Allgemein Essen & Trinken

Betreutes Trinken

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Als ich einmal versuchte, dem Personal zu entkommen

Unter all den zahlreichen Berufen, deren Verschwinden ich nicht einmal bemerken würde, ist auch der des Sommeliers, also eines Weinfachmannes oder seiner Kollegin, die Sommeliere. Nicht, dass ich es nicht zu schätzen wüsste, würde mir jemand, der etwas von Wein versteht, einen Wein empfehlen. Da gälte es durchaus, das Eine oder Andere zu beachten. Z.B., dass weißer Wein eher zu weißem Fleisch passt, auch, dass sich ein Wildschweinbraten in der Gesellschaft eines schweren Roten besonders wohl fühlt. Weiter würde ich es angenehm finden, würde das Personal von meinem eher schlichten Äußeren Rückschlüsse auf einen möglichen Flaschenpreis schließen. Vollstes Verständnis habe ich auch, gerät der Vorgang des Entkorkens zu einer Art Schauspiel, dessen Eleganz die Klasse des Tropfens unterstreicht. Nein, das alles ist es nicht. All dies lässt mich den Beruf des Fachpersonals noch keineswegs in Frage stellen.

Schlimm wird es erst, verselbstständigt sich der Service, und auf das Entkorken folgt das, was mit Gastrotyrannei nur unzureichend beschrieben ist. Denn kaum ist die Flasche geöffnet und der Wein eingeschenkt, kommt es vor, dass das Servicepersonal danach anschließend erst richtig zu hoher Form aufläuft. So wird bereits nach zwei verhaltenen Schlückchen nachgeschenkt. Die Bitte, den Wein bei mir am Tisch stehen zu lassen war da bereits deutlich überhört worden, und so winkt mir ab jetzt einen Abend lang meine Flasche aus weiter Entfernung zu. Sollte mein Glas jetzt tatsächlich leer sein, wäre es nur angebracht, nachzuschenken. Der Sommelier hatte sich zu dem Zeitpunkt des Abends schon zurückgezogen und mich dem Ober überlassen. Der aber war weit weg. War anfänglich zu viel der Betreuung, ist jetzt zu wenig.

Jetzt steht meine Flasche dort drüben. Blinkt sie mir zu? Weiß sie, dass sie mir gehört? Durst sei schlimmer als Heimweh, so heißt es. Also entschließe ich mich zur Selbsthilfe. Doch Obacht! Man sollte die zurückzulegende Distanz zu seiner Flasche nicht unterschätzen. Der Versuch, sich selbst nachzuschenken, entpuppte sich als kühnes Unternehmen. Kaum war man aufgestanden und hatte seine Flasche aus dem Kühler genommen, kommt der Servierer um die Ecke geschossen und weisst einen darauf hin, dass das schließlich seine Sache sei. Verständlich, aber….

Fortan wird man den Herrn nicht mehr los. Ab da wird man überversorgt. Es droht begleitetes Trinken, eine Art Druckbetankung. Man trinkt fortan unter Beobachtung. Kaum eine Unterhaltung, die nicht unterbrochen wird durch die Frage, ob man nachschenken dürfe, ob alles recht sei? Ob es noch etwas sein darf? Ob der Wein unseren Vorstellungen entspricht?

Unter dem servicemäßigen Dauerfeuer hatte man schließlich nachgegeben und – eigentlich nicht gewollt – eine zweite Flasche bestellt. The Show must go on.

Nächstes mal also besser Bier.

Allgemein

Kaum zu glauben!

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Gestern beim Bier wurde mal wieder diskutiert. In der Regel kommt ja nichts dabei raus. Aber dieses mal ging’s um was Wichtiges, nämlich um den Unterschied zwischen dasselbe und das gleiche. Ziemlich knifflig so ein Thema, gerade beim Bier. Das wurde denn auch lange besprochen, bis man schließlich dahinterkam: der Unterschied zwischen das gleiche und das dasselbe sei eigentlich egal.

Es sei ja schließlich das gleiche. Oder halt dasselbe.

