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Rund und g’sund?

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Wie der große Hintern langsam in die Mitte der Gesellschaft rutscht

Gut genährt und rund, so liegt der Kleine im Bettchen. Wie er so daliegt – eine Ikone des Wohlbefindens. Ein richtiger ‚Wonneproppen’, dem es an nichts fehlt. So sagen es jedenfalls alle, die sich übers Bettchen beugen.

Kein Zweifel, dass die Mutter auf ihren Nachwuchs stolz ist. Und sich auch weiterhin um sein Wohlbefinden sorgt.  Kaum der Wiege entsprungen, geht’s direkt vom Buggy in die HolzKiste am Fahrrad. Denn immer weniger Kinder gehen zu Fuß. Früh schon werden sie in Lastenrädern durch denn Alltag transportiert, eine Fortbewegungsart, die dem Übergewicht der eben dem Bettchen Entsprungenen Vorschub leistet. Bis ins hohe Kindesalter sehen sie sich von Mutti kutschiert. Kaum je zu Fuß, immer auf Rädern. Dabei den Blick starr aufs Handy gerichtet.

Ist der oder die Kleine dann hoffentlich gut daheim angekommen, gibt’s auch gleich ‚was zu futtern, im Idealfall eine Pizza, die, schnell bestellt, für die Zufriedenheit aller sorgt. Willkommen in der Welt des Lieferservice, deren Produkte flankiert werden durch zuckergetränkte Energydrinks. Die Mülleimer der Innenstädte erzählen von den Ernährungsgewohnheiten einer ganzen Generation. Ernährungberatung bin, Ernährungsberatung her.

Bewegungsarm und gut genährt. Das liegt im Trend. Von der Wiege bis zur Bahre. Das Runde droht zur der alles bestimmenden Körperform zu werden. Musste man früher damit rechnen, als ‚dick‘ oder gar ‚fett‘ beschimpft zu werden, hat sich das mit dem (bedauerlichen!) Bodyshaming irgendwie erledigt. Kaum jemand weist einen darauf hin, dass Übergewicht aufs Herz, auf die Gelenke oder auf sonst etwas schlagen. Im Gegenteil. Heute steht man zu seinen Pfunden. Man sagt ‚ja‘ zu seinem Körper, man steht zu sich. Rund ist g’sund‘.

Im Folgenden tummeln sich die Kiddys ungehindert auf den Streamingportalen, die suggerieren: steh zu deinen Pfunden, wie es die Mutter aller Ärsche (ja, man kann es nicht anders sagen): Kim Kardshian schließlich auch tut. Und von der war schon vor Jahren noch Anderes gekommen. Aufgespritzte Lippen, Nageldesign und aufgeklebte Wimpern sind seitdem zur ästhetischen Norm einer ganzen Mädchen- und Frauengeneration geworden.

Doch zurück zum Po. Wo die Pizza nicht reicht, kann der Chirurg nachhelfen. Po-Vergrößerung im OP können auch verschenkt werden. (BBL: Brasilian-Butt-Lifts) Dass diese Formen sich schwerlich mit definierten Hosengrößen vertragen, sollte niemanden betrüben. Anlassgebunden rät die Werbung mittlerweile zu Stretchhosen. Sie wachsen mit und bilden zudem auch noch das angefutterte Hinterteil in allen Feinheiten ab.

Hatten sich früher Frauen (und Männer!) wegen ihrer Leibesfülle noch ‚geschämt‘ und bemüht, abzunehmen, fällt es angesichts der zunehmenden Fleischmassen schwer, vom Abnehmen zu reden. Heute sieht sich das Anormale zur Normalität erklärt, als ästhetische Norm. Ärsche sind ‚in‘ und neuerdings – neben Nageldesign und aufgespritzten Lippen – zum festen Bestandteil der ‚neuen‘ Körpermodulation geworden. Man könnte meinen, als setzte sich gerade in konservativen, formal niedrig gebildeten Bevölkerungsschichten zunehmend das Frauenbild Islam durch. Im alten arabischen Raum jedenfalls wurden runde Hüften und kräftige Oberschenkel als Ausdruck weiblicher Schönheit beschrieben, so sagt uns eine allwissende KI.

