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„…anders als man glaubt…“

Baden-Baden: Wilhelm Busch – Ausgestellt im Museum LA 8  

Leises Kichern, unterdrücktes Gelächter – so etwas ist in deutschen Museen leider nicht allzu üblich. Auch nicht, wenn das Museum den etwas sperrigen Namen LA8 trägt. Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts. Zunächst lacht da noch keiner. Das aber könnte sich jetzt ändern. Derzeit beherbergt das kleine Baden-Badener Kulturhaus an der Lichtentaler Allee einen Gast, dessen Werke schon Generationen begeisterten. Sein Name: Wilhelm Busch. Seine Werke: ‚Max und Moritz’, ‚Die fromme Helene’, ‚Maler Klecksel’ oder der arme ‚Lehrer Lämpel’.

Alles sind sie fest im deutschen Kulturgut verankert; alle haben uns – vorgelesen – das Kinderzimmer dekoriert. Viele Zitate sind „Kult“, doch ihr Schöpfer Wilhelm Busch war mit dem „Zeugs“, dem er seine Popularität doch letztlich verdankte, keineswegs glücklich.   Als „gelungenes Misslingen“ charakterisiert denn auch Museumschef Matthias Winzen den fast unglaublichen Erfolg, den der 1832 geborene Zeichner und Autor ab Mitte der 1860er Jahre als Massenautor hatte.

Dabei war der Maler Wilhelm Busch ziemlich hinten runtergefallen. Der wäre gern auf einer Stufe mit den Münchner Malerfürsten wie Franz von Lenbach oder Friedrich August von Kaulbach genannt worden und hätte, seinem Können gemäß, nur zu gern im Kreise der anderen Malerfürsten auch gesellschaftlich die ihm seiner Meinung nach gemäße Rolle gespielt – von der künstlerischen Anerkennung ganz zu schweigen.

Obwohl Wilhelm Busch mit „Max und Moritz“ das erfolgreichste Bilderbuch des 19. Jahrhunderts geschaffen hatte, verschwand er die letzten 30 Jahre seines Lebens von der flotten Münchner Szene. Fortan suchte er in der tiefsten niedersächsischen Provinz, in Wiedensahl, als Maler und Schriftsteller nach neuen Ausdrucksformen – vergeblich.

Geschickt spielt sich die aktuelle Baden-Badener Ausstellung denn auch auf zwei Ebenen ab. Im Erdgeschoss der begnadete Karikaturist mit seinen beißenden Comic-Vorläufern. Die Themen Kleinbürgermief, künstlerischer Dilettantismus, Scheinheiligkeit, Eitelkeit und Bosheit. Dabei natürlich ‚die Fromme Helene’, ihr Vetter Franz sowie Onkel und Tante und natürlich der ‚Lehrer Lämpel’. Die sind hier nicht nur mit der berühmten spitzen Feder dargestellt. Das Wilhelm Busch-Museum in Hannover hat die Figuren der Ausstellung netterweise auch als Keramikbüsten ausgeliehen.

Im ersten Stock ist dann aber Schluss mit lustig. Dort erleben wir die oft bitterbösen und im Grunde todtraurigen Bildergeschichten. Kaum zu glauben, dass der Künstler 1896 – bereits 12 Jahre vor seinem Tod – resigniert das Malen aufgab und viele seiner vorher geschaffenen Werke vernichtete, weil sie, wie er meinte, seinen eigenen hohen Ansprüchen nicht genügten. Die Selbstporträts zeigen einen Grübler mit sezierendem Blick, die oft kleinformatigen Land-schaften experimentieren mit Perspektivwechseln, die ihrer Zeit und dem damaligen Geschmack weit voraus scheinen. Nach dem Welterfolg mit „Bilderpossen“ – unter diesem Begriff erschienen die ersten Geschichten – fast kein Erfolg mehr mit diesen Bildern. Dazu liefert der große Humorist mit dem ernsten Charakter das passende Zitat: „Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.“

Die Ausstellung „Wilhelm Busch – Bilder und Geschichten“ ist bis zum 3. März 2019 im Museum an der Lichtentaler Allee zu besichtigen. Alle Infos: www.museum.la8.de

 

 

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