Der Badenblogger » 29. August 2018

Daily Archives: 29. August 2018

Allgemein Gastbeiträge Menschen Stadtstreicher

Speckröllchen

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Bald ist der Sommer vorbei. Eine kleine Nachbetrachtung aus gegebenem Anlass

Eigentlich wäre ja genug Zeit gewesen, den unerfreulichen optischen Begleiterscheinungen heißer Sommertage vorzubeugen: „In acht Wochen zur Bikinifigur“ versprach eine große Fitnessstudiokette schon vor Ostern. Um zwei bis drei Kleidergrößen sollten die Konsumenten eines Diätdrinks in nur drei Wochen schrumpfen, Pillen, Salben und kleine Wundergeräte Cellulite, Schwangerschaftsstreifen, Klumpvenen, Haarwuchs in intimen Körperbereichen und andere Mängel beseitigen. Entweder wirken sie nicht, oder die aufgeklärten Verbraucher/innen verweigerten sich den Sirenenklängen der Werbung. Was sich derzeit in Strandkleidung in der Stadt tummelt, grenzt schon an optische Umweltverschmutzung: Miniröckchen legen gnadenlos frei, was lange Hosen sonst verbergen, BH-Träger lugen neckisch unter knappen Tops hervor, die verbrannte Haut ebenso wie bleiche Bauchpartien freigeben. Männerbeine zwischen 
Hosenbein (kurz) und Socke samt Sandale lassen schon seit Jahrzehnten Stilgurus schaudern.

Im grellen Sonnenlicht nimmt das Auge offenbar das eigene Spiegelbild nicht mehr korrekt wahr – wer würde sich sonst jenseits der Teenie-Jahre samt entsprechender Figur freiwillig in engen Shorts und Spaghetti-Trägerhemdchen in die Fußgängerzone begeben? Es ist ja nun wirklich nicht so, dass es bei Hitzegraden keine tragbaren Alternativen zum Strandlook gäbe: Gerade in diesem Sommer wimmelt es in den Geschäften nur so von  Sommerkleidern mit dekorativen Blütenmustern, deren lange Röcke kühlend um die Beine fächeln, üppig bestickten Tunikas, die schmeichelnd über Rundungen hinwegtäuschen, und witzigen kleinen Boleros, die Winkeärmchen und Sonnenplissee tarnen.

Ein bisschen Verhüllung trägt übrigens auch zur Kühlung bei – frau muss ja nicht gleich in das andere unschöne Extrem der Ganzkörperkondome arabischer Bauart verfallen.

 

Allgemein Auswärts Essen & Trinken

Bewegung im Ruhestand Teil 1

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Endlich daheim! Zu Gast in der Pfalz  

Dort, am südlichsten Zipfel der lieblichen Pfalz, liegt das kleine Winzerdorf Schweigen – Rechenbach, dort, wo die ‚Deutsche Weinstraße’ ihren Anfang nimmt.

Eigentlich sollte dieser ca 100 Km langen, nach Norden sich hinziehenden Landstrich  ‚Pfälzer Weinstraße‘ heißen, doch wer im mächtigen Schatten des 1937 von den Nazis erbauten protzigen Weintors steht, ahnt, warum aus einem gemütlichen ‚Pfälzer Weintor‘ ein monumentales ‚Deutsches Weintor‘ und dann folgerichtig aus einer ‚Pfälzer Weinstrasse’ eine ‚Deutsche Weinstraße’ wurde.

Wer sich heute hier als Besucher einfindet, wird sich daran nicht stören. Der Sommer liegt heiß über der 1500 Einwohner  Gemeinde. Noch zirpen hier überall die Grillen. Aus der Ferne hört man die Stimmen der Veranstaltung „Chor am Tor“. Tritt man näher, entdeckt man eine singende Gemeinschaft vorwiegend mittleren Alters, die sich, geschmückt mit regenbogenfarbenen Schals, der Pflege multiethnischen Liedgutes verschrieben hat.

Nicht weit davon, mitten im Zentrum des Ortes und im Schatten der kleinen mittelalterlichen Kirche, liegt  fast versteckt, ein Weingut mit seiner Weinwirtschaft, dessen gastronomisches Angebot den geschmacklichen Vorlieben der durstig-fröhlichen Rentnerschar umfassend Rechnung trägt. Es ist eine Gemütlichkeitslandschaft, dekoriert mit vielen üppigen Sträuchern, bunten Blumenkübeln und heimelig dekorierten Winkeln.  

Denn unter den vielen schönen Dingen, die das Leben eines Ruheständlers so recht lebenswert machen, ist nicht das Unwichtigste, dass der Rentner sich seines Lebens freut,  wozu halt auch gehört, dass er sich in seiner Weinwirtschaft wohl fühlt. Freilich braucht es dazu gewisse Voraussetzungen. Zunächst sollte es dort ruhig und schattig sein. Dann die Sitzgelegenheit! Hier wäre eine gewisse Stabilität wünschenswert. Die Breite der Sitzfläche sollte kundengerecht bemessen sein. Auch nicht schlecht, bietet die Armlehne situationsbedingt Halt. Kleine, in lustigen Farben gehaltene Sitzkissen, könnten das Ganze farblich auflockern. Verständlich, dass in einem solchen Umfeld eine etwas festere Figur kein Thema einer nachhaltigen Erörterung ist. Allenfalls leitet sich daraus eine Daseinsberechtigung für Sitzzuteilung ab.

Und dann erst die Weine!

Trocken sollten sie sein, aber auch wieder nicht zu trocken. Nur wenige greifen in diesen Tagen zu einem Riesling, der in der Karte ausdrücklich als ‚forzdrogge‘ ausgewiesen ist. Sowas muss man mögen. Davon nimmt unser Gast aber gern Abstand, denn ist der zu Wein trocken, bekommt er ihm nicht. Dann kann es passieren, dass die ‚Mamma‘ am nächsten Morgen sagt, „d’r Babba hätt nachts gedampft“.  

Ansonsten ist das dort Gebotene fein auf die Bedürfnisse der Zecher abgestimmt. Der Wirt kennt die Seinen. Er weiß: solang der männliche Gast, auch schon mal ‚Babba‘ genannt, gut sitzt, ist alles in Ordnung. Hauptsache, dass er die ‚Mamma‘ neben sich und einen Schoppen Wein vor sich hat. Schweigen-Rechtenbach ist ein Rentnerparadies. Verständlich, dass man auch an die denkt, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. In unmittelbarer Nachbarschaft zum elsässischen Wissembourg liegend, verkehrt zwischen den Ortschaften ein ‚Grenzland-Bähnchen‘, das kundengerecht über „60 Sitzplätze mit Rollstuhlabteil“ verfügt.

Dies also ist die Landschaft, in der sich befreit auftrinken lässt…

Teil 2 demnächst. Hier!

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