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Kunst auf Parkett: Reden übers Tanzen. Teil 1

Anlässlich der 24. Welttanz-Gala im Kurhaus in Baden Baden ein Gespräch mit Irene Schröder übers Profitanzen. Sie muss es wissen. Denn sie tanzt selbst.

Ganz behutsam ist der Winter nach Baden-Baden gekommen. In den Nieselregen mischen sich bereits erste Schneeflocken. Die russischen Touristen haben ihre Spaziergänge in der Lichtentaler Allee eingestellt. Manche von ihnen sind mit dem Flieger wieder nach Hause, heim zu Väterchen Russland. Andere bleiben hier und nehmen auch in diesen Tagen wieder die Linie 201 in die Weststadt. In der Allee sind die letzten Dalien verwelkt; der Verein, der sie den Sommer über pflegte, hat das Winterquartier bezogen. Die rosagestrichene Villa Sorrento droht endgültig im herabgefallen Laub des eigenen Vorgartens zu verschwinden, und im nahegelegenen   Hirtenhäuschen   werkelt   ein   einsamer   Schumacher  am handgenähtem Rahmen. Baden-Baden, so scheint, macht zu.

Doch nicht ganz. Im Kurhaus ist in diesen Tagen noch Licht. Dort rüstet man sich für die 24. Welttanz-Gala im Benazet Saal.Es ist eines der großen Events, mit denen sich Baden-Baden auch in diesem Spätherbst   wieder   schmückt.   Oberflächlich   betrachtet   könnte   man   meinen, drüben   im   Kurhaus   sei   man   mit   der   Restaurierung   des   alten   Baden-Baden beschäftigt. So, als würde die Kurstadt nach wie vor in Tüll und Seide gehen, als wolle man noch einmal die 50er Jahre beschwören, als selbst „Fabrikanten“ aus Oberkirch oder Freudenstadt alljährlich sich für zwei Wochen im Brenner’s Parkhotel  einquartierten und es sich „gutgehen ließen“. Und abends machte man sich chic für die ‚Deutschen Schlagerfestspiele‘ im Kursaal. Damals spielte noch das Orchester Hazy Osterwald, und Gitta Lind sang „Weißer Holunder blüht wieder im Garten“.

Copy. mit freundlicher Genehmigung durch „Valentin Behringer/BBE“

Doch so ist es nicht mehr, wie uns die Journalistin und Amateurtänzerin Irene Schröder lächelnd versichert. Sie muss es wissen, denn schließlich ist sie schon lange im Geschäft. Beim Badischen Tagblatt war sie von 1984 bis vergangenes Jahr als Redakteurin angestellt, dort immer auch mit Schwerpunkt Show, Gala, Kultur. Angefangen hatte sie als Kind mit Ballett, bis Rücken und Füße nicht mehr mitmachten. 1971 hatte sie ihren Mann kannengelernt, einen Bundeswehroffizier und begeisterten Tänzer. Seit 1988 sind sie nun tanzend offiziell im Turniergeschäft. Nach 10 Jahre dann Seniorenklasse, was aber immer noch bedeutet: Training vier mal in der Woche; vor Auftritten trainiert man jeden Tag. Derzeit  beim beim TSC Achern.

„Es muss sich alles ändern, damit alles so bleibt wie es ist“, lässt GiuseppeTomasi di Lampedusa im Leopard seinen Protagonisten sagen. Dem würde Irene Schröder ungefragt zustimmen. Alles wandelt sich, so wie auch der Tanz und seine spätherbstliche Gala.

Frau Schröder, geben Sie erst einmal eine generelle Einschätzung des auch dieses Jahr Gebotenen?

Von Form, Qualität und in der Bandbreite ist die Welttanz Gala in Baden-Baden weltweit absolut einmalig. Unikat. Hier wäre allenfalls noch Dresden anzuführen. Die Gala in Dresden – dort ist allerdings keine Kürveranstaltung. Das bedeutet zwar hochklassiges Tanzen, aber dort hat man halt – anders als hier – Wettkampfbedingen und Wettkampfstress. Das ist etwas ganz anderes.

Ist es von Vorteil, wenn keine Wertung vorgenommen wird?

Unbedingt. Bei der nicht gewerteten Kür können Tänzer frei loslassen. Sie können dann Elemente zeigen, die im Wettkampf verboten sind – Hebungen,  das Auseinander–Tanzen. Normalerweise darf man lediglich eine Sequenz nicht auf Tuchfühlung tanzen. Nicht so bei der Kür. Hier können die Tänzer echt künstlerisch arbeiten. Sich sozusagen, ’freitanzen’, bevor es ernst wird. Für die Formation ist B-B traditionell immer DIE Generalprobe eine Woche vor der deutschen Meisterschaft. Die neuen Programme der Formationen werden sehr gern vor Publikum getestet, und dieser Test findet traditionell hier in Baden-Baden statt – egal wo die Deutschen Meisterschaft anschließend statt findet.

Sprechen wir über die Kür. Wie sieht man eine solche Kür als Tanzpaar?

Kür ist immer eine Show, die man auch verkaufen will. Sie ist eine sichere Einnahmenquelle. Ein gutes Programm ist die Vorrausetzung für den Verkauf der Show. Läuft die gut, kann man Kasse machen Ein Weltmeister kriegt natürlich mehr als ein ‚einfacher’ Deutscher Meister oder ein Paar aus der Endrunde der Deutschen Meisterschaften, wobei die Qualität nicht unbedingt schlechter sein muss.

Teil 2 folgt demnächst. Hier!

 

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