Der Badenblogger » 17. September 2019

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Jetzt aber mal ernsthaft – Teil 1

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Kürzlich widerfuhr mir in einem Telefonat wirklich Seltsames. Als ich einen Unternehmer anrief, um zu fragen, ob ich über ihn und sein durchaus interessantes Unternehmen einen Beitrag schreiben dürfe, ging er auf die Homepage des BADENBLOGGER und sah da unser Motto: „radikal und objektiv“. Daraufhin schien er nachhaltig verstört. Kann uns egal sein, dachte ich. Wir brauchen keine Werbung. Wir sind ein durch und durch unabhängiges Medium. Und doch machte es uns nachdenklich, und wir beschlossen, immer mal wieder etwas zu schreiben, was nicht unbedingt ‚radikal‘, trotzdem aber ‚objektiv´ ist. So recht wissen wir noch nicht, was wir damit meinen, aber uns wird schon etwas einfallen. Lass Sie sich das gesagt sein!

So. Jetzt fangen wir schon mal an.

Wer wollte bestreiten, dass die Südpfalz ein durch und durch liebenswerter Landstrich ist. Die Menschen sind voller Herzlichkeit, die Hänge voller Wein. Wenn dann noch, wie kürzlich in Rhodt unter Rietburg, alle gemeinsam das ‚Fest des neuen Weins’ feiern, ja, da kann einem so richtig das Herz aufgehen. Dazu gehören der Riesling und die Leberknödel, das Sauerkraut und die Krumbeere! An so einem wunderbaren Spätsommersonntag hockt man dann in einer gemütlich dekorierten Hofeinfahrt und lässt beim Trinken und Schwätzen – wie man so sagt – den lieben Gott einen guten Mann sein. Dieser Ansicht sind auch die mit mir am Tisch sitzenden zwei befreundeten Ehepaare, die nun schon im elften Jahr aus Aachen hierher kommen, um immer wieder in derselben Pension Ferien zu machen. Langweilig wird das nie, erzählen sie. Alle sind begeistert, vor allem, da man durch die jüngst in Mode gekommen E- Bikes seinen Vergnügungsradius massiv erweitern konnte. Glück ohne Ende, jedenfalls soweit der Akku reicht.

Man spricht also über dieses und über jenes, z.B. auch über den Karneval daheim, über die Jecken, die ausgelassene Freude, den ‚Zoch’ (Karnevalumzug) und natürlich auch über die Kamellen, die von den Wagen Kiloweise auf die Jecken geworfen werden. Aber, und jetzt kommen wir zum ernsthafteren Teil unserer Ausführungen, es ist nicht mehr so wie früher. Etwas hat sich geändert. Der plötzlich ernsthaft gewordene Jecke nimmt noch einen Schluck. Ja, es hat sich was geändert. Die Leute wollen keine Kamellen mehr. Keiner hebt sie mehr auf. Früher – ja, früher, waren die Straßen leer von Kamellen. Keine Kamelle blieb liegen, jede einzelne wurde aufgehoben. Heute hingegen wollen die Leute Schokolade, Mars und all das ganze Zeug. Kurz: es klang nach Werteverfall. Mein Gott, dachte ich: was soll aus dem Karneval werden, wenn die Menschen nur noch ‚Ritter Sport’ glücklich macht? Man kennt den Rheinländer ja eher so aus der Ferne und so bot sich die eine Frage geradezu an: warum bleibt die rheinische Kamelle neuerdings liegen?

Der Grund, sagt mein Mittrinker und nimmt noch einen Schluck, der Grund (jetzt blickt er fast so traurig wie ich) liegt an den Ausländern, den Asylanten. Sie wollen sich nicht bücken. Das hängt vor allem damit zusammen, dass sie von uns – er sagte ‚von uns’, mich also mit eingerechnet (Volksgemeinschaft) – „alles vorne und hinten“ reingeschoben bekommen.

Er meint doch hoffentlich nicht die Kamelle?

 

 

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