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Kamera und Leinwand als Sparringpartner

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Das Museum Frieder Burda widmet dem Fotorealismus eine facettenreiche Schau

Waddington Custot © Ralph Goings, Goings Family Estate, 2026

Kreativ gesehen scheinbar ungefähr so anspruchsvoll wie Malen nach Zahlen: Ein Motiv mit der Kamera aufnehmen, ausdrucken, abmalen, fertig! Wer Fotorealismus auf diesen simplen Nenner bringt, sollte sich schleunigst im Museum Frieder Burda eines Besseren belehren lassen und reuig den über 30 internationalen Künstlern Abbitte leisten. „Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus“ ist die bis zum 2. August dauernde facettenreiche Ausstellung überschrieben, die in wirkungsvollem Kontrast zu der überaus erfolgreichen Liebermann-Schau im Meir-Bau steht.

Mit deutlichem Stolz präsentierte Dr. Daniel Zamani, künstlerischer Direktor des Museums, die von ihm kuratierte Ausstellung mit über 90 Werken – sowohl aus der hauseigenen Sammlung als auch hochkarätige Leihgaben aus rund 20 international bedeutenden Sammlungen. Was reizt Künstler an diesem Wettstreit zwischen Kamera, digitaler Technik, Sprühpistole, Pinsel
und Leinwand? Für Karin Kneffel, deren surrealistisch- faszinierende Arbeiten im Kabinett im Mezzanin zu finden sind, treffen im Ringen um das optimale Ergebnis Kamera und Leinwand als Sparringpartner aufeinander, die sich gegenseitig herausfordern. „Das Bild muss noch besser sein als die Fotografie“, lautet ihr Credo, dem wohl die meisten ihrer Kollegen/innen uneingeschränkt zustimmen würden. Dabei scheuen sie keineswegs vor optischen „fake news“ zurück: Was zunächst wie eine gekonnte Fotografie wirkt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als vielschichtiger hyperrealer Bildkosmos.

Richard McLean, courtesy Louis K. Meisel, New York, 2026, Foto: Waddington Custot

Sieben Themenbereiche – jeder für sich eine bunte Kunst-Welt – erwarten die Besucher: Von den Anfängen im Amerika der 1960er Jahre, als die ersten Fotorealisten vor allem den auf Hochglanz getrimmten american way of life ironisierend in Szene setzten, über die Faszination von Chrom, Stahl und Glas der Autoindustrie und des Rennsports in Werken von Don Eddy oder Ron Kleemann bis zu Stillleben, deren malerischer Ursprung bekanntlich einige Jahrhunderte zurückliegt. Hier sind auch die Vintage-Spielzeugdarstellungen von Charles Bell vertreten, bunt, glänzend und scheinbar zum Greifen nah. „Betörende Bildräume“ schafft die bereits erwähnte Karin Kneffel mit viel
erzählerischer Emotion. Im 21. Jahrhundert trifft Pop-Erbe auf Digitalfotografie und sorgt für ganz neue Interpretationsmöglichkeiten im Dialog zwischen Kommerz und Konsum – beispielhaft hierfür steht die Bildserie „Ocean Waste“ von Raphaella Spence zur Verschmutzung der Weltmeere. In Zeiten unsäglicher Selfie-Lust wirken die großformatigen Porträts von Künstlern wie Craig Wylie oder Chuck Close und Johannes Müller-Franken fast verstörend in ihrer digitalen Perfektion.
Die Großstadt als Lebensraum – diesem Thema widmen sich zahlreiche Fotorealisten aus ihren unterschiedlichen Perspektiven auf New York oder London abseits üblicher Touristenblickwinkel. Nach dem Rundgang durch die Säle empfiehlt sich der Weg in das Untergeschoss. Hier zeigt das Multitalent Lars Eidinger seine Sicht auf die Welt per Smartphone: Momentaufnahmen, tragisch, komisch, unscheinbar und anrührend, außer Konkurrenz in dem Wettstreit mit der Wirklichkeit der malenden Fotorealisten in den oberen Stockwerken.
„Gehe mit offenen Augen durch diese Ausstellung“ – diesem Tipp für jugendliche Besucher im Kreativheft der Kunstwerkstatt ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. (Irene Schröder)

Infos: „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“, Museum Frieder Burda, bis 2.
August 2026. Der Katalog zur Ausstellung (Hirmer Verlag) kostet 39 Euro.