Haben wir bislang über die zunehmende Körperlichkeit von Frauen gesprochen, müssen wir auch noch kurz über die Männer reden. Auch sie haben – neben dem neuerdings obligatorischen Barbeshop Schnitt – ästhetisch neue Maßstäbe gesetzt, hier vor allem den Bauch betreffend. Damit gemeint ist das fast schon stolze Vorsichhertragen des Körperfetts, oft genug geschmückt durch ein lächerlich kleines Täschchen, darin das Handy & die Scheckkarte. Ganz neu ist das nicht. Man kennt das – in allerdings anderem Zusammenhang –  auch schon aus Bayern. Dort bezeichnet man das Ding als ‚Wammerl‘ und meint damit den ‚Schweinebauch‘, ein Bratenstück, das gern mit Schwarzbiersoße genossen wird. Andere Kulturkreise hinwiederum nennen das Accessoire ‚Crossbody Bag‘. Ist aber dasselbe. Es sollte unbedingt am Bauch aufliegend getragen werden und von einem namhaften Hersteller stammen. Die Täschchen gibt’s im Übrigen auch gefaked.

Kommt billiger.

Allgemein Kultur Malen & Schnitzen

Baden-Baden – Ihr Niveau!

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„Was ist eigentlich Luxus?“

Diese Frage stellen sich Dr. Sabine Becker und Tabea Mannßhardt seit über einem Jahr immer wieder. Genüssliches Schwelgen im Überfluss – auch oder nur dank der Arbeit anderer – oder der Verzicht auf alles Überflüssige zugunsten scheinbar kleiner Dinge? Viele Antworten auf die seit der Antike diskutierte Frage haben die Kuratorin der aktuellen Ausstellung im Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhundert, LA8 in Baden-Baden, und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin in die Gestaltung der „Luxus“-Schau mit dem Untertitel „Die Lust am Überfluss“ einfließen lassen. Dass ausgerechnet in Baden-Baden, einst das deutsche Luxus-Städtchen schlechthin, diese Ausstellung gezeigt wird, ist natürlich kein Zufall – ebenso wenig wie die Nachfolge auf die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der „Vanitas“ an gleicher Stelle. Und schließlich reicht schon ein Bummel durch die einstige Kurstadt, um immer wieder auf luxuriöse Architektur der Vergangenheit zu stoßen, die teilweise noch heute ihren Zweck als Hotel, Restaurant oder Privatwohnung für sehr hohe Ansprüche erfüllt. Ein extravagantes Beispiel ist neben noch existierenden Grand Hotels die Baden-Badener Villa Sirius, in Architekturkreisen bekannt als „mehrgeschossiger Palast des Großbürgertums“. Architekt Fritz Klingholz setzte mit diesem Bau in der Ludwig-Wilhelm-Straße um 1910 das Thema Jugendstil bis ins kleinste Details der Innenausstattung um.

Die zeitliche Begrenzung auf das 19. / 20. Jahrhundert erweist sich eigentlich als Glücksfall: Der aktuelle „Luxus“ eines Kardashian-Clans, auf den Yachten von Oligarchen, bei Hochzeiten von Superstars und Zeitvertreiben von Unternehmern wie Elon Musk hätte wohl den Rahmen des interessanten kleinen Museums mit ungewisser Zukunft (Welterbe!) gesprengt. So bleibt genügend Raum für Glanz und Glamour , aber auch für die düsteren Seiten des schönen Lebens im Überfluss.

