Der Badenblogger » 26. Juni 2019

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Allgemein Menschen Stadtstreicher

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da

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Auf Katzenjagd in Baden-Baden

Der Einsatzort wird gesichert

So genau soll man gar nicht wissen, was um Mitternacht in deutschen Betten so vor sich geht. Aber vorstellen kann man sich’s schon. Nämlich ziemlich wenig. Jedenfalls nicht in den Betten rund um den Jesuitenplatz in Baden-Baden. Dort nämlich vernahm kürzlich eine einschlafgestörte Einwohnerin auf der Suche nach nächtlicher Zerstreuung, in den Wipfeln innerstädtischer Bäume  das Miauen mehrerer Katzen. Dieses Miauen gab ihrem nächtlichen Leben plötzlich wieder so etwas wie Sinn.

Aber so, wie Kinder am liebsten spielen, wenn Erwachsene dabei sind, beließ es die plötzlich hellwache Einwohnerin keineswegs dabei, dem lieblichen Miauen eines Kätzchens zu lauschen, sondern sie wurde aktiv und griff zum Telefon. Sie tat dies in der vermeintlich sicheren Gewissheit, dass es den Feuerwehrleuten  mit all ihren Einsatzleitwagen,  dem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug und einer Drehleiter, so ähnlich geht. Verständlich also, dass die durch den Katzenlärm alarmierte Einwohnerin sich zu ihrem Festanschluss vorarbeitete, um mit zitternden Fingern die Nummer der Feuerwehr zu wählen. Unter Hintanstellung ihres verdienten Schlafes machte sie sich nahezu selbstlos daran, die Rettung von ca drei Katzen aus einem innerstädtischen Baum zu initiieren.

Dafür durfte sie sich der Hilfe der Männer vom zuständigen Dezernat (Fachbereich Ordnung und Sicherheit) gewiss sein. Statt der besorgten Einwohnerin, wie vielleicht früher, zu empfehlen, etwas Honig in warme Milch zu geben um sich dann sich schlafen zu legen, brach die bereitstehende Feuerwehr unverzüglich auf, um des Nachts Katzen aus Bäumen zu retten, also Schlimmstes zu verhindern.

Man achte auf den Poller. Er wird umfahren!

Das freilich sollte sich schwerer gestalten, als zunächst vermutet. Augenscheinlich bedurfte es schon gewaltiger Fahrkenntnisse, um im nächtlichen Einsatz das Fahrzeug mit seiner Drehleiter (DLK 23/12) am engen Jesuitenplatz so zu manövrieren, ohne dass man die sandsteinernen Poller, die den Brunnen schützen, umfährt. Weiter galt es, die ausgefahrene Drehleiter so zu platzieren, dass die Leiter in vollausgefahrenem Zustand zumindest in die Nähe der bedauernswerten Geschöpfe kommt. Viel Lärm um nichts?

Noch zu weit links. Das Miauen kommt eher von rechts.

Das könnte man so sehen. Denn trotz sorgfältigsten Manövrierens und dem Einsatz eines mit krallenresistenten Handschuhen ausgestatteten Feuerwehrmannes, gelang es dann doch nicht, die Katzen zu fassen. Unter dem drohend wirkenden Einsatz angefahrenen Materials war es der Katzenfamilie anscheinend gelungen, sich dem Zugriff zu entziehen und sich aus dem Staub zu machen. Das muss man erwähnen, ohne es aber allzu tragisch zu nehmen.

Rückblickend darf man sagen: es ist noch einmal gut gegangen. Man mag den Aufwand vielleicht etwas unverhältnismäßig finden, so bleibt doch festzuhalten, dass er sich gelohnt hat.

Denn wie sollte die überaus löckchendekorierte Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur- und Tourismus GmbH, Nora Waggershausen, der Welt kommunizieren, dass die Stadt in Ihrer Pracht einzigartig sei, wenn sie Gefahr liefe, dass durchsickert, dass es hier  von Zeit zu Zeit Katzen hagelt?

 

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