Allgemein Essen & Trinken Menschen Stadtstreicher

Wenn Frauen trinken

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Wie immer um einen passenden Vergleich ringend, formulieren wir es jetzt mal so: wie eine üppige Fischpopulation auf gute Wasserqualität verweist, so zeugt ein hoher Anteil von Frauen in Lokalen und Kneipen auf ein gut geführtes Haus. Spätestens da wird offensichtlich, dass es sich um keine dumpfe Bierwirtschaft handelt, wo Altlinke etwa der vergangenen Revolution nachtrinken, sondern es zeigt sich, dass an diesen Tischen die Neuzeit in ihrer emanzipatorischen Form Einzug gehalten hat. Recht so!

Allerdings müssen wir in unserem fortgesetzten Bemühen um eine ausgewogene Sichtung darauf hinweisen, dass das, was wir oben so süffig formuliert haben zugleich auch seine Schattenseiten hat. Natürlich muss jeder modernen Frau das Recht zugestanden werden, in der Gastronomie ihren Platz zu finden. Doch wird man dieses Recht nicht grundsätzlich in Frage stellen, wenn man darauf verweist dass eine gute Frauenbelegung dem Umsatz nicht unbedingt in dem Maß zuträglich ist, wie ein – sagen wir mal – euphorisch gestimmter Männerstammtisch. Dies liegt zum Großteil am üblicherweise gepflegten Zeitmanagement, was sich schon daran zeigt, dass an Frauentischen enorm viel Zeit verplempert wird durch ein unvorstellbar aufwändiges Begrüßungsritual.

Während der erfahrene (männliche) Stammgast bereits beim Betreten des Lokals durch eine kleine unscheinbare Geste dem Personal kundtut, dass er das Übliche nimmt, verplempert die schon anfänglich heiter gestimmte Frauengruppe lange vor der eigentlichen Bestellung viel Zeit mit einem aufwändigen Begrüßungsritual. Selbst wenn der Tisch bereits voll besetzt ist, fordert es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die eben Eingetroffene jede der Freundinnen einzeln herzt, was durch ein Auf- und Abstreicheln des Rückens geschieht und Vertrautheit, ja, menschliche Nähe suggeriert. Unabdingbar für den Empfang der Streicheleinheiten dabei ist allerdings, dass alle, die sich bereits gesetzt hatten, noch einmal aufstehen, um sich, nunmehr hinter dem Tisch hervorgekommen, dem Prozedere zu unterziehen.

Da die Gruppe das Aufhängen von Mänteln an der vorgesehenen Garderobe nicht ernstlich in Betracht zieht, ist kaum zu vermeiden, dass grellfarbige Kunstpelze, aber auch lustige selbstgestrickte Mützen (mit Öhrchen) und Schals aus Ländern ohne funktionierende Zivilgesellschaft von der Stuhllehne rutschen, worauf der Stuhl vor der herzlichen Wucht der Begrüßungszeremonie kapituliert und umfällt.

Überflüssig zu erwähnen, dass zu diesem Zeitpunkt noch keine Bestellung abgegeben wurde, weshalb unnötige Zeit verstrichen ist. Obwohl ein eventuell zu erwirtschaftender Umsatz lediglich mit Mineralwasser erzielt, also denkbar gering sein wird, gelingt es den weiblichen Gästen schon vor der eigentlichen Konsumation mühelos, durch hochfrequenzige Lärmerzeugung (Lachen. Quieken. Kichern.) jeden Männerstammtisch um Dezibel zu übertönen.

Ist der Lärm an sich schon enorm, kann er allerdings noch gesteigert werden durch das Zuführen auch kleinster Mengen Alkohol. Selbst das Nippen an einem normalen Gläschen Sekt – der traditionelle Aufwärmer – reicht vollständig aus, um die Anwesenden glauben zu machen, die Stimmung habe sich schon früh dem Siedepunkt genähert. Das wäre dann wie Kochen ohne Wasser.

Nüchtern betrachtet könnte es also auf einen Vergleich etwa dergestalt zulaufen: ein fideler Frauenstammtisch auf Mineralwasserbasis – das ist etwa so, als sei der Kölsche Karneval letztlich nur eine Illusion, hervorgebracht durch das Hochwerfen eines einzelnen  Konfetti-Schnipsels.

