Allgemein Essen & Trinken

Der diskrete Charme der Bourgeoisie Teil 4

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Die Chefsache

Da war er! Eben ist Frank Marrenbach, der Direktor des Hotels, im Foyer vorbeigehuscht. Vielleicht trifft der Ausdruck das Phänomen nicht ganz. Allerdings hat sein Gang – bei aller Zielstrebigkeit – etwas Leichtes und überaus Fokussiertes. Er will von A nach B. Und er wird das Ziel auch erreichen. Wie er sein Ziel, Direktor zu werden, ja auch erreicht hat. Doch wie ist er das geworden geworden, wie ist sein Werdegang?

In der heutigen Zeit sind wir ja geneigt, uns erste Informationen über eine Person zunächst über das Internet zu beschaffen. Facebook, Websites, Wikipedia, alles Foren, die helfen, sich ein erstes Bild von einer Person zu verschaffen. Im vorliegenden Fall hilft uns das freilich nicht weiter. Über Frank Marrenbach, dem Direktor des Brenners, ist dort kaum Nennenswertes zu erfahren. So gesehen könnte man fast den Anschein gewinnen, als käme Frank Marrenbach aus dem Nichts.

Wann und wo genau ist er geboren? Wer sind seine Eltern? Hat er Geschwister, Hobbys? Was mag er und was nicht? All dies sind Fragen, die einem einen Menschen ein bisschen näherbringen könnten. Nichts davon. Die kargen Infos, die öffentlich zugänglich sind, präsentieren eine veritable Liste von businessbezogenen Informationen: Mitglied im Executive Committee und Vice Chairman. Beirat, berufsbegleitende Weiterbildung, Bachelor Degree, Master of…Und dann noch eine Meldung, dass der Oetker Konzern noch viel mit ihm vorhat. Frank Marrenbach funktioniert einfach.

20150802_1116272009 hatte der Hausherr einen Journalisten vom Handelsblatt empfangen. Diesen setzte er zunächst mal davon in Kenntnis, dass der Freitagflug nach Abu Dhabi „ein toller Flug“ war. Weiter erfährt man, dass er Rheinländer ist (!), dann, dass er konzeptionelles Denken gelernt hat und dann vermeldet der Journalist noch, dass Marrenbach „schmunzelt“, wenn er erzählt, dass ihn Hotelhallen mehr faszinieren als Kassenhallen. Weshalb er aus vollem Herzen bekennt: „in meinem Herzen bin und bleibe ich Hotelier“. Toll. Bringt uns aber auch nicht weiter.

Was jetzt? Nun: bekommen wir die Person so nicht zu fassen, sollten wir uns an das halten, was sichtbar ist, sein ‚Schattenwurf’. Wie oben angedeutet, geht man nicht falsch, wenn man hier festhält, dass sein sich Bewegen im Raum von großer Stille und Effizienz geprägt ist. Undenkbar, dass der CEO der Oetker Hotel Management GmbH laut oder gar brachial wird. Das wiederspräche dem Geist des Hauses, das sich, wie ja schon mitgesteilt wurde, zuvörderst der Diskretion verpflichtet weiß. Es würde auch gar nicht zu der Person Frank Marrenbachs passen, dessen Auftreten vielleicht noch am ehesten mit den Begriffen alert, smart und zurückhaltend umschrieben wäre. Unterstrichen wird die Erscheinung ein ganzes Stück weit auch durch sein soigniertes Dauerlächeln.20150804_170620

Sieht man ihn im Rahmen berufsbezogener Kommunikation agieren, pflegt er darüber hinaus das, was die Kommunikationsforschung ‚aktives Zuhören’ nennt. Entsprechende Literatur versteht darunter „gegenseitiges prinzipielles Wohlwollen“. Das heißt, er suggeriert dem Gesprächspartner, dass er sich in dem Moment des Gesprächs voll auf ihn einlässt. Ein Profi eben, in dessen zahlreichen Lehrgängen sicherlich auch dieser Punkt als zentral behandelt worden war.

Neben der Mimik und Gestik ordnet sich auch der Stil der Kleidung dem Anspruch des Business unter. Wenn es stimmt, dass ein Amt den Mann wachsen lässt, dann ist Frank Marrenbach weit gekommen. Dem Modestil der heutigen Zeit entsprechend trägt er die Anzüge ziemlich knapp geschnitten, was ihm einerseits etwas jungenhaft Unbeschwertes verleiht, anderseits wirkt es, als wäre er mit zunehmender Ämterfülle der Kleidung entwachsen.

Die Schlankheit der Erscheinung wird in der durch sie vermittelten Leichtigkeit noch dadurch unterstützt, dass die Menschen im Hotel im Wesentlichen die meiste Zeit auf Teppichen gehen. So auch der CEO, was in seinem Fall den Eindruck hinterlässt, er gleite federgleich durchs Foyer. Diese Feder aber bewegt sich in seinem Fall nicht der Schwerkraft folgend in Richtung Boden, sondern überwiegend nach vorne, der nächsten Ausgabe zu.

Interessant wäre vielleicht noch zu erfahren, wie er, der auf einer Woge positiver ‚Tripadvisor’ Bewertunger surfen kann, reagiert, wenn er da plötzlich doch einmal lesen muss: „ Der Concièrge ist etwas vorwitzig“. Und einem anderen Gast war sauer aufgestoßen, dass am Sonntagmorgen die FAZ und nicht die WamS in der Plastiktüte vor seinem Zimmer auf ihn wartete. Wenn in einem der ‚Leading Hotels of the World’ geklagt wird, dann nicht zwangsläufig auf einem Niveau, das dem Anspruch des Hotels gerecht wird.

Das alles hatte den Kollegen vom Handelsblatt nicht so interessiert. Er hatte sich redlich polierend an der Schleiflackoberfläche des Gesprächspartners abgearbeitet. So kumulierte sein Bericht denn auch in der selbst-formulierten Einsicht von Frank Marrenbach: „Das Unternehmen ist der Star“. Und – so wäre sicher unwidersprochen zu ergänzen – der Geschäftsführende Direktor sein oberster Diener.

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