Der Badenblogger » Juni 2026

Monthly Archives: Juni 2026

Allgemein Kultur Menschen

Wirklich wichtig?

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Unruhe in Thüringen. Die KI ist da.

Die Empörungswelle droht überzuschwappen. Nachdem schon vor längerer Zeit der Ministerpräsident des Freistaates Thüringen, Mario Voigt, eine Dissertation vorgelegt hatte, deren Inhalte man derzeit des Plagiats bezichtigt, kam jetzt heraus, dass es sich auch sein Mitarbeiterstab wohl etwas zu leicht gemacht hat. Offensichtlich auf Effizienz getrimmt, hatte der zuständige Referent (oder Referentin?) eine ganzen Rede für seinen Chef mit Hilfe der KI verfasst.

Zuvor hatte man wohl noch einen Gastbeitrag aus dem ministerialen Hause an die FAZ gegeben.  Den hatte man dort voller Stolz auch gleich ins Blatt gehievte. Plötzlich aber musst man feststellen, dass auch dieser Beitrag KI generiert war. Ordentlich beschämt, war man in der FAZ darauf hin ziemlich sauer. Nie mehr, so hieß es beleidigt, würde man in diesem Blatt noch irgendetwas von Herrn Voigt veröffentlichen.

Jetzt begann ein noch tieferes Schürfen. Und siehe: auch die Rede anlässlich der Befreiung von Auschwitz und Buchenwald war nicht handgemacht. Auch dieser Vorlage war KI zur Hand gegangen. Noch hat sich Michael Friedmann nicht zu Wort gemeldet. So zeichnet sich das volle Ausschöpfen des Erregungspotentials bislang noch nicht ganz ab.

Spätestens jetzt aber gilt es hier innezuhalten, und man muss fragen: Was ist denn eigentlich passiert? Es müsste doch weidlich bekannt sein, dass die Reden der Politiker  voller Plattitüden sind. Welcher der heutigen Politiker hätte sich einen Redeschreiber vom Schlage eines Klaus Harpprecht geleistet? Von dem stammte der prägnante Rede-Satz von Willy Brand: „Wir sind keine Erwählten; wir sind Gewählte. “ Und vielleicht fällt einem auch noch der J. F. Kennedy Satz ein: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du  für dein Land tun kannst“.

Mit derlei Griffigem wäre nach Lage der Dinge von Herrn Voigt  nicht zu rechnen gewesen. Nicht mit KI und schon gar nicht ohne. Und auch nicht von unserem Bundespräsidenten, dessen Feiertagsreden von ermüdender Banalität sind. Da sollte man den ReferentInnen  nicht vorwerfen, dass sie sich im Bewusstsein allseits erwünschter Effizienz der KI bedienen, anschließend in der Kantine noch einen Kaffee trinken und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Und wir alle fragen uns: was ist denn eigentlich passiert?

Allgemein Auswärts Essen & Trinken

SKANDAL!

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In der Pfalz wird Männern die Nahrung verweigert

           Der „Fleeschknepp“

Literarisch Bewanderte werden die Geschichte vielleicht kennen. Sie stammt von Franz Kafka und trägt den Titel: ‚Der Hungerkünstler‘. Darin wird das Schicksal eines Mannes beschrieben, der, in einem Käfig sitzend, sich in aller Öffentlichkeit langsam zu Tode hungert. Kurz vor seinem Tod äußert er sich schließlich zum Grund seines Hungerns: nichts habe ihm geschmeckt.

Das ist jetzt vielleicht das Stichwort, um auf einen ganz anders gearteten Fall sprechen zu kommen, auf einen Mann, der in einer Weinstube ganz in der Nähe des Wurstmarktes von Bad Dürkheim, ebenfalls hungerte. Und dies, obwohl dort in überreichem Maß das ortsansässig Übliche gereicht wurde. Saumagen, Fleeschknepp, Leberknödel. Die Pfälzer hl. Dreifaltigkeit.  

Sein Hungern hatte freilich, ganz anders als bei Kafka, nichts damit zu tun, dass es ihm nicht geschmeckt hätte. Ganz im Gegenteil. Sein Hunger schien eher begründet in partnerschaftlichen Vorgaben.

Wie sich herausstellen sollte, hungert er nicht freiwillig.

Zunächst also er saß er mit seiner Frau an einem großen Tisch in besagter Weinstube. Beide waren sie von deutlich unterschiedlicher Statur. Er, klein und mager, schien von ihrer verschlingenden Dominanz gezeichnet. Daneben sie, ein Buddha in Weibsgestalt. Beim Herein-kommen schon war einem der fast quadratisch, dunkle Rock aufgefallen, der ihren Unterleib fasste, bereits in Kniehöhe aber abschloss. Weiter trug sie einen Pullover, dessen türkisfarbene Kunstfasern von Silberfäden durchwirkt, eine enorme Brust fassten, die sie vor sich auf dem Tisch platziert hatte und wo jetzt, platzbedingt, die gebrachte Speisekarte erst ab Tischmitte einsehbar war.

Die Bedienung kam, um die Bestellung aufzunehmen. Ein großes Wasser, „Classic“, ein Viertel Riesling mit zwei Gläsern und ein Pfälzer Teller. Grumbeere gehen extra. Der Notizblock raschelt. Soweit erst mal notiert. Jetzt wandte sich die Bedienung an ihn. Ein unmerklich fragendes Kopfheben in seine Richtung. Und, so die fragende Geste, was darf es für ihn sein? Möchte er auch etwas?

Was in einem genussvollen Auswahlprozess nahe des Bad Dürkheimer Wurstmarktes hätte enden können, erlebte doch recht plötzlich einen finalen Schlussstrich. Bevor der offensichtlich ausgehungerte Gatte auch nur einen Mucks hatte von sich geben konnte, hatte sie das Ganze schon geklärt: „D’Babba isst heut‘ nix. Er muss Gebiss schone“.


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