Der Badenblogger » Oktober 2026

Monthly Archives: Oktober 2026

Allgemein Kultur Malen & Schnitzen

Baden-Baden – Ihr Niveau!

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„Was ist eigentlich Luxus?“

Diese Frage stellen sich Dr. Sabine Becker und Tabea Mannßhardt seit über einem Jahr immer wieder. Genüssliches Schwelgen im Überfluss – auch oder nur dank der Arbeit anderer – oder der Verzicht auf alles Überflüssige zugunsten scheinbar kleiner Dinge? Viele Antworten auf die seit der Antike diskutierte Frage haben die Kuratorin der aktuellen Ausstellung im Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhundert, LA8 in Baden-Baden, und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin in die Gestaltung der „Luxus“-Schau mit dem Untertitel „Die Lust am Überfluss“ einfließen lassen. Dass ausgerechnet in Baden-Baden, einst das deutsche Luxus-Städtchen schlechthin, diese Ausstellung gezeigt wird, ist natürlich kein Zufall – ebenso wenig wie die Nachfolge auf die erfolgreiche Auseinandersetzung mit der „Vanitas“ an gleicher Stelle. Und schließlich reicht schon ein Bummel durch die einstige Kurstadt, um immer wieder auf luxuriöse Architektur der Vergangenheit zu stoßen, die teilweise noch heute ihren Zweck als Hotel, Restaurant oder Privatwohnung für sehr hohe Ansprüche erfüllt. Ein extravagantes Beispiel ist neben noch existierenden Grand Hotels die Baden-Badener Villa Sirius, in Architekturkreisen bekannt als „mehrgeschossiger Palast des Großbürgertums“. Architekt Fritz Klingholz setzte mit diesem Bau in der Ludwig-Wilhelm-Straße um 1910 das Thema Jugendstil bis ins kleinste Details der Innenausstattung um.

Die zeitliche Begrenzung auf das 19. / 20. Jahrhundert erweist sich eigentlich als Glücksfall: Der aktuelle „Luxus“ eines Kardashian-Clans, auf den Yachten von Oligarchen, bei Hochzeiten von Superstars und Zeitvertreiben von Unternehmern wie Elon Musk hätte wohl den Rahmen des interessanten kleinen Museums mit ungewisser Zukunft (Welterbe!) gesprengt. So bleibt genügend Raum für Glanz und Glamour , aber auch für die düsteren Seiten des schönen Lebens im Überfluss.

Diesen Überfluss haben Becker und Mannßhardt in zentrale Themenfelder gegliedert: Kulinarik, Kolonialwaren, Mobilität, Mode und Design bis zu Freizeit und Muße. Genussmittel wie Kaffee, Tee, Zucker und Schokolade kamen als kostbare Kolonialwaren an Bord holländischer oder britischer Schiffe aus den Kolonien auf die Tafeln des Adels und Großbürgertums, bevor sich im Zuge der Frühindustriealisierung schließlich auch der „kleine Mann“ diese Leckereien zumindest gelegentlich gönnen konnte. Ein außergewöhnliches Exponat im Eingangsbereich steht für die bittere Wahrheit hinter der Süßigkeit: Unter Glas zieht ein zauberhafter Blumenstrauß die Blicke auf sich. Seide? Papier? Kunststoff? Völlig falsch – Zucker! Die aus Surinam stammende Künstlerin Natasja Sadi erinnert mit ihren Arbeiten an ihre indonesischen und afrikanischen Vorfahren, die auf Zuckerplantagen schuften mussten. Nicht von ungefähr steht der Strauß in einer kostbaren Delfter Porzellanvase ..

Ähnliches galt für die Mobilität: Vom Pferdewagen über Züge mit Dampflokomotiven bis zu den fast unbeschreiblich luxuriös ausgestatteten königlichen Privatwaggons oder Zügen wie dem „Orientexperess“, die von berühmten Künstlern ihrer Zeit ausgestattet wurden. Apropos Reisen: Die Menükarte der „Titanic“ in der Ausstellung weckt noch heute Gelüste, wenn nicht ihr tragisches Schicksal mit den vielen Todesopfern (vor allem aus den Unterdecks) den Appetit dämpfen würde.

„Wir konnten nicht alle Themenbereiche abdecken“, räumt Dr. Sabina Becker ein. „Wir haben beispielsweise die Entwicklung der Herrenmode nicht berücksichtigt, vielleicht auch, weil wir Frauen sind“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Dafür sind die großen Modedesigner der Vergangenheit wie Paul Poiret, Coco Chanel oder Jeanne Paquin im ersten Stock des Museums umso üppiger vertreten. Die Originalgewänder mit ihren Stickereien und raffinierten Schnitten können so manches Fashionista-Herz höher schlagen lassen. Mit Geschick und Fantasie konnte auch in Zeiten des Mangels außergewöhnliche Kleidung gefertigt werden – beispielsweise ein Brautkleid aus Fallschirmseide …

Geht es um Luxus, ist natürlich Schmuck nicht weit – unter anderem aus dem Schmuckmuseum Pforzheim stammen edle Leihgaben, die einst Frisur, Ohren, Hals, Arme, Hände und Dekolleté der Damen von Welt schmückten. Heute ein Reizthema, einst „must have“ der Eleganz: Pelze, deren natürliche Träger nicht nur seit alter Zeit gejagt, sondern im Zuge wachsenden Bedarfs auch in den oft verrufenen Pelzfarmen gezüchtet wurden.

