Allgemein Kultur

Blumenzauber an der Oos: Bloom-App? Bloom up!

Erste Kooperation von Badischem Landesmuseum und Kunsthalle Baden-Baden

© Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Als höflicher Gast überreicht Prof. Dr. Eckart Köhne der Stadt Baden-Baden einen üppigen Blumenstrauß als Willkommensgruß. Eigentlich ist der Direktor des Badischen Landesmuseums Karlsruhe in der ihm seit Mai vergangenen Jahres unterstellten Staatlichen Kunsthalle Baden Baden ja auch Gastgeber – und zwar gleich mit einer Großen Sonderausstellung des Landes Baden-Württemberg.

Diese erste Kooperation gleicht einer Reverenz an die Stadt, die viel auf ihre blühende Vergangenheit und aktuelle Attraktionen wie Kur-park, Rosenneuheiten, Rosenkonzerte, Sommerausstellung im Kurpark und wertvollen Baumbestand hält. Nicht zu vergessen die
Verheißungen des Florentinerbergs am Neuen Schloss!

„Bloom up! Die Sprache der Blumen“ wirkt da schon wie eine Ermunterung, das Depressionstief angesichts leerer Geschäfte, Haushalts-defiziten und sonstiger Sorgen zu vergessen und in angenehm gekühlter Atmosphäre auf „Flower Power“ zu setzen. Denn zarte Blüten haben über Jahrtausende das Ihre dazu beigetragen , das Leben schöner, aber auch bedeutungsvoller zu machen und spielten auch in Politik, Religion und Gesellschaft wichtige (Symbol)-Rollen. Unter den rund 50 Exponaten der von Christina Lehnert und Christiaan Veldman kuratierten Ausstellung finden sich antike Leihgaben des Karlsruher Landesmuseums ebenso wie Bauernschränke des 17. und 18. Jahrhunderts, deren keineswegs „naive“ Blumenmalereien die Rolle der „blühenden“ Braut als künftige Mutter würdigten.

Eingang Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, © Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters

Über ihnen prangen zwei weitere „Liebesbezeugungen“: Riesenblüten des Künsterduos Petrit Halilaj und Álvaro Urbano. Eine Pietà aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Schmerzensmutter in einem prachtvollen Mantel mit Tulpenmotiven. Tulpen stehen in Georgien für ziviles Aufbegehren und Solidarität – die georgische Künstlerin Ketuta Alexi-Meskhishvili stellt in ihren Tulpen-Fotografien den Bezug zu Widerstand, Tod und Auferstehung her. Aus der „Türkenbeute“ entliehen wurde eine Stichwaffe mit goldenem Blütendekor. Erstmals in der
Öffentlichkeit gezeigt wird ein atemberaubender Seidenteppich mit Blüten- und Kronenmotiven, der vermutlich Ende des 17. Jahrhunderts dem Kloster Lichtenthal geschenkt wurde. Ein weiterer Bezug zur Region findet sich in dem handwerklichen Meisterstück, das die Stadt Pforzheim der Preußen-Prinzessin Luise anno 1856 anlässlich ihrer Hochzeit mit Großherzog Friedrich I. Von Baden verehrte: Ein Blütendiadem aus Myrhten und Wildrosen.

Sir Edward Burne-Jones und William Morris, Wirkteppich, Der Pilger im Garten, 1901, © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Blumen bereiten jedoch nicht nur Freude, sondern können auch Trauer ausstrahlen. An Abfalldeponien auf Friedhöfen erinnern die verwelkten Blumensträuße in der Serie von Bella Zanna Geetha Brückner: Bouquets als Entschuldigung für begangenes Unrecht oder Versuch, einer bereits sterbenden Beziehung neues Leben einzuhauchen. Versöhnlicher dagegen das „Requiem“ des 2019 verstorbenen Filmemachers Jonas Mekas zu Klängen von Verdis „Requiem“.

Naturschönheit triff auf brutale Alltagsszenen und lässt sich nicht ausrotten. Wie zur Bestätigung glänzen die Halbedelsteine des barocken Pietra-Dura-Mosaiks als Symbole der Auferstehung. Als Rückzugsort, aber auch Kreativ- und Austauschort, dient das Studio mit Büchern und der Gelegenheit, selbst der Aufforderung „Bloom up“ zu folgen, bunte Papierblumen selbst zu falten und als zarte Souvenirs mitzu-nehmen. Im „Studio“ findet sich auch der Hinweis auf weitere Mitmach-Möglichkeiten per „Bloom App“ – eine aktuelle Fortsetzung der traditionellen Blumensprache. Die kostenlose App bieten neben den klassischen Audioguides digitale Atelierbesuche, im Gruppenmodus kann gespielt und kommuniziert werden, spannend dürfte auch der Dating-Modus sein. Zusätzlich im Angebot: Das Format „Stille Stunde“, die „Family-Tour“ und die „Bring your Baby-Tour“. Auch beim Fest der vier Museen am Sonntag, 19. Juli, entlang der Baden-Badener Museumsmeile ist die Kunsthalle dabei. Über das Gesamtprogramm informiert die Webseite www.kunsthalle-baden-baden.de

Bis zum 10. Januar 2027 wird die Staatliche Kunsthalle mit diesem sehr besonderen „Willkommensblumenstrauß“ ihres Kooperations-partners Badisches Landesmuseum das kulturelle Stadtleben bereichern und vielleicht auch die eine oder andere neue Blüte entstehen lassen. „Bloom up“ lässt sich aus der Blumensprache nämlich durchaus als „Mach was!“ oder „Zeig, was in dir steckt!“ übersetzen …

(Irene Schröder)

  • Archiv

  • Besucher

    Total Visitors
    1993271
    912
    Visitors Today
    202
    Live visitors