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Brüder (und Schwestern) zur Sonne, zur Freiheit!

Wie sich unsere studentische Elite irgendwie auf den Ernst des Studiums vorbereitet

Natürlich bringt uns die Coronakrise in diesen Tagen alle an den Rand unserer Möglichkeiten. Selbst wenn wir jetzt einmal das Leiden der Gastronomie außen vor lassen und auch die großen Nöte der Konzertveranstalter bewusst hintanstellen, so müssen wir hier doch  zuvörderst das unermessliche Leid der Schüler thematisieren. Menschen, die ohnehin einen eher schwachen Antrieb verspürten, ihren Laptop zu verlassen, konnten über eine vergleichsweise lange Strecke nicht mit ihren Freunden abhängen. Soziale Verelendung drohte.

Doch noch immer gilt der schöne Poesiealbumspruch: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtleid her“. Im vorliegenden Fall leuchtet das Lichtlein aus der Medizinerecke, ein sich naturwissenschaftlich gerierender Berufsstand, der sich neuerdings darin gefällt, in eine Kakophonie der Weißkittel auszubrechen, d.h., keine weiß genau irgendetwas und vor allem nicht, wie mit dem Thema Corona fürderhin umzugehen sei.

Maske ja, Maske nein? Und wenn ja, wo, oder besser: wo nicht?

Wenn sich jetzt noch die Gesamtheit der Schülervertreter, der Elternbeiräte, der GEW, der Pädagogenverband sowie die bildungspolitischen SprecherInnen sämtlicher im Bundestag vertretenen Parteien einmischen, spätestens dann ist offensichtlich, dass, um es jetzt einmal griffig zu formulieren, Polen offen ist.

Gut, wenn nicht ganz Polen, so immerhin das Jugendzimmer, wo sich Söhne und Töchter nach Aussagen vieler Eltern morgens eher spät sich dem Tageslicht aussetzen, um, ja was nun? Sich in ein Klassenzimmer zu bequemen? Den Rechner für den Online Unterricht hochzufahren? Das sicher.

Was aber nun zu Aktivitäten ungeahnten Ausmaßes führt, ist die Möglichkeit, sich ohne Mundschutz und zur unermesslichen Freude der Erziehungsberechtigten außerhalb der Wohnung an je definierten Orten mit ‚Freunden‘ zu treffen, um mit Handy und Mischgetränken abzuhängen und den Stress des Alleinseins abzubauen. Am liebsten an Freitagen, wo man ja im Rahmen der so notwendigen wir kontaktmäßig hochinteressanten „Friday For Future“ Bewegung neuerdings wieder die Klassenräume meiden kann. Für einen guten Zweck.

Dies dürfte sich kaum auf die Leistungsbereitschaft der Zöglinge auswirken, denn – sollte eine Abitursbenotung je noch einfordert werden – wird es ohnehin so sein, dass die Lehrerschaft, zermürbt vom Druck der Schulleitung, von renitenten SchülernInnen und einer rechtsanwalt-flankierten Elternschaft, die Zöglinge solange prüft, bis er oder sie mit einem Abi-Schnitt von 1,0 vom Hof rollt. Problem gelöst? Nein verlagert.

Wohin? Richtig, zur Universität, oder, wie im vorliegenden Fall einer Einschreibung beim KIT (das renommierte „Karlsruher Institut für Technologie“), auf dessen einführende Lehrpläne wir uns jetzt erst mal beziehen wollen. Denn dort warten schon die nächsten Herausforderungen auf unsere Studierwilligen. Es wird ernst. Eine Studiengruppe namens MALIBU ist fest entschlossen, die studienorientierte Zukunft entschlossen anzugehen. Angesichts des bevorstehenden Mühen hat sie fürs erste einen Wochenplan in Umlauf gebracht, der große Neugierde auf das kommende Studium verrät, zumal die Mutter eines Studienwillens mir glaubhaft versichert, dass es sich bei dem angeführten Wochenplan keineswegs um Realsatire handelt, sondern in all seinen lebensbejahenden Punkten tatsächlich ernst gemeint ist.

 

 

Leicht besorgt kann man da nur hoffen, dass die aufgeführten Inhalte der Einführungswoche nicht den gesamten Lehrplan abbilden. Ansonsten wäre der Schritt vom Bachelor- zum Masterstudium nur ein kleiner: es gälte lediglich die Kneipe zu wechseln.

 

 

 

 

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