Allgemein Essen & Trinken

Der diskrete Charme der Bourgeoisie Teil 1

‚Brenners Parkhotel‘: Versuch einer Annäherung

 

20150728_143135Jetzt stehe ich hier vor diesem wunderbaren Hotel an der altehrwürdigen Lichtentaler Allee und spüre: eigentlich wollte ich schon immer mal was über das ‚Brenners‘ schreiben. Einerseits ist das für mich praktisch, weil ich ja in Baden-Baden wohne; ich habe es also nicht weit. Andererseits ist es ja das ‚erste Haus am Platze‘, wie man so sagt. Sowas Edles gefällt dem Leser immer. Denk ich jetzt mal so ungeschützt.

‚Das erste Haus am Platze‘: ja, mein Gott, könnte da ein Nörgler einwenden, das hätte nichts zu sagen. Der Platz dort sei ja nicht groß, da könne man leicht das erste Haus an eben diesem Platze sein. Aber so verhält es sich nicht. Wer sich einmal die Zeit nimmt, das Kommen und Gehen der Gäste aus aller Herren (und Frauen) Länder anzusehen, der erkennt unschwer, dass sich da gästemäßig doch einiges bewegt. Das Ganze hat Stil. Keine Frage.

Da ist viel Geld unterwegs.

Zunächst einmal sind da die Russen mit ihren kräftigen Oberkörpern, die von zu engen Hemden fast nicht mehr gefasst werden können, weshalb die russischen Gäste selbst in den besten Hotels immer den obersten Hemdenknopf offen tragen, auch mit Krawatte. Als Auto benutzen sie gern einen großen Mercedes mit 12 Zylindern, schwarz lackiert und voll getuned. Das reichhaltige Angebot kommt von den Firmen AMG oder Brabus. Extrabreite Reifen auf nicht serienmäßigen Felgen. Alles tiefergelegt. ‚Booahhhh’, könnte man ausrufen, wenn man nur ein bisschen Gespür für das hätte, was der Fahrzeughalter uns mit diesem Auto sagen will.

Eine weitere Gästeschar rekrutiert sich, wenn ich das mal so sagen darf, aus den Angehörigen nahöstlicher Herrschaftshäuser. Da sind die vielen Scheichs mitsamt ihren Familien und dem Gesinde. Oman, Saudi Arabien und so. Sie wissen schon…! Oft ist auch noch eine ganz dicke Oma dabei, die nicht mehr gut zu Fuß ist. Vor langer Zeit war sie sicher mal eine Prinzessin. Jetzt aber ist sie vollkommen schwarz verschleiert und sitzt im Rollstuhl. Geschoben wird sie von einem ihrer Söhne. An sich könnten das die vielen schönen dunkeläugigen Töchter auch besorgen, aber die kriegen den Blick nicht von ihrem Handy und müssen deshalb vom Personal des Brenners behutsam ins Innere des Hotels geleitet werden.

20150727_143951Und dann ist da auch noch das alte, das europäische Geld, der Geldadel mit Geschmack. Er reist gern an in Ferraris, Rolls Roys, Bentleys und Maybach. Nummernschilder aus Genf, Lausanne, London, Nizza, Monaco. Wo es halt so wohnt, das alte Geld, um auch in diesem Sommer mal wieder in Baden-Baden vorbeizuschauen, der Sommerhauptstadt Europas. Und wenn‘s besonders edel sein soll, ist der Lederkoffer dem Kofferraum des jeweiligen Autos angepasst und maßgeschneidert.

Das also ist in etwa das Umfeld, in dem ich mich leidenschaftlich gern bewege. Komischerweise hab ich hier die GEISSENS noch nicht gesehen, und auch die KATZE war noch nicht da. Schade eigentlich, aber ich weiß natürlich nicht, ob die Katzenberger als werdende Mutter und neuerdings ohne ihre blonde Mähne noch wirklich angesagt ist. Wo ich doch immer auf der Suche nach den Schönen und Reichen bin. Ein Celebrity-Specht, sozusagen.

Aber jetzt stehe ich zu zunächst mal etwas verloren, vor einem der ‚Leading Hotels of the World‘ (noch so ein Wort), und es erfasst mich das Gefühl, wie es wohl auch den damaligen Juso-Vorsitzenden Gerhard Schröder erfasst haben mag, als er, der Legende nach noch ganz jung aber damals schon wild entschlossen, am Tor des Bundeskanzleramtes gerüttelt haben soll. Dabei will er ausgerufen haben: „Ich will hier rein“. Ein wirklich schönes Bild.

20150728_143457Sowas wäre hier am Eingang zum ‚Brenners’ natürlich undenkbar. Der goldbetresste Herr vorm Eingang würde wegen sowas sicher die Krise kriegen. Aktuell gesprochen wäre so ein Rütteln an dem schmiedeeisernen Tor das absolute No-Go, wenn Sie verstehen, was ich meine. Besser ist es, man wendet sich da an die nette Dame am Empfang und fragt, ob man über das Haus etwas schreiben dürfte. Oder ob sie vielleicht jemand wüsste, der weiß, ob man was schreiben dürfte.

Sie weiß Rat und greift zum Telefon…

 

Wie wird es weitergehen? Wird das Vorhaben gelingen? Wird man mit mir sprechen? Mehr darüber erfahren Sie morgen. Auf dieser Seite!

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