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Die Prinzenrolle

Echt närrisch – in Baden-Baden findet sich keiner, der will.

Im Märchen und im Rheinland wäre so etwas unmöglich: In der Baden-Badener Narrenzunft findet sich kein edler Prinz, um die schöne Prinzessin in Richtung Thron, beziehungsweise Bühne, zu geleiten! Während in Köln oder Düsseldorf gestandene Geschäftsleute locker einige Tausend Euro samt viel Freizeit investieren, um im samtigen Pumphöschen und Strumpfhosen Ansprachen und Küsschen zu verteilen, mag in Baden-Baden offenbar kein Fastnachter die höchste Würde anstreben. Ein Fasnet – Gau. Zum ersten Mal in der Geschichte der honorigen Zunft wird es dieses Jahr wohl nur eine Prinzessin an der Spitze der Narrenschar geben.

Nun mag ein vom Virus der Fasnet-Tollerei nicht Angesteckter argumentieren: sooo toll sei die Prinzenrolle ja nun auch wieder nicht. Festabend für Festabend sich mehr oder weniger witzige Reden anhören, selbst reden, mit der Prinzessin schäkern, ohne die eigene Partnerin eifersüchtig zu machen, Tanzkünste vorführen, beim Umzug Bonbons werfen und möglicherweise im Regen stehen – welche echter Mann mag das wirklich? Da braucht es schon eine gehörige Portion Begeisterung für die närrische Sache, um sich wochenlang prinzenmäßig zu präsentieren. Aber gibt es denn nicht wenigstens EINEN Kavalier, der der einzelkämpfenden Prinzessin galant zur Seite steht – so wie es die Ehemänner von OB Mergen und Eventschefin Waggershauser vorbildlich praktizieren! Aber was heißt schon ‚vorbildlich’? Bei beiden Damen ist das „Ausüben einer närrischen Tätigkeit in Begleitung“ Teil des Dienstvertrags. Das kann man nachsehen unter ‚Anforderungsprofil‘. Steht ganz klein gedruckt. Unten links.

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