt erhält man ausweichende, wenn auch regional fein abgestimmt Antworten. In Berlin etwa wird die Antwort etwa so lauten: „Wees ik doch nich. Bin ik die Lok“? Oder weiter südlich: „Kann ich ihnen nich‘ sagen. Is‘ immer so“.
So bleibt nur zu konstatieren: nach Lage der Dinge kann neuerdings niemand mehr für irgendetwas. Keiner ist mehr Schuld. Es droht eine Zukunft der allgemeinen Nichtzuständigkeit.
Angesichts dieses Zustandes dürfen wir uns dann auch nicht wundern, wenn als schlüssiger Ausdruck all dieser Unzuständigkeiten neuerdings das Schulterzucken zur alles bestimmenden Geste der Schuld- oder Verantwortungslosigkeit zu werden droht. Ja, wie manch einer sich regelmäßig der körperlichen Ertüchtigung hingibt, so steht zu vermuten, dass ganze Heerscharen von Nichtverantwortungtragenden sich den lieben langen Tag in einem kollektiven Schulterzucken üben. Derart verbreitet, scheint das Heben und Senken der Schulter mittlerweile zu einem regelrechten Massenphänomen geworden zu sein.

So bleibt uns Geschädigten nur noch zu hoffen, dass sich die täglich vermehrende Masse der Nichtverantwortlichen beim alltäglichen Schulterzucken wenigstens die Schulter verrenkt. Was zugegebenermaßen ein eher schwacher Trost ist.

Aber dafür können wir ja nun wirklich nichts.

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