Allgemein

Kannixdafür

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Normalerweise beschäftigen wir uns hier vorwiegend mit den wichtigen Dingen des Lebens wie etwa diesen, dass wir kürzlich mit unserem Blog die Millionengrenze gerissen haben. Ein andermal gehen wir der Frage nach, warum Katzen auf Bäume klettern und zu guter Letzt von der Feuerwehr geborgen werden müssen. Weiter hatten wir  jüngst das Thema, dass ein Jagdhund durch ein fallendes Herbstblatt so irritiert war, dass er einfach stehen blieb, dem sanften Fall des Blattes aufmerksam  zusah und deshalb bei der finalen Eignungsprüfung durchfiel.

Das nur einige wenige Beispiele, die uns aber so wichtig erscheinen, dass wir glaubten, uns mit ihnen hier näher beschäftigen zu müssen. Neulich aber flog uns ein Thema förmlich zu, das eher abstrakt ist. Es dreht sich um die Frage: warum hat eigentlich heutzutage niemand mehr Schuld an irgendetwas?

Zunächst hier mal ein aktuelles, wenn auch fast politisch – philosophisches Beispiel: warum kann nach der aktuellen Lage offensichtlich niemand etwas dafür, wenn uns u.U. in nicht zu ferner Zukunft irgendwelche freundlich Zugezogenen sagen, wie wir zu leben haben. 

Machen wir’s mal ne Nummer kleiner und bringen noch zwei andere Fälle. Wer ist z.B. letztlich Schuld, wenn der eigene Rechner immer mal wieder aus heiterem Himmel abstützt und unsere Daten im Nirgendwo verschwinden? Wo könnte man sich beschweren? Beim Vorstand eines Internetgiganten? Und wie verhält es sich mit den Finanzämtern? Alljährlich fragt man sich, warum unsere Steuerrückzahlungen erst nach gefühlt jahrelanger Verspätung auf unserem Konto eingehen, obwohl doch jede Verzögerung unserseits pünktlich mit massiven Strafzinsen geahndet werden. Fragt man am Amt nach, können die Leute dort dafür nun aber wirklich nichts. Ansonsten ist der Kollege dort eben mit Corona beschäftigt, lebt im Mutterschutz oder musste mal raus.

Das alles mag ziemlich ärgerlich ein; verglichen mit der Bahn ist das aber gar nichts!

Die Tatsache ist doch die: trotz offensichtlich größten Bemühungen seitens des Bahnbetriebs nimmt die Zahl der verspäteten oder ausgefallen Züge ständig zu. Da liegt die Frage nahe, wer eigentlich die Verantwortung für diese Unannehmlichkeiten oder Verspätungen letztlich trägt? Wer entschädigt den Reisenden für geplatzte Geschäftstermine, verpasste Flugverbindungen oder gar ausgefallene Begrüßungsküsse?
Erfahrungsgemäß wird ein Nachfragen wenig bringen. Nach Gründen für den Ausfall des Zuges gefragt erhält man ausweichende, wenn auch regional fein abgestimmt Antworten. In Berlin etwa wird die Antwort etwa so lauten: „Wees ik doch nich. Bin ik die Lok“? Oder weiter südlich: „Kann ich ihnen nich‘ sagen. Is‘ immer so“.
So bleibt nur zu konstatieren: nach Lage der Dinge kann neuerdings niemand mehr für irgendetwas. Keiner ist mehr Schuld. Es droht eine Zukunft der allgemeinen Nichtzuständigkeit.
Angesichts dieses Zustandes dürfen wir uns dann auch nicht wundern, wenn als schlüssiger Ausdruck all dieser Unzuständigkeiten neuerdings das Schulterzucken zur alles bestimmenden Geste der Schuld- oder Verantwortungslosigkeit zu werden droht. Ja, wie manch einer sich regelmäßig der körperlichen Ertüchtigung hingibt, so steht zu vermuten, dass ganze Heerscharen von Nichtverantwortungtragenden sich den lieben langen Tag in einem kollektiven Schulterzucken üben. Derart verbreitet, scheint das Heben und Senken der Schulter mittlerweile zu einem regelrechten Massenphänomen geworden zu sein.

