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Es brennt!

Warum Offenburg die Chance verspielt, sein Profil zu schärfen

IMG_0583Immer wenn es langsam herbstlich wird werden die Tage kürzer und die Abende länger. Dann sitzt man in seiner Stube und neigt zur Nachdenklichkeit. Man denkt an dieses und an jenes und dann auch daran, was es gibt bzw. was es nicht mehr gibt. 

Z.B. gibt es zum weißgott wievielten Mal die Oberrheinmesse in Offenburg, aber zum dritten Mal fehlt der Bereich der Erotik, der in einer eigenen Show dem Großereignis ja man muss fast sagen: angeflanscht war.   

Wir als Freunde einer lebensfrohen Ortenau kommen nicht umhin, an dieser Stelle den Verlust zu beklagen. Er war ein Symbol dafür, dass unser gesegneter Landstrich Vielfalt statt Einfalt wollte. Nicht unähnlich der Dreifelderwirtschaft. Aber da hatten wir uns ja uns schon seit 1100 nach Chr.  für die Vielfalt statt der Einfalt entschieden. Zum Besten der Böden.  

Vielleicht sind wir jetzt aber ein bisschen vom Thema abgekommen. Tatsache aber ist jedenfalls, dass den Mittelbadenern seit Jahren etwas abgeht, was dem einen oder der anderen doch irgendwie liebgeworden war.  Manche sahen in diesem gar ein Symbol unverklemmter freier Sexualität mitten in unserem  beschaulichen Landstrich, sozusagen ein in Latex gekleideter Leuchtturm der Selbstbestimmung. Jetzt klafft da bloß eine Terminlücke. Schmerzlich, besonders für die vielen Pärchen und Singles von Wagshurst bis Oberharmersbach, von Kuhbach bis Willstätt. Bisher konnten sie mit den dort erworbenen Produkten (“zarte Dessous, strenges Leder“) ganz entspannt den langen Winterabenden entgegengesehen. Nix da. Keine aufreizenden Lolitas aus den ehemaligen Gebieten der Sowjetunion, nicht einmal ein Pornodarsteller aus Wanne Eickel. Von Gina Wild gar nicht zu träumen.

Warum das so ist – darüber kann man spekulieren. Tatsache aber ist, dass sich durch den wiederholten Ausfall des Events eine nicht unbeträchtliche Leerstelle aufgetan hat. Neben den Produkten von ‚Bernd Wiedemer e.k. Meerrettichversand’ und  ‚Happysmileclean von Olga Basgall-Zahmel‘ hätte eine solche Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder dafür gestanden, dass sich auf  dem Messe-gelände noch ein bisschen was anderes tut.

Immerhin sind wir aufgefordert, dass unsere „Herzenswünsche als Wunschherzen“ die Stadt schmücken mögen. „Haben Sie ein Herz, machen Sie mit! Nehmen Sie Wolle in fröhlichen Farben. Sticken Sie oder häkeln Sie daraus ein Stück von 50-100 cm Länge und 5 – 15 cm Breite. Geringelt, gezopft, kariert, mit Fransen – alles, worauf Sie Lust haben!“  Tja.

Wem das noch nicht genügt, kann gern eine Musikformation auf dem Messegelände besuchen. Sie bietet seit 12 Jahren eine Mischung aus Klassik, Musical, Folk und Evergreens. Erlebbarer Spaß wird garantiert. Die Gruppe nennt sich SEXTAKKORD.

Natürlich wissen wir nicht, ob sich hinter der Aktion ‚Wunschherzen’ oder dem ‚Sextakkord’ eine uns unbekannte verruchte Welt auftut. Eher nicht.  Wir bleiben dabei: neben den Bereichen Ernährung,  Brauchtum, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Trendschmuck und Haustechnik wird ein sexter Bereich auch dieses Jahr schmerzlich vermisst.

Doch soll hier kein falscher Eindruck entstehen! Auch wenn wir oben die  Bedeutung der Messe für Offenburg nachdrücklich gewürdigt haben, so wäre es zu viel verlangt,  dass etwa die Stadt mit dem ‚Verkehrsamt‘ als Veranstalter einspringt. Und auch die Feuerwehr braucht deswegen nicht gleich auszurücken, selbst wenn einige meinen, es brennt!

 

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