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Der Vogel in seinem Paradies Teil 3

Wie Olivier Maugé in Baden-Baden die Große Rennwoche noch ein bisschen bunter macht  

IMG_0549Von Ferne, in seinem Verkaufszelt betrachtet der Geschäftsmann das Schauspiel mit Vergnügen. Das gibt wieder Fotos, Werbung. Denn wenn er sich schon die Mühe macht, ganze Tage draußen auf der Rennbahn zu verbringen, soll es sich doch wenigstens lohnen. Einem wie ihm läuft die Zeit davon. Was aber nicht heißt, dass er das Ganze da draußen nicht genießen würde. Hier ein Küsschen, dort ein Küsschen. Dann Frankreich am Telefon, später England und immer wieder Küsschen. Ganz viele. Da die Damen auch nicht am Parfum sparen wird der Kreateur am Ende eines solchen Tages duften wie nach einem Ritt durchs olfaktorische Gelände.

Es ist dieses heitere ‚Mal hier mal da’, das ihn tänzeln lässt, wie ein Pferd vor dem Start, das beim Anblick seiner Besitzerin in Verzückung gerät. Undenkbar, dass die begüterten Hutträgerinnen an zwei aufeinanderfolgenden Jahren der gleiche Hut schmückt. Neuer Chic, neues Glück. Er ist auf alles vorbereitet. Wenn sie dann einlaufen, die guten Kundinnen, gibt es nach längerer Zeit der Askese wieder einmal etwas zum genießen. Auch wenn Figurprobleme drücken, dieser Kaufgenuss ist gewichtsneutral. Das liegt auch an den duftig leichten Gebilden deren Preis sich keineswegs zwangläufig am geringen Gewicht orientiert auch wenn die diesjährigen Kreationen eine gewisse Nähe zu Desserts nicht verleugnen können. Hier wie dort gilt: es kommt halt auf den Geschmack an.

Das sieht der Maestro ohnehin so, weshalb er der Ansicht ist, dass sich so etwas durchaus exportieren lässt. Im vorliegenden Fall nach Kamerun wo ein guter, nein: ein begüterter Kunde sich über seine Hilfe beim Aufbau eines Dekorgeschäfts freut.  

Das sind diese Momente, in denen Olivier Maugé zwar im Ausland aber doch wiederum ganz bei sich ist. Wenn er z.B. wieder einmal in seiner alten Wahlheimat Paris vorbeischaut um sich dort mit den vertrauten Hutleuten („Wir sind keine von der Stange“) zu treffen; wenn er sich mit langjährigen, fast schon familiären Partnern bei einem guten Essen austauscht. Dann, ja dann blickt einer, dem das Monochrome verhasst ist, auf sein bisheriges farbiges Leben zurück und formuliert nicht ohne behaglichen Stolz: „Wir sind jemand geworden“.

 

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