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Kunst auf Parkett. Reden übers Tanzen. Teil 2

Können wir über Gagen reden? Wie hoch sind die?

Copyrigt mir freundlicher Genehmigung durch „Valentin Behringer/BBE“

Unterschiedlich. Es ist natürlich gut, wenn man für einen Club tanzt, der einen Mäzen hat wie z.B. Daimler oder Toyota. Das sind die Gagen natürlich deutlich höher.  € 5000 sind dann ok, es können aber auch mal € 10 000 sein. In Asien wird aber deutlich mehr bezahlt. Da würde man über solche Summen eher lachen. So viel Gage gibt es hier in Baden-Baden natürlich nicht. Verglichen damit  treten die Tänzer hier für vergleichsweise  wenig Geld auf. Aber die Veranstaltung hat einen legendär guten Ruf in Tanzkreisen. Zudem empfinden die Tänzer das Parkett hier als einmalig. Jeder träumt davon, einmal hier auf diesem Parkett und in diesem Rahmen aufzutreten. Egal, ob das ein russisches Paar ist oder man aus Norwegen kommt. In so einem Fall ist das Honorar eher zweitrangig.

Ist Baden – Baden eine Tanzstadt?

Ja, unbedingt. Es gab hier das erste Tanzturnier auf deutschem Boden. Das war 1912 oder 1913. Und dann gab es in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Weltmeisterschaften, Europacups, Professional Turnieren, Amateurturniere, Senioren- und Jugendtourniere. Was immer auf dem Parkett darstellbar ist, hat es in Bade-Baden gegeben, nicht zuletzt wegen des Saals und dem Publikum.

Lassen Sie uns über den Tanz sprechen. Der Stil hat sich gewandelt?

Copyrigt mir freundlicher Genehmigung durch „Valentin Behringer/BBE“

Ja, total. Er ist viel schneller, athletischer geworden. Die Figuren der Tänzer haben sich geändert. Wenn man ein hochklassiges Tanzpaar vor von 40 Jahren neben ein heutiges hochklassiges Tanz-Paar stellen würde, würde einem auffallen. Durchtrainierter.  Sportlicher. Früher erlebte man da halt gut ausschauenden Leuten, die vielleicht eine Topfigur hatten, aber die ganze Körperspannung war halt noch nicht da. Was heute die normalen Paare als ergänzenden Sport nebenbei machen müssen!  Für ihre Fitness, für den Muskelaufbau mit legalen Mitteln, ist mit dem Tanzen von früher nicht zu vergleichen. Da sind die Paare in Schönheit gestorben, sowohl im Latein als auch im Standard. Früher war es eben schönes Tanzen, elegantes Tanzen, Ballroom. 

Und jetzt ist es Tanzsport. Das geht manchmal auf Kosten der Schönheit und der Eleganz, weil heutzutage mehr Tempo und Athletik gefragt sind. Vielen gefällt das nicht. Die sagen: ich will einen getragenen, schönen Walzer sehen und nicht etwas willkürlich Langsames. Aber das ist der Trend. Den setzen die jeweils aktuellen Weltmeisterpaare. Man kann davon ausgehen, dass das Paar, das am nächsten Wochenende Weltmeister wird, die Tanzszene fürs nächste Jahr prägt. Da kucken alle: was macht die? Das geht hin bis zur Kleidung, bis zum Outfit.

Nochmal ein bisschen zurück – ist durch die neue Art der Tanzkultur der Verschleiß gestiegen?

Verletzungsgefahr und Verschleiß sind in viel stärkerem Maß gegeben. Die Sportmedizin ist halt viel weiter als sie vor Jahren war. Jedes Top Paar hat seinen Betreuer, seinen Masseur. Sie haben ja gesehen, bei der Welttanzgala musste dieses russische Tangopaar von heute auf morgen absagen, weil er verletzt war. Und dafür ist ein anderes anderes Paar eingesprungen. Ein ganz großes Problem ist z.B. bei den Formationen, wenn da ein Paar ausfällt. Dann muss Ersatz her, der aber u.U. nicht ganz auf den Punkt tanzt. Mahlzeit. Dann ist die Meisterschaft im Eimer.

Beim Betrachten einer solchen Gala, fällt auf, dass die Tanzszene ja ein echter MultiKulti Club ist.

Das ist so. Die Jugendpaare kommen alle aus dem Ostblock. Die fangen bereits mit 4 – 5 Jahren an, hart zu trainieren. Harter Drill und Leistungssport. Und das ist dann kein Kindertanzen nach Märchenmelodien. Wenn die mit 10 bis 12 Jahren dann in den Wettkampf gehen, sehen unsere Jungendpaare aus wie ein Kindergarten. Wenn man dann einen tollen Tänzer hat, wird geschaut, wo man eine passsende Tänzerin herkriegt. Da wird dann eine ganz gezielte Paarauslese betrieben. Das große Geld gibt’s in Asien, und die Asiaten kaufen im Moment alles, was an Qualität auf dem Markt ist, Toptrainer und Toppaare. Und so kann es sein, dass ein Norweger für Japan startet.

Was nun die Musik angeht – da hat sich ebenfalls einiges geändert?

Copyrigt mir freundlicher Genehmigung durch „Valentin Behringer/BBE“

Ja, auch da hat sich viel verändert: während bei den Turnieren bei der Musikauswahl ganz strenge Regeln gelten, ist man in der Kür viel freier. Das geht soweit, dass man als Inhalt des Tanzes mit der Musik sich nicht unbedingt anbietende Themen ins Tänzerische umsetzt. Da hat sich z.B. ein Paar  einen ‚Verkehrsunfall‘ als Gegenstand des Tanzes erkoren. Teilweise sieht man auch explizit politische Aussagen als Tanz dargeboten. Vom Tanzen ist da manchmal kaum noch was zu sehen. Da erlebt man jede Menge Shownebel und dunkle Kostüme. Man wälzt sich mehr auf der Tanzfläche herum als dass man tanzt. Früher hätte man eine eher klassische Gesichte erzählt: Flirt, Liebe, Drama, Eifersucht. Das gibt es natürlich auch heute noch. Daneben aber immer wieder die Absicht, Themen zu ‚Vertanzen’. Das ist so ein Modeausdruck, der das Ganze aber schon trifft.

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