Der Badenblogger » 11. Januar 2022

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Göttinen des Jugendstils…

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….präsentiert das „Badische Landesmuseum“ in  Karlsruhe. Eine Huldigung.

„Göttinnen des Jugendstils“Frech, lasziv und hoch erotisch sind nicht gerade die Adjektive, die Göttinnen zugeordnet werden. Auch gute Feen wirken eher hübsch brav – zumindest in der Malerei bis zum Ausgang des 19. Jahrhunderts. Was dann kam, wirkte zunächst vor allem schockierend: Die Künstler – und erst recht die Künstlerinnen – wirbelten die starren Konventionen des Historismus mit Bravour durcheinander und spiegelten damit die Umbrüche in der Gesellschaft an der Schwelle des 20. Jahrhunderts wider. Frauen kämpften für Wahlrecht und Bildung, eroberten männliche Domänen und warfen mit den Miedern symbolisch gesellschaftliche Fesseln ab. Diese Vorkämpferinnen der Gleichberechtigung porträtiert die Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“. Bis zum 19. Juni werden nicht nur im Karlsruher Schloss, sondern auch durch ein facettenreiches Begleitprogramm Einblicke in diese Epoche des Umbruchs, des Fortschritts und auch der Verunsicherung geboten.
Glanzstück der rund 200 Exponate – sowohl aus eigenen Beständen als auch zahlreiche Leihgaben namhafter Sammlungen ist zweifellos eine Schönheit, die bei ihrem ersten Auftritt auf der Pariser Weltausstellung 1900 für Furore sorgte: Alfons Mucha schuf mit „La Natura“ eine Büste, die naturmystische Verklärung mit Strenge und Erotik vereint. Um diese Ikone des Jugendstils gruppiert sich ein „Hofstaat“ männermordender Megären, selbstbewusster Madonnen und eleganter Lebedamen, die auch beim Sport eine gute Figur machen. „Zentralorgan“ der eleganten Welt war die „Jugend“, eine von 1896 bis 1940 herausgegebene „illustrierten Wochenzeitschrift“, die Künstlern, Schriftstellern und Modemachern eine Plattform bot.
Männer? Eher überflüssig, sogar in der Werbung. Tiefdekolletierte Schönheiten setzen auf Plakaten Fahrräder, Feinkost oder Zigaretten in Szene. Um sich „frei“ bewegen zu können, musste auch die Mode „reformiert“ werden: Zwar mochten die Frauen noch nicht völlig auf das Korsett verzichten, fließende Stoffe und bequeme Schnitte sowie die neu entdeckte Sportkleidung erlaubten aber körperliche Betätigung bis zu tänzerischen „Exzessen“. Künstlerinnen wie die Schleier- und Schlangentänzerin Loie Fuller revolutionierten den Bühnentanz und sorgten für gehörige Skandale – lange vor Josephine Bakers „Bananentanz“.

Hochwertige Keramiken, wunderbarer Gold- und Silberschmuck aus den bedeutendsten Ateliers des Jugendstils und historische Filmausschnitte ergänzen die Schau. Themenführungen, Bankette samt Schleiertanz, Fahrradexkursionen, Vorträge und Besichtigungen im „Museum beim Markt“ und in der Majolika sind ebenso wie Online-Angebote im Begleitprogramm zu finden. (www.landesmuseum.de)
Im Theiss-Verlag ist der Katalog zur Ausstellung „Göttinnen des Jugendstils“ erschienen (208 Seiten, 25,90 Euro).

Irene Schröder

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