Der Badenblogger » 6. November 2019

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Rendezvous der Meistertänzer

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Welttanzgala 2019 in Baden-Baden

Kaum hatten die letzten Kameras nach dem großen Finale ihre Linsen geschlossen, wurden im Internet bereits die Tickets für die nächste Welttanzgala im Kurhaus Baden-Baden (übrigens am 6. November 2020) freigeschaltet – aus gutem Grund. Schon seit Monaten war im Benazetsaal kein Stuhl mehr zu haben. Dort hatten sich bereits zum 25. Mal die Elite des Tanzsports zum „Rendezvous der Weltmeister“ getroffen – und viele Stammgäste mit ihrem Können rundum verzückt.

Es gibt wohl kaum einen passenderen Rahmen für diese einmalige Gelegenheit, die jeweils besten Paare und Formationen ihrer Sparte zu erleben. Befreit vom Wettkampfstress konnte man so richtig einmal erleben, was es heißt, ‚befreit’ aufzutanzen. Was vor einem Vierteljahrhundert in Baden-Baden vom Allgemeinen Deutschen Tanzlehrer Verband (ADTV) in Zusammenarbeit mit dem ZDF zugunsten der damaligen „Aktion Sorgenkind“ – übrigens als erste Inklusionsshow mit behinderten Sportlern – konzipiert wurde, hat sich zu einem spektakulären Tanzevent entwickelt, das für dieses mal ganz gut auf die bisweilen doch störende Präsenz der Fernsehkameras im Saal verzichten kann. „Mehr Tanz geht nicht“ lautet eigentlich nach jedem Schlussapplaus das Fazit der tanzbegeisterten Zuschauer, und irgendwie schaffen es die Spitzensportler auf dem Parkett einmal mehr, neue Akzente zu setzen, die die Weiterentwicklung auch und gerade der „klassischen“ zehn Tänze in Standard und Latein dokumentieren.

Was beispielsweise die aus Russland stammenden fünffachen Standardwelt-meister Dmitry Zharkov und Olga Kulikowa an Tempo und Akrobatik, aber auch an Emotion in ihren Kür-Choreographien zeigen, hebt das Turniertanzen auf eine neue Ebene. Für Pforzheim starten Marius-Andrei Balan und Kristina Moshenka, aktuelle Grand-Slam-Sieger der German Open Championships in Stuttgart. Das erfolgreichste deutsche Amateurpaar in den lateinamerikanischen Tänzen wurde ebenso gefeiert wie ihre „Vorgänger“ aus Rastatt. Die vierfachen Weltmeister Ralf Müller und Olga Müller-Omeltchenko hatten vor 19 Jahren bei der Welttanzgala ihren Rücktritt vom Wettkampfsport bekanntgegeben – jetzt zeigten sie beim gemeinsamen Auftritt mit Sohn Tom, dass die Tanzlegende weitergeschrieben wird: Immerhin ist der Elfjährige mit seiner Partnerin Lea Serban schon Landesmeister seiner Altersklasse.

Rock’n’Roll und Lindy Hop, Charleston, Showdance und Tango Argentino, jeweils präsentiert von internationalen Meistern, ein „Birthday Special“ der Tanzschule Gutmann aus Freiburg als ebenso witziges wie gekonntes Opening. Dazu hatte man mit Markus Brock einen ebenso sachverständigen wie gewandten Moderator – so sieht eine Tanzgala von Weltklasse aus!

Bei zwei Auftritten herrschte absolutes Fotografierverbot (man muss eher sagen: Handyverbot!): Erstmals vor Publikum tanzten die Ludwigsburger Standardformation und das Bremer Latein-Team die Choreographien, mit denen sie an den nächsten Wochenenden ihre langen Erfolgsgeschichten weiterschreiben möchten. Elf Mal holten die Standardtänzer bereits den Weltmeistertitel, neunfache Weltmeister sind die Latein-Kollegen – und beide Mannschaften scheinen nach diesen „Inkognito-Premieren“ mit den besten Chancen auf den Meistertitel an den Start zu tanzen. Kurstadt- und Tanzfans sollten sich schon jetzt die Karten für eine besonders attraktive Meisterschaft im kommenden Jahr sichern: Am 4. April 2020 wird die Europameisterschaft der Kür Standard in Baden-Baden veranstaltet. „Showtime de luxe“ ist dann am 9. Mai beim European Dance Award angesagt – und wie bereits erwähnt, gibt es bereits jetzt schon Karten für die nächste Welttanzgala. Denn eines ist sicher: der Tanz geht weiter!

 

Irene Schröder  

Sämtliche Bilder mit freundlicher Genehmigung von Valentin Behringer

http://www.badenbadenevents.de/programm/

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