Diesen Überfluss haben Becker und Mannßhardt in zentrale Themenfelder gegliedert: Kulinarik, Kolonialwaren, Mobilität, Mode und Design bis zu Freizeit und Muße. Genussmittel wie Kaffee, Tee, Zucker und Schokolade kamen als kostbare Kolonialwaren an Bord holländischer oder britischer Schiffe aus den Kolonien auf die Tafeln des Adels und Großbürgertums, bevor sich im Zuge der Frühindustriealisierung schließlich auch der „kleine Mann“ diese Leckereien zumindest gelegentlich gönnen konnte. Ein außergewöhnliches Exponat im Eingangsbereich steht für die bittere Wahrheit hinter der Süßigkeit: Unter Glas zieht ein zauberhafter Blumenstrauß die Blicke auf sich. Seide? Papier? Kunststoff? Völlig falsch – Zucker! Die aus Surinam stammende Künstlerin Natasja Sadi erinnert mit ihren Arbeiten an ihre indonesischen und afrikanischen Vorfahren, die auf Zuckerplantagen schuften mussten. Nicht von ungefähr steht der Strauß in einer kostbaren Delfter Porzellanvase ..

Ähnliches galt für die Mobilität: Vom Pferdewagen über Züge mit Dampflokomotiven bis zu den fast unbeschreiblich luxuriös ausgestatteten königlichen Privatwaggons oder Zügen wie dem „Orientexperess“, die von berühmten Künstlern ihrer Zeit ausgestattet wurden. Apropos Reisen: Die Menükarte der „Titanic“ in der Ausstellung weckt noch heute Gelüste, wenn nicht ihr tragisches Schicksal mit den vielen Todesopfern (vor allem aus den Unterdecks) den Appetit dämpfen würde.

„Wir konnten nicht alle Themenbereiche abdecken“, räumt Dr. Sabina Becker ein. „Wir haben beispielsweise die Entwicklung der Herrenmode nicht berücksichtigt, vielleicht auch, weil wir Frauen sind“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Dafür sind die großen Modedesigner der Vergangenheit wie Paul Poiret, Coco Chanel oder Jeanne Paquin im ersten Stock des Museums umso üppiger vertreten. Die Originalgewänder mit ihren Stickereien und raffinierten Schnitten können so manches Fashionista-Herz höher schlagen lassen. Mit Geschick und Fantasie konnte auch in Zeiten des Mangels außergewöhnliche Kleidung gefertigt werden – beispielsweise ein Brautkleid aus Fallschirmseide …

Geht es um Luxus, ist natürlich Schmuck nicht weit – unter anderem aus dem Schmuckmuseum Pforzheim stammen edle Leihgaben, die einst Frisur, Ohren, Hals, Arme, Hände und Dekolleté der Damen von Welt schmückten. Heute ein Reizthema, einst „must have“ der Eleganz: Pelze, deren natürliche Träger nicht nur seit alter Zeit gejagt, sondern im Zuge wachsenden Bedarfs auch in den oft verrufenen Pelzfarmen gezüchtet wurden.

Luxus bleibt aber nicht auf das rein Materielle beschränkt: Die Freizeit, die durch die Industrialisierung gewonnen wurde, bedeutete für die Arbeitnehmerschaft die Möglichkeit, Natur, Sport und Kultur zu genießen – bisher ein Privileg der oberen Klassen. Bildung, vor allem Lesen, eröffnete neue Horizonte.

Apropos Lesen: Der Katalog im praktischen Handtaschenformat ist unbedingt lesens- und anschauenswert und macht Lust, über den eigenen Begriff von Luxus nachzudenken und in Bezug zu den über 200 Objekten der Ausstellung zu setzen. Irene Schröder

Infos: „Luxus. Die Lust am Überfluss“, Museum LA8, Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden (Bis 6. Juni 2027)

www.museum.la8.de

Irene Schröder

Allgemein Essen & Trinken

Betreutes Trinken

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Als ich einmal versuchte, dem Personal zu entkommen

