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Die Bücherpflegerin

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IMG_0620Daniela Lipps rettet, was zu retten ist: Bücher

Es sind vor allem die Farben. Zunächst das gedeckte, schon leicht ausgewaschene Grün der Fassade. Dann eine französische Fahne, die müde und verblichen vor dem schönen, alten Haus an der Luisenstraße, steht. Gegenüber der Trinkhalle. Die Fahne erinnert daran, dass Baden-Baden früher einmal, in den Zeiten des Herrn Benazet, eine sehr französische Stadt war. Die Hausnummer 30 hatte vormals ein Blumengeschäft beherbergt, das aber seit langem geschlossen ist, und rückblickend selten farbenfrohe Rosen, Nelken oder Tulpen im Verkauf hatte, dafür aber Vergissmeinnicht, Calla und auch Lilien, alles, was man für Beerdigungen halt so braucht.

Das hat sich seitdem geändert. Jetzt, da dort seit mehreren Jahren eine Buchbinderei eingezogen ist, schmücken ein Gummibaum und die Grünlilie das Schaufenster, deren weiß-grüne Blätter farblich ja auch nicht so der Knaller sind. Was ja vielleicht auch nicht unbedingt zu dem kontemplativen Gewerbe passen würde, dem Daniela Lipps, achtunddreißig Jahre alt, dort nachgeht. Ihre Welt sind die Bücher, meist der älteren Art. Antiquariatsbücher. Manche verstaubt oder vergilbt. Soweit ihr möglich restauriert sie diese, bindet sie neu oder ordnet sie, wie z.B. die Monatsschriften der hier ansässigen Rechtsanwaltskanzleien.

Das ist jetzt ihre Welt. Sie ist Baden-Badenerin. Nach einer dreijährigen Ausbildung in der Unibibliothek in Kaiserslautern geht sie nach Freiburg, um dort Mathematik zu studieren. Von dort kehrt sie diplomiert zurück und übernimmt ein Buchbindergeschäft in Lichtental, bevor sie in der Innenstadt ihr jetziges Geschäft findet. Richtet sie ihren Blick nach draußen, durch das weißgestrichene Gitter ihrer Eingangstür, blendet sie das Grün der Lichtentaler Allee.IMG_0616

Das passt ihr so. So wie es ist. Das stille Werken am Vergangenen. Sie ist eher zurückgenommen und sieht sich ungefragt als Einzelgängerin. Das Innere des Werkraums ist zwangsläufig – buchdeckelgemäß – ebenfalls in gedeckten Farben gehalten. Braun. Grau. Beige. Viel Papier dort, gestapelt, wartet darauf verarbeitet zu werden. Dazwischen alte Buchbindemaschinen, Pressen, Papierschneider. Von außen betrachtet wirkt das Innere wie eine Höhle, und erstaunt registriert man, von draußen ins Innere blickend, einen weißen Arm, der im Licht einer Schreibtischlampe seinem konzentrierten Tagwerk nachgeht.

Dabei kann sie nach eigener Aussage gut mit Leuten. Wenn sie muss. Und hat nichts dagegen, wenn sie nicht muss. Sie ist das Gegenteil von exaltiert. Im heutigen Zeitalter der Selbstentblößung wirkt sie unzeitgemäß zurückgenommen.

Fernseher? Hat sie nicht. Viele Hörbücher, ja, das mag sie. Musik auch, aber nicht zu viel. Sie geht nach Hause und hat trotzdem Kontakt mit anderen. Sie chattet dann. Wenn es ihr zu viel wird, schaltet sie den Rechner ab. So einfach ist das. Alles unter Kontrolle.

Das mit dem Chatten werden vielleicht nicht alle ihrer Kunden so einfach verstehen. Vor allem nicht diese, die ein zu restaurierendes Buch gern zum Anlass eines längeren gepflegten Gesprächs nehmen.

IMG_0611Man wird dem Klientel nicht Unrecht tun, wenn man es als eher konservativ bezeichnet. Daniela Lipps vermutet angesichts dessen, was ihr so täglich zum Binden vorbeigebracht wird, wertvolle private Bibliotheken hinter gediegenen Mauern. Dass diese Kundschaft in ihr eine Verbündete im Bildungsbürgerlichen sieht ist ihr klar. Das nimmt sie, die Tochter eines linken Lehrerehepaares, in Kauf und versucht, soweit ihr möglich, sich etwaige Bildungsdefizite nicht anmerken zu lassen.

Die Kundschaft scheint sich an ihrem Äußeren jedenfalls nicht zu stören. Die Rastafari-Locken, die von ihrem Kopf wie teils geknickte Antennen abstehen, sind ja erscheinungsmäßig auch nicht mehr das Aktuellste. So weißt die Rastafari-Bewegung, in den dreißiger Jahren entstanden, durchaus alttestamentarische Züge auf. Vielleicht ist es das, weshalb die Frisur von Daniela Lipps ihren bildungsbürgerlichen Kunden so seltsam vertraut vorkommt? Und hätten sie den Blick gesenkt, wäre ihnen womöglich auch noch aufgefallen, dass sie ihre Zehennägel, die aus ihren Gesundheitsschuhen lugen, in je verschiedenen Farben lackiert hat. Aber auch diese Farben sind gedeckt.

