Der Badenblogger » 9. Februar 2019

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Allgemein Kultur Malen & Schnitzen

Zeit der Häutung Teil 2

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Der junge PICASSO. Die Blaue und Rosa Periode.    In der FONDATION BEYELER in Riehen

© RMN-Grand Palais (Musée de l’Orangerie) / Hervé Lewandowski

Doch ein Leben in fortwährender Armut ist auf die Dauer nichts für den Künstler Picasso.

Der Kunsthändler Ambroise Vollard hatte von ihm 20 Bilder für 2000 Francs erworben. Dies entspricht einem heutigen Wert von ca € 8000. Immerhin war er damit seine finanziellen Probleme für’s erste los. Nach diesem Abschnitt, auch die ‚Rosa Periode’ genannt, tritt der Maler, nicht zuletzt unter dem Einfluss der Bilder Gaugins, in eine dritte, die sogenannte ‚primitivistische’ Periode ein. Plötzlich tauchen imposante, weibliche Akte auf. Wir erleben in den Bildern massige Körper, klare Einfachheit. Wir erkennen Einflüsse afrikanischer und ozeanischer Kunst. All das wird kurz darauf in den Kubismus münden, dessen Meisterwerk „Les demoiselles d’Avignon“ sich in den in Basel präsentieren Skizzen und Bildern bereits ankündigt.

© 2017, Succession Picasso/ProLitteris, Zürich Foto: Robert Bayer, Basel

Dass sich die Bedeutung der Kunst nicht ausschließlich im Bild abzeichnet, ist so wahr wie banal. Und doch sollte man, um die Bedeutung des Gezeigten zu untermalen, auch über Geld sprechen. Die Fondation Beyeler selbst verfügt über einen bedeutenden Bestand von 33 Picasso Gemälden. Hinzu gekommen sind für diese Ausstellung jetzt 75 Leihgaben aus den großen Musen der Welt, an vorderster Stelle das ‚Musee d’Orsay’ und die ‚l’Orangerie’ in Paris. Weiter das ‚Metropolitan Museum’ in New York. Daneben unzählige andere Museen und private Leihgeber weltweit. Diese Bilder müssen versichert werden, und so spricht man von einer gigantischen Versicherungssumme von 4 Milliarden Franken, die für das Durchführen dieser Schau unerlässlich war.

Doch sollte man sich von den Summen nicht erschlagen lassen. Noch beeindruckender ist für den Betrachter die schier überwältigende Masse und Pracht des Gezeigten. Fast ungläubig sieht man dem Maler Picasso dabei zu, wie er, gleich einer Schlange, sich „häutet“, wie er innerhalb kürzester Zeit seine Malerei und deren Stil revolutionär verändert. Man wird Zeuge einer Explosion, wie wir sie viel später und auf einem gänzlich anderen künstlerischen Feld, z.B. auch von den Beatles erleben. Es war an ihnen, binnen acht Jahren die Popmusik zu revolutionieren. Man mag uns den Vergleich verzeihen…

© 2017. The Metropolitan Museum of Art / Art Resource / Scala, Florenz

Dabei erleben wir beispielhaft in Picassos Biografie aber auch in den gezeigten Bildern, wie rücksichtslos Künstler sein können, vielleicht aber auch sein müssen. Immer wieder lässt Picasso alles Gestrige hinter sich. Malstil, Frauen, Freunde, Galeristen und Orte. Angefangen hatte alles in Barcelona. Der Weg hatte ihn zunächst über Madrid nach Paris geführt. Und dann, erst viel später – es muss so um die 1944 gewesen sein –, kehrt er ein letztes Mal mit seiner neuen Liebe, Francoise Gilot, an die Stätte seines frühen Schaffens zurück. Er hatte sich gehäutet und das Bateau Lavoire hinter sich gelassen. Und es sollte ausgerechnet Francoise Gilot sein, die ihn, Picasso, dereinst selbst hinter sich lassen würde. Auch sie hatte sich gehäutet.

So erzählt die Ausstellung in Riehen in wunderbarer Weise von Beidem. Vom Kommen und Gehen. Vom Vergangenen und der Zukunft. Für Beides steht Picasso gleichermassen.

 

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