So bleibt uns Geschädigten nur noch zu hoffen, dass sich die täglich vermehrende Masse der Nichtverantwortlichen beim alltäglichen Schulterzucken wenigstens die Schulter verrenkt. Was zugegebenermaßen ein eher schwacher Trost ist.

Aber dafür können wir ja nun wirklich nichts.

Allgemein Auswärts

Springende Pferde im Baselbiet Teil 1

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Gross. Schön. Stark. Ferrari Garage in Basel neu eröffnet.

 

Der Herr im Trachtenjanker ist ziemlich ungeduldig. Wann denn jetzt endlich sein Espresso käme? Im Übrigen könne er keine vier Jahre auf einen Ferrari warten. Nachdem er dies hat verlauten lassen, steigt er mit beachtlichem Altherrenfuror in seinen vor dem Showroom abgestellten älteren Aston Martin, klappt das Verdeck nach hinten und braust davon. Von Basel Stadt nach Basel Land.
Angesichts seines fortgeschrittenen Alters mag das zwar verständlich sein, andererseits ist es aber auch schade, denn durch diesen Schnellstart entgeht dem Rastlosen der Genuss einer einzigartigen Ferrari-Präsentation, die am letzten Aprilwochenende im neuerrichteten Ferrarizentrum Niki Hasler geboten wurde.
5000qm sind es nach den Plänen des Architektenduos Diener & Diener geworden. Sie verteilen sich auf 6 Ebenen. Damit will man den je verschiedensten Bedürfnissen der Kundschaft Rechnung tragen. Betritt man den Eingangsbereich des Gebäudes erwartet einen zunächst die gesamte breite Palette der aktuellen Modelle, die Wagen der Baureihe 488, Superfast und GTC Lusso.
An historischen Fahrzeugen herauszuheben wären da z.B. der bildschöne Ferrari 250 GTO, dessen ‚Bruder‘ jüngst in einer Versteigerung umgerechnet 28 Millionen Euro erzielte. Dann der Ferrari LUSSO, hier noch aufgebockt, was einen für den Technikinteressierten seltene Einblicke in die Mechanik ermöglicht. Dann auch einen reinen historischen Rennwagen – den Ferrari 512, eine Baureihe, die seinerzeit von Jackie Ickx mit großem Erfolg bewegt wurde.
Von so viel Schönheit geblendet, begibt man sich zunächst einmal in Richtung der beiden Werkstätten, wo fein unterschieden wird zwischen Restaurierung der älteren und Pflege der neuen Modelle.
Niki Hasler, der Eigner der Niederlassung, hatte zunächst  seine Gäste am Empfang begrüßt. Sein zurückhaltend freundliches Auftreten findet seine Entsprechung im Benimm seiner möglichen Kundschaft, die, da wird man nicht falsch liegen, in den besseren Kreisen der deutschsprachigen Schweizer Bürger zu finden ist. Wie vielerorts, so spricht man auch in Basel ungern übers Geld, und schon gar nicht wenn man es hat. Man kennt sich. So kann man tatsächlich Zeuge werden, wie alteingesessene Ferrari Fans erfreut Erfreuliches zu berichten wissen, wie man z.B. vor vielen Jahren, also noch lange vor dem Boom, doch erstaunlich günstig einen seltenen alten Ferrari erstanden hatte.