Unter all den zahlreichen Berufen, deren Verschwinden ich nicht einmal bemerken würde, ist auch der des Sommeliers, also eines Weinfachmannes oder seiner Kollegin, die Sommeliere. Nicht, dass ich es nicht zu schätzen wüsste, würde mir jemand, der etwas von Wein versteht, einen Wein empfehlen. Da gälte es durchaus, das Eine oder Andere zu beachten. Z.B., dass weißer Wein eher zu Fisch passt, auch, dass sich ein Wildschweinbraten in der Gesellschaft eines schweren Roten besonders wohl fühlt. Weiter wäre mir angenehm, würde das Personal von meinem betont schlichten Äußeren Rückschlüsse auf einen möglichen Flaschenpreis schließen. Vollstes Verständnis habe ich auch, gerät der Vorgang des Entkorkens zu einer Art Schauspiel, dessen Eleganz die Klasse des Tropfens unterstreicht. Nein, das alles ist es nicht. All dies lässt mich den Beruf des Fachpersonals noch keineswegs in Frage stellen.

Schlimm wird es erst, verselbstständigt sich der Service, und auf das Entkorken folgt das, was mit Gastrotyrannei nur unzureichend beschrieben ist. Denn kaum ist die Flasche geöffnet und der Wein eingeschenkt, kommt es vor, dass das Servicepersonal danach anschließend erst richtig zu hoher Form aufläuft. So wird bereits nach zwei verhaltenen Schlückchen nachgeschenkt. Die Bitte, den Wein bei mir am Tisch stehen zu lassen war da bereits deutlich überhört worden, und so winkt mir ab jetzt einen Abend lang meine Flasche aus weiter Entfernung zu. Sollte mein Glas jetzt tatsächlich leer sein, wäre es nur angebracht, nachzuschenken. Der Sommelier hatte sich zu dem Zeitpunkt des Abends schon zurückgezogen und mich dem Ober überlassen. Der aber war weit weg. War anfänglich zu viel der Betreuung, ist jetzt zu wenig.

Jetzt steht meine Flasche dort drüben. Blinkt sie mir zu? Weiß sie, dass sie mir gehört? Durst sei schlimmer als Heimweh, so heißt es. Also entschließe ich mich zur Selbsthilfe. Doch Obacht! Man sollte die zurückzulegende Distanz zu seiner Flasche nicht unterschätzen. Der Versuch, sich selbst nachzuschenken, entpuppte sich als kühnes Unternehmen. Kaum war man aufgestanden und hatte seine Flasche aus dem Kühler genommen, kommt der Servierer um die Ecke geschossen und weisst einen darauf hin, dass das schließlich seine Sache sei. Verständlich, aber….

Fortan wird man den Herrn nicht mehr los. Ab da wird man überversorgt. Es droht begleitetes Trinken, eine Art Druckbetankung. Man trinkt fortan unter Beobachtung. Kaum eine Unterhaltung, die nicht unterbrochen wird durch die Frage, ob man nachschenken dürfe, ob alles recht sei? Ob es noch etwas sein darf? Ob der Wein unseren Vorstellungen entspricht?

Unter dem servicemäßigen Dauerfeuer hatte man schließlich nachgegeben und – eigentlich nicht gewollt – eine zweite Flasche bestellt. The Show must go on.

Nächstes mal also besser Bier.

Allgemein

Kaum zu glauben!

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Gestern beim Bier wurde mal wieder diskutiert. In der Regel kommt ja nichts dabei raus. Aber dieses mal ging’s um was Wichtiges, nämlich um den Unterschied zwischen dasselbe und das gleiche. Ziemlich knifflig so ein Thema, gerade beim Bier. Das wurde denn auch lange besprochen, bis man schließlich dahinterkam: der Unterschied zwischen das gleiche und das dasselbe sei eigentlich egal.

Es sei ja schließlich das gleiche. Oder halt dasselbe.