Allgemein

Frauen an die Waffe

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Jetzt, da die Empörungswelle ‚Gewalt gegen Frauen‘, hervorgerufen durch die Causa Fernandes vs Ulmen, so langsam wieder abebbt, setzt der DLF entschlossen nach. Das Thema, das uns der Sender nunmehr nahebringen möchte, widmet sich einmal mehr dem Thema Gewalt, diesmal allerdings gegen ältere Frauen, ein Sachverhalt, dem derzeit mit einem Kurs in Köln entschlossen begegnet werde. Der Beitrag war – anders als das über 10 Minuten lange Interview mit dem dem CDU Mann Marc Henrichmann über die Sicherheitslücken bei SIGNAL – trotz längerer Recherche in der DLF Mediathek nicht mehr aufzufinden.

Der Beitrag selbst aber war, soweit mir erinnerlich, von einer Mitarbeiterin namens Milena Feldmann verfasst. Das Thema lautete denn auch: „Gewalt gegen ältere Frauen“ und gipfelte, neben der Darstellung des Sachverhaltes, in der Empfehlung, bisweilen helfe es dem weiblichen Opfer, wenn es dem zudringlichen Täter vom Rollator aus auf den Fuß trete.

Allgemein Institutionen Kultur Menschen

„…ein größerer Bescheißer“

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Als Paracelsus einmal unseren Markgrafen beschimpfte

Der Frühling kommt. Der Maler geht. Ein rundum gelungener Abschluss? Als der kleine weißlackierte Transporter der Firma Dieterle aus Forbach vom Parkplatz vor der Kirche rollte, hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass die Renovierung der Stiftskirche in Baden-Baden nunmehr beendet ist. In naher Zukunft müsste also auch niemand mehr den Handwerker an seinen auf dem Transporter prangenden Werbespruch erinnern „Über hundert Jahre: Farbe im Blut“.

Lange genug hatte es ja gedauert, bis zum Frühling dieses Jahres nach dreijähriger Renovierungszeit eine der bedeutendsten Kirchen des Landes wieder geöffnet hat. Im Inneren ruhen vierzehn Markgrafen von Baden und ihre Angehörigen. Einer der Bedeutendsten war der Markgraf Philipp von Baden. Er war der fünfte Sohn des Markgrafen Christoph I und seiner Gattin Ottilie von Katzelnbogen, die insgesamt fünfzehn Kinder zur Welt brachte. Sie muss von zäher Konstitution gewesen sein, denn von den fünfzehn Kinder überlebten deren dreizehn.

Ihr Sohn Philipp scheint von eher schwächerer Natur gewesen zu sein, denn er litt an einer fortwährenden Darmstörung, die die Ärzte am Hofe nicht zu heilen vermochten. 1526 z.B., lag er wieder einmal siech darnieder. Ein Fachmann musste her, einer, von dem man sich Wunderdinge versprach. So einer wie Theophrastus Bombast von Hohenheim, besser bekannt unter dem Namen Paracelsus, der, von unbestrittener Kompetenz, sich zu der Zeit in Süddeutschland aufhielt und der es richten sollte. So habe er z.B. in Ingolstadt ein Mädchen geheilt, das gelähmt war. Nicht so viel Glück hatte hingegen Petrus von Burckhardis. Der war an seinem Asthma erstickt. In dem Fall war offensichtlich nichts mehr zu machen gewesen. Anders in Rottweil – da heilte er eine Äbtissin, die an Gürtelrose litt (derzeit kursierender Werbespruch: „Kann sehr belastend sein“).

Genug Empfehlungen also, nach dem Doktor zu schicken, der bald darauf wohl auch eintraf, um dem Markgrafen seine weithin gerühmte ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Und in der Tat war zu seiner Zeit Paracelsus das, was man eine Koryphäe nennt, ein Promidoktor, zu dem ‚man‘ ging.


Als einer der Ersten hatte er die Medizin auf eine neue Basis gestellt. Er studierte die Natur. „Umfasste sie nicht ein viel größeres Gebiet, als die Schulmedizin zuzugeben wagte?“ (H. Pächter „Paracelsus“) Der Mediziner schlug neue Behandlungswege ein, immer ausgehend von der zentralen Frage: was Krankheit eigentlich ist.