Jetzt ist es erst mal an der Zeit, sich über die ganze Breite des Angebots zu informieren. Da wäre z.B. der Service, seinen Ferrari dauerhaft in der hauseigenen Garage unterzustellen. Der Besitzer erhält per Chip jederzeit Zugang zu seinem Wagen. Mit dem Aufzug nach unten bewegt, kann er nun seine Fahrten ins Basler Umland starten. Anschließend stellt er seinen Ferrari wieder in der Niederlassung ab, wo er dann für weitere Ausfahrten betankt, gereinigt usw. wird. Woraus man auch schließen könnte: der Basler hat es gern ebenso komplett wie diskret.

Da wird es nicht verwundern, dass beim Betrachten des festlich gestimmten Premierenpublikums weder die nachtaffinen Beschützer auffallend schöner Frauen zu entdecken sind, noch fallen einem fussballspielende Persönlichkeiten mit Goldkettchen und Bleibeperspektive ins Auge. Beide an sich solvente Gruppen tendieren bei der Wahl ihres Fahrzeugs ohnehin eher zu den Marken Lamborghini oder AMG Mercedes, was den Herren dieses Hauses nicht verdrießen muss, zumal mit Promi- Rabatten ohnehin nicht zu rechnen ist.

Im Keller hingegen befinden sich die Katakomben des Luxus – hier warten die historischen Modelle auf ihre neuen Besitzer. Und dann wäre da noch die Abteilung ‚Individualisierung‘, die mit den angebotenen 30 verschiedenen Lackierungen farbenfroh belegt, dass die Farbe Rot mitnichten das Ende aller Wünsche bedeuten muss.

 

Allgemein Auswärts

Springende Pferde im Baselbiet Teil 2

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Gross. Schön. Stark. Ferrari Garage in Basel neu eröffnet.

Doch sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Selbst wenn der Mythos, wie bei dieser Eröffnung zu sehen, augenfällig gepflegt wird, so lässt sich doch nicht leugnen, dass auch Ferrari, 30 Jahre nach dem Tod des Commendatore, dabei ist, sich zu einem ganz normalen, aktienbasierten Autohersteller zu wandeln.

Und vielleicht sind zwei Punkte die signifikantesten Zeichen. Zum einen das Ausscheiden der jahrzehntelang prägenden Designfirma Pinifarina, von der man sich erst in den letzten Jahren verabschiedet hatte und deren atemberaubende Karosserien noch bis heute das Image prägen: Ihre Formen haben sich tief ins Bewusstsein und ins Auge der Ferraristi eingeprägt.

Und dann – fast noch gravierender – die für die traditionsbewussten Freunde des Hauses überaus schroffe Trennung vom langjährigen Ferrari-Lenker Luca di Montezemolo. Er war noch von Enzo Ferrari eingestellt und hatte als Rennleiter den Rennstall Ferrari zu unzähligen Weltmeisterschaften geführt. Zudem hatte er über einen langen Zeitraum die Weichen für das finanzielle Wohlergehen der Firma gestellt.

Er war es, der  den Mythos ‚Ferrari‘ maßgeblich geprägt hatte, bis er dann schleßlich vom stets pullovertragenden obersten Fiat/Ferrari – Lenker Sergio Marcionne entlassen wurde. Dem war offensichtlich ein galoppierender Aktienkurs wichtiger war als das springende Pferd.

So ist es vielleicht gerade der in einer sogenannten ‚Roadshow‘ präsentierte Ferrari ‚Portofino‘, der mit seinem aktuellen, von Pininfarina nicht mehr verantworteten Design, für die neue Zeit steht. Ein Supersportwagen, dessen Verdeck auf Knopfdruck verschwindet und ausgestattet mit Automatikgetriebe, keineswegs mehr nach strammen Männerwaden verlangt.