Allgemein Essen & Trinken Menschen Stadtstreicher

Wenn Frauen trinken

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Wie immer um einen passenden Vergleich ringend, formulieren wir es jetzt mal so: wie eine üppige Fischpopulation auf gute Wasserqualität verweist, so zeugt ein hoher Anteil von Frauen in Lokalen und Kneipen auf ein gut geführtes Haus. Spätestens da wird offensichtlich, dass es sich um keine dumpfe Bierwirtschaft handelt, wo Altlinke etwa der vergangenen Revolution nachtrinken, sondern es zeigt sich, dass an diesen Tischen die Neuzeit in ihrer emanzipatorischen Form Einzug gehalten hat. Recht so!

Allerdings müssen wir in unserem fortgesetzten Bemühen um eine ausgewogene Sichtung darauf hinweisen, dass das, was wir oben so süffig formuliert haben zugleich auch seine Schattenseiten hat. Natürlich muss jeder modernen Frau das Recht zugestanden werden, in der Gastronomie ihren Platz zu finden. Doch wird man dieses Recht nicht grundsätzlich in Frage stellen, wenn man darauf verweist dass eine gute Frauenbelegung dem Umsatz nicht unbedingt in dem Maß zuträglich ist, wie ein – sagen wir mal – euphorisch gestimmter Männerstammtisch. Dies liegt zum Großteil am üblicherweise gepflegten Zeitmanagement, was sich schon daran zeigt, dass an Frauentischen enorm viel Zeit verplempert wird durch ein unvorstellbar aufwändiges Begrüßungsritual.

Während der erfahrene (männliche) Stammgast bereits beim Betreten des Lokals durch eine kleine unscheinbare Geste dem Personal kundtut, dass er das Übliche nimmt, verplempert die schon anfänglich heiter gestimmte Frauengruppe lange vor der eigentlichen Bestellung viel Zeit mit einem aufwändigen Begrüßungsritual. Selbst wenn der Tisch bereits voll besetzt ist, fordert es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die eben Eingetroffene jede der Freundinnen einzeln herzt, was durch ein Auf- und Abstreicheln des Rückens geschieht und Vertrautheit, ja, menschliche Nähe suggeriert. Unabdingbar für den Empfang der Streicheleinheiten dabei ist allerdings, dass alle, die sich bereits gesetzt hatten, noch einmal aufstehen, um sich, nunmehr hinter dem Tisch hervorgekommen, dem Prozedere zu unterziehen.

Da die Gruppe das Aufhängen von Mänteln an der vorgesehenen Garderobe nicht ernstlich in Betracht zieht, ist kaum zu vermeiden, dass grellfarbige Kunstpelze, aber auch lustige selbstgestrickte Mützen (mit Öhrchen) und Schals aus Ländern ohne funktionierende Zivilgesellschaft von der Stuhllehne rutschen, worauf der Stuhl vor der herzlichen Wucht der Begrüßungszeremonie kapituliert und umfällt.

Überflüssig zu erwähnen, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Bestellung abgegeben wurde, weshalb unnötige Zeit verstrichen ist. Obwohl ein eventuell zu erwirtschaftender Umsatz lediglich mit Mineralwasser erzielt, also denkbar gering sein wird, gelingt es den weiblichen Gästen schon vor der eigentlichen Konsumation mühelos, durch hochfrequenzige Lärmerzeugung (Lachen. Quieken. Kichern.) jeden Männerstammtisch um Dezibel zu übertönen.

Ist der Lärm an sich schon enorm, kann er allerdings noch gesteigert werden durch das Zuführen auch kleinster Mengen Alkohol. Selbst das Nippen an einem normalen Gläschen Sekt – der traditionelle Aufwärmer – reicht vollständig aus, um die Anwesenden glauben zu machen, die Stimmung habe sich schon früh dem Siedepunkt genähert. Das wäre dann wie Kochen ohne Wasser.

Nüchtern betrachtet könnte es also auf einen Vergleich etwa dergestalt zulaufen: ein fideler Frauenstammtisch auf Mineralwasserbasis – das ist etwa so, als sei der Kölsche Karneval letztlich nur eine Illusion, hervorgebracht durch das Hochwerfen eines einzelnen  Konfetti-Schnipsels.

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