Wohl dem, der ihn in Zeiten der Not an seinem Krankenbett wusste. Wohl aber auch dem, der ihn nicht brauchte. Denn der Herr Doktor war ein rechter Zausel, der keiner Auseinandersetzung aus dem Weg ging, mit allen Streit anfing, dabei die Kollegen vor den Kopf stieß und allerlei mehr. Später, da war er schon weitergezogen nach Basel, berichtete sein Freund Oporinus in einem Brief, dass sich Paracelsus „dem Trunk und der Prasserei ergeben“ habe. „Die ganze Nacht…hat er sich nie ausgezogen, was ich seiner Trunkheit zuschrieb“.

„Dessen ungeachtet“ sei er, „wenn er am betrunkensten war“, zu seinem Schüler nach hause gekommen, um „mir etwas von seiner Philosophie zu diktieren“. In diesem Zusammenhang rühmte sein Schüler auch die Klarheit seiner Gedanken, „dass sie von einem nüchternen Menschen nicht hätten verbessert werden können“. Zudem hatte der Herr Doktor ein Schwert, das er bisweilen um Mitternacht wie ein Rasender aus der Scheide zog, es zu Boden schmiss, „so dass ich manchmal glaubte, er würde mir den Kopf abhauen“. So weit die Ausführungen des ‚Assistenten‘, das Verhalten seines Lehrmeisters betreffend, und man fragt sich unwillkürlich, warum heutzutage Assistenzärzte meine, sich über das Auftreten einzelner Chefärzte beklagen zu müssen.

Noch aber war es hier in Baden-Baden nicht so weit. Das war später, in Basel. Doch nun lag ein Fall vor, der die Behandlung des Besten bedurfte. Der Markgraf war krank, und zwar ernstlich. Und so schickte man nach dem Besten seiner Zunft, nach Parcelsus, der alsbald auch eintraf und mit der Fülle seiner Erfahrung konstatierte: dem Fürsten, der siech darniederlag, mache der Darm Probleme. Der Darm in seiner gereizten Form. Eine Darmreizung. So etwas würde zur Heilung Zeit brauchen. So verordnete er zunächst dem Markgrafen Ruhe und vor allem Geduld, beides solle die verabreichten Mittel ergänzen. Das allerdings würde sich hinziehen.

Ob der Markgraf jetzt auf einem guten Weg war? Möglich. Doch da hatte man nicht gerechnet mit den Medizinern vor Ort, die auf so einen wie diesen hergelaufenen Medicus gerade noch gewartet hatten, so einer, der sozusagen an ihnen vorbei den hohen Herren behandeln durfte. Die üblichen Eifersüchteleien also. Hinzu aber kam, dass sich der Hochgelahrte alsbald als das entpuppte, was er immer war: ein arroganter Rüpel, der sich der ortsansässigen Kollegen gegenüber so benahm, wie man es niedergelassenen Ärzten gegenüber besser nicht tut. Er wusste alles besser.

Die Schwachstelle der Behandlung war die Zeit, die sich Paracelsus ausbedungen hatte. Es solle gewartet werden, bis seine Mittel wirkten. Wunder dauern bisweilen etwas länger. Die Heilung brauche Zeit. Aber wie das bei Ärzten manchmal halt so ist: sie nehmen sich keine.

Offensichtlich hatte er aber nicht mit der Kamarilla gerechnet, die eifersüchtig geifernd um ihren Einfluss fürchtete und auch schon mal den avisierten Heilungsprozess hintertrieb. Er würde ihre Mittel als die seinen ausgeben, u.s.w. Sie geiferten weiter, intrigierten noch mehr.

Irgendwann wurde es wohl dem Markgrafen zu bunt, und so sah sich der Herbeigerufene ohne Entschädigung und Lohn entlassen, worauf der Herr Paracelsus verärgert das Weite suchte noch bevor die Krankheit den Patienten floh. Er verließ die Stadt, verbittert und sauer. Weiter zog es ihn nach Straßburg und von dort aus noch rief er unserem Fürsten hinterher: „Der Markgraf ist ein größerer Bescheißer als der Jud Messe von Thales“.


 










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