Schöne neue Welt. Jetzt wohl in der Planung sogar ein Ferrari SUV. Den hatte Luca de Montezemolo („Ich bin der Ansicht, Ferrari sollte keine SUV bauen“) noch strikt abgelehnt. Mächtig, groß und stark soll er werden. Fürs Mutti-Rennen in der Basler Innenstadt genau so geeignet wie fürs Flanieren auf der Züricher Bahnhofstrasse.

Niki Hasler wird’s freuen.

 

 

PHOTOGALERIE – weil’s so schön war, hier noch ein paar Fotos

 

Allgemein Texte / Poesie

„Tintenfisch“ Folge 1

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Foto(5)„Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen“.

Uns an den Worten des großen Frankfurters J. W. Goethe orientierend, wollen wir unser Angebot hier ein bisschen ergänzen.

Immer mal wieder flattern uns nämlich Beiträge, Geschriebenes, Gereimtes auf den Schreibtisch, das wir – neben all dem vielen anderen – als veröffentlichungswürdig ansehen. Die Texte sollten sich zumindest im Entferntesten mit Baden-Württemberg befassen, und wenn sie das einmal nicht tut, dann – nun ja – ist es auch recht. Nur allzu lang sollten die Texte  nicht sein, denn zu vom zu Langen gibt’s schon zu vieles. Wir nennen diese Reihe jetzt der Zweckmäßigkeit halber ‚Tintenfisch‘, denn wie ein Fischlein sollen sich diese kurzen Texte im langen, breiten Strom des sonst Veröffentlichten bewegen. Da wir das jetzt wirklich gut formuliert haben, wollen wir uns nicht länger mit uns selbst befassen, sondern gleich den ersten ‚Tintenfisch‘ betrachten (nicht grillen!).

Katzenmusik

Meine erste Studentenbude war 11 qm groß. Sie kostete 80 Mark und war auf einem Bauernhof in der Gemeinde St. Georgen bei Freiburg.

Die Zimmerwirtin hieß mit dem Vornamen ‚Marie’, wurde aber von den dort wohnenden Studenten respektvoll Frau Keller genannt. Kamen Einheimische, begrüßten sie die Bäuerin mit ‚Bieri’, was diese voller Stolz die große Brust heben ließ.

Wenn ich mein kleines Zimmer verließ, begegnete ich regelmäßig einer früh gealterten Frau. Es war die Magd. Alle nannten sie nur ‚d’Louis’. Sie bewohnte die Kammer mir gegenüber, die – es war mir nie vergönnt, einen Blick hinein zu werfen – bestimmt nicht größer war als meine. Das war aber das einzige, das wir gemeinsam hatten. Ansonsten trennte uns nicht nur ein kleiner Gang, sondern auch noch ein unterschiedlicher Musikgeschmack. In den wenigen Tagesmomenten, da sie sich in ihren 11 qm aufhielt, hörte ich durch die geschlossene Türe nur einmal Musik: es waren die Klänge einer Blaskapelle am Sonntagmorgen. Die Magd musste also ein Radio gehabt haben. Ich hörte damals vor allem die ‚Rolling Stones’, was ihr offensichtlich nicht verborgen geblieben war.

House_mouseAls ich eines abends hinter meinen Leitz Ordnern ein Rascheln hörte, zog ich zwei Ordner hervor und blickte in die kleinen Augen einer Maus, die mich ebenso erschrocken ansah wie ich sie. Am nächsten Morgen bat ich meine Zimmerwirtin um eine Mausefalle und Speck. Sie gab zunächst zu bedenken, dass man mit so einer Falle vorsichtig umgehen müsse; damit könne man viel Unheil anrichten. Vor allem wisse man ja nie, was für ein Mäuschen sich darin verirrte. Dann aber hörte ich am Ende des Ganges die krächzenden Stimme der Magd: „Bi dere Müsik gibt’s kei Miees“, was auf gut Deutsch heißt: dass es bei der von mir gehörten Musik keine Mäuse gäbe.

Damit war das Thema erledigt. Das Tierchen ist danach nie mehr aufgetaucht.

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