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Vater Rheins Goldschatz

Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe glänzt mit einer feinen Studioausstellung

Johann Michael Voltz „Das Goldwaschen bei Carlsruhe“

Aus rund einer Tonne Flusssand können mit etwas Glück, Können und Beharrlichkeit 0,01 bis0,05 Gramm Rheingold gewonnen werden. Richard Wagners sagenhaftes „Rheingold“ samt Nibelungenring hätte schon reichlich göttlichen Beistands bedurft, um Operngeschichte zu schreiben. Geschichte und Gold scheinen ohnehin seit Menschengedenken unmittelbar miteinander verbunden – Habgier, Neid und Machtstreben,  aber auch künstlerische oder sportliche Höchstleistungen zieht das glänzende Edelmetall magisch an.

Letzte offizielle Prägung einer Münze aus Rheingold in Baden: Rheingold-Dukat, Großherzogtum Baden, Münzstätte Karlsruhe, 1854,

Für eine kleine, aber wirklich feine Ausstellung hat das Badische Landesmuseum seine Schatzkammer geöffnet. Kurator Oliver Sänger präsentiert voller Stolz schön geprägte Münzen und Medaillen in einer mit Lupe ausgerüsteten Vitrine. Die älteste Münze, die eindeutig aus purem Rheingold geprägt wurde, stammt aus dem Jahr 1674, anderen Goldmünzen wurde wahrscheinlich Gold unterschiedlicher Herkunft beigemischt. Münzen und Medaillen aus Rheingold wurden vor allem in Baden, in der Kurpfalz und Bayern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Goldwäscherei am Rhein ihren Höchststand erreichte – dank der Begradigung des Flussbetts wurden alte und neue Vorkommen zugänglich.

Die letzte offizielle Rheingold-Münze, ein Dukat, wurde übrigens 1854 in der Münzstätte Karlsruhe geprägt, aber noch heute werden immer wieder kleine Serien von privaten Sammlern in Auftrag gegeben. Rheingold erfreut sich auch bei den Kunden und Kundinnen darauf spezialisierter Goldschmiede große Beliebtheit – in Trauringen oder modernen Schmuckstücken mit Holz oder Horn kombiniert. Wie mühsam das Geschäft der Goldwäscherei, das auch im besten Fall nie zum alleinigen Broterwerb reichte, war, ist dank eines rührigen badischen Historikers in Fotos aus dem Jahr 1911 dokumentiert. Wichtigstes Hilfsmittel war die so genannte hölzerne Goldwaschbank,
als komplettes Ensemble aus dem Historischen Museum der Pfalz ausgeliehen. Von den Gold-Nuggets konnten die Wäscher allerdings nur träumen – der immer wieder gereinigte Sand gab nur Goldflitter frei. Noch pompöser als sonst im üblichen Museumskontext wirken die als „Kontrastprogramm“ ausgestellten Teile des goldenen Toilettenservices der Großherzogin

Stéphanie von Baden. Zur Hochzeit erhielt die Stieftochter Kaiser Napoleons das in Paris gefertigte Prachtstück mit Anteilen von badischem Rheingold – auch eine politische Allianz im Schlafgemach.

Die kleine Karlsruher Ausstellung ist übrigens Bestandteil eines grenzüberschreitenden Gesamtkunstwerks: Über 30 Museen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz befassen sich mit dem faszinierenden Fluss und seiner Bedeutung für Geschichte, Kultur, Wirtschaft und Tourismus. Das „Rheingold“ glänzt noch bis zum September 2023 im Karlsruher Schloss – und Oliver Sänger freut sich besonders auf interessierte Gruppen, die mehr über Medaillen, Münzen und die Geheimnisse des Goldwaschens erfahren möchten.

Irene Schröder


Tipp: service@landesmuseum.de


Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung ARTIS-Uli Deck

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