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Großer Bahnhof. Keine Endstation.

Immer wieder gern auch in der Lichtentaler Allee: John Neumeier

Als „La Grand Gare“ bietet der „Alte Bahnhof Baden-Baden“ während der Herbstwochen im Festspielhaus eine willkommene Durchgangsstation für bedeutende Ensembles, Solisten und Dirigenten. Aus dieser Erstausgabe des gemeinsamen Projekts von Benedikt Stampa und Thomas Hengelbrock soll sich in den kommenden Jahren eine neue Form des legendären Orientexpresses entwickeln, der einst die großen Stars und ihre Fans des 19. Und 20. Jahrhunderts nach Baden-Baden brachte. Auch in dieser besonderen Neuauflage soll Baden- Baden beileibe keine Endstation bleiben, sondern im Gegenteil Weichen für das europäische
Kulturleben stellen. Paris, Sizilien und – allen politischen Spannungen zum Trotz – auch Russland waren die Zielorte der musikalischen Luxusreisen mit dem Balthasar –Neumann-Ensemble unter Thomas Hengelbrock und dem Ensemble musicAeterna mit Teodor Currentzies, im Jubiläumsjahr 2023 stehen im „La Grande Gare“ unter anderem internationale Salonmusik, Chormusik aus Deutschland und Frankreich sowie Jules Massents Oper „Werther“ in Robert Carsens Neuinszenierung von Goethes Briefroman auf dem Fahrplan. Nicht per Zug wäre allerdings die Heimat der Künstler der Cuban-European-Youth Academy zu erreichen: Seit Jahren fördern Thomas Hengelbrock, der Balthasar-Neumann-Chor, das Balthasar-Neumann- Orchester und die Balthasar-Neumann-Akademie junge Talente. Spannende Ergebnisse dieser Verbindung verspricht der Abend unter dem Titel „Connexion“ am 25. November 2023.

Nicht zuletzt der Klimawandel hat erheblichen Einfluss auf die Reisetätigkeit internationaler Kunstschaffender genommen. Flugreisen sind keineswegs mehr die beste Lösung, um schnell zu einem Auftritt zu kommen. Thomas Hengelbrock und sein bunt gemischtes Vokal-und Orchestervolk haben sich daher entschlossen, das Festspielhaus Baden-Baden zu einer ihrer Residenzen mit längerer Verweildauer zu wählen. Die Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko verbringen bereits seit zehn Jahren die Osterzeit an der Oos, Yannick Nézet-Séguin zählt mit seinem Sommerfestival zu der absolut erstem Klasse, ebenso wie Ballettlegende John Neumeier mit seinen Hamburger Tanzstars. Die großen Reisekoffer werden zur Inszenierung des „Wintermärchens“ die Künstler des Bayerischen Staatsballetts mit „Cinderella“ nach Baden-Baden auf die Reise geschickt, aus Wien machen sich die Philharmoniker auf den Weg.

Kein Bahnhof – und sei er noch so groß – existiert ohne sein Umfeld. Und hier soll die Region noch stärker als bisher angesprochen werden. Angebote für Schüler und Jugendliche, Nutzung anderer Spielstätten in der Stadt und eine Verzahnung mit dem Welterbe-Projekt bieten sich an – schließlich profitieren auch Einzelhandel und Gastgewerbe von den Kultur- Reisenden. Beliebte Besucher holt man gern vom Bahnhof ab – vielleicht überlegen sich Stadt, Baden-Baden Events, Casino, Museen, Geschäftsleute und Gastronomen kleine „Willkommenspakete“ in Form gemeinsamer Aktionen, von denen auch die musikbegeisterten Bürger/innen profitieren, für die es kein 49-Euro-Kulturticket gibt.

Irene
Schröder

 

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