Luxus bleibt aber nicht auf das rein Materielle beschränkt: Die Freizeit, die durch die Industrialisierung gewonnen wurde, bedeutete für die Arbeitnehmerschaft die Möglichkeit, Natur, Sport und Kultur zu genießen – bisher ein Privileg der oberen Klassen. Bildung, vor allem Lesen, eröffnete neue Horizonte.

Apropos Lesen: Der Katalog im praktischen Handtaschenformat ist unbedingt lesens- und anschauenswert und macht Lust, über den eigenen Begriff von Luxus nachzudenken und in Bezug zu den über 200 Objekten der Ausstellung zu setzen. Irene Schröder

Infos: „Luxus. Die Lust am Überfluss“, Museum LA8, Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts, Lichtentaler Allee 8, 76530 Baden-Baden (Bis 6. Juni 2027)

www.museum.la8.de

Irene Schröder

Allgemein Essen & Trinken

Betreutes Trinken

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Als ich einmal versuchte, dem Personal zu entkommen

Unter all den zahlreichen Berufen, deren Verschwinden ich nicht einmal bemerken würde, ist auch der des Sommeliers, also eines Weinfachmannes oder seiner Kollegin, die Sommeliere. Nicht, dass ich es nicht zu schätzen wüsste, würde mir jemand, der etwas von Wein versteht, einen Wein empfehlen. Da gälte es durchaus, das Eine oder Andere zu beachten. Z.B., dass weißer Wein eher zu Fisch passt, auch, dass sich ein Wildschweinbraten in der Gesellschaft eines schweren Roten besonders wohl fühlt. Weiter wäre mir angenehm, würde das Personal von meinem betont schlichten Äußeren Rückschlüsse auf einen möglichen Flaschenpreis schließen. Vollstes Verständnis habe ich auch, gerät der Vorgang des Entkorkens zu einer Art Schauspiel, dessen Eleganz die Klasse des Tropfens unterstreicht. Nein, das alles ist es nicht. All dies lässt mich den Beruf des Fachpersonals noch keineswegs in Frage stellen.

Schlimm wird es erst, verselbstständigt sich der Service, und auf das Entkorken folgt das, was mit Gastrotyrannei nur unzureichend beschrieben ist. Denn kaum ist die Flasche geöffnet und der Wein eingeschenkt, kommt es vor, dass das Servicepersonal danach anschließend erst richtig zu hoher Form aufläuft. So wird bereits nach zwei verhaltenen Schlückchen nachgeschenkt. Die Bitte, den Wein bei mir am Tisch stehen zu lassen war da bereits deutlich überhört worden, und so winkt mir ab jetzt einen Abend lang meine Flasche aus weiter Entfernung zu. Sollte mein Glas jetzt tatsächlich leer sein, wäre es nur angebracht, nachzuschenken. Der Sommelier hatte sich zu dem Zeitpunkt des Abends schon zurückgezogen und mich dem Ober überlassen. Der aber war weit weg. War anfänglich zu viel der Betreuung, ist jetzt zu wenig.

Jetzt steht meine Flasche dort drüben. Blinkt sie mir zu? Weiß sie, dass sie mir gehört? Durst sei schlimmer als Heimweh, so heißt es. Also entschließe ich mich zur Selbsthilfe. Doch Obacht! Man sollte die zurückzulegende Distanz zu seiner Flasche nicht unterschätzen. Der Versuch, sich selbst nachzuschenken, entpuppte sich als kühnes Unternehmen. Kaum war man aufgestanden und hatte seine Flasche aus dem Kühler genommen, kommt der Servierer um die Ecke geschossen und weisst einen darauf hin, dass das schließlich seine Sache sei. Verständlich, aber….

Fortan wird man den Herrn nicht mehr los. Ab da wird man überversorgt. Es droht begleitetes Trinken, eine Art Druckbetankung. Man trinkt fortan unter Beobachtung. Kaum eine Unterhaltung, die nicht unterbrochen wird durch die Frage, ob man nachschenken dürfe, ob alles recht sei? Ob es noch etwas sein darf? Ob der Wein unseren Vorstellungen entspricht?

Unter dem servicemäßigen Dauerfeuer hatte man schließlich nachgegeben und – eigentlich nicht gewollt – eine zweite Flasche bestellt. The Show must go on.

Nächstes mal also besser Bier.

Allgemein

Kaum zu glauben!

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Gestern beim Bier wurde mal wieder diskutiert. In der Regel kommt ja nichts dabei raus. Aber dieses mal ging’s um was Wichtiges, nämlich um den Unterschied zwischen dasselbe und das gleiche. Ziemlich knifflig so ein Thema, gerade beim Bier. Das wurde denn auch lange besprochen, bis man schließlich dahinterkam: der Unterschied zwischen das gleiche und das dasselbe sei eigentlich egal.

Es sei ja schließlich das gleiche. Oder halt dasselbe.

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