Man wird das Bild des Diogenes in der Tonne nicht überstrapazieren, wenn man konstatiert, dass sich da eine junge Frau in der Jetztzeit so eingerichtet hat, dass sie von ihrem Geschäft “grad so lebt“. Sie hat keine großen Ansprüche, kommt „eben so rum“. Aber auch dabei ist sie auf unaufdringliche Art reduziert. Sie würde damit nie hausieren gehen. Dass sie ein Selbstvermarktungsproblem hat, weiß sie. Gern würde sie mehr aus sich rausgehen. Noch geht das nicht, aber sie arbeitet daran. Am liebsten wäre ihr, da wäre jemand, der ihr den Kontakt mit dem Publikum abnimmt. Glücklich sähe sich dann in einem kleinen Arbeitskäfig, davor ein Schild: „Buchbinder. Bitte nicht füttern“.

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Das Handwerk des Schaffens

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Christian Peltenburg-Brechneff stellt aus in der „Fine Art Gallery Daniel Blaise Thorens“ 

Auch wenn die ‚Dreyeckland-Debatte‘ schon lange vorbei ist,  liegt man nicht falsch, das Dreieck Südbaden, Sundgau und das Baselbiet als einheitlichen Kulturraum zu betrachten. Klar, dass auch wir auf dieses Gebiet einen wachen Blick werfen, vor allem, wenn sich in Basel, malerisch betrachtet, Großes tut, Schönes zeigt. So im Rahmen einer Ausstellung der renommierten Basler Galerie Daniel Blaise Thorens, die am 8. September einmal mehr das großbürgerliche Tor ihres Palais in der Aeschenvorstadt öffnet für einen ihrer etablierten Künstler, Christian Peltenburg-Brechneff.

Der Künstler, der 1950 im damaligen Belgisch Kongo geboren, als Schweizer zudem noch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, begann sein künstlerisches Schaffen zunächst mit der Ausbildung in heimischen Gefilden. Er setzte dann die Studien in den Vereinigten Staaten fort, auch in England, wo er 1975 den Master of Art Degree der Malschule des renommierten Royal College of Art in London erhielt. Spätere Umsiedlung folgten, nach Connecticut, New York und auf die Insel Sifnos in Griechenland.
Mehr, als verständlich, dass die verschiedenen ‚Lebenswelten‘ sich in seinem Schaffen abgebildet, sich künstlerisch manifestiert haben. So etwas die Weiten der dortigen Landschaft, die klare Luft der See, die lichte Höhe des Ostküstenhimmels. Zu bestaunen in den Bildern, die er, thematisch gebündelt, ‚Dune Painting‘ nennt, und die, obwohl in Öl, bisweilen das Leichtflächige von Aquarellgemälden haben und beim Betrachter einen starken Eindruck seiner dortigen Lebenswelt vermitteln. Es ist einfach das ‚Schöne‘, das den Betrachter umfängt, und dessen gemalte Schönheit nicht einfach im Sinne von platt, sondern einfach auf ein ‚Bei – sich – Sein vermittelt. Diese Arbeiten strahlen eine gewisse Ruhe aus, die der Name des Zyklus so benennt: Dune-Painting, also ‚Dünen-Malerei‘.
Ganz anders hingegen die Bilder, die auf der griechischen Insel Sifnos entstanden sind und die in ihrer fast flammenvollen Kraft die farbige Wirklichkeit der dortigen bisweilen kargen Landschaft widerspiegeln; oft aber haben sie auch die zerstörend schönen Eindrücke brennender Bäume zum Thema haben. Kein Wunder, scheinen die Bilder dieser Schaffensperiode Welten entfernt von den in USA entstandenen Arbeiten.
In jüngster Zeit aber wendet sich der Künstler wieder verstärkt den Landschaften der Schweiz zu. Man mag es nur auf den ersten Blick etwas erstaunlich finden, dass sich der Maler nach all den Jahren ‚draußen’ sich zunehmend wieder mehr ‚nach daheim’ orientiert. Nach Gründen zu suchen ist nicht einfach, aber vielleicht begibt er sich bei langen Spaziergängen in den schweizer Bergen auf das begibt, was Marcel Proust „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nennt? Und vielleicht ist es das, was man Heimat nennt? Dann wäre er angekommen.
So gesehen wäre die Vernisage in der ‚Fine Art Gallery“ in der Aeschenvorstadt 15 am 7. September im heimischen Basel (17 bis 20 Uhr) ein erstes, deutliches Zeichen seiner Rückkehr.

Ergänzend auch sollte man anfügen, dass ein all die Jahre dokumentierender wunderbarer, sechzigminütiger Film entstanden ist. Er trägt den Titel „Like Notes Of Music“ und wird am Samstag, den 8. September in einer deutschen Version im „kult.kino atelier, Saal 2, Theaterstrasse 7 in 4051 Basel“ Gezeigt. Anmelden am besten bei ‚studio@christianbrechneff.com’.

 

http://www.thorens-gallery.com/about-us.html

 

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