Der Badenblogger » 17. Februar 2026

Daily Archives: 17. Februar 2026

Allgemein Auswärts

Springende Pferde im Baselbiet Teil 1

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Gross. Schön. Stark. Ferrari Garage in Basel neu eröffnet.

 

Der Herr im Trachtenjanker ist ziemlich ungeduldig. Wann denn jetzt endlich sein Espresso käme? Im Übrigen könne er keine vier Jahre auf einen Ferrari warten. Nachdem er dies hat verlauten lassen, steigt er mit beachtlichem Altherrenfuror in seinen vor dem Showroom abgestellten älteren Aston Martin, klappt das Verdeck nach hinten und braust davon. Von Basel Stadt nach Basel Land.
Angesichts seines fortgeschrittenen Alters mag das zwar verständlich sein, andererseits ist es aber auch schade, denn durch diesen Schnellstart entgeht dem Rastlosen der Genuss einer einzigartigen Ferrari-Präsentation, die am letzten Aprilwochenende im neuerrichteten Ferrarizentrum Niki Hasler geboten wurde.
5000qm sind es nach den Plänen des Architektenduos Diener & Diener geworden. Sie verteilen sich auf 6 Ebenen. Damit will man den je verschiedensten Bedürfnissen der Kundschaft Rechnung tragen. Betritt man den Eingangsbereich des Gebäudes erwartet einen zunächst die gesamte breite Palette der aktuellen Modelle, die Wagen der Baureihe 488, Superfast und GTC Lusso.
An historischen Fahrzeugen herauszuheben wären da z.B. der bildschöne Ferrari 250 GTO, dessen ‚Bruder‘ jüngst in einer Versteigerung umgerechnet 28 Millionen Euro erzielte. Dann der Ferrari LUSSO, hier noch aufgebockt, was einen für den Technikinteressierten seltene Einblicke in die Mechanik ermöglicht. Dann auch einen reinen historischen Rennwagen – den Ferrari 512, eine Baureihe, die seinerzeit von Jackie Ickx mit großem Erfolg bewegt wurde.
Von so viel Schönheit geblendet, begibt man sich zunächst einmal in Richtung der beiden Werkstätten, wo fein unterschieden wird zwischen Restaurierung der älteren und Pflege der neuen Modelle.
Niki Hasler, der Eigner der Niederlassung, hatte zunächst  seine Gäste am Empfang begrüßt. Sein zurückhaltend freundliches Auftreten findet seine Entsprechung im Benimm seiner möglichen Kundschaft, die, da wird man nicht falsch liegen, in den besseren Kreisen der deutschsprachigen Schweizer Bürger zu finden ist. Wie vielerorts, so spricht man auch in Basel ungern übers Geld, und schon gar nicht wenn man es hat. Man kennt sich. So kann man tatsächlich Zeuge werden, wie alteingesessene Ferrari Fans erfreut Erfreuliches zu berichten wissen, wie man z.B. vor vielen Jahren, also noch lange vor dem Boom, doch erstaunlich günstig einen seltenen alten Ferrari erstanden hatte.

Jetzt ist es erst mal an der Zeit, sich über die ganze Breite des Angebots zu informieren. Da wäre z.B. der Service, seinen Ferrari dauerhaft in der hauseigenen Garage unterzustellen. Der Besitzer erhält per Chip jederzeit Zugang zu seinem Wagen. Mit dem Aufzug nach unten bewegt, kann er nun seine Fahrten ins Basler Umland starten. Anschließend stellt er seinen Ferrari wieder in der Niederlassung ab, wo er dann für weitere Ausfahrten betankt, gereinigt usw. wird. Woraus man auch schließen könnte: der Basler hat es gern ebenso komplett wie diskret.

Da wird es nicht verwundern, dass beim Betrachten des festlich gestimmten Premierenpublikums weder die nachtaffinen Beschützer auffallend schöner Frauen zu entdecken sind, noch fallen einem fussballspielende Persönlichkeiten mit Goldkettchen und Bleibeperspektive ins Auge. Beide an sich solvente Gruppen tendieren bei der Wahl ihres Fahrzeugs ohnehin eher zu den Marken Lamborghini oder AMG Mercedes, was den Herren dieses Hauses nicht verdrießen muss, zumal mit Promi- Rabatten ohnehin nicht zu rechnen ist.

Im Keller hingegen befinden sich die Katakomben des Luxus – hier warten die historischen Modelle auf ihre neuen Besitzer. Und dann wäre da noch die Abteilung ‚Individualisierung‘, die mit den angebotenen 30 verschiedenen Lackierungen farbenfroh belegt, dass die Farbe Rot mitnichten das Ende aller Wünsche bedeuten muss.

 

Allgemein Auswärts

Springende Pferde im Baselbiet Teil 2

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Gross. Schön. Stark. Ferrari Garage in Basel neu eröffnet.

Doch sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Selbst wenn der Mythos, wie bei dieser Eröffnung zu sehen, augenfällig gepflegt wird, so lässt sich doch nicht leugnen, dass auch Ferrari, 30 Jahre nach dem Tod des Commendatore, dabei ist, sich zu einem ganz normalen, aktienbasierten Autohersteller zu wandeln.

Und vielleicht sind zwei Punkte die signifikantesten Zeichen. Zum einen das Ausscheiden der jahrzehntelang prägenden Designfirma Pinifarina, von der man sich erst in den letzten Jahren verabschiedet hatte und deren atemberaubende Karosserien noch bis heute das Image prägen: Ihre Formen haben sich tief ins Bewusstsein und ins Auge der Ferraristi eingeprägt.

Und dann – fast noch gravierender – die für die traditionsbewussten Freunde des Hauses überaus schroffe Trennung vom langjährigen Ferrari-Lenker Luca di Montezemolo. Er war noch von Enzo Ferrari eingestellt und hatte als Rennleiter den Rennstall Ferrari zu unzähligen Weltmeisterschaften geführt. Zudem hatte er über einen langen Zeitraum die Weichen für das finanzielle Wohlergehen der Firma gestellt.

Er war es, der  den Mythos ‚Ferrari‘ maßgeblich geprägt hatte, bis er dann schleßlich vom stets pullovertragenden obersten Fiat/Ferrari – Lenker Sergio Marcionne entlassen wurde. Dem war offensichtlich ein galoppierender Aktienkurs wichtiger war als das springende Pferd.

So ist es vielleicht gerade der in einer sogenannten ‚Roadshow‘ präsentierte Ferrari ‚Portofino‘, der mit seinem aktuellen, von Pininfarina nicht mehr verantworteten Design, für die neue Zeit steht. Ein Supersportwagen, dessen Verdeck auf Knopfdruck verschwindet und ausgestattet mit Automatikgetriebe, keineswegs mehr nach strammen Männerwaden verlangt.

Schöne neue Welt. Jetzt wohl in der Planung sogar ein Ferrari SUV. Den hatte Luca de Montezemolo („Ich bin der Ansicht, Ferrari sollte keine SUV bauen“) noch strikt abgelehnt. Mächtig, groß und stark soll er werden. Fürs Mutti-Rennen in der Basler Innenstadt genau so geeignet wie fürs Flanieren auf der Züricher Bahnhofstrasse.

Niki Hasler wird’s freuen.

 

 

PHOTOGALERIE – weil’s so schön war, hier noch ein paar